Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-03-05 · Heft 10 (5.3.1925) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 10 (5.3.1925)
Date
1925-03-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450347--71983-2529315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

•’"":*' fl.#--?" 5. März 1925 Der Israelit Nr. 10 Sette 3 in Erfüllung gegangen. Man mag über Zionismus denken, wie man will, den Tatsachen gegenüber darf man nicht blind sein. Das wunderbare Zusammenwirken der Umstände bedeutet sogar die Sanktion der Vorsehung. Diese anmutende Feststellung ist sehr beachtenswert. Besonders auch für jene Kreise, die etwa geneigt wären, die Wertung des jüdischen Nationalheims noch immer nicht mit historischem Tiefsinn als reale Wirklichkeit zu begreifen, Im weiteren Verlaufe der historisch-kritisch abwägenden Ausführungen werden folgende Hauptprobleme eingehend gewürdigt. Die Organisation des Nationalheims auf unheiliger Basis. Der Gemeindegesetz-Entwurf des jüdischen Nationalrats, ein kirchenpolitisches Instrument, zur zionistischen Monopolisierung der altjüdischen Kehila. Gewissensbedrückung mit Staatsgewalt unter zionistischer Kehila-Diktatur. Ungeheure Schuld der Zionistenführer, die durch die Kehila aus dem nationalen Heim ein zionistisches Heim machen wollen. Zionismus, will die Verweltlichung der jüdischen Nation, die Verweltlichung der alten Kehila. Aufruhr der Thoratreuen im Zentrum des nationalen Heims . Das nationale Gottesrecht umfaßt auch das gesamte nationale und politische Sein der Nation. Gott ist der „Raum" der jüdischen Nation. Die Führer der Thoratreuen, im Kampfe gegen zionistische Parteiherrschaft in der Kehila. In diesen Partien zeichnet Breuer auch das lebendige, geistige Porträt von zwei bekannten und anerkannten Thoragrößen in Jerusalem, der Oberrabbiner Diskin und Sonnenfeld. Wir finden da eine ergreifende Schilderung dieser Geistesfürsten, in ihrer Bescheidenheit, Bedürfnislosigkeit, Uneigennützigkeit und Friedfertigkeit, die in ihrer Seelenstärke jedoch zu Kämpfern von Riesenkraft sich verwandelten, als zionistischer Nationalismus die Thora selber in ihren Machtbereich zwingen wollte. Im zionistischen Nationalismus, entblößt von dem Lehrinhalt der Thora,/erblickten sie eine unsäglich gefahrvolle nationale Reformbewegung, eine ungeheure Fälschung des historischen Judentums. Im Lande des neuen Nationalheims, das für sie nie ausgehört hatte, nationales Heim zu sein, gründeten sie aufs neue die alte Nationalgemeinde Gottes, die alte jüdische Kehila. Diese Charakterschilderung zu lesen, — ausgehend von Matitjahu, dem Hohepriester — ist ein ideeller Hochgenuß. Man gewinnt eine Ahnung von jüdischer Seelengröße, von jüdischer Gesinnungsfestigkeit. Man fühlt sich in graue Zeiten versetzt, von den historischen Gestalten der jüdischen Nation gehoben und getragen. Und das Verhalten des Hochkommissars? Mit meisterhaftem Griffel unternimmt es Breuer, uns ein Charakterbild von Sir Herbert Samuel zu zeichnen, durch welches wir tieferen Einblick in die Gedankengänge dieser ragenden Persönlichkeit gewinnen und ein klares Urteil über Ursachen und Wirkungen, aus den inneren Notwendigkeiten heraus, uns bilden können. Er schildert den Hochkommissar als englischen Staatsmann, als klugen Politiker, als vornehme Persönlichkeit, als weise und gerecht. Er schildert ihn auch als selbstbewußten Juden, als englischen Juden, frei von charakterlosem Assimilantentum, der gerne und willig der Thora Ehre und Achtung bekundet. In dieser Beziehung hat er es bei jeder Gelegenheit nobler, taktvoller und jüdischer gemacht, als manche Zionistenführer es zu tun pflegen. Die undeutliche Fassung der Balfourdeklaration, die arabische Beunruhigung, die zionistischen Aspirationen, die billigerweise gestillt werden sollten, die Vermeidung von internationalen Verwickelungen: den höchsten verantwortlichen Würdenträger — Engländer und Jude— mahnte das alles zu größter Vor- und Umsicht. Hierzu kommt — und das ist wohl die Hauptsache —, daß weder den Großmächten, noch England und seinem hohen Mandatar, die wahre Wesensart der historischen jüdischen Nation bekannt war. Die zionistischen Führer hißten im Ausland die neutrale Flagge und sorgten dafür, daß das Geheimnis von der jüdischen Wesensart der jüdischen Nation nur in ihrem Sinne verraten werde. Sir Herbert fehlte auch der richtige Maßstab für jüdische Jnnenverhältnisse. In kultueller Hinsicht waren ihm bloß die Verhältnisse der eingesessenen Juden Englands aus eigener Lebenserfahrung bekannt. Die nach Jerusalem versprengten Gemeindegruppen, deren Gesamtheit bis in die jüngste Zeit von Männern, wie Oberrabbiner Auerbach, Rabbi Josua Löb Diskin, Rabbi Schmuel Salant und Rabbi Chaim Berlin, geführt wurde, hatten in Bezug auf Kehilafragen Traditionen, die möglicherweise dem sorgerfüllten Staatsmann nicht zum vollen Bewußtsein gelangt sind, die aber kein jüdischer Nationalrat ignorieren durfte. Bereits vier Jahre tobt ein religiöser Kulturkampf in Jerusalem, ein Kampf, der in zivilisierten Staaten im großen Ganzen längst überwunden ist. Bald nach dem Einzuge der Engländer in Jerusalem konstituierte sich in Palästina ein jüdischer Nationalrat als präsumtive höchste Instanz des neuen Nationalheims. Diese selbstgebildete Körperschaft hatte schon damals einen Kehila-Organisationsentwurf ausgearbeitet und ihn später zwecks Sanktionierung der Mandatsregierung unterbreitet. Zur Ehre des Hochkommissars und der englischen Regierung sei es.festgestellt, was bisher kaum bekannt war, daß infolge von Einsprache seitens der Thora-! treuen, deren Vertreter im Sommer 1922 beim Hochkommissar in London vorstellig wurden, das Kolonialamt grundsätzlich ausgesprochen hat, daß die Anerkennung des Nationalrats und der so geformten Kehila als „juristische Person" und als Folge davon, die Berechtigung einer Zwangsbesteuerung, abgelehnt werden müsse, weil man nicht Mitglieder einer Kehila verhalten kann, gegen ihren Willen eine Steuer zu zahlen, wie man zur Zahlung von städtischen Steuern verhalten kann. Auch wenn man diese Mitglieder nicht förmlich zwingen würde, sich der Gemeinde anzuschließen, bestände doch ein Art öffentlicher, moralischer Druck, dieser Gemeinde beizutreten. Das war der Standpunkt des Hochkommissars im Sommer 1922. Der Nationalrat hat dieser Belehrung über Gewissenszwang nicht beigepflichtet, sondern in immer neuen Vorstellungen die Sanktionierung seines ominösen Entwurfes, in welchem ein gekünsteltem Durcheinander zwischen Religiösem und Weltlichem die Hauptrolle spielt, bei der Mandatsregierung leidenschaftlich urgiert. Sollten der Hochkommissar und das Kolonialamt den Standpunkt von 1922 aufgeben wollen? Sollten sie nicht mehr gewillt sein, die jüdische Nation vor zionistischer Kehila-Vergewaltigung zu schützen? Das kann keinem einleuchten, dem die Traditionen Englands in punkto religiöser Gewissensfreiheit bekannt sind. Mit logischer Schärfe, wenn auch mit bitterer Ironie, weist Breuer nach, daß der zionistische Entwurf nur eine zionistische Ideologie kennt, durch die nicht nur die Thoratreuen in Palästina, sondern auch Millionen Juden der Diaspora vor dem Staat des Landes ihrer Väter ohne Religion, ohne Nation stehen: ausgestoßene Verräter. Die jüdische Volksseele, das Seelenleben des jüdischen Volkes, wird über diesen Treubruch niemals zur Tagesordnung übergehen können. Breuer hat seiner Schrift auch den Entwurf für die Organisation der thoratreuen jüdischen Nation beigefügt und zeichnet einen gangbaren Weg, wie die gerechte Lösung des Problems des nationalen Heims gefunden werden kann. Die thoratreue Nation ist keine Gegnerin der Einheit. Unter Vermeidung jeder Art.von Gewissensbedrückung kann in Ort und Land die Einheit der palästinensischen Juden in allen politischen und administrativen Angelegenheiten, gegenüber dem palästinensischen Staat und gegenüber dem Arabertum, durchaus hergestellt werden. Es erscheint auch völlig ausgeschlossen, daß die englische Negierung den zionistischen Entwurf, mit seiner fingierten Gewalteinheit, als jüdisches Kehilagesetz bestätigen könnte. Es kann der Mandatsregierung nicht zugemutet werden, daß sie, dem jüdischen Volke eine Umwertung Verdient ein Volk nicht Rettung und Erlösung, das auch in der Stunde der Not nicht sein Lehrhaus veröden läßt? Als ob dieses Midraschwort für uns geschrieben wäre, mahnt es unser Geschlecht, alles nur unter dem einen Gesichtswinkel zu sehen, n-nnn T-,P nn.-* daß überall dem Sinaierbe, unserer Thora, das volle Recht werde. Alles ist jüdisch und soll zur Auswirkung gelangen, was im Lichte unserer min bestehen kann und für sie werbend wirkt. Das bleibt uns der Gradmesser und Prüfstein für alle jüdischen Probleme unserer Zeit. Mögen wir diese Purimmahnung beherzigen, damit sie uns des großen Segens würdig erachte, wie er uns verheißen wird: np.'i nrrwi mi\- nn'n n'-irm „den Juden ward Licht und Wonne und Freude und . Würde." Literarische Notizen zu nnvrr Von Rabbiner Ar. Winllker in Kopenhagen. I. Megillas Ester ist das einzige unter den 2a Büchern der Heiligen Schrift, in welchem der Name Gotres nicht vorkommt. Tiefe auffallende Erscheinung erkläre ich mir damit, daß auch rmri die einzige Sidra (von maw an) ist. in welcher der Name von Mosche Rabenu fehlt. (Dgl. m, Anm. zu ,21871 'S in dieser Zig v. vorigen Jahre), rnxn wird aber in der Regel unmittelbar vor D'mD gelesen. Wohl als Genug tuug für Moses, der seinen Namen hatte streichen lassen, ließ Haschem boruch hu auch Seinen heil. Namen in der Megillo von onis aus* fallen. Vielleicht hängt auch damit zusammen, was unsere Weisen Ok v"’ rft’a») sagen: n"nn zeigte Moses Mikro Meaillo an. Das Wort ninr\ hat übrigens den gleichen Zahlwert von 2iiN bezw. -ono ynn. II. 1. 8: w'XI V’X 71822 niBWV — *70’ 72 ’2 ..Dann also batte der König verordnet — „zu tun nach dem Willen eines Jeden". — hierzu bemerkt der Midrasch-' .Der Heilige, gelobt sei Er, sagte darauf: Ich, der Allmächtige. stelle nicht alle Meine Geschöpfe zufrieden, und du wolltest es fertig bringen, eines Jeden Wunsch zu erfüllen?! — Zwei Männer werben um dieselbe Frau, — kann sie etwa beiden zugleich angehören? Zwei Schiffe verlassen segelnd den Hasen, das eine mit dem Ziel nach Nord, das andere mit dem nach Süd.— kann der Wind beiden gleichzeitig nach Wunsch weben? Oder wenn der Streit zweier Parteien Deinem Urteil unterliegt. — wirst du da beider Verlangen Nachkommen? Wirst du nicht vielmehr die eine begünstigen und die andere an den Galgen bringen?" — Diele letzte Anspielung erinnert an die Auffassung des Talmuds, wonach ty’K 71822 niVv^ auf Mordeckiai /Jfch jsbudi) un d H am an (Jsch zar weojew) sich beziehe On 2"’ nVia)- Und — welche Mevkwürdiakeit! Eben diese Auffassung, wie wundervoll begründet ist sie! Das Wort nwvb »zu tun", kommt nämlich zehn Mol in der Alegillo vor und davon sieht es zur einen Hälfte (also 5 Mal: Ester 6, 6 a und b, 11. 13. 22, 23) w’K ]1822 i m SinneMordechais und zur anderen Hälfte (das. 1. 8. 15 vgl. fvn ,27 s21vv: 3, li, 5, 5; 7, 5) j Ttnio im Sinne Hamans. Dgl. 122 .2X2» 5HP.2 ffion ÜV. von dessen Gruppierung ich in zwei Punkten abweiche. IN. 2, 9: 'ip nman nxi .Und die sieben Jungfrauen". Talmud (das. 13a): ..Jedevon ihnen hatte an einem bestimmten Tage der Woche Dienstauf diese Weise konnte Ester immer wissen, welcher Tag war" - Wie aber diese Jungfrauen hießen oder aenännt wurden, weiß der Targum anzugeben: Am Sonntag fungierte xn'nn, gewiß von l?in „Werktag" hergeleitet. „ Montag-xri’vpll, von v’j?2 -Wölbung", am Montag geschaffen. .. Diestag-xn’ym Garten tnnn) ä"’ '’rt nach Gen. 1, 11. „ Wttttmoct) rm'21.21 von «21.22 Licht". Das. t, 14. „ Donnerstag X7i’tpw22 n Gewimmel. Dos. 1, 20. .. Freitag xri’oiin, bängt entweder mit xv’2N „klug" oder rrni2'2N ..Jugendzeit^ . oder auch mit NL12N -zur Ebe bestimmt", zusammen, jedenfalls auf den am Freitag geschaffenen Menschen, bezüglich. .. Schabbos xn’snn — .Ruhe". Zmn Wochcnabschnitt mxrv Von Rabbiner Dr. Felix Kanker in Zwikkau (Mähren). In diesem Wochenabschnitt werden die a-wni a-nix genau und ausführlich beschrieben. Der Gebrauch derselben ist im Talinud Babli Traktat Joma (Z. b u. Z. 3a u. b.) angegeben (vergl. auch rizn zu unserem Wochenabj schnitt). In Kürze sei nur so viel bemerkt, daß der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.