Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1925)
- Date
- 1925-02-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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26. Februar 1925 Zeitschrift für den Aufbau von Erez Jisroel im Geiste, der Thora. Die im „Hermon "-Verlag erscheinende Zeitschrift enthält auf 32 Seiten Großguartformat einen deutschen und hebräischen Teil, der wirtschaftliche, kulturelle und politische Erez Jisroelprobleme' behandelt. Die Namen der Mitarbeiter (Moses Auerbach, Jfaac Breuer, Rabbiner Faivelsohn, Rabbiner Horovicz, Rabbiner Klein, Davis Trietsch, Robert Weiß u. a. m.) bürgen für die Gediegenheit des vielseitigen Inhalts. Es wird wohl kaum einen Agudisten geben, dem schon diese erste Nummer nicht eine Reihe wertvoller neuer Anregungen bringt. Bei der leider gerade in orthodoxen Kreisen Deutschlands noch vielfach vorhandenen Unkenntnis der positiven Arbeiten der Agudas Jisroel in Erez Jisroel, sei es auf dem Gebiete der Wirtschaft wie aus dem Gebiete des Schulwesens oder der politischen Tätigkeit sollte die neue Zeitschrift in jedem agudistischen Hause gelesen werden (vierteljährlicher Bezugspreis 2,80 M.). Bestellungen sind an die Palästina-Centrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31 oder an den „Hermon "-Verlag, Frankfurt a. M., Schützenstraße 12, zu richten. Selbstbcstcuerttttg. Das Keren Hatau^oh-Kommissariat Frankfurt a. M. veröffentlicht folgenden Ausruf: Vor kurzem tagte in Hamburg die Vollversammlung des deutschen Keren Hathora unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer. Die jüdische Presse brachte ausführliche Referate über diese für das religiöse Judentum äußerst wichtige Tagung. Einig waren alle Teilnehmer, daß es die erste vornehmste Aufgabe des deutschen Keren Hathora fein muß, in der heutigen Zeit, in welcher die Irreligiosität leider immer weiter um sich greift, unsere Heranwachsende Jugend mit echt jüdischem Geiste zu erfüllen, um sie gegen alle aus der Umwelt auf sie einstürmenden, schädigenden Einflüsse widerstandsfähig zu machen und sie in ihrem religiösen Bewußtsein zu stärken und zu befestigen. Dies hohe Ziel kann aber nur dann erreicht werden, wenn unsere Jugend, unser kostbarstes Gut, die Schätze und Lehren unserer heiligen Thora viel intensiver wie - dies bisher der Fall ist, in sich ausgenommen hat. Die derzeitige allgemene Lehroerfassung in den allgemeinen Schulen beschränkt den jüdischen Religionsunterricht immer mehr. Sogar in speziell jüdischen Schulen ist derselbe auf Anordnung der Behörden auf das Aeußerste eingeschränkt. Die geistige Not auf hem Lande hat bereits derartige Dimensionen angenommen, daß damit zu rechnen ist, daß dort die jungen Leute dem religiösen Judentum imnrer mehr verloren gehen. In Würdigung dieser leider pur allzu wahren Tatsachen hat das Plenum des Keren Hathora in Hamburg folgende Aufgaben sich selbst auferlegt. In erster Linie soll die geistige Nyt auf dem Lande und in den kleineren Städten behoben werden, — eine Aufgabe, die erhebliche Mittel erfordert. Wir erwähnen hier nur, daß es leider in Deutschland viele jüdische Kinder aibt? die' ohne jeden Religionsunterricht aufwachfen. Besonders in lebrerlofen Gemeinden soll diese Frage in umfassendster Weise in die Hand genommen und geregelt werden. Es gilt, jede einzelne Seele, die auf dem Lande zurückbleibt, Kinder und Erwachsene, für Thoralehre zu retten, dafür zu sorgen — es ist nur und lediglich eine Geldfrage — daß wenigstens kein Kind ganz ohne Einführung in die lebendige Thora, kein Erwachsener Monate und Jahre lang ohne das belehrende, mahnende und belebende Wort der jüdischen Wahrheit bleibe. f Aber auch in den größeren Städten ist vieles zu pflanzen und zu fördern. Hier muffen geeignete Institutionell ins Leben gerufen werden, um die Ideen des thoratreuen Judentums in immer weitere Kreise zu tragen und diese allmählich für den Thorageist zu gewinnen. Auch die Verbreitung geeigneter Literatur auf dem Lande müßte in weitestem Umfange bewerkstelligt und finanzilrt werden. Zur Durchführung aller für die Erhaltung des Judentums so wichtigen Aufgaben bedarf es bedeutender Geldmittel. Nicht die Schultern Einzelner, sondern die große Masse muß sich an dieser Rettungsarbeit beteiligen. Für alle diejenigen, die imstande und willens sind, dem Werke ihre materielle Hilfe nicht zu versagen, gibt es sicher kein beglückenderes Bewußtsein als der Gedanke an dieser hehren Ausgabe des Wiederaufbaues tätig Mitwirken zu dürfen Um nun allen unseren Brüdern und Schwestern hierzu Gelegenheit zu geben, hat der deutsche Keren Hathorah die Einrichtung der täglichen Selbstbesteuerung ins Leben gerast n. Jeder Jude, jede Jüdin . soll nach Möglichkeit einen tägl-chen Betrag von möglichst nicht unter 10 Pf. bestimmen, der wöchentlich erhoben wird. Es sollte kein religiös denkender Jude, keine glaubenstreue Jüdin in den Reihen der Tagesfpender fehlen. Dann wird das Ziel, das wir uns gesteckt haben, in nicht allzu ferner Zeit mit Gottes Hilfe erreicht werden. D e r I s r a e r r t Blätter DieBczirkstliguug der Agudas Jisro l - Organisation im Emsland am 8. Februar 1925 — 14. Schwat 5685. Ein voller Erfolg für die Idee der Agudah war die Tagung der Agudas Jisroel Jugendorganisation des Bezirks Emsland, die am 8. Februar in Lathen an der Ems stattfand. Den Anfang dieser von wahrem Geist des Judentums beseelten Tagung, zu der ca. 150 Personell aus den Emsgemeinden Lingen, Meppen, Lathen, Dörpen, Harer, Paxunburg, Sögel und Werlte erschienen waren, bildete ein Prolog, gesprochen von unserer Jüngsten einer — von Elise Frank, Lathen. Sie war es, die mit ihrer jugendlichen Stimme allen Festteilnehmern das vorauskündete, was das Thema des ganzen Tages werden sollte. — Herr Lehrer Klein-Norden sang darauf jenen schönen jüdischen Friedensgruß-Scholaum raw l'auhawee thaurohsiechoh. — Der Vorsitzende der Tagung, Herr Vezirksfekretär S. Boley-Emden, eröffnete sodann die eigentliche Tagung, der Versammlung nahelegend, das „Esch daß", dessen lodernde Flamme hier in , Emslands Bezirken nie aufgehört hat zu leuchten, auch in Zukunft mächtig flammen zu lassen und insbesondere ' die Jugend ermahnend, treu an der Väter Ueberlieserung zu halten. Herr Landrabbiner Blum-Emden begrüßt sodann seinerseits die Versammlung, der Freude Ausdruck gebend, daß so viele hier erschienen sind, die fern jeder Politik, wieder aufbauen und weiter bauen wollen an dem, was wirklich Judentum ist, das Judentum der , Thorah, das ja G. f. D. in unfern Landen niemals ganz aufgehört hatte. — Als ein Mann, der ganz mit den Verhältnissen unserer Kleingemeinden vertraut ist, erhält sodann. Herr Lehrer Klein-Norden das Wort zu seinem Referat „Fundament und Aufbau". Anhand der gestrigen Sidrah vergleicht der Redner die damalige Lage unseres Volkes mit der unserer heutigen Gemeinden. Wie damals das soeben zum Volke gewordene Israel nur vom Gottvertrauen beseelt, die Gründungs- und Änfangsfchwiörigkeiten überwinden konnte, indem es eben zunächst einige Prüfungen durchmachen mußte, ibm harte Entbehrungen durch eine lange, schwere WüstenwanderuNg auferlegt wurden, so müssen auch heute unsere jüdischen Gemeinden, um wieder aufzubauen, zunächst mal Opfer bringen und wenn man glaubt, heute gar zu schwere Zeiten zu haben, gibt der Redner einen Rückblick auf vor 50 Jahren und noch früher, wie es da in unseren Gemeinden aussah und däMit war Herr Klein schon' mitten in seinem Th^ma, indem er, auf diese Zeiten hinweisend, den andächtig zuhörenden Versammlungsteilnehmern das alte echt jüdische Wiederaufbaurezept zurief: binurenu u'wiskenenu nelech. Als ein Mann der Praxis kennzeichnet Herr Klein an vielen Einzelheiten den Weg, den wir nunmehr zum Aufbau einschlagen müssen und, um von vielen ein Beispiel herauszugreifen, was wohl das Wichtigste sein dürfte, wollen wir ein gesundes Kernjudentum wieder schaffen, dann muß wieder wie früher, mit der frühesten Jugend im Elternhaus angefangen werden — das jüdische Kind von Anfang an auf die Bahn seines jüdischen Pslichtenlebens zu lenken, muß wieder Aufgabe des Elternhauses werden, dann kann die Schule daran weiterbauen und hieraus ein wirkliches Judentum erziehen. Und gerade hier auf dem Lande, wo nicht überall ein Lehrer ist, hier muh das Elternhaus die gewissenhafte Erziehung des Kindes beginnen. Wird so von Grund aus gearbeitet, dann wird auch allmählich sich die Idee der Agudah, deren Ziel die Lösung der jeweiligen Fragen des Judentums im Sinne der Thorah ist, bahnbrechen und die Landgemeinden wieder wie in früheren Zeiten, das vom Thaurogeist gefüllte Reservoir der Sie? t sein. Großer Beifall folgte den Worten dieses allen von der Seele gesprochenen Referats, worauf sich eine lebhafte Debatte entspinnt, wo insbesondere Herr Karl Meyer-Sögel unter großer Zustimmung seitens der Zuhörer ausführt, wie notwendig es gerade in unseren Gemeinden ist, die Idee der Agudah — das ist die Idee der Thora — zu verwirklichen. Die ganze Diskussion hier wörtlich zu schildern, würde zu weit führen, doch besondere Erwähnung verdient ein warmer Apell des Herrn Samu el Jacobs-Sögel der der Versammlung an Hand seiner im Kriege gemachten Erfahrungen in beredten Worten vor Augen führte, ja an der Väter Erbe treu zu hatten. Welch herrliche Erholung war es doch — so führt der Redner aus, wenn man in Stunden höchster Gefahr aus einer vom Elternhause mitgenommenen Tefilloh aus Tehillim einige Psalmen sagen konnte, oder wenn draußen der Kampf tobte, man an die schönen trauten Freitagabende daheim denken konnte und besonders der treuen Gefallenen gedenkend, die in treuester ' Pflichterfüllung für Vaterland gefallen sind — zu deren ehrendes Gedenken sich die ganze Versammlung erhebt — fordert der Redner sämtliche Anwesende auf hochzuhalten und das zu fördern, was zu allen Zeiten Israels' kostbarstes Gut war. und den Bestand unseres Jahrtau-! sende überdauernden Volkes sicherte. — Zu den vielen ' kleinen Anfragen der Diskussion nimmt sodann Herr. Landrabbiner Blum das Wort, der in einer kurzen Rede 1 der Versammlung Ausschluß über Tages- und Zeitsragen! gab, über jüdisches Frauenrecht und Wahlrecht sprach; \ dann einige prinzipielle Fragen über Agudah und Ach-1 Nr. 5 Seite 3 duth streifend, legt Herr Landrabbiner. den Worten des Herrn Klein folgend, der Versammlung die große Wichtigkeit der frühzeitigen Einführung des jüdischen Kindes in die jüdischen Pflichtenlehren durch das Elternhaus sowohl, als auch durch die Schule. Das und manche praktischen Vorschläge, wie man wohl am besten eine wirklich durchgreifende Reorganisation unserer jüdischen Erziehungsmethoden möglich macht, kennzeichnet Herr Landrabbiner seinen Zuhörern. Nachdem dann seitens des Herrn Lehrer Klein-Norden der dringende Apell an die jungen Leute gerichtet wird, sich fortan wieder an die elementarsten Pflichten eines Jehudi zu gewöhnen, dann aber, und das galt besonders den jungen Männern, man sich bemühen solle, Chasones zu üben, um an den Feiertagen nach Ortschaften gehen zu können, wo kein Vorbeter ist, dort vorzubeten, die Megilloh zu leinen und dergl. schloß die Diskussion, um nach reichlicher geistiger Nahrung, sich an den Genüssen zu laben, wofür die Damen aus Sögel in so vortrefflicher Weise gesorgt hatten. Um 3 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Herr Boley die Versammlung wieder, Herrn Wolf S. Jacobson vom Keren Hathorah-Hamburg begrüßend, der inzwischen erschienen war und dem Herr Boley das Wort zu seinem Referat über Erziehungsideale erteilte. Noch von Leer her war dieser begeisternnde Redner allen Teilnehmern in warmer Erinnnerung und auch Herr Jacobson, seiner Freude Ausdruck gebend, daß hier wieder wie es in Juda seit jeher Sitte war, daß hier jung und alt erschienen waren, weiß auch diesmal seine Zuhörerschaft für das zu begeistern, was jüdisches Leben fein soll und sein wird. Hinweisend auf jenes beühmte Zitat der Pirke Owaus, wo Rabbi Jochanan den Sqckai feine Schüler nach dem richtigen Lebensweg fragt und ihm seine Schüler der Reihe nach antworten, mit dem guten Auge anfangend, bis der letzte das gute Herz, das alles überwiegende nennt, — und hiermit ist alles dokumentiert, was die Thora von uns verlangt, — unsere Herz-wahre Liebe zur Thorah muß wieder einkehren in unser aller Herzen, das wichtigste Streben des Judentums muß wieder ihr, nur ihr allein gelten, dann kann es auch nicht mehr Vorkommen, daß ein Jude nicht weiß, was er auf eine jüdische Frage zu antworten hat. Zu Herzen gehende Gedanken führt Herr Jacobson der Versammlung aus, die mit der Aufforderung enden, fürder sich wieder ganz auf die Thora einzustellen — dem Keren Hathorah beizutreten, Ihn zu unterstützen in seinem großen Ausbau- Werke, daß wieder in der ganzen Welt hell aufstrahlo jenes Licht, das unserem Volke durch alle Finsternis hindurchgeleitet hat und voranleuchte — das ist unsere heilige Thora — denn für Sie, die Bewohner des Landes, so schloß der Redner, hat das jüdische Recht bebesondere Vorschriften erlassen — z. B. in Bezug aus Vorlesung der Megilloh und vieles mehr — weil s i e die Städte versorgen müssen, hat man erleichternde Bestimmungen getroffen. Denken Sie daran und sorgen auch Sie dafür, daß das Land die Städte versorgt, aber Nicht nur im Materiellen, sonderen vor allem, daß der große fruchtreiche Baum des Judentums im fruchtbaren Boden des Landes wieder aufblühe und wie früher seine Früchte in die Stadt schicke. — Nicht enden wollender Beifall folgte den Worten unseres Referenten und nach einer kurzen Pause ergreift Herr Lehrer Klein das Wort, die Worte des Herrn Jacobson bekräftigend, immer wieder auf die große Sache hinweisend, für die wir streben müssen und wieder Beispiele aus der Praxis bringend, wie wohl am besten dieses Ziel zu erreichen fei, die Eltern auffordernd, auf die unbedingte - Aufrechterhaltung des jüdischen Familien-Freitagabends Sorgfalt zu legen, auf die Mizwoh von Sukkor, Lulow und Ethrog hinweisend, die doch sicherlich am besten geeignet sind, das kindliche Herz für die große Sache des Judentums zu gewinnen. Sodann nimmt Herr Karl Meyer-Sögel das Wort, an die ganze Versammlung einen warmen Apell richtend, den heutigen Tag, der doch gezeigt habe, was Agudah und Keren Hathorah ist, nicht unverhallt in unseren Herzen bleiben zu lassen. Redner fordert die Versammlung auf, geschlossen der Agudas Jisroel Jugendorganisation beizutreten, für den Keren Hathorah zu arbeiten und schließend mit den Worten — laßt uns die Worte des Herrn Jacobson zum Ansporn sein, jüdische Jugend laßt uns treu. bleiben, der uns überlieferten Thora, ihr Eltern führt^uns zurück zu diesem köstlichen Gute, helft uns, daß wir Schritt für Schritt den Boden zurückgewinnen, auf den unsere Väter Jahrtausende geackert und auf dem auch wir nunmehr sortfahren wollen, für Thauro und Awaudoh. zu arbeiten und mit dem nochmaligen Wusnche, daß in Zukunft alles wieder so aufblühe wie früher, schließt Herr Meyer seinen von der ganzen Versammlung mit großem Beifall ausgenommen wordenen Appell. Rach einigen Bemerkungen des Herrn Jacobson und des Herrn Ländrabbiners, welch letzterer nochmals die ganze Versammlung ermahnt, den heutigen Tag nicht nur als einen Tag einmaliger Begeisterung oorüberziehen zu lassen, sondern nunmehr kraftvolle Thoraarbeit zu leisten, ergreift Herr Bezirkssekretär S. V o l e y das Wort zu seinem Schlußreserat. Zunächst all denjenigen Personen dankend, die es uns in so aufopferungsvoller Weise ermöglicht haben, die Tagung hier stattfinden lassen zu können, faßt Herr Boley all das Herrliche, was uns der heutige Tage brachte, dahin zusammen., daß der Erfolg des heutigen Tages derjenige sein möge, ihn auch fürderhin in seiner Eigenschaft als Bezirkssekretär der Agudas Jisroel Jugendorganisation seine Arbeit möglich zu machen, ihm zu helfen, seine oft schwierige Mission, auch.in Zukunft auf fruchtbaren Boden zu pflanzen und unser Emsland wieder wie früher, zu einem Gebiete werden zu lassen, wo jeder Jude Verständnis für die Thora hat und jedes Haus im Geiste der Thora geführt wird Inzwischen wär es Nacht ge-