Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1925)
- Date
- 1925-02-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 2 Nl. 5 26. Februar 1925 Sei üsiqeiii Blätter Abraham die Thauro, obgleich sie noch nicht gegeben war, in ihrem ganzen Umfange erleuchtete und in ihren speziellsten Bestimmungen schon kannte und erfüllte, das wissen wir ja auch aus der Ueberlieferung. Also auch hier wieder Thauro, die Kraft, die treibt, und dem von ihr Getriebenen Höheres und Letztes weist. Und wollen, wir loslösen Begriffe, die wir als Maßstab menschlichen Wertes und menschlicher Würdigkeit ansehen, von den beengenden Fesseln der Zeitlichkeit, so wollen wir uns dem Gedanken zuwenden, der die Sehnsucht unseres Herzens, der Mittelpunkt unseres Gebetes, das Ziel unserer geheimsten Hoffnungen und Gedanken ist: i^“Tpnn rrn pa dem Aufbau des jüdischen Heiligtums. Was auch die jüdische Vergangenheit mit ihrer Schwere, die jüdische Gegenwart mit ihren vielgestaltigen Sorgen zur Verkrustung unseres Herzens angehäuft haben mögen, das schwemmt weg der große Gedanke an die Zukunft, der eigentlich aller Gedanken Gedanke ist. Gottes Verheißung muh wahr werden, Prophetenmund kann nur einstige Gewißheit verheißen haben, Wahrheit und Gewißheit sind die Pole, zwischen denen sich die Welt unserer Gedanken um diese Zukunft bewegt: ai->pa "sN'a ma.'N naa 'K Gott erbaue, erbaue Dein Haus in Bälde. Der Aufbau des jüdischen Heiligtums, das ist das Erhabenste, über das wir denken, das Lieblichste, von dem wir träumen können: Das Heiligtum steht in seiner alten Schöne, ja noch schöner, wieder aufgebaut, und die täglichen Opfer werden wieder dargebracht, priesterlicher Dienst, levitischer Sang auf der einen, die Maamodaus als die Repräsentanten des übrigen Volkes auf der andern Seite, so sehen wir Zukunft, und es ist das schönste Gesicht, das wir schäum können. Und wieder sprechen wir: Soll dieses herrliche Bild in seiner Farbe blasser, dieses wunderbare Lied in seiner Klangfülle ärmer gemacht werden, wenn der Talmud kommt und spricht: (t"ü n*?’!») anpart wa pjaa anr n"n ü"o parr» nVan) p-nan mapna -irvprr'n schen Heiligtums? Größer ist Talmud Tauro als das Darbringen der täglichen Opfer? Nein, die Farben des Bildes werden lebendiger und blühender, die Töne des Liedes voller und klangreicher, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß Tauro, wie hoch eine Gedanke, wie gewaltig eine Sehnsucht, wie erhaben eine Vorstellung sein mag, mehr ist, immer noch mehr bleibt. Die Tauro ist das Siegel am göttlichen Finger, mit dem er die große Urkunde Seiner Weltenführung siegelt; dies Siegel aufgeprägt, gibt dem Aufbau des Heiligtums noch höheren Sinn, gibt dem Darbringen der Opfer noch höhere Weihe. Also, wenn wir es zusammenfaffen: Ob im Hause aus der Verehrung der Ettern die Dankbarkeitt blüht, ob im Kreise der menschlichen Gesellschaft aus dem Willen, Andere zu retten, andere zu formen, das höchste Verantwortlichkeitsgefühl für den Nächsten aufsteigt, ob aus dem innigen und liebenden Gedanken an den Aufbau des jüdischen Heiligtums auch für die Gegenwart schon der Wille an heiligem Aufbau des eigenen Ich und weiterer Menschenkreise Kraft schöpft, ob aus dem Zukunftsgesicht von dem Wiederdarbringen der täglichen Opfer, für die Gegenwart schon dem Einzelnen der Gedanke des Opferns und der Opferbereitschaft sich nahe bringt und in das Herz gräbt, immer und überall min TiaVn Vra steht Thora-Lernen darüber, weil die Tauroh die Kraft ist, aus der Alles flieht, weil, ohne gespeist von ihrem Strom, letzten Endes alles was fließt, im Sand der Ebene versiegen würde. Und in diesem Sinne sei die Deutung gestattet: mm maVn Die Thora steht Allem gegenüber. Sie ist der Spiegel, vor den wir alles tragen. Wirft der Spiegel uns ein reines, echtes Bild entgegen, dann ist das Ding recht, der Begriff gut, der Gedanke lauter, die Tat wohlgefällig. Sehen wir aus ihm ein verzerrtes, ein verkrümmtes Bild uns entgegentreten ,dann dürfen wir wissen. Plan und Handlung, Gedanke und Tat waren nicht das Rechte. Mehr braucht für diesmal nicht gesagt zu werden. Der Verständige begreift, daß, wenn es um die Stärkung.dieser Thora geht, nichts, aber auch nichts uns frei macht von der Pflicht des moralischen und materiellen Beitrages. Tie Landeskonferenz der Agnda in OstMlizicn. Sonntag, den 14. Schwat wurde die Landeskonferenz der ostgalizischen Organisation der Aguda eröffnet. Der Eröffnung ging ein Massenmeeting voran, an welchem Tausende von orthodoxen Juden teilnahmen. Das Meeting wurde vom Vorsitzenden der Landesorganisation Sejmdeputat Oberrabbiner Aron Lewin -Sambor, eröffnet, der über die ideelle Bedeutung der Aguda, über die Arbeit seit der Kenessto sprach. Seimdeputat Stempel-Krakau referierte über die politische Lage der Juden in Polen, Herr Dr. Leo Deutschländer-Wien sprach über Keren Hathora im allgemeinen, über das brennende Problem der Mädchenerziehung im besonderen. Rabbi Tobias Horowitz berichtete über die Erez Jisroel-Arbeit der Aguda. Nach Erstattung der Referate nahm das Massenmeeting eine Resolution an, welche in einem Treuegelöbnis für die Aguda gipfelte. In einer besonderen Resolution wurde dem orthodoxen Seimklub das Vertrauen votiert. Die sachlichen Beratungen der Konferenz, an welcher über hundert Delegierte teilnahmen, wurden 4 Uhr nachmittags eröffnet. Den Vorsitz führte Oberrabbiner Aron Lewin- Sambor. Das Lemberger Rabbinat war durch Oberrabbiner L. Brande, das Wiener Zentralbüro durch Rabbiner Tobias Horowitz und Dr. Leo Deutschländer, die Warschauer Zentrale der Aguda durch Senator Mendelsohn und Senator Deutscher, der orthodoxe Sejmklub durch Devutat Stempel vertreten,, die den Gruß der durch sie vertretenen Körperschaften in mit brausendem Beifall aufgenommenen Begrüßungsansprachen überbrachten. Ganz besonders begeisterte die Ansyracke des Herrn Oberrabbiners Bravde. Tiefen Eindruck auf die Versammlung machte auch die Rede des Senators Mendelsohn, welche »n Genesungsmüuschen für den kranken Deputierten Elias Kirschbraun ausklang. Herr Meir Wander erstattete den Geschäftsbericht der Lemberger Zentrale. Die Herren Halpern und Winkler berichteten über die Arbeit der Ze^rim. Herr Dr. Deutscküänder referierte über den Keren Hatbora, Herr Steiner-Przemnsl hielt ein Referat über dasselbe Thema. Ueber Erez Jisroel referierte der Leiter der Palästina-Zentrale für Ostaalizien, Doktor Venzion Feßler. Nach dem Referate des Herrn Rabbiners Tobias Horowitz über die Tätigkeit der politischen Leitung und der Wiener Zentrale begann die Generaldebatte. Als erster Redner trat Herr Utabbiuer Mafes Bloch ans Men auf. Er erklärte sich zu sofortiger Werbearbeit im Lande bereit, denn die ^"kk'sche Arbeit sei beute wichtiger als alle Reden/— Der Rabbiner von Skalad fordert die E'nsetzuna eines groben Aktionskomitees für Kereen Hathora nach dem Muster von Wilna. Während dieser Rede erschien Seimdeputat Oberrabbiner Schavira-Piotrkow, von den Delecäerten enthusiastisch begrüßt. Er hielt ein großes Referat über die Bedeutung der Lubliner Jefchiwah. Die Diskussion nach diesen Referaten dauerte den ganzen Nachmittag und Montag abend. Sie umfaßte sowobl das politische wie das Ebinuch- Gebiet. Der Wille, die begonnene wirtschaftliche Arbeit der Aguda in Erez Jisroel enerastch fortzusetzen, hat alle Diskussionsredner erfüllt. Besonders leidenschaftliche Debatten hat der Plan der organisatorischen Umgestaltung der ostgalizischen Landesorganisation hervorgerufen. Es hat sich nämlich als notwendig erwiesen, der Aguda in Polen eine einheitliche zentrale Leitung: zu geben. Es wurde nach heftigen Wechselreden mit Majorität beschlossen, sich der Warschauer- Landeszentrale zu unterstellen. Ostgalizien entsendet in die Warschauer Zentrale 3 Vertreter und in den Zentralrat 15 Vertreter. — Späh abends wurde diese historische Landeskonferenz unter stürmischer Sympathiekundgebung und Absingung von religiösen Liedern geschlossen. Die Konferenz bot ein ansehnliches Bild von dem frischpulsierenden Leben auf den einzelnen Gebieten der Agudatätigkeit. Ostgalizien, wo die Agudaidee bereits nach der ersten Kattowitzex Konferenz feste organisatoriscke Formen annahm, hat unter den Kriegs- und Nachkriegsereignissen besonders stark gelitten. Diese Leiden haben selbstverständlich auch die Agudatätigkeit ungünstig beeinflußt. Auf Grund des Eindruckes, den den diese Konferenz hervorgerufen hat, isk nun zu hoffen, daß nun diese Periode der Schwäche endgültig vorbei ist. Die ostgalizische Landesorganisation der Aguda wird vereint mit der Landeszentrale in Warschau die ungeheure Fülle von Kräften, welche das orthodoxe Judentum m Polen in sich birgt, sowohl für Keren Hathora, wie für Erez Jisroel zum segensreichen Gedeihen bringen. ■ Das Ringen im Erez Israel. Demonstration gegen die zionistischen Palästinaämter. W i e n, 5. Februar. Während des Morgengottesdienstes am Samstag, den 6. Schwat erschienen in der Hauptsynagoge der Wiener Orthodoxie — bekannt unter dem Namen Schiffschul — eine Anzahl von Aulim, um die Judenheit zum Proteste gegen die Praxis der zionistischen Palästinaämter aufzurufen, der es zuzuschreiben ist, daß Tausende gesetzestreuer, arbeitstüchtiger Palästinawanderer keine Einreiseerlaubnis erhielten. Wiewohl die Paästinaämter laut englischem Aufträge unparteisch die Qualifikation zu beurteilen hätten, erteilten sie den Aulim wegen ihrer religiösen Lek bensanschauung keine Visa, während im Gegensätze dazu alle atheistischen Chaluzim einreisen könnten, wenn sie auch, wie diese, unbemittelt seien. Dieser Ausbruch ärgster Verzweiflung hat tiefe Wirkung hervorgerufen, zumal da es zü einer Direkten Störung des Gottesdienstes kam. Im Interesse der Bethausordnung bemühten sich die diensthabenden Funktionäre um sofortige, gewaltsame Unterbindung dieser Demonstration, wiewohl sie die psychologische Berechtigung vollkommen anerkannten. Kampf gegen den Bolschewismus in Erez Jisroel. Jerusalem, 5. Februar. Zum Vau des neuen großen Traktes des Diskinfchen Waisenhauses wurden nach mehrmonatlicher — durch die Regenzeit bedingter Unterbrechung — die alten Arbeiten wieder ausgenommen. Der Jerusalemer Arbeiterrat inszenierte zum Proteste, daß nicht die von ihm ausgesuchten linksradikalen Arbeiter ausgenommen wurden, eine wüste Demonstration, wobei das Gebäude arg beschädigt wurde. Die Arbeiten konnten wegen der fortgesetzten Bedrohungen nur unter polizeilichem Schutze fortgesetzt werden. Jtmar ben Awi nimmt im Doar Hajom sehr scharfe Stellung gegen diese Bolschewisierung des heiligen Landes und fordert eine Organisierung der Konservativen, denn Erez Jisroel fei keip Raum für Experimente russischen Musters. Moria. Bei der Palästinakonferenz der Agudas Jisroel wurde von verschiedenen Seiten der Wunsch geäußert, von agudistischer Seite regelmäßige Informationen über Erez Jisroel den Orts- und Jugendgruppen zukommen zu lasten. Erfreulicherweise hat dieser Wunsch, noch bevor er geäußert wurde, seine Erfüllung gefunden. Anläßlich der Konferenz erschien die erste vorzüglich ausgestattete Nummer des „M oria h".