Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-02-26 · Heft 9 (26.2.1925) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 9 (26.2.1925)
Date
1925-02-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450346--71976-2529307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IMäffet* fievausgegeBen von dev Candesovganifation der Ngudas-Iisvoel In Ventsekkand I I- Jahrgang Frankfurt a. M., den 26 Februar 1925 / 2. Adar 5685 Hummer 5 Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel hat neuerdings außer dem 4.000 Dunam großen Grundstück in Emek Jesreel ein weiteres in geringer Entfernung von dem ersten gelegenes Grundstück in der Größe von 17.000 Dunam erworben. Aach dem Urteil von Sachverständigen handelt es sich um ein außerordentlich günstig gelegenes Gelände, das völlig sumpffrei und reichlich mit Vaffer versehen ist. Die Palästina-Zentrale bietet dasselbe zum Verkauf an und zwar für Lst. 22 — pro Dunam Hiervon sind 5.— bis spätestens 21. Adar 5685 zu zahlen, weitere 6.— in Monatsraten innerhalb des nächsten halben Jahres. Die restierenden 11,— sind im Verlaufe von eineinhalb Jahren in Monatsraten zu zahlen. Der weitaus überwiegende Teil dieses Geländes ist bereits von der polnischen Palästina- Zentrale erworben, ebenso hat die amerikanische Landesorganisakion einen beträchtlichen Teil des Geländes übernommen. Wir bitten, «aufgefuche mit möglichster Beschleunigung an unsere Adresse gelangen zu lassen. Palästina-Centrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. Main Eschenheimer Anlage 31; Orts- und Jngendgrnppen S . welche auf das soeben erschienene Buch » von Herrn Dr. Jsaac Breuer | „Das jüdische Nationalheim"; reflektieren,werden ersucht,sich wegenPreis- \ ermäßigung mit der F'al'älttna-Gentrase der z Agudas Aisroet, Frankfurt a. M., Cschen-? heimer Anlage 31 ins Benehmen zu setzen. Gedanken zur Tanro-Anfban-Arbeit. Bon Mokf S. Aacovsan in Kamöurg. ' ' I. Was will Keren Hatorah? Alle Kräfte sammeln und bereit stellen, um den Limmud Hatauroh zu fördern, um das alte Wort: 2^12 1332 .1111 112^11 wieder volle, ungeschwächte Wahrheit werden zu lassen, um in den Kreis des Lebens die Thora als „ alles gestaltendes Prinzip hineinzustellen, wieder hineinzustellen überall dort, wo die Zeit mit ihrem Wirrwarr den Menschen in seiner Schwäche der Thora entfremdet und entfernt hat. Thora soll wieder werden der belebende Mittelpunktalles jüdischen Lebens, in der Gemeinde .wie im Hause, im Berufe wie in der Erholung. . Wollen wir die ganze Bedeutung von Keren Hatorah richtig verstehen, wollen wir verstehen, was Keren Hatorah der Judenheit zu bedeuten haben will, dann brauchen wir uns nur kurz klar zu machen, was Thora will. . Der Talmud (3"'p D'IOd) sagt: Drei erben die künftige Welt a'Tiivi ^rma iv^ Wer in Palästina wohnt p»2 in- Wer seine Kinder zum Lernen der Thora erzieht 1111 na'm1? i'32 i?i3ai' Wer am Sabbat Abend die Hawdoloh über den Wein spricht 71112N 'rritiaa f"i hv b’iaaii' Letzteres erläutert Rabbi Jochanan mit den Worten: Er läßt vom Kiddusch-Wein für den Hawdoloh- Becher. ar^iaa1? UVii'pa Wollen wir den tieferen Sinn des Wortes verstehen, so heißt das: Der Mensch hebt sich über des Lebens Alltag, über die Vergänglichkeit und Zeitlichkeit seines Lebens hinweg, der Mensch spürt sich als ein wirkendes Glied an der Kette der Ewigkeit, wenn er in Palästina wohnt, d. h. sein seelisches Ich heraushebt aus einer nur sich selbst lebenden Gegenwart, und es verpflanzt, ganz fest verpflanzt in jüdische Vergangenheit, es wachsen und Wurzel schlagen läßt in dem Boden, der uns in Wahrheit Vaterboden ist. Das bedeutet, diese Gegenwart in ihrer Zeitlichkeit als einen Mangel spüren, und alle Kraft und allen Willen konzentrieren, daß aus der bewußten und vertieften Betrachtung jüdischer Vergangenheit der Sinn reich und reif wird für das Verständnis einer wahren jüdischen Zukunft, eines wahren Erez Jisroel, das ist eines Landes, wo Gott den ewigen Bund mit seinem Volk und seiner Thora wieder aufrichtet. Und diese Fähigkeit, solche Betrachtung jüdischer Vergangenheit zu solchem Erkennen jüdischer Zukunft zu vertiefen, wird einem' Menschen nur, der nicht ganz aufgeht in dem Heute, dem der Tag, wo er an seinem Werke für seinen Beruf, für seine Existenz arbeitet, nicht ein ganzer Werktag wird, wo auch der Tag der Arbeit von dem hohen Gedanken einer in Gott verankerten Ruhe und Zielsicherheit durchblüht wird. Vom Kiddusch für Hawdoloh lassen bedeutet, den Werktag als Diener des Sabbats, bedeutet, den Stoff als Sklaven der Seele begreifen. Und Beides, einerseits den richtigen historischen Blick haben und daraus die Konsequenz für seine ganze jüdische Einstellung zu ziehen vermögen, und andererseits rechtes Verständnis für die Gegenwart haben, und deshalb gerade sie sinnvoll bemeistern, beides kann nur ein Mensch, der sich erfüllt mit Thora, und sein Kind, durch das er weiter, durch das er wahrhaft lebt, hinführt zu den Quellen der ewigen und einzigen Erkenntnis, die sie uns verkörpert. Das ist der große Schlüssel, der alle Geheimnisse erschließt, der uns zum Verständnis der Vergangenheit, und zum Erahnen der Zukunft, zum richtigen Erleben der Gegenwart befähigt. Seine Kinder erziehen zur Thora, das bedeutet, sie heimisch machen in allen Bezirken, wo edle Tat und erhabener Gedanke, reiches und reines Empfinden und lauteres, tiefes Denken ihre Stätte habend Wie hoch und bedeutsam talmudischer Weisheit, Talmud Thora, das Forschen in jüdischer Weisheit, erscheint, mag Folgendes beleuchten: Das 5. Gebot: Ehre Vater und Mutter führt den Menschen hin an den Thron Gottes. Es entschleiert ihm den großen Gedanken, daß Gott und die Eltern gemeinsam den Menschen haben werden lassen, und es spricht mit markigen und prägnanten Worten zur Menschenseele 18 122 ■p» nsi ■pan „Ehre Vater und Mutter". Ehre Vater und Mutter! Gibt es ein selbstverständlicheres, naturhafteres Gefühl, gibt es ein Empfinden, das so sehr aus dem Quell eigenen Müssens heraussprudelt, wie das, Vater und Mutter, die mir das Leben, und damit die Voraussetzung für all das, was ich bin und sein möchte, gegeben haben, in Verehrung und Liebe zu umfangen? Und doch spricht der Talmud: am* i"i Vm (t"ü ii”3a) okV 28 11222- „Größer als Elternverehrung ist Thora-Lernen". Das setzt Elternverehrung nicht herab, sondern es hebt sie herauf in das Gebiet der erhabensten Betrachtung vom Menschen und seinem Sollen, die nur Thora uns nahebringen kann. Elternverehrung im Sinne rein formaler Tat ist etwas Starres ,etwas Schematisches; Elternverehrung aber, in der lebt all jenes heiße Pflichtgefühl, der tiefe Strom der Dankbarkeit, grenzenlose Hingegebeenheit, die kann uns nur vermitteln das Wort, das der Ewige für alle Ewigkeit einstmals gesprochen. Größer also ist das Lernen der Thora deshalb als die Elternverehrung nur, weil das, was die Thora nach dieser Richtung hin zu sagen hat, dem Begriff der Elternverehrung erst Inhalt, Gott gewollten Inhalt gibt. Wenden wir uns einem andern Gebiete zu, auf dem die Leistung auch fließt aus einem erhabenen Gefühl, aus einer Empfindung, die ein höheres Maß gottwohlgefälligen Strebens voraussetzt. Jenes Gebiet, welches die Sprache des Talmud mit im-öi bezeichnet. Wir kennen jenes große Wort, das die Weisheit der Weisen gesprochen: i'*?y i*?ya bvnv'a inx WQ3 D"pai Va 8^2 2"P 1^82 217121 Wer eine Seele von Israel erhält, dem wird es angerechnet, als wenn er den ganzen großen Kosmos erhalten hätte, (t/17 ]mi:D)* Unter Seelenretten ist zu verstehen, die Gewinnung von Menschen für das erhabene Ideal, dem alles in Gottes Ebenbild Geschaffene nachzustreben hat. Darunter ist zu verstehen, ihre Erziehung und Heranbildung für die große Aufgabe, der das jüdische Volk in seiner Gesamtheit und jedes einzelne seiner Glieder zu dienen hat. Eine Seele gewinnen ,wird gleich gewertet mit der Erhaltung einer Welt mit der Fülle ihrer Individualitäten, ihrer Erscheinungen, ihrer Leistungsmöglichkeit, denn in der Seele eines Menschen kann sich wiederspiegeln der ganze große Glanz, den die Welt ausstrahlt. Ein religiöses Genie kann eine ganz in Unglauben versunkene Welt aus den Angeln zu Gott emporheben. Der göttliche Funke kann zünden und das ganze Universum erhellen und erwärmen. Wer eine Seele formt kann durch sie der Welt neue Züge aufprägen, und gewiß, wenn der Mensch sich nicht beschränkt darauf, eine Seele zu formen, wenn ihm das Gewinnen, das Erziehen, das Gestalten jüdischer Persönlichkeiten zum heiligen Lebensinhalt wird. Wie groß muß er vor uns dastehen, wie muß er uns erscheinen als die ideale Persönlichkeit, an der kein Mangel ist und doch kommt wieder der Talmud und spricht sein Wort: wVsi n^xia ini' m Vm Ort? i^v) Größer ist Talmud Thauro als das Gewinnen von Seelen. Und wieder müssen wir sagen: Damit wird der Begriff N'v rVarr nicht in Grenzen gewiesen, die ihm der höhere Begriff Talmud Thauro aufzeigt, nein, aus der Thauro soll eben dem Former der Seelen der große Antrieb erwachsen, die erhabene Idee Zuströmen; Thauro soll dem Seelenbildner die Richtung weisen! Die Geschichte nennt uns als den größten Seelenbildner: Abraham. Die Thora spricht von den „Seelen die er gemacht hat/'i^xirmnuiiirr 1112» Die Ueberlieferung erzählt uns von ihm, daß er mit 3 Jahren seinen Schöpfer erkannt hatte. Weil ihm, Kind noch, das Licht, Gott, in hellstem Strahle aufglänzte, weil in der Seele des Jünglings alles unter diesem Lichte sich gestaltete, deswegen konnte des Mannes Seele jene große geheimnisvolle magnetische Kraft besitzen, andere Seelen anzuziehen, und auch vom Gedanken Gottes erleuchten zu lassen. Und daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.