Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1925)
- Date
- 1925-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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8 b und br rz lc uns SZ0L'S gesehestreuer indischer Lctsrer Deullchtands 211M c.v-L. Nachklänge zur Erziehungskonfereuz in Hamburg. 1. Der Standpunkt der Eltern. Von A. S. in Wien. Es ist nicht die Absicht dieser Zeilen, zustimmend oder ablehnend zu dem Verlauf und den Ergebnissen einer zunächst zwischen Erziehungsfachleuten abgehaltenen Konferenz Stellung zu nehmen. Zwei Gesichtspunkte sind es aber, die es uns Eltern zur Pflicht machen, uns ebenfalls mit den Problemen jüdischer Schulerziehung intensivst zu befassen. Vor allem natürlich der, daß wir unsere Kinder der Schule anvertrauen, um ein von. uns Eltern erstrebtes und verlangtes Endziel religiösen Lebens und jüdischen Wissens durch die Schule mit erreichen zu lassen; die Wege, die die Schule einschlägt, um dies zu erreichen, dürfen uns daher nicht gleichgültig sein und sind es auch nicht. Dann kommt noch der folgende zweite Gesichtspunkt hinzu: Im Gegensatz zu fast allen Schulfächern" muß im Hause eine positive, parallele Erziehung auf den Gebieten religiöser Lebens¬ und jüdischer Wissensschulbildung stattfinden: schon daraus und aus den damit zusammenhängenden Wechselwirkungen resultiert daher das notwendige Interesse der Eltern für die Schulbildung speziell auf jüdischem Gebiete. Mit dieser Legitimation ausgerüstet, find die Gedanken eines Vaters zu den aktuellen Problemen des jüdischen Erziehungswerkes der jüdischen Schule grundsätzlich die folgenden, wobei für heute, nur von den unmittelbar jüdischen Unterrichtsteilen die Rede sein soll, während die profanen Fächer in ihrer Verbindung mit dem jüdischen Erziehungswerk außer acht gelassen werden. Methodik und Lernziel stehen naturgemäß in den jüdischen Fächern in ihrer Gesamtheit in einem ganz anderen Verhältnis zueinander wie in den .Profanfächern. Während bei letzteren neben der Steigerung des allgemeinen Bildungsniveaus und bei der Schulform der jüdischen Schulen Deutschlands in beschränktem Maße neben der Vorbereitung auf ein Weiterstudium im wesentlichen die Erreichung eines abgeschlossenen Fachpensums Lehrziel ist, und Methode sowie Weg sich fast gänzlich auf die Erreichung dieses Pensums mit möglichst solider Durchbildung einzustellen haben, sieht dies bei den jüdischen Fächern erheblich anders aus. Hier ist nicht in so überragendem Maße wie bei den Profanfächern das abgeschlossene Pensum das W e f e n t - 1 liche. Auch hier soll zwar ein gewisses Pensum! aus den verschiedensten Gründen auch als Selbstzweck erreicht werden. Hinzu kommt aber als mindestens gleichwertiges Moment die Bedeumng des jüdischen Unterrichts als religiöses Erziehungsmittel. Als ferneres erhebliches Moment dann noch die Tatsache des Lernens als solches als unmittelbare Ausübung eines religiösen Gebotes. Zu diesen sehr wichtigen Gesichtspunkten, die übrigens auch für die häusliche Parallelerziehung gelten, kommt als wesentliches Ziel gerade der spezifischen S ch u l erziehung auf jüdischem Gebiete: Das Ziel der Erreichung der Lernfähigkeit oder klarer ausgedrückt: das kindliche Interesse ausreichend zu wecken und es mit genügend Wissensgrundlagen in den Stand zu setzen, parallel mit der Schule und nach der Schule weiter lernen zu wollen und z u können. Mittel und Zweck, Methodik und Ziel, gehen also, wie man sieht, bei dem jüdischen Unterricht ganz anders ineinander über als bei anderen Schulfächern. Unter diesem Gesichtspunkt muß daher die Frage der Unterrichtsm i t t e l betrachtet und beantwortet werden. Selbstverständlich spielt unter den Mitteln zur Erreichung dieses spezifischen Schulzieles im jüdischen Unterricht („Lernfähigkeit") die hebräische Sprache eine sehr bedeutende Rolle und damit auch die vorausgehende Frage der Erlernungsart, der Richtung und des Ausmaßes dieses Spracherlernens. Soweit man dabei aus der Vergangenheit der letzten Jahrzehnte lernen kann, ist zunächst festzustellen, daß die Resultate in den verschiedenen in Betracht kommenden Schulen Deutschlands hinsichtlich des erreichten Lehrzieles der „Lernfähigkeit" nicht gleichmäßige waren; bei der einen Schule war wohl der Durchschnitt der ausgebildet entlassenen Kinder mehr mstande weiter zu „lernen" als bei der anderen. Die Ursachen gehen uns hier bei der allgemeinen Betrachtung nichts an. Immerhin Mag es sein, daß das Resultat der „Lernfähigkeit" auch bei den leider so beschränkten Zeitmöglichkeiten beim Durchschnitt der Kinder auch auf sprachlichem Gebiete als Mittel zum „Lernen" ein größeres hätte sein können. Sollte man in der Sprachmethode gegenüber der bisherigen Praxis Nennenswertes ändern, so wird 'ebenfalls eines streng beachtet werden müssen: Ziel ist die „L e r n f ä h i g k e i t!" Daher muß diese Spracherlernung der Sprache der T a u r o h und des Rach, des Schas und der Mforschin gelten, also der Sprache des traditionellen Schrifttums. Nicht immer wird mit Recht so viel über die zeitliche und geistige Ueberlastung unserer und speziell der jüdischen Schulkinder geklagt. In jedem Falle ist Lernstoffökonomie, diktiert von dem Lehrziel, aber ein erstes Erfordernis. Diese können wir aber nur erreichen durch VevorzugungdesWichtigsten. Unabhängig von der Frage der neuhebräischen Sprache für den Durchschnitt unserer Goluskinder überhaupt kann hier bei dieser in die Golusschule eingepreßten Aufgabe der Erreichung der „Lernfähigkeit" kein Zweifel darüber sein, daß für die Sprache als Mittel zur „Lernfähigkeit" ausschließlich die Sprache und die Sprachwendungen des Tnach und des rabbinischen Schrifttums in Frage kommen. Diese Tatsache ist entscheidend. Das Ziel bleibt: nab1?. Für die Erreichung des spezifischen Schulzieles auf jüdischem Gebiet ist aber auch als Mittel (und Ziel) neben der Sprache der Lernstoff von ganz außerordentlicher Bedeutung. In Konsequenz des Zieles, der Instandsetzung des Kindes zu ,Lernen" muß daher das Kind mit den wesentlichsten Grundlagen des jüdischen Schrifttums bekannt und vertraut werden, um das Interesse und die Befähigung zum Weiterlernen zu erreichen. Hierzu gehört also die grundsätzliche Vertrautheit mit den Hauptwegen der jüdischen Lehre, d. h. mit schriftlicher und mit mündlicher Lehre, also mit Tnach und mit Mischno-Gmoroh. Das grundsätzliche Vertrautwerden mit diesen beiden Wurzeln des jüdischen Lebens und Wissens muß für den Durchschnittsschüler obligatorisch sein. Ohne die Einführung in Tnach und Dttschno-Gmoroh kann da^> Mindestziel der jüdischen Schule nicht erreicht werden. Hierbei kommt es sinngemäß im Rahmen der leider sehr beengten zur Verfügung stehenden Zeit nicht einmal entscheidend auf die Anzahl der erlernten Tnachkapital oder Gmorohdaffim an, als auf die obligatorische Vertrautmachung mit Tnach und Gmoroh überhaupt durch gründliches „Lernen" eines erreichbaren Pensums. Gegenüber dieser obligatorischen Aufgabe ist es untergeordnet, ob man für Unterdurchschnittsschüler nach gemachter individueller Erfahrung des Nichtfolgens im Gmorohunterricht, eventuell zusammengelegte Parallelstunden mit leichter faßlichen Stoffen einrichtet. Auch hier ist es noch der Prüfung wert, ob es im Sinne des Zieles nicht zweckmäßiger und mehr im Sinne talmudifcher Auffassung gelegen ist, diese Kinder dennoch den leider ja nur sehr wenigen Gmorohstunden beiwohnen zu lassen. Aber eine Schule, die nicht die Kinder in die Hauptsäulen jüdischen Lebens und Wissens, sowohl in armw min als auch in ns mm obligatorisch einführt, dürfte nach den Auffassungen der meisten jüdischen Väter wirnrrvn irnnrnn ihre Pflicht als jüdische Schule nicht erfüllt haben. Auch für die Parallelerziehung des Hauses (und erst recht nach der Schule) ist dies von großer Bedeutung. Denn für Kinder, die von Eltern nicht genügend/jm Torawissen erzogen werden, hat man dann wenigstens soweit gesorgt, daß sie überhaupt einmal beide Teile der Tora einmal kennen gelernt haben und oft daraus Jntersie und Fähigkeit für Parallel- und Weiterlernen schöpfen. Und Kinder, die wohl häuslich zum Lernen angehalten werden, werden darin sachlich durch das Schullernen nach den geschilderten Gesichtspunkten und Zielen außerordentlich unterstützt. Die vorstehenden Zeilen zeigen, daß bewußt unmittelbar zu den Debatten der reinen Faches » :f % '%