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Der Israelit · 1925-02-26 · Heft 9 (26.2.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 9 (26.2.1925)
Date
1925-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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? - > 26 Februar MS Meyer Hildeshe i m e r begrüßte, die Konferenz und h mahnte die Studenten, neben den weltlichen Studien auch Die jüdifchen Studienzupf legen. Herr Dr.S. Gron e m a n n rief den Studenten zu, sie mögen immer jung bleiben und sich durch die jetzt herrschende grauen- , volle Atmosphäre des Antisemitismus nicht entmutigen lassen. Hierauf begrüßten die Konferenz Herr Dr.. Olschwanger im Namen des 'Weltverbandes für jübischen Gesundheitsschutz „Ose", Herr Dr. Linden im ' Namen der Europäischen Studentenhilfe, Herr Assaf im Namen der palästinensischen Studentenhilfe u. v. m. Begrüßungsschreiben wurden verlesen von Pros. E i n - stein, vom „Verein für die Wissenschaft des Judentums", vom Rabbinerseminar, vom Präsidenten des „Weltverbandes jüdischer Studenten", vom Leiter der europäischen Abteilung der „Joint-Jca-Foundation", der der Studentenschaft Hilfe versprach, sowie von vielen anderen Organisationen und Persönlichkeiten. Die Altonaer Wahltragödie. (Von unserem Korrespondenten.) Altona, 17. Februar. Lange Zeit hat die jüdische Welt aus unserer alten Kehtlla nichts vernommen. Die Kriegszeit und ihre Folgen haben natürlich auch ihr schwere Erschütterungen gebracht, doch unterschieden diese sich kaum von den Veränderungen, die in anderen Gemeinden stattfanden. Ein sehr starker Zuzug von Ostjuden, die zwei eigene Synagogen besitzen, brachten der Gemeinde erfreulicherweise viel frisches Blut und neues, andersgeartetes Leben. Jedoch erst die Wahlen zum preußischen Landesverband brachten eine heftige Bewegung in die Gemeinde. Seit Jahren ist Altona Mitglied des Halberstädter Verbandes, an dessen Gründung der Heimgegangene Präses unserer Gemeinde, Herr Wolfs Möller s. A. erheblichen Anteil hatte. Man mußte aber damals schon den numerisch starken liberalen Mitgliedern der Gemeinde die Konzession machen, auch in den Dtsch. Jsr. Gemeindebund einzutreten trotz großer Bedenken unseres Raw und des nunmehr verewigten Herrn Möller. Die fatalen Folgen der Mitgliedschaft in dem preußischen Landesverband, die nur die logische Konsequenz der Zugehörigkeit zum D. I. G. B. war, zeigten sich nunmehr, als die Wahlen einsetzen sollten^ Schleswig-Holstein bildete in der anfangs vorgesehenen Verkoppelung mit Hannover nur einen kleinen Machtfaktor: Altonas Traditionen konnten sich nicht zur Geltung bringen. Einheitsliste mit * einer Frau schien kaum zu umgehen; das aktive Frauenwahlrecht war im Bund ebenfalls vorgesehen. Unser verehrter Herr Oberrabbiner Dr. Lerner betrieb den . Austritt aus' 'dem Preußenveband; jedoch war dies auch technisch unmöglich, da wir durch den Beitritt für eine dreijährige Periode gebunden waren. Sodann gab der Raw der Gemeinde einen Psak, wonach er auch die aktive Wahlbeteiligung der Frauen für verboten halte. Infolgedessen trennte sich Hannover von Schleswig-Holstein. Man kann begreifen, daß die Gemeinde sich in einer verzwickten Lage befand. Hätte die Gemeinde die Vornahme der Wahl überhaupt abgelehnt, so hätte der Bund einen Kommissar hergesandt: und die Wahlen hätten unter Nichtbeteiligung der thoratreuen Elemente dennoch stattgefunden: und Altona wäre durch einen Mann vertreten worden, der den Traditionen der Gemeinde ins Gesicht schlug. Deshalb beschloß man, die Wahl stattfinden.zu lassen unter Nichtheteiligung der Frauen; zumal 'Berlin uns recht entgegen kam. Dennoch fehlte es nicht Protesten, und es ist noch nicht ausgemacht, ob die Wahl anerkannt wird. Es hat sich als schwerer Fehler erwiesen, daß nicht die Gesamtheit der gesetzestreuen Rabbinen eine -Entschließung üb er das Frauenwahlrecht her.ausgebracht hat. In diesem Falle hätten alle Gesetzestreuen einen ganz anderen Rückhalt gehabt, und wahrscheinlich wäre das Frauenwahlrecht für den ganzen N)ochenkalender. 28. Febr. bis 7. März 1825. / 4.-11. Adar 588h. Samstag Fevr. 28 4 118 nposn Sonntag März 1 5 Montag 2 6 Dienstag 3 7 Mittwoch 4 8 Donnerstag 5 9 Freitag 6 10 Samstag 7 n«n 11 ■vor nana Der Israelit Verband gefallen. Es ist in allen Fragen, die. die Gesamtheit berühren, nicht angängig, daß subjektive Entscheidungen veursachen, daß die Gesetzestreuen hier so und dort anders handeln. Wenn man auch die Schwierigkeit einer solchen gemeinsamen Entscheidung nicht verkennen will, so mutz man de Sachlage als ein >i>n trv.aipns ovn ansehen; und das iivri um hat noch stets seine Bedeutung gehabt, und auch der Größte hatte sich dem gemeinsamen Beschluß zu unterwerfen. Wir haben es auch als eincki schweren Fehler angesehen, daß der Halberstädter Perband so wenig an die Oesfentlichkeit getreten ist. Wenn er auch Wahlen — vielleicht mit Recht — für seine Tagungen ablehnt, so müßte doch ein genau innegehaltenes Organisationsstatut bestehen. (Dies ist vorhanden und bekannt. Red.) Wie konnte es geschehen, daß zu der letzten Tagung, die merkwürdigerweise in dem außerpreußischen Hamburg stattfand, die zweitgrößte Bundesgemeinde Altona wohl als Gast geladen war, aber keine Delegierten hatte? U. A. w. g. Es war im Vorstand bekannt, daß die Situation für Altona bei den Wahlen schwierig war, daß unser Raw für den Austritt aus dem Preußenverband war. Wie klug und für die Aftonaer Oesfentlichkeit eindrucksvoll, wäre gerade eine Tagung in Altona gewesen. Wie anders hätte Dr. Kleins Vortrag über das Frauenwahlrecht gewirkt. Etwa 150 Ostjuden, die Schaumrei-Schabos sind, wählten ohne Wimperzucken die Liste der Volkspartei, die auf ihrem Programm Gleichberechtigung der Frauen stehen hat Wo merkt man übrigens beim Frauenwahlrecht die. „bewußte Anlehnung an das Alte" seitens der Volkspartei, von der sie sonst sprechen!? Es ist charakteristisch für die Mentalität des Misrachi, ja aller Gesetzestreuen, die im Zionismus organisiert sind, daß sie solche An-' lehnung des völkischen Programms an den ckermer cri anstatt an das Alte widerspruchslos hinnehmen; daß die orthodoxen Zionisten auf der Volksparteiliste nicht als „konservativ" figurieren und als Wähler noch viel mehr verschwinden, indem sie religiös links stehende Zionisten mit Heller Begeisterung gewählt haben. Und so muß man in dem offiziellen Wahlresultat die Frommen mit der Lupe suchen. Und so konnte es geschehen, daß ein orthodoxer Zionist und ein Agudist auf einander feindlichen Listen standen und die Agudisten,-um gegen das reine Nationalprinzip zu protestieren, mit den Liberalen ein Zweckbündnis schließen mußten. Und der orthodoxe Zionist ging um der Partei willen lieber aus eine Volksparteiliste mit einem rein nationalen Herrn als mit dem Agudisten auf eine konservative? (Da es nun -einmal eine orthodoxe nicht gab!) Difficile est satyram non scribere. Deklaration des Jüdischen Sejmklubs in Polen. (Von unserem Korrespondenten.) Warschau, 17. Februar. Bei der Beratung des Nachtragsbudgets für das Jahr 1924 am 9. d. Mts.' gab Sejmabgeordneter Schreiber namens des Jüdischen Klubs folgend? Erklärung ab: Der Jüdische Klub konstatiert, daß das System der Regierungspolitik sowie die administrativen Judenverfolgungen die Wirtschaftskrisis im Lande ungewöhnlich verschärfen und den Glauben an eine Besserung unter- - .graben haben. Dieses System benimmt der Regierung das Minimum! an gutem Willen, um die existierende jüdische Gleichbeechtigung zu überwachen. Die Regierung beobachtet nicht die Gesetze, im Gegenteil, sie verwirrt sie, wie das Gemeindegesetz, noch mehr. Wohl sind die Wahlen durchgeführt worden, doch die lokalen Behörden sabotieren die Verordnungen und verhindern, we die in Galizien der Fall ist, die Tätigkeit der Gemeinden. In Kongreßpolen sind gänzlich unbegründete Verordnungen bezüglch der Sprachenfrage erlassen worden. In den Grenzmarken hört man von Wahlen überhaupt nichts. Auf kulturellem Gebiet ignoriert die Regierung die Bedürfnisse der jüdschen Masse. Sie erfüllt nicht' ihre Verpflichtungen, die sie bezüglich des jüdischen Schulwesens übernommen hat. Sie verfolgt die Politik der Vernichtung des von jüdischem Gelde unterhaltenen Schulwesens. Die für dasselbe im Budget vorgesehenen 10.000 (!) Bloty nehmen sich nachgerade wie ein Hohn aus. Die jüdische Jugend, die an ausländischen Hochschulen studiert hat, ist im Lande verschiedenen Begrenzungen __Nr. 9 Sette 8 unterworfen. An polnischen Universitäten werden Juden nur in beschränkter Zahl ausgenommen. Man unterläßt nichts, um die Zahl der jüdischen Intellektuellen zu verringern. Auf wirtschaftlichem Gebiet hat die Versolgungspolittk ihren Höhepunkt erreicht. Die Steuerpolitik der Regierung läßt eine Hoffnung auf Besserung nicht aufkommen. Die Regierung ruiniert in ihrer Verblendung zehntausende jüdischer Existenzen. Selbst wenn sie ihre Fehler einsieht, zieht sie hieraus, da es sich um Juden handelt, keine Konsequenzen. In den Regierungsinstitutionen werden Juden nicht angestellt. Dagegen werden in den monopolisierten Fabriken di.e Juden entlassen. In vielen Städten und Flecken werden die Märkte auf den Sabbat angesetzt. Jetzt will man den Juden die Schnapskonzessionen abnehmen und sie den Invaliden übergeben. Der Jüdische Klub ist keineswegs gegen die Unterstützung der Invaliden. Dies darf aber nicht auf Rechnung der Juden geschehen, die in ihrer Existenz bedroht werden. In den Grenzmarken ist das Verhalten der Administration gegen die Juden himmmelschreiend. Erst heute, nach 5 Jahren, erheben wir unsere Anklage. Der Jüdische Klub ist überzeugt, daß erst dann die Beruhigung der Grenzmarken eintreten wird, wenn die berechtigten Ansprüche der Bevölkerung, die Juden nicht ausgenommen, berücksichtigt werden. Wie kann aber von einer Besserung der Sache die Rede sein, wenn der höchste Chef der Administration erklärt, daß der Anführer der judenhetzerischen Propaganda infolge Ueberfüllung der Haftlokale nicht arretiert werden könne. Infolge des Gesagten hat der Jüdische Klub kein Vertrauen zur Regierung und wird gegen das Budget stimmen. Das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge in England. London, 19. Februar. Während der stürmischen Fremdendebatte im englischen Unterhaus am 13. Februar forderten die Gegner der Fremdenpolitik Sir Joynson Hicks' u. a. auch die Befreiung der in den Häfen konzentrierten gestrandeten Emigranten und die Erlaubnis für sie, in England bleiben zu dürfen. Die Mehrheit des Parlaments entschied im Sinnne des Innenministers Joynson Hicks gegen das Verbleiben der Emigranten im Lande. (I. T. A.). Türkei. Die Lage der Juden in der Türkei. K o n st a n t i n o p e l, 18. Februar. Der neuernannte General-Gouverneur von Konstantinopel Suleymany Samy Bey stattete dieser Tage dem Oberrabbiner der Türkei Benjenano Effendi einen offiziellen Besuch ab. Die Unterhaltung betraf die Lage der jüdischen Institutionen. Der General--Gouverneur sagte, er sehe in den Juden eines der loyalsten und wertvollsten Elemente des Landes; die Juden mögen der Regierung voll vertrauen, Juden und Mohammedaner seien * Brüder, Kinder derselben Landesmutter, und es kann zwischen beiden keinerlei Unterschied gemacht werden. Gegenüber dem Konstantinopeler I. T. A.-Vertreter äußerte der Oberrabbiner, die Stellungnahme des neuen Generalgouverneurs ist die gleiche, wie die von Jsmet Pascha, der ebenfalls feine starken Sympathie für die Juden ausgedrückl hat. Danach sei in dem Verhalten der türkischen Behörden zu den Juden keine Aenderung zum Schlechten zu erwarten. Die traditionelle türkische Freundschaft zu den Juden bleibe aufrecht. 4>alafiitta. Wellverband der sephardischen Juden. Jerusalem, 18. Februar. Am 13. Februar wurde in Jerusalem die Konferenz der sephardischen Juden Palästinas eröffnet. Es wurde beschlossen, eine Weltorganisation der sephardischen Judenheit zu gründen. Die Konferenz nahm ferner eine Resolution an, in welcher die Zionistische Organisation aufgefordert wird, Vertreter der sephardischen Juden in die zionistischen Organisationsämter in Jaffa und Haifa aufzunehmen. Die Aufgabe dieser Vertreter wird es sein, für eine verstärktere Einwanderung sephardischer Juden nach Palästina zu sorgen. Die Konferenz beschloß auch, mit den Vorarbeiten für die Errichtung von Siedlungen sephardischer Juden in Palästina zu beginnnen. Der jetzt in

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