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Der Israelit · 1925-02-26 · Heft 9 (26.2.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 9 (26.2.1925)
Date
1925-02-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Der Israelit 26. Februar 1925 durch Schweigen mehr enthüllend als durch die zwingendsten Konstruktionen. Es war lediglich eine Veränderung des Raumes und der Zuhörerschaft notwendig, um aus dem Blockiften einen typisch Liberalen zu machen. Das lief auf eine bloße Veränderung der Ueberschrift hinaus. Man war versucht, ein heiliges Geschehnis der jüdischen Geschichte einzustellen. Rabbiner Tiktin hieß die Schwelle ausreißen, über die sein Vorgänger Geiger geschritten war, um die Unvereinbarkeit zweier Welten zu dokumentieren. Diese Schwelle, das Konkretum der jüdischen Inhalte aus dem Geistigenebenso zu präzisieren, ist der Gemeindeorthodoxie versagt geblieben, verbündete sie sich doch mit einer Gruppe, deren Position weitab liegt, streng genommen sogar der Kategorie des Liberalismus angehört. Inzwischen sind zwei Wochen vergangen. Das Bewußtsein der erlittenen Niederlage hat sich in der konservativen Presse durchgesetzt und einem Gefühle der Enttäuschung Raume gegeben. Zum zweiten Male haben die Konservativen mit negativem Ergebnis bestanden, zum zweiten Male stehen sie am Kreuzweg. Werden sie die Folgerungen zu ziehen wissen? Zum zweiten Male ist die selbständige Orthodoxie zur Handlung verpflichtet, legitimiert. Zum einen lieh sie den Kontakt entgleiten, wird sie zum anderen Male Initiative aufbringen? — Oder aber, wird die Gelegenheit ungenutzt verstreichen und die deutsche gesetzestreue Judenheit, die über dem bxiL" bba Begriff unbewußt, aus den Gesichtspunkten der Not bewußt, nach Einheit strebt, um Jahrzehnte stagnieren? Eine andere Entscheidungsform ist nicht erkennbar. — Rabbi Jizchak Jerucham Diskin Von Rabbiner I. Aorovicz in Frankfurt a. M. N22N Zion weint bitterlich, Jerusalem erhebt seine Stimme. Eine große schwere Trauer umfaßt die jüdische Gesamtheit. Ein Geistesfürst in Israel, wohl der älteste, sicher aber einer der vornehmsten und würdigsten in der sich immer mehr lichtenden Reihe unserer wahrhaften °>3ixä Trmi einer der wenigen n)nin jidjd nzux Twa, ist mit Oberrabiner Diskin von uns dahingegangen. Schon in frühester Jugend, als einziger Sohn und Schüler seines unvergeßlichen Vaters, des berühmten „Brisker Raw", war er als „I l u j", als scharfer, helleuchtender Kopf berühmt. Als sein Vater das Brisker Rabbinat mit Jerusalem vertauschte, blieb sein nunmehr verewigter Sohn im Auslande. Doch wollte er nicht pflichtbeamteter Rabbiner werden. Er widmete sich der kaufmännischen Laufbahn und gehörte so zur Elite der Trp. die ohne Amt und äußere Würde, mit Rat und Tat im Dienste der Thora stehen. Einige Jahre nach dem Ableben seines großen Vaters folgte er der an ihn wiederholt ergangenen ehrenvollen Berufung, die Leitung des Waisenhauses — einer Schöpfung seines Vaters — in seine Hände zu nehmen. Dieses Waisenhaus hatte der Brisker Raw ursprünglich zu dem Zwecke gegründet, um der Seelenfängerei der Mission, die es damals auf die verwahrlosten jüdischen Waisenkinder abgesehen hatte, Einhalt zu gebieten. Diese Aufgabe hat die Gründung des großen Mannes in den Jahrzehnten ihres Bestandes glänzend erfüllt. Doch viel mehr als das. Das altberühmte Diskinsche Waisenhaus nimmt heute einen Ehrenplatz ein unter den gemeinnützigen Institutionen, deren es in Erez Jisrael '"bn eine ansehnliche Reihe gibt. Unter der vorbildlichen, zielbewußten Führung unseres teueren Verblichenen, im Verein mit seiner ihm vorausgegangenen Lebensgefährtin, ist dieses Waisenhaus eine der größten und schönsten Institutionen des heiligen Landes geworden. Diese Anstalt beherbergt und sorgt vollständig für mehrere Hundert Waisenknaben bis zu ihrer vollen Selbständigkeit. Thorabegabte Zöglinge reifen heran zu hervorragenden Thoragelehrten. Minderbegabte werden — zum Teil auch in. eigenen Werkstätten — zu Handwerkern ausgebildet und gewerblichen Berufen zugeführt. Alle Hallen sie fest an Thorapflege und Thorabetätigung. Ein monumentaler, herrlicher Prachtbau — einzig in der Baugeschichte des alten und des neuen Jischuw — als eigenes Heim, geht seiner Vollendung entgegen. Mit großem Verständnis hat der Verewigte selbst &ii?zen und Pläne geprüft und die Ausführung in allen Einzelheiten bis in die jüngste Zeit, persönlich angeordnet und überwacht. Es war ihm versagt, die Krönung seines Lebenswerkes, die Einweihung seines Heiligtums in seiner ganzen Herrlichkeit zu schauen. Und wie sein Vater war auch der große Verblichene ein Meister talmudischer Forschung, von den rabbinischen Autoritäten als führende Persönlichkeit anerkannt und verehrt. Und wie sein großer Vater, war er auch ein nimmerrastender Vorkämpfer für die unverfälschten Ideale des jüdischen Volkes, ein hervorragender Pfadweiser für die Befestigung des Heiligkeitscharakters von Erez Jisrael. Angesichts des schweren Verlustes, von dem die Gesamtheit unseres Volkes betroffen wurde, soll jede Bezugnahme auf persönliche Momente in der Entwicklung der Gemeindeverhältnisse in Jerusalem, in diesem Augenblicke vermieden werden. Nicht unterdrücken kann man aber den Klageruf aus alter Zeit: Wehe dem Kreise, der seinen Führer verloren; wehe dem Schiffe, das seinen Steuermann verloren. Hochbetagt und lebenssatt, im höchsten Alter, hat Rabbi Jizchak Jerucham Diskin das Zeitliche gesegnet. „Unserem „Zadik" geht's G.s.d. besser", sagte mir vor einigen Monaten ein befreundeter Rabbiner und meinte damit auch den Zahlenwert des Buchstabens „Zadik", den 90jährigen Rabbiner Diskin. Und dennoch trifft uns der herbe Verlust dieses großen und greisen Zadik ebenso schwer, wie wenn die Sonne, das große Licht, am Mittage, nrmya zur Unrechten Zeit, untergegangen wäre. Ein schwacher Greis, von zarter Körperbeschaffenheit, stand er da wie eine eiserne Säule, wie eine eherne Mauer von gewaltiger Hoheit, wenn es galt, den von ihm, im Vereine mit seinem ebenbürtigen Freunde, Rab. Chaim Sonnenfeld erkannten Thorastandpunkt in den großen Klalfragen Geltung zu verschaffen. Wie ungerecht sind jene, die von diesen Männern behaupten und die Meinung verbreiten, daß sie blos Werkzeuge in den Händen ihrer jüngeren Freunde und Gesinnungsgenossen sind, und man scheute sich nicht, den greisen Führer zu kränken, indem man auch sein Herzens¬ und Schmerzenskind, das Diskinsche Waisenhaus, von dessem glücklichen Bestände das Lbensfchicksal von Hunderten Waisenkindern bedingt ist, mit politischer Unsauberkeit herabzuwürdigen sich bemühte. Rabbiner Diskin hat diese Ausstreuungen niemals einer Widerlegung gewürdigt. Er war in der Tat kein Mann des Kampfes, auch war ihm jeder äußere Pomp in der Seele verhaßt. Er mied jedes öffentliche Hervortreten. Aber fest und klar sprach er seine Meinung aus, in allen wichtigen Erez-Jisrael- Fragen. Ohne ihn zu befragen, konnte in grundsätzlichen Erez Jisrael- Angelegenheiten keine Entscheidung getroffen werden, und keiner der Jüngeren hätte den Mut und die Kühnheit gehabt, diesem weisen Manne, diesem Thorafürsten, von dem die geistige Frische niemals gewichen war, in verhüllter oder unverhüllter Form, eine Meinung suggerieren zu wollen. Als mir vor vier Jahren die ehrende Aufgabe zuteil wurde, im Vereine mit dem Gerer Rabbi nach Jerusalem zu reisen, um in gemeinsamer Beratung mit Rabbi Diskin und v"nn pa b'nanb mit Rabbi C. Sonnenfeld die Richtlinien für das Verhalten der Agudaleitung in den politischen und wirtschaftlichen Fragen von Erez Jisroel festzulegen, haben diese Beratungen im Hause unseres nunmehr verewigten Rabbi' stattgefunden. Wenn das zeitgeschichtliche Dokument, in welchem diese Richtlinien niedergelegt sind, veröffentlicht werden sollte — vielleicht geschieht es bald — wird die jüdische Welt erst erfahren, von welcher Sorge diese Männer erfüllt waren, um an dem Aufbau von Erez Jisroel den lebhaftesten Anteil zu nehmen. Die Welt wird es erfahren, wie diese großen Männer, die man als Jischuwgegner stigmatisieren wollte, auch auf die Befestigung von politischen Errungenschaften bedacht waren und wie sie auch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der zionistischen Organisation ins Auge faßten, in der einzigen Voraussetzung, daß im neuen jüdischen Nationalheim auch die Thoratreuen sich so heimisch fühlen sollen, daß sie in ihren ewig nationalen, thoratreuen Grundsätzen, nicht der Willkür oder den jeweiligen Mehrheitsbeschlüssen von Andersgesinnten ausgeliefert sein sollen. Nach dem Ableben von Rabbi Chaim, Berlin V'XT wurde der Verblichene ebenso wie Rabbi Chaim Sonnenfeld von Rabbonim und Talmide Chachamim als Bexater und Führer in allen großen Fragen anerkannt und verehrt. Sie wandten sich an ihn mit ihren schwierigen Thorastellen. Sie verlangten seine Zustimmung, wenn es sich um eine Dajan- oder Rabbinerstelle Handelte. D?e Verfasser von Seforim fanden sich er- ' mutigt durch sein Haskomoh, und an den hohen Festen kamen sie alle zu ihm, um zwischen den vier Ellen seines Lehrhauses dem feurigen und scharfsinnigen Halachaworte zu lauschen. So war sein ganzes Leben der Thora, Awoda und den Taten der Liebe geweiht. Am Vorabend des Freudenmonats Adar hat er seine reine Seele ausgehaucht, betrauert und beweint von der thoratreuen Judenheit der ganzen Erde, betrauert und beweint im neuerstehenden Erez Jisroel, in dessen Geschichte dieser große Mann einen Ehrenplatz finden wird. In den ewigen Frieden ist er eingegangen, in einer Zeit, da Zion und Jerusalem so sehr nach Frieden schmachten und Erez Jisroel auf die großen Vorzüge von rrrmn na so ernstlich angewiesen ist. Er ist dem Frieden vorausgeeilt, um mit seinen Vorgängen zusammen, den Geonim und Zadikim, dort im himmlischen Jeruscholaim vor dem Gnadenthron Gottes hinzutreten, daß er beschütze sein heiliges Erhe, das teure Heim seines armen, schlaffen und müden Volkes, daß sich an ihm erfülle die Verheißung seines Sängers: daß Heil erblühe feinen Getreuen, Ehre wohne in unserem Lande, -maita naa paart» Korrespondenzei « nacvncdlen. Studentenveremigung. Berlin, 11. Februar. Am 7. Februar abends fand im Logenhaus Kleiststraße die Eröffnung der dritten Jahreskonfrenz der o st jüdischen Studentenvereinigung in Deutschland statt., Es waren etwa 40 Delegierte aus fast allen Universitätsstädten Deutschlands, sowie zahlreiche Gäste erschienen. Der Vorsitzende des Zentralkomitees, Herr L u b o w s k i, eröffnete die Tagung, woraufhin der zum Ehrenvorsitzenden der Konferenz gewählte jüdische Historiker Prof. S. Dudnow eine Ansprache hielt. Hierauf sprach Eduard Bernstein von dem Ueberhandnehmen des Antisemitismus! und der Reaktion in verschiedenen Ländern.! Als Vertreter der Exekutive berichtete Herr /Steinig- Wien über die Tätigkeit des Weltverbandes! seit dem ersten Weltkongreß jüdischer Studenten in Ant- 1 werpen. Er teilte .mit, daß Chaim Nachmann V i a l i k aus Jaffa die WürdL eines Ehrenvizepräsidenten des Weltverbandes, dessen Ehrenpräsident Praß. Albert Einstein" ist, übernommen hat. Herr ^labbiner

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