Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1925)
- Date
- 1925-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9 Seite 3 26. Februar 1925 hören dem Bauernstand an und können ihr, heimischen Dörfer nicht verlassen. Eine Schwierigkeit wird sich ergeben, wenn es sich darum handelt, -diese Marannen, die jetzt nach der Beschneidung, jüdischer Eheschließung unb vollem jüdischen Leben verlangen, in dieses Leben einzuführen. Gerade weil die Raffentradirion bei ihnen sehr stark und die Mischehe immer vermieden worden ist, wird ihnen ihre tatsächliche Unwissenheit in allen Grundlehren und Gesetzen des Judentums schwer klar zu machen sein. Sie glauben, in ihren eifrig geübten Bräuchen echtes Judentum zu besitzen und es dämmert ihnen nur allmählich, wieviel sie noch zu lernen haben werden um wirklich Juden zu werden. Die eisrigsten der Marannen drängen die Lissaboner jüdische Gemeinde, die sehr klein und wenig leistungsfähig ist, ihnen mit Unterricht zur Seite zu stehen, damit die Heranwachsende Generation sich wieder offen zum Glauben der Väter bekennen tonne. Die gegenwärtige republikanische Regierung von Portugal soll der beabsichtigten Rückkehr der Marannen zum Judentum mit voller Toleranz gegenüber stehen, und es seien von dieser Seite Schwierigkeiten nicht zu erwarten. Man muß diese kaum für möglich gehaltene Wiederbesinnung eines abgestorbenen Gliedes des jüdischen Volkes mit ehrfürchtigem Staunen begrüßen. Wunderbar ist die Zähigkeit, mit der hier durch Jahrhunderte hindurch die historische Erinnerung festgehalten worden ist, wunderbar die machtvolle Wirkung der Stimme des Blutes, die über Jahrhunderte hinaus die verlorenen Brüder zu den Brüdern Heimrust. Los von den „dogmatisch-traditionellen Vorurteilen". In Berlin tagte vorige Woche die dritte Konferenz des „Verbandes ostjüdischer Studentenvereimgungen in Deutschland", die in ihrer Schlußsitzung mit ungeteilter, rückhaltloser Begeisterung die bevorstehende Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem begrüßte und zugleich die kategorische Forderung aufstellte, daß die judaistische Fakultät der Jerusalemer Universität sich nicht an d o g m a t i s ch t r a d i t i o n e l l e Vorurteile binde, damit sich eine freie wissenschaftliche Arbeit auch auf dem Gebiete der judaistischeu Literatur und Geschichte entwickle. Unrecht hat der Verband jüdischer Studenten- Vereinigungen von seinem Standpunkt aus nicht. Wenn schon Universität, so denkt er, dann richtig. Muß die jüdische Hochkultur, die jüdische Wissenschaft, die jüdische Forschung nach Art und Muster ist zu berücksichtigen, daß die Mineralquelle des Toten Meeres etwa iOOOOO Tons Mineral, für die Einschiffung liefern wird. Der Transport wird über das Jordantal mittels Eistnbahn geleitet werden und die Punkte Boisan-Haifa verbinden. Es wäre unpraktisch, setzte Sir Herbert Samuel fort, in einem so kleinen Lande wie Palästina, zwei moderne Häsen in einem Abstand von nur fünf Meilen voneinander zu errichten. Der Sachverständige des Kolonialamtes, der berühmte Ingenieur Palmer, habe sich für den Bau des Hafens in Haifa ausgesprochen, der eine Million Pfund kosten würde. Der Bau des Hafens in Jaffa würde freilich weniger als eine Million kosten. Ein Hafen in Jaffa würde dem Orangen-Export viel nützen und auch den Jerusalemer Handel fördern. Es bestehen aber Pläne, den Hafen von Haifa auch Jaffa und Jerusalem dienlich zu machen. Man wird die Linie Haifa- Aegypten teilen, sodaß eine Linie Tel-Aoiv und Jaffa berühren wird. Natürlich mutz erst die finanzielle Möglichkeit der Ausführung dieses Planes erwogen werden. Dann besteht das Projekt der Schaffung eines Landungsplatzes an einem Zentralpunkt zwischen Jaffa und Tel-Aoiv. Sir Herbert Samuel schlug der Abordnung vor, eine Sachoerftändigen-Kommission einzusetzen, die alle diese Projekte zu prüfen und zu vereinigen haben wird Auch soll eine Kommission die Finanzierung dieser Unternehmungen in den Kreis ihrer Erwägung ziehen. Eine merkwürdige Ansicht. Am Schabbos und Iomtof sagt man nach aitja mopn die in allen Gebetbüchern stehende Mischna, Ende Tomid ganz. In den früher fast in allen Der Israelit anderer Völker eine Universität haben, so muß diese Universität auch darin den anderen Universitäten gleichen, daß sie über der Tradition, stehend, frei und ungebunden alle Voraussetzungen überwindet und die neuesten Resultate der Wissenschaft ihren Jüngern bietet. Wir haben aber einmal unsere Voraussetzung, unsere Sinaigebundenheit, niim rr^rr rvnn rripn ^rr die keiner lösen kann, ohne seine Beziehungen zur Seele des Judentums zu lösen, ohne die Brücke zur tausendjährigen Tradition, die sich um kein Haarbreit vom festen Boden des Thoragesetzes entfernt, abzubrechen. „Von Zion geht die Thora aus und das Wort Gottes aus Jerusalem!" Was aber der Studentenverband in richtiger Interpretation aller Auspizien, unter denen die Universität in Jerusalem entstanden ist, will, ist, daß von Zion die T h o r a k r i t i k ausgehe und das Wort der Gottesleugnung aus Jerusalem!- Wir sind von der Forderung des „Verbandes jüdischer Studenten-Vereinigungen" keineswegs überrascht, denn diese Stimme aus dem Westen klingt harmonisch mit derjenigen des „H a s ch i - l o a ch" aus dem Osten zusammen, dem schon das Käppchen auf dem Haupte zweier hebräischer Professoren in den heiligen Hallen der Universität (der dritte hat sich offenbar schon emanzipiert) ein Verrat an der nationalen Renaissance, ein Rückfall in die dunkelste Sklaverei der Gottes-Knechtschaft im Golus dünkt. Es wird sich lohnen, auf dieses Bekenntnis einer schönen Seele — das Haschiloach-Heft liegt uns im Original noch nicht vor — eingehender gurückzukommen. Als interessantes Material zur Geschichte der hebräischen Universität sei hier noch die uns von angeblich gut unterrichteter Seite gewordene Mitteilung verzeichnet, daß Prof. C h a j e s in Wien seine Berufung nach Jerusalem deshalb ablehne, weil Baron Edmund von Rothschild, einer der Hauptgeldgeber, sich gegen die Pflege uferloser Vibelkritik an der Universität ausgesprochen habe, worin Prof. Chajes eine unmögliche Beeinträchtigung der Forschungs- und Lehrfreiheit erblickt. Ergkbuifse und Folgerungen. Von ZS. Strauß in Krankfurt a. W. Aeutzere, für die Gestaltung der deutschen Judenheit fast belanglose Ereignisse, legten einen Durchschnitt durch den Kreis der geistigen Gruppierung ihrer Glieder. Es fanden Wahlen zum Preußischen Landesverband statt, an denen sich die Orthodoxie nicht beteiligte, da sie, nachdem im Halberstädter Verband die adäquate Institution geschaffen, auf selbständige Vertretung nicht verzichten konnte. Die Ergebnisse der Wahlen haben die Berechtigung dieses Standpunktes erbracht und darüber hinaus die Plattform der Gemeindekonservativen so verengt, daß größte Besorgnis für die Zukunft besteht: Erdrückende Mehrheit der liberalen Stimmen, Anwachsen der zionistischen Glieder, Entleerung der konservativen Gruppe, die selbst durch Mobilmachung großer ostjüdischer Kreise, wie in Frankfurt, nicht imstande war, eine Potenz zu erreichen, um als nennenswerter Faktor in den Landesverband einzuziehen. Es ist mit uns Gesetzestreuen so weit gekommen, daß wir nach Besuch einer Wahlversammlung des positiven Blocks oder der Lektüre der konservativen Presse zu der Ueberzeugung kommen mußten, die liberale Liste werde nur aus Motiven der Angst gewählt, während die Forderungen des positiven Blocks ob des „Positivismus" seiner Anhänger innere Einheit und Macht erzwingen würden. Run, nachdem die Ergebnisse vorliegen, tut man den Geschehnissen weiter Gewalt an, interpretiert sie und glaubt Ereignisse korrigieren zu können. Darum sei es denn gesagt: Das Wahlergebnis kann — knapp ausgedrückt — im inneren Wiedererstarken des Liberalismus und im Verwischen der positiven Inhalte des Judentums, in der Verfälschung des Klallgedankens seitens der Gemeindeorthodoxie umfaßt werden. Daher das unerwartete Ergebnis, das bei Streichung der ostjüdischen Stimmen, wie in Frankfurt, ein klägliches Bild ausdecken würde. Der Liberalismus ist aus seinem tiefen Schlaf erwacht und sucht nach neuer Lebensgestaltung in der Gewinnung teiljüdischer Inhalte, im Bewußtsein seiner Selbstbeurteiluna zu peripherischem Dasein bei Weitergleitung auf der im 19. Jahrhundert gewonnenen Ebene. Die Gemeindekonservativen, in ihrer 8plenckick isolation suchten eine Erweiterung ihrer Basis und verbündeten sich in .hehreren ausschlaggebenden Großgemeinden mit Zionisten und Ostjuden, proklamierten so den positiven Block. Wie positiv es um diesen Block bestellt war, wurde durch die Referenten der gemeindeorthodoxen Wahlversammlungen an oculos demonstriert: ■ Der Konservative bemüht sich, seine Stellung zur „Trennungsorthodoxie" so deutlich wie irgend möglich abzugrenzen, um mit den liberal „positiven" Mitgliedern seines Blockes zu einer Einheit zu verschmelzen. Der zionistische erschöpft sich im Abwehrkampf, schont die „positiven Gefühle" der Konservativen, Häusern vorhandenen Tixp "D findet sich auf S 51 die Mahnung, man solle nicht die ganze Mischna sagen, sondern nur den Satz, der aus den betr. Tag patzt, also z. B. am Schabbos nicht Erpn fiVx-in usw., sondern nur: m-wix vn nai« usw. Der Verfasser beruft fick für se'ne Ansicht auf die großen in Frankfurt a M. gedruckten tp'ivro, wo vor i2'j?bX2 px dieselbe Meinung in deutscher Sprache beigedruckt sei. Giebt es mVnp in denen nach dieser Vorschrift gebetet wird? S. I. in Nb. Wie kann man Transjordanien aus einerWüste wieder in eine Kornkammer verwandeln? Professor Passarge sucht in den ..Naturwissenschaften" die Frage zu beantworten, wie es kommt, daß das Ostjordanland. welches im Altertum von märchenhafter Fruchtbarkeit und eine der wichtigsten Kornkammern des alten Rom war, heute eine fürchterliche Stelnwüste sei. Seit der Islam hier herrscht, sagt Prof Possarge, ist es ödes Land, das keine Frucht trägt. Prof. Paffarae setzt sich mit den neuesten Forschungen auf diesem Gebiete aufeinander. Er macht aus Beobachtungen aufmerksam, die von der nach Aegypten entsandten Expedition der Hamburger Wissenschaftlichen Stiftung gewonnen wurden. Unter den Laoasteinp'atten der Wüsten Aegyptens liegt eine feine staubige Erde, die im Hauran so sein und locker ist. daß man sie nicht zu pflügen braucht; man streut die Samenkörner einfach auf die Erde und eggt die gesäte Fläche mit einem Akadienast. ^ie rä'selhafte Hauran-Erde dürfte nun nichts anderes sein, als der Salzstaubb"den der ägyptischen Wüste, der unter den Platt, n des Steinpflasters, der sogenannten Hamada, liegt. Nach Entfernung der Laoaplatten tr tt die fruchtbare Erde zutage, und so lassen sich die reichen Getreidefelder erklären, die einst den Hauran zur Kornkammer machten. Der Verfasser schließt! «Einst war der Hauran, als geordnete Verhältnisse herrschten, eine Kornkammer des römischen Reiches; könnte er es jetzt nicht wieder werden? Bei der heutzutage sich vollziehenden Neugestaltung in Palästina dürfte auch die Zeit gekommen sein, dieser wichtigen Frage sich zuzuwend'en. (Wäyrung in kekräischer Sprache.) Die palästinensische Regierung hat zwei Kommissionen ernannt, die die Namensbezeichnung der in kuHem herauszugebenden neuen palästinensischen Währung in hebräischer und arabischer Si rache sistzustellen haben sollen. Die Kommission soll über die hebräische Benennung entscheiden. Der stellvertretende Obersekretär der Palästina-Regierung. General Sir Ronald Storrs, ist der Vorsitzende der beiden Kommissionen. — In palästinensischen Kausmannskreisen besteht eine Unzufriedenheit, daß die Einheit der neuen Währung ungefähr den Wert eines englischen Pfunds haben, soll. Die Jaffaer jüdsche Handelskammer hat beschlossen, den Oberkommissar darauf aufmerksam zu machen, daß das Pfund eine allzu hohe Werteinheit für Palästina darstellt, und daß die Festsetzung einer niedrigeren Werteinheit den Interessen des Landes földtrlich fein würde.