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Der Israelit · 1925-02-26 · Heft 9 (26.2.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 9 (26.2.1925)
Date
1925-02-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 9 Der Israelit 26. ftebruar 1925 Millionen orthodoxer Juden in Uebereinstimmung mit meinem Vorredner gegen die geplante Kalenderreform mit Blankotagen das Wort zu ergreifen. Die Heilighaltung des Sabbats, durch welche wir Juden Zeugnis ablegen von der Weltschöpfung Gottes und dem Sabbath dieser Schöpfung, wäre durch die geplante Reform so gefährdet, daß wir infolgedessen die Zerstörung unseres geistigen Gottesheiligtumes auf Erden befürchten mutzten. Des Ernstes dieses allerwichtigsten uns vorliegenden Problemes bewußt, haben wir unsere Augen nicht verschlossen vor den praktischen Vorteilen, welche die Anhänger dieser Reform davon erwarten. Aber wenn diese praktischen Vorteile, wie es den Anschein hat, auch ohne die Einschaltung der Blankotage erreicht werden könnten, sollte dann nicht eine derartige Lösung sehr ernsthaft zu erwägen sein? Es liegt nicht auf unserem Wege, zu entscheiden zwischen den verschiedenen Meinungen, welche sich unter den hierfür zuständigen Männern bereits zu erkennen gegeben haben. Sollte aber die Kommission für Kalenderreform der Ansicht sein, den st3tu8 qm, des Kalenders nicht aufrecht zu erhalten, so bitten wir, den von uns bereits früher schriftlich gemachten Vorschlag, der übrigens auch schon, wie wir inzwischen erfuhren, von wissenschaftlicher Seite gemacht worden ist, in Erwägung zu ziehen, nämlich das Jahr auf 364 Tage oder 52 Wochen zu fixieren, und alle fünf oder sechs Jahre eine ganze Woche einzuschalten. Es entzieht sich unserer Beurteilung, inwiefern diesem Projekt sich unüberwindliche Schwierigkeiten, ökonomischer Art in den Weg stellen. Jedoch, wenn auch der Wunsch nach einem mit allen Vorzügen ausgestatteten Kalender unerfüllt bleiben müßte, so seien einige Worte des holländischen Wissenschaftlers Dr. A. D. v. d. Har st in Erinnerung gerufen, die er in einer im Jahre 1923 erschienenen Broschüre niederschrieb. In dieser Broschüre wendet derselbe sich gegen die radikale Kalenderreform mit Blankotagen, u. a. auch mit Rücksicht auf die Sabbathfeiernden und schlägt eine andere Lösung vor, die, wie er es ausdrückt, den Vergleich mit jenen Lösungen, die zu den Blankotagen ihre Zuflucht nehmen, aushält. Und auf die Einwendung, daß jene Lösungen doch den großen Vorteil eines ganz stabilen Kalenders bieten, antwortet Dr. v. d. Harst mit der Frage: „Spielt denn der Preis, wofür man etwas Vorteilhaftes erwirbt, keine Rolle?" Meine Herren! Wir hegen die feste Zuversicht, daß auch Ihnen der Preis für die Kalenderreform mit Blankotagen zu teuer erscheinen wird, wenn Sie denken an die dadurch bedrohten heiligsten Güter von Millionen Sabbathfeiernden. Rede des Herrn Oberrabbiner Dr. Lewen st ein, Zürich. Meine Herren! Im Namen des Judentums bittet Sie das Rabbinat die Reform der sogenannten Blankotage zu verwerfen. Der Sabbat ist der durch das offenbarte Gesetz geheiligte siebente Tag der Woche und als solcher ist er ununterbochen seit mehr als dreitausend Jahren von der ganzen Kette der jüdischen Generationen beobachtet worden. Es steht nicht in der Macht des Rabbinats, einen anderen religiösen Ruhetag wie den Sabbat gu wählen. Der Rabbiner ist nur der Lehrer, derjenige, der das religiöse Gesetz lehrt und nicht irgend eine israelitische Religionskörperschaft, sondern die religiöse Gemeinschaft ist die Wächterin der unverletzlichen Heiligkeit des Sabbats. Man wird nicht leugnen, daß vom Standpunkte der religiösen und geschichtlichen Betrachtung das Judentum moralische Werte besitzt, die der ganzen Menschheit Nutzen gebracht, ihr noch nützen und in der Zukunft dienen werden. So wolle man denn nicht vergessen, daß das Judentum, des Sabbats beraubt, nicht mehr das Judentum ist und daß der Einfluß dieser moralischen Werte vernichtet sein wird, wenn man Maßregeln ergreift, die den Trägern dieser Werte die Erhaltung ihres religiösen Erbteils fast unmöglich machen. Wenn die Beobachter des Sabbats durch die Reform des Kalenders mit Blankotagen in eine der gefährlichsten wirtschaftlichen Lagen gebracht werden sollten, so würde das Gegenteil derjenigen Wirkung eintreten, die die Reform zu erreichen sucht, nämlich die Vereinfachung in den wirtschaftlicken Beziehungen und die Steigerung der allgemeinen Wohlfahrt. Der Völkerbund kann die Motive nicht verkennen, die uns leiten, sein Zweck ist ja, die Vereinigung und den Frieden zu fördern. Dieses Ideal einer glücklichen Zusammenarbeit aller Nationen der Erde, ist von dem Propheten Jesajas verkündet worden. Aber dieser große jüdische Seher war es auch, der den Gedanken verkündete, daß zur Verwirklichung jenes Ideals die Idee des Sabbats triumphieren muß im Kreise der Menschheit. Grand Rabbin Levi schilderte die Verwirrung, die in wirtschaftlicher Hinsicht sowohl im Handel wie in der Industrie durch die jährliche Verschiebung des Ruhetages entstehen müßte und wies daraufhin, daß viel berechtigter, als die geplante Reform eine andere sei: Die Einführung einer Arbeitswoche von 5 Tagen, die dem Juden die Beobachtung des Sabbaths erleichtern würde statt sie zu erschweren. Chiefrabbi Dr. Hertz sprach seine Ueberzeugung dahin aus, daß die Reform niemals allgemein angenommen werde, so daß das Ergebnis daher nicht Einheit, sondern Verwirrung sein werde. Er ersuchte um eine Ergänzung der Kalenderkommission durch Vertreter der hauptsächlichsten Konfessionen. Lucien Wolf endlich sprach als Vertreter von Laienkörperschasten. Er betonte namentlich die unheilvollen Wirkungen der Reform auf Osteuropa, wo die orthodoxen jüdischen Schichten in Handel und Industrie eine so bedeutende Rolle spielten. Gerade diese Schichten, das stabilste und politisch gesundeste Element der Bevölkerung, würden durch die geplanten Maßnahmen in die größten Schwierigkeiten gestürzt werden. Wie berichtet wird, waren die Ausführungen der jüdischen Vertreter nicht ohne Eindruck auf die Mitglieder der Kommission und es ist zu hoffen, daß man insbesondere den vorgetragenen praktischen Vorschlägen ebenso wie der Opposition, die sich aus anderen Kreisen gegen die radikale Reform geltend macht, die verdiente Beachtung schenken wird. Wochenrundschau. Nach vierhundert Jahren. Vor einigen Monaten wurde bereits über die merkwürdige Eingabe berichtet, die von einigen Gruppen der in Portugal und Spanien noch lebenden Marannen an das Oberrabbinat in Jerusalem gerichtet worden war. Die Marannen sind die Nachkommen jener jüdischen Brüder, die in dem finsteren Jahrhundert der spanischen Inquisition sich vor dem sicheren Tode durch scheinbare Verleugnung des väterlichen Bekenntnisses retteten, um im Geheimen desto zäher an der Beobachtung der überlieferten Gesetze und Bräuche festzuhalten. Man hat allgemein geglaubt, daß die späten Enkel dieser Unglücklichen sich ihrer Umgebung trotz manchen festgehaltenen altjüdischen Brauches "völlig assimiliert und jede deutliche Erinnerung an die Geschichte ihrer Väter längst eingebüßt hätten. Wunderbarer Weise ist dem nicht so. Durch Vermittlung des Londoner „Jewish Guardian" sind die portugiesischen Marannenkreise jetzt an die Anglo Jewish Association mit der Bitte herangetreten, sich vor allem der Erziehung ihrer Kinder anzunehmen und ihnen jüdische Schulen zu geben. Bei dieser Gelegenheit werden die Berichte erst voll gewürdigt, die manche Kenner der Verhältnisse, zum Beispiel der verstorbene F. D. Mocatta, über die Marannen bereits in früheren Jahren in mehr oder minder engen Kreisen verbreitet hatten, über die man aber achtlos hinweggegangen war. Die Marannen haben — so lesen wir — ihren Glauben vier Jahrhunderte lang geheim gehalten und erst jetzt haben sie sich ihren jüdischen Glaubensgenossen zu erkennen gegeben. Diese sind nun zu Famlienfeiern der Marannen zugelassen worden und haben die Gebete, welche die Marannen ehrfürchtig hersagen, ohne sie zu verstehen, als Hebräisch erkannt. Allerdings ist es ein verkrüppeltes Hebräisch. Der Versöhnungstag ist immer streng gehalten worden, die Mondphasen sind nach einer traditionellen Formel regelmäßig festgestellt worden, um das Datum zu bestimmen. In der Tat kommen manche Marannen vor Jomkippur nach Lissabon und besuchen dort die Synagoge, aber die meisten ge- Bemerkungen zu nann 's- Don Rabbiner Ar. Winkter in Kopenhagen. I. 25. 2: ’nnvin ns inpn in1? um’ nm ws °?n ns» ..Don jedem, den sein Herz dazu treibt, erhebet Meine Gabe", so heißt es an der Spitze des Gebotes, das erste Heiligtum in Israel zu errichten. Unser Wochenabschnitt handelt von der Erbauung des Stiftszrltes. unser Prophetenabschnitt von der des Bes Hamikdolch. Doch welch' ein Abstand zwischen diesen beiden Errichtungen! Dort in einer reichbevölkerten Großstadt, unter Ueberflutz an Lebensmitteln, Besitztümern und Kostbarkeiten aller Art, — hier in einer Oede, wo es zuweilen selbst an Brot und Wasser mangelte! Allein so erfordert es einmal das göttliche Gebot für alle Zeiten: wv'i Enp» «Sie sollen Mir ", glejchoiel wo sie sich befinden und in welchen Verhältnissen sie >eben, „ein Heiligtum errichten". Die Gaben hierzu sollen genommen werden „von jedem, den sein Herz dazu treibt". Wo nur ein starker und ehrlicher Wille vorhanden, da ist auch kein Hindernis, selbst in der Wüste ein Gottesheiligtum zu errichten! II. 25. 8: änj?» upsn »Sie sollen Mir ein Heiligtum errichten". bemerkt Raschi, bedeute »»p1? Meinem Namen». Der Sinn mag wohl der sein: Es sollte eine heilige Stätte errichtet werden, daß darin der Name Gottes genau wie er geschrieben ist ausgesprochen werde, vgl. uivi mso rs t»mv vmam K,,öj?- Die Erde ist überall voll unreiner Elemente. Keine andere Stätte auf ihr hat daher die Eignung, daß darin der heilige Gottesname ausgesprochen werde, als allein das Heiligtum, das der Himmelspforte zugewandt ist. Nach jnT tw nn»V PN2'. m. 25. 11: 2'3v nnr ir 1'hp n'vwi- — Nur folgende drei Gegenstände aus dem Inventar des Heiligtums waren mit einem goldenen Kranz — nm IT — geschmückt: Die Bundeslade, der Altar und der Tisch der Schaubrode — rns jnbttn - mTö —: Die Bundeslade enthält die G otteslehre — nun, der Altar stellt den Gottesdienst — n *71337 — dar, und der Tisch versinnbildlicht die werktätige Menschenliebe — mb’iw onon- Dgl. ynns ''irh jn o*>tt :'3 ns? «»v» ♦'im |n v'->nn T's ninsi s"»s Kleines Feuilleton. Palästina- Häfen. Der Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, empfing dreier Tage eine Abordnung der Städte Tel-Avio und Jaffa, die von dem Bürgermeister von Tel-Aviv Dizengoff und dem Präsidenten der Iaffaer Handelskammer geführt worden war. Die Abordnung drückte nochmals den Wunsch aus, daß die Regierung in Jaffa einen modernen Hafen erbaue, in welchem Falle die Stadtverwaltungen von Jaffa und Tel-Avio bereit wären, die Kosten für die Messung^, und Baggerungen zu tragen. Sir Herbert Samuel erniderte de.r Abordnung, die Regierung erwäge die Frage des Hafenbaues ganz unparteiisch und lasse sich nur von real n Rücksichten leiten. Der Anspruch Jaffas auf einen modernen Hafen gründet sich darauf, daß Jaffa ein weit größerer Handel-umfchlagplatz sei, als Haifa. Demgegenüber besitzt Haifa zahlreiche ihm von der Natur verliehene Eigenschaften, die ihm als Hasenplatz den Vorzug geben; vor allem eine geschützte Bucht. Obwohl es heißt, der Glaube könne Berge versetzen, so wird doch der Glaube der Iaffaer Bevölkerung es nicht vermögen, den Berg Karmel für den Schutz ihrer Rheede herbeizuschaffen. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß Haifa ein großes Hinterland besitzt: Syrien. Transfordanien und Irak. Sobald die Oelfeider von Moful entwickelt fßltt werden, wird man die Oelröhren bis zum Mittelländischen Meer leiten, dann kann nur Haifa als Anfgangshafen in Betracht kommen. Nicht zuletzt

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