Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1925)
- Date
- 1925-02-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Teile 6 Nr. 8 ' i t 19 Februar 5 sein —so würde sich eine dem augenblicklichen Palästinarummel nicht wehrende „Agudas Jisroel" doch mit der lächerlichen Schuld belasten, daß sie in einen Wettbewerb um eine offensichtliche Pleite eingetreten ist. Denn die Bedrohlichkeit der gegenwärtigen Vorgänge in Palästina bleibt eine Tatsache, ob nun die Zionisten wirklich an sie glauben oder nur so tun, als ob sie an sie glaubten. Es bleibt Tatsache, was ein für die „Agudas Jisroel" überaus tätiger, angesehener und für die Palästinaarbeit sehr interessierter Mann in einem Briefe aus Polen an mich in die Auswirkungen gleichenden.Großstädten zu erhalten. 2er Anregung, das- Leben im - jüdischen Köln, im Zusammenhang zu schildern, kommt Ihr Berichterstatter um so bereitwilliger entgegen, als man häufig die Wahrnehmung macht, daß im übrigen Deutschland doch recht oft auf mangelnder Kenntnis der Dinge beruhende Urteile über die Gemeinden und die Institutionen unserer Stadt herrschen, die die Wacht am Rhein auch in religiöser. Hinsicht sein soll. . Die Zeiten des Kampfes um die Selbständigkeit der Orthodoxie liegen weit hinter uns. Zwischen beiden Gemeinden der großen religiös-neutralen und der an Seelenzahl kleinen, thorätreuen Adaß Jeschurun Worte faßt: „Was soll man zu dem Erez Jisroel-Rummel sagen? Da droht ein großes - ihren Wortführern bestehen Beziehungen, die bei weitem Unglück." nicht so gespannt sind, wie sie waren und psychologisch Und darum ist es Pflicht der „Agudas Jisfein könnten. Zur Ordnung von Angelegenheiten der roel", respektive ihrer Palästina-Zentralen, kein j Gesamtheit sind Rabbiner und Vertreter beider Ge- Oel ins Feuer gießen zu lassen, mit Umsicht und feinden wiederholt zusammengetreten, so — abgesehen Vorsicht vorzugehen, mit einem Worte zu von gemeinschaftlichen Maßnahmen, die die Kriegs- und bremsen. Im Interesse Erez Jisroels selbst. Nachkriegszeiten gebieterisch erheischten — zur Rege- Blinder Eifer schadet bekanntlich nur.! lung des Cruw, zur Ordnung der mit der Wiedergewin- Was aber, mit den Juden geschehen soll, die es nung des ältesten deutschen Judenfriedhofs zufammenin den bisherigen Wohnorten nicht mehr aushängenden Fragen, zu Verwaltungsmaßnahmen des halten können? Ja, die Frage ist doch nicht von Heute: Als noch in der jüdischen Öffentlichkeit nur „Notabeln" reden durften, haben sie sie stolz: weggelächelt. Als dann die Zionisten aufkamen/ haben sie sie stolz wegeskamotiert. Und als sich schließlich die Ueberlieferungstreuen besannen, daß sie doch eigentlich auch auf der Welt wären, haben sie, — na, Gedankenstrich. Darüber sind kostbare Jahrzehnte dähingegangen und das Unheil ist immer größer geworden. In jedem Falle wird die Frage nicht dadurch gelöst, daß man aus dem Schrecken ohne Ende ein Ende mit Schrecken macht. (Wir kommen auf die Frage zurück. Red.) llonezp-«l>e«rea « Narimcmea Deutschs» Nsieh Aus den Gemeinden Berlin, 13. Februar. Heute fand eine Sitzung des Rspräfentantenkollegiums der Adaß Jisroel stakt, deren öffentlicher'Teil Häuserverwaltungsfragen betraf. In geheimer Sitzung wurde über Schulfragen weiterberaten. Berlin, 15. Februar. Eine Sitzung des Repräsentantenkollegiums der Jüdischen Gemeinde beschäftigte sich mit der Frage der Förderung einer hebräischen Sprachschule. Von liberaler Seite wurde angeregt, eine solche von Gemeinde wegen zu gründen. Namens der Volkspartei wies Dr. Klee auf das Bestehen einer hebräischen Sprachschule in Berlin Schächtbetriebs. So haben auch neuerdings Vorstand und Repräsentanz der Großgemeinde dem hiesigen Jüdischen Lehrerseminar, wenn auch auf Umwegen, ünö der Höheren Jüdischen Schule Jawne namhafte S# ventionen gewährt, obwohl beide Institute,' wenn sie auch formell und juridisch selbständig sind, in Gesinnung und Betätigung den Idealisten der Adaß Jeschurun huldigen. Die Jawne, mit Kriegsende begründet und als Reformrealgymnasium für Knaben Änd Lyzeum für Mädchen geplant, ist heute bis zur Obersekunda und Prima des Lyzeums ausgebaut. Es ist dem rührigen Vorsitzenden und einigen wenigen prominenten Mitgliedern des Schulrats zu danken, wenn die Schule, die unter dem Direktorat des leider so früh abberufenen Dr. Meier Cahn sich erfreulich auswärts entwickelte, ihren gewaltig emporgeschnellten Etat bestreiten konnte. Die Opferfreudigkeit der interessierten Kreise kann nicht rühmend genug hervorgehoben werden; sie und die vorbildlich treue und unterrichtlich wie erzieherisch erfolgreiche, mühevolle Arbeit aller Lehrer und Lehrerinnen kann keinen schöneren Lohn finden, als es die grade im Augenblick zu erwartende staatliche Anerkennung und ein wesentlicher Zuschuß der Stadtverwaltung, der in sicherer Aussicht steht, sein werden. Die obligatorische Religiönsstundenzahl bewegt sich in den einzelnen Klassen zwischen 12 und 9, wozu noch fakultativ ein ausgedehnter Nachmittagsunterricht in Mlschnah ’ und Talmud tritt: Nur aus Mangel an genügend qualifizierten Lehrern kann der jüdische Unterricht nicht durchweg nach der einzig entsprechenden, wahrhaft dem Unterrichtsgegenstand immanenten und ihm adäquaten Methode erteilt werden, deren Anwendung bei Begründung der Schule proklamiert worden war, und das auch von Hirsch (Neunzehn Briefe, 18. Br.) der Schule auf diesem Gebiete gesteckte Ziel: „Die Sprache Thnachs, wie die Sprache chres 'Landes, den jungen Sprößlingen eures Volkeseigen, in beiden sie denken gelehrt . . ." bleibt noch Ideal. Ideal bleibt, auch vorläufig noch der sehnliche Wunsch aller Einsichtsvollen, daß die Schule aus allen Schichten der religiös empfin- und deren anerkannte Vorzüge hin und bezeichnet^ die denden Bevölkerung, ohne Unterschied taktischer Eingeplante Neugründung als unnötig. Er vertrat mit einer stellung zu gemeindepolitischen Fragen, besucht werde, großen, weit ausholenden Propagandarede die Auf-! Jüdische Volksschulen haben wir zwei, eine sassung, die bestehende, durch Zionisten gegründete und öffentliche, städtische, als deren Schutzpatron sich die bisher ohne Hilfe geleitete Sprachschule sei von der Ge-• Großgemeinde, die ehemalige Unterhaltungsträgerin, ir.cinbe zu subventionieren. fühlt und Morijah, die als Uebungsschule des Jüdischen Anschließend wurde über das in Weißensee zw er- Lehrerseminars aus kleinen Anfängen in kurzer Zeit richtende Ehrendenkmal für die Kriegsge- 5" einer wohlgegliederten, angesehenen und gesuchten fallenen verhandelt. Bei Erörterungen über anzuj Erziehungsstätte emporgeblüht ist. Mit allen erdenkschaffende Thoramäntel wurde der Gedanke ventiliert,! lichen Mitteln skrupelloser Kampfesweise sucht die zum die Inventars aussterbender Landsynagogen aufzugroßen Teil religiös-liberale Lehrerschaft der städtischen kaufen. Don kleineren Anträgen waren beachtenswert! Volksschule d er jüngeren, viel kleineren, wenn auch oft ein solcher, der den Gemeindeborstand um Maßnahmen bevorzugten Schwester das Lebenslicht auszublasen, gegen das Litfaßsäulenplakat der Naumannpartei er-! Vergebliches Bemühen! Und sollte selbst unter dem sucht, das die Zustände in der Gemeindeverwaltung! Zwang schulpolitischer Maßnahmen oder aus Mangel öffentlich als „skandalös" bezeichnet hatte. der Deutschlands. (Bo» iiusererii ftrrresvondeniel- 1 Köln, 16. Februar. Es dürste für die Oeffentlichkeit nicht ohne Interesse sein, von Zeit zu Zeit ein Gesamtbild jüdischen Lebens und Strebens aus dem keineswegs in all ihren an Geldmitteln das Seminar, zu dem sie organisch gehört, seine Pforten schließen müssen, ein neuer Unterhaltungsträger wird erstehen und wird Morijah, die fo segensreich wikende und für die Erhaltung der Thoratreue in Köln so unentbehliche Pflanzung, am Leben erhalten. -Die Stadt Köln, ihre Behörden und die poli-' tischen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung zeigen übrigens mehr Toleranz,- mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Orthodoxie und . ihre. Schule und haben neuerdings durch die Schuldeputation, in welcher Herr Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal das Gesuch warmherzig unterstützte, der Schule eine städtische'Subvention von 7500 Mark für das kommende Schuljahr 'zugebilligt. Das Lehrerseminar selbst ist zwar keine Kölner Institution und dient den Interessen desgesamten deutschen Judentums. Um seine Erhaltung haben doch weite Kreise der städtischen Judenheit sich dauernde Verdienste erworben: ist es doch schon dadurch mit dem jüdischen Leben in Köln aufs innigste 'verwoben, daß es schon über 50 Jahre in hiesiger Stadt besteht. Von den und fünf gleichen Zwecken dienenden Anstalten Preußens hat cs allein die schwere Krisis des letzten Jahrzehnts überdauert, und'will auch in Zukunft seine Wirksamkeit im Dienste der Lehrerbildung nicht einstellen. Unter den übrigen Pflanzstätten der Thora am Platze sei zunächst die Talmud-Thora Hervorgehaben, die Jung und Alt zu gemeinsamem. Lernen in ihren Räumen vereinigt. An ihrer Spitze steht Herr Dr. Wolf, der zugleich als Rabbiner des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands, seit mehr als zwei Dezennien Ersprießliches für die Förderung des Thorastudiums und die Gefetzestreue, vornehmlich in den dem eben genannten Verein angeschlossenen Landgemeinden leistet. Die Schöpfungen der- Ostjübischen Talmud-Thora und der Chassidowschen Jeschiwö Knesses-Jisroel sind neueren und jüngsten Datums.' In-beiden'aber und in letzterer zumal werden Knaben und Jünglinge zu intensivem, nach der Methode des Ostens, in bestem Sinne des Wortes, betriebenen Lernen mit großem Erfolge erzogen. All diese Lehranstalten ringen , hart um ihre Existenz; gelingt es, sie trotz aller Widerstände und geldlicher Nöte über Wässer zu Halten, dann dürfte mit der Hilfe Gottes eine Generation wahrer Bne-Thaüro heranwachsen, die dem Milieu, dem sie entsprossen und auch dem Klal zur Zierde: gereichen, - Und wenn ich nun noch der übrigen Vortrags- und Lehrein richiungen Erwähnung; tue, für die jede der beiden Gemeinden nach ihrer Art und'im Rahmen des ihr Möglichen sorgen,' welche die Frauengruppe der Agudas Jisroel und die Jugendgruppe, letztere unter Leitung ihres bewährten'Führers, des Herrn Leo Munk, häufig und regelmäßig abhalten, und der vielen Privatzirkel in den hiesigen Botte Midrofchim, dann darf kühn behauptet werden, daß das Thorastudium in Köln in erfreulichem Aufstieg begriffen ist. Auf dem Gebiete der Wohlfahrt und der Wohlfahrtseinrichtungen leistet die Kölner Judenheit Vorbildliches. Wäre nur der Geist und die Führung der Institutionen auch auf ihre Mitbenutzungsmöglichkeit durch die religiös Anspruchsvolleren eingestellt, dann böte sich dem Beschauer ein Bild von grandiosem Gemilus Chessed dar. Und wie hier jüdisch-soziales Emp- . finden großangelegte Heime für Kranke und Altersfchwchae, Kinder, Waisen, Lehrlinge, Wöchnerinnen und Säuglingspflege und Volksküche geschaffenhat, so wird durch planvolle Zdokohtätigkeit jeder Ortsyrme betreut udn jedem mittellosen Durchreisenden Schlafgelegenheit, Essen, Reisehilfe und Rat zur Behebung seiner Patz- und Visumfragen zuteil. Daß trotzdem bei der augenblicklichen wirtschaftlichen Krisis, die insbesondere unsere Ostbrüder hart getroffen hat, die soziale Hilfe vom Gesichtspunkt aus nicht allen Anfördeungen genügen kann, ist begreiflich. Dev irrigerweise totgeglaubte LiberäliSiMls,- dieser inhaltlose Rahmen der sanktionierten Sinaientfremdüng, hat auch in Köln aus den Vorbereitungen zu den Wahlen des preußischen Landesverbandes neuen Impuls, frischen Lebenssaft gesogen. Mag er im Bewußtsein seiner zahlenmäßigen Ueberlegenheit sich nun auch im -innergemeindlichen und synagogalen Leben so stürmisch wie nur je gebärden, die Orthodoxie kann nur dabei gewinnen. Im latenten Zustand erscheint er dadurch gefährlicher, daß er auch auf der anderen Seite eine Art Lässigkeit und Müdigkeit erzeugt, daß politisch ungeübtes Denken die Gefahren nur schwer erkennt und der Drang zur Selbstbesinnung' und Selbständigkeit der Thaurotreue und ihrer Anhängerschaft vor falsch verstandener Friedensliebe zurücktritt. Wessen man sich jetzt bei der liberalen und nationalistischen Gegnerschaft, der gegenüber der konservative Faktor kaum in Rechnung gestellt zu werden braucht, zu versehen hat, kann keinetn wirklich-Gesetzestreuen mehr fraglich sein. "''' Die SynügogeNgemeinde ' A d ä ß ' Je"schürün ihrerseits hat im letzten Jahrzehnt unleugbaren Aufschwung genommen. Aber ihre Expansionwar durch