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Der Israelit · 1925-02-19 · Heft 8 (19.2.1925) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 8 (19.2.1925)
Date
1925-02-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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19 Februar 1925 begegnete, mehr Interesse zuwenden. Der Vorstand der Moskauer Jüdischen Gemeinde hielt am 10. Februar eine Sondersitzung ab, die ausschließlich der jüdischen Siedlungsbewegung in Rußland gewidmet war. Es wurde die Tätigkeit der Regierungskommission sür jüdische Landsiedlung und der bisherige Verlauf der Aktion eingehend erörtert. Herr Abraham Bragin, Mitglied des Präsidiums der Regierunggesellschaft für jüdische Kolonisation und eigentlicher Urheber des Plans der Mischen Landansiedlung, wohnte der Sitzung bei und setzte in einer längeren Rede die hoffnungslose wirtschaftliche Lage der jüdischen Massen in den Sowjetrepublicken auseinander. Er richtete an die Führer der jüdischen Gemeindeorganisation, als die vorrevolutionären Führer der jüdischen Bevölkerung, einen Appell, sich an der Kolonisationsbewegung zu beteiligen, da diese Bewegung den einzigen Weg zeigt, der zur Rettung der russischen Judenheit vor dem Untergang führen könne. Es folgte eine eingehende Diskussion, als deren Resultat eine Resdlution angenommen wurde, die den Plan der Regierung, die wirtschaftliche Rettung der jüdischen Massen durch deren Landansiedlung zu fördern, begrüßt. Es wurde beschlossen, einen Appell an die Weltjudenheil zu richten, daß sie mithelfe, diesen Plan erfolgreich zu verwirklichen. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die de Aufgabe übernommen hat, ein Moskauer Komitee der Gesellschaft für jüdische Kolonisationzuorganisieren. Die Gesellschaft entsandte eine Sachverständigenkommission in verschiedene Gebiete der Sowjetunion, um für die jüdische Landansiedlung passende Bodenflächen zu ermitteln. Die Kommission hat die Pflicht über das Ergebnis ihrer Untersuchung sofort dem Hauptbüro zu berichten, damit die geeigneten Bodenflächen ungesäumt den Zwecken der jüdischen Landansiedlung zugeführt werden können. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Boden längs der User des Schwarzen Meeres zugewandt werden; dieser Boden zählt zu den fruchtbarsten in ganz Rußland. Man muß die weiteren Resultate der Aktion abwarten, um endgültig zu den Einzelfraegen Stellung zu nehmen. Von der Hochkultur des Antisemitismus. Der Vorstand der Sektion Berlin des Deutsch- Oestereichischen Alpenvereins, der es nicht verschmerzen kann, daß die Mehrheit der Sektion sich vor einigen Monaten gegen den AusschlußderSektionDonau-Land ausgesprochen hat, verbreitet jetzt ein Zirkular, worin er ganz offen antisemitische Propaganda macht. Er behauptet, daß es sich bei der Neuwahl des Vorstandes am 13. März insofern um die Zukunft der Sektion handele, als die Entwicklung des Mitgliederstandes in der bisherigen Weise untragbar geworden sei. Die Sektion sei von christlichen Mitgliedern gegründet worden, besitze aber nunmehr mehr als 30 P r o z e n t j ü - bischer Mitglieder. Es fei eine Frage der Selbsterhaltung, die Steigerung jüdischer Neuanmeldungen einzudämmen. Es soll also offenbar versucht werden, auch in der Sektion Berlin einen numeru8 clausus für jüdische Mitglieder einzuführen. Die 30 Prozent jüdischer Mitglieder sollten es aber u. E. als Ehrensache ansehen, die Berliner Sektion durch Wochenkalender. 21.-28. Febr. 1928. I 27. Schwach bis 4. Adar 8685. Samstag Febr. 21 ll'vSvv 27 V2V Rausch-Chaudesch benschen Mauled: Montg. vorm. 10" Sonntag 22 28 0’i>j?e? iitzno Montag 23 29 svj? 1122 oi’ : Dienstag 24 30 1. Tag Raüsch-Chaudesch Mittwoch 25 1 17« 2. Tag Rausch-Chaudesch Donnerstag 26 2 -- Freitag 27 3 ■' Samstag 28 nmn 4 -1PV2N _Der Israelit__ gemeinschaftlichen Austritt so zu reinigen, daß sie sich fortan als würdiges Glied des judenreinen Alpenverbandes zeigen lassen kann. Die Aufgaben -es Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden im Reich und in den Ländern. Referat von Rabbiner Dr. Munk in Berlin. (Auszug.) Anschließend an die Ausführungen von Rabbiner Dr. Kohn über die Forderungen, welche sich aus der ideellen Betrachtung des Wesens der Orthodoxie ergeben, zeigte der folgende Referent, Rabbiner Dr. Munk, daß die geschichtliche Entwicklung der religiösen Verhältnisse innerhalb der deutschen Judenheit als einzigen Ausweg nur noch den Zusammenschluß der Synagogengemeinden zu einem gesetzestreuen Bunde im deutschen Reiche gewiesen hätte. Niemand könne bestreiten, daß Arbeitsgebiete vorhanden seien, auf welchen die gesamte Judenheit Deutschlands gemeinschaftlich segensreich sich betätigen kann. Es brauche nur hingewiesen zu werden auf soziale, insbesondere humanitäre Aufgaben einerseits und Pflichten der Abwehr nach außen auf der anderen Seite. Diese Möglichkeiten aber dulden weder, noch erzwingen sie die einheitliche Arbeit auf dem Gebiete, wo die Gegensätze weit auseinanderkkaffen, auf dem eigentlichen Lebensgebiete der Synagogengemeinden, dem der Pflege der Religionslehre und des Religionsgesetzes. In der Natur der Sache sei es gelegen, daß bei keiner Form eines organisatorischen Zusammenschlusses der Gewissensfreiheit genügend Rechnung getragen werden könne. Die Verfassungen der Synagogengemeinden in den verschiedenen Bundesstaaten weichen systematisch erheblich voneinander ab. In keiner einzigen aber sei das für jede Re-? ligion unentbehrliche Autoritätsprinzip bis zu derü Grade der Machtlosigkeit verurteilt wie in den meisten preußischen Landesteilen auf Grund des Gesetzes von 1847. Was man in keiner einzigen Religion kenne, habe hier das gesetzliche Plazet gefunden. Das gesamte jüdische Kultus- und Kulturwesen ist ausschließlich den Laien überantwortet. Was in der Verfassung der beiden preußischen großen christlichen Konfessionen als selbstverständlich und natürlich anerkannt und im gesamten Organismus durchgeführt ist, ein mitbestimmender, wenn nicht gar -führender Einfluß der Geistlichkeit, haben die 'preußischen Synagogengemeinden der Religion der Väter nicht zugestanden. Die Verwaltungskörperschaften waren selbst durch das Gesetz von 1847 hierzu nicht gezwungen. Aber sie fühlen sich noch heute durch das Gesetz geschützt, rbenn sie selbstherrlich, obwohl laienhaft, vom' grünen Tisch aus über den Kultus in der Gemeinde, im Gotteshaus und in der Familie (Ritualwesen) gebieterisch verfügen. Nur zwei Gründe wage man noch als dringlich für den Zusammenschluß aller Synagogengemeinden trotz ihrer außerordentlichen religiösen Gegensätze in der offiziellen Begründung vorzubringen. Der eine Grund liege in der Not der leistungsschwachen Gemeinden. Diese dringendste Aufabe ber deutschen Gesamtjudenheit müsse — so führt der Referent aus — unbedingt schnellstens gelöst werden. Aber nicht auf Kosten der Gewissensfreiheit des Einzelnen und der religiösen Selbständigkeit der einzelnen Synagogengemeinden. Nur finanziell sei die Gemeinschaftsaufgabe charakterisiert und darum dürfe auch ein hiermit begründeter Zusammenschluß Aller nur finanziellen Zwecken dienen. Nicht aber dürfe in grellem Widerspruch mit der Logik und, was noch schlimmer ist, mit der Moral dies Motiv dargestellt werden als ein Beweggrund, der zur Gründung eines allgemeinen Verbandes für die gesamten, also auch die kulturellen und kultuellen Pflichten der einzelnen Synagogengemeinden, nötigt. Noch schwächer stehe es mit der zweiten und letzten offiziellen Begründung der Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller. Dem Staate Nr. 8 Seite 6 gegenüber müsse eine jüdische Instanz bestehen, die ihm jederzeit alle das Judentum betreffenden Fragen autoritativ beantworte; die ihm insbesordere sage: was ist Judentum, was lehrt, was fordert es. Es fei geradezu rätselhaft, aus welchem Wege ein logisch denkender Mensch aus solchem Erfordernis den Zufammschluß aller ableiten kann! Wie sollte jemals eine Gesamtorganisation ohne ausgeprägte, bestimmte religiöse Grundanschauung sich selbst und nun gar dem Staate gegenüber sagen können, was die Lehre des Judentums enthält, was es fordern darf, was nicht. Ein Verband, der sich gezwungen sieht, in Kultus- und Kulturfragen an die Stelle der Einheit der Organisation Sonderausschüsse in niemals voraus absehbarer Zahl satzungsgemäß zu bestimmen? Wie kann in solcher Organisation die Frage des Staates eine Antwort finden, die der Staat selbst als zu Recht erstattet anerkennen darf. Sollen vielleicht auch die vier Großgemeinden (Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, Köln) mit ihrer erdrückenden Seelenzahl (über 70 Prozent) und mit ihrer großen Mehrheit an Delegierten die Religionsfreiheit der kleinen Gemeinden majorifieren und wechselnde Mehrheitsvoten als „Lehren des Judentums" vor der Staatsregierung, den Parlamenten, den Gerichtsbehörden verkünden? Die zwei angeführten Gründe der berufensten Vertreter des allgemeinen Zusammenschlusses halten vor der Kritik nicht stand. Die Geschichte der preußischen Judenheit, der verfassungsmäßige Rückstand der Synagogengemeinden gegenüber den christlichen Konfessionen/Preußens, den Religionen der ganzen Welt, der unerhörte Niedergang der religiösen Institutionen, sie zwingen unausweichlich zur Aufrechterhaltung und kräftigsten Förderung des Verbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden. / Bitte bremsen! Von Dr. Nathan Birnbaum in Hamburg. Ohne mich in eine Erörterung der Frage einzulassen, ob die Palästinapolitik der „Agudas Jisroel" richtig ist — ich für meinen Teil lehne sie ja durchaus ab — will ich hier nur auf eine Erscheinung der letzten Wochen Hinweisen, die geeignet genug ist, die ernstesten Besorgnisse zu erwecken. Es herrscht ein wahrer Palästinataumel, namentlich in Polen, wo die Lage der Juden nach allen Richtungen hin eine sehr schlechte geworden ist. Hunderttausende suchen verzweifelt nach einem Auswege, und da muß eben Erez Jisroel herhalten. Ohne daß man sich ernstlich fragt: Kann es auch nur ungefähr in dem Ausmaße, als es notwendig wäre, leisten und sind wir die Geeigneten? — sinnt und drängt alles hin. Es wird hüben verkauft und drüben gekauft, meist ohne Sinn und Plan und Berechnung. Ideologen sehen die Erlösung, Durchschnittsmenschen die Parnosse und Spekulanten die Profite, sofern sie sie nicht gleich bei allerlei Transaktionen einstecken, winken. Und niemand ist da, der es versuchen würde, den reißenden Fluten, die mit einer furchtbaren Katastrophe enden müssen, einen Damm entgegenzusetzen. Doch nein, um gerecht zu sein: Die Zionisten, die ja die Geister riefen, sind stutzig geworden und rufen — übrigens nicht zum erstenmal in den letzten Jahrzehnten — ganz ernste Warnungen in die Welt hinaus: Die turbulente Auswanderung, auf Leichtgläubigkeit und Spekulation beruhend und von den Bodenverkäufern gründlich ausgenützt, bedrohe das Kolonisationswerk selbst in seinen Fundamenten. Und sie verlangen von ihrer Organisation den Mut, gegebenenfalls auf Popularität zu verzichten. Ich glaube noch immer vielen aus dem Herzen zu sprechen, wenn ich sage, daß sich die „Agudas Jisroel" diesen Mut erst recht leisten müßte. Vielleicht wendet man mir ein, die Zionisten warnten nur, weil die rege Palästinatätigkeit von Nichtzionisten, namentlich der „Agudas Jisroel" sie erschrecke. Dann ist meine Antwort darauf: Selbst wenn solche Furcht vor der Konkurrenz bei den Zionisten mitspräche — von mehr als mitsprechen kann keine Rede

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