Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1925)
- Date
- 1925-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelit Die Eröffnungssitzung. Schon in den frühen Morgenstunden sind die Konferenzräume im Volksbildungsheim gut gefüllt. Gegen 11 Uhr eröffnet der Vorsitzende der Frankfurter Palästina-Zentrale, Herr Dr. Siegfried Oppenheimer, die Konferenz mit einer Begrüßung der Delegierten und Gäste und mit einem Ueberblick über die bisherigen Arbeiten im Ganzen. Boden ist und wird noch weiter nach Maßgabe der Kräfte und Mittel gekauft, die zur Besiedlung nötigen Menschen sind da. Es gilt nur noch, die besten Methoden zur Erreichung der gesteckten Ziele zu finden. Darauf wird das Präsidium per Akklamation gewählt. Es find gewählt: Die Herren Dr. Siegfried O p p e n h e i me r als erster Vorsitzender, Senator Deutscher, Warschau, zum zweiten und Julius Holländer als dritter Vorsitzender. Als Schriftführer fungieren die Herren: Dr. S. E h r m a n n, Frankfurt a. M., Alfred Stroh, Wien und Joel S a n ger , Frankfurt a. M. Die Reihe der Begrüßungen eröffnet Herr Jacob R o f e n h e i m im Namen des G. A. der A. I. Unter den drei Aufgaben, die das Programm des Judentums und somit auch der Aguda ausmachen: Thora, Awodah und Gemilus Chefsed fällt der Palästina-Zentrale vornehmlich die zweite, die Awodah zu, die Arbeit in und für Erez Jisroel, die Awodah in jenem doppelten Sinne der werktätigen Arbeit am Menschenboden und der Wiedererringung des höchsten G o t t e s d i e n st e s auf der Moria- Höhe. Aber hohe Ziele können, nach Ausspruch des Talmuds nur durch Leiden erreicht werden. Ist der Keren Hatorah dazu bestimmt, die mit der Hingabe an das Studium der Thora so oft verknüpften Leiden ihrer Jünger zu lindern, so obliegt es der Palästina-Zentrale, d i e Leiden zu mildern, die leider aus der ganzen Art des jetzt begonnenen stürmischen Drängens nach Erez Jisroel hervorgehen müssen. Agudas Jisroel kann und muß diesen Kampf gegen das Leid durch die Mittel durchdachter Organisation führen, die sie, so wie Mosche Rabbenu von Jithro die Elemente der politischen Organisation erlernte, auch von außen übernehmen darf. Aber sie muß diese technischen Mittel bewußt in den Dienst der M i z w o h stellen. Wenn einem Agudaredner in öffentlicher Versammlung in Leipzig jüngsthin entgegengerufen wurde, die Orthodoxie arbeite für Palästina „nur der Mizwo wege n", so geben wir es mit Stolz und Genugtuung zu, daß uns die Besiedlung Palästinas in Tat eine Mizwo ist und unser Tun auf diesem Gebiete von Vertrauen zu ihm, der uns mit den anderen auch diese Mizwo gegeben hat, getragen und von Mizwofreude geadelt ist. Es folgt dann der Tätigkeitsbericht, erstattet von Herrn Dr. S. E h r m a n n. An das Maasergebot an knüpfend in seiner dreifachen Gliederung, schilderte der Redner zunächst das S ch u l w e r k der Palästina-Zentrale. Es galt zunächst, jüdische Menschen heranzuziehen, zu welchem Zwecke in Jerusalem wie in anderen Städten und Kolonien Schulen gegründet bezw. wieder eröffnet wurden. Tausend Kinder genießen zurzeit echt jüdische Erziehung in Lehranstalten der Aguda. Das sei aber nur der zwölfte Teil, denn 12 000 Kinder könnten bei genügenden Mitteln erfaßt werden. Die Rausch Chaudesch-Spende mache Fortschritte. Vom Keren Hatorah habe die Palästina-Zentrale bisher nur 60 Pfund für diese Zwecke erhalten. Zum Kapitel B o d e n a n k a u f sei zu berichten, daß die 4000 Dunam längst verkauft sind und soeben erst ein neuer Ankauf von 17 000 Dunam, ein zusammenhängender Komplex im Emek Jisreel zustande gekommen ist. Es ist zu hoffen, daß nach den ausgearbeiteten Plänen ein Musterbetrieb herausgebildet wird, der manche bisherigen Fehler vermeidet. Es empfiehlt sich, die weiteren Arbeiten einer mehr autonomen Gesellschaft mit rein wirtschaftlichen Aufgaben zu übertragen. Der Idealismus der „Poale Agudas Jisroel" muß rühmend hervorgehoben werden. Gelingt es, den Massen der Jereim in Erez Jisroel den Rücken zu stärken, so ist damit alles gewonnen. Herr Rabbiner Tobias Hurwitz bringt die Grüße des Wiener G. A. und spricht für die Palästina-Zentrale in Polen. Er schildert die Lage in Polen, die den Juden die Auswanderung nach Palästina noch als einzigen Ausweg läßt. Wir sind also für die Ursache nicht verantwortlich, haben nur mit den Tatsachen zu rechnen und zu helfen. Die polnische Palästina-Zentrale habe vom Anfang an ihr Augenmerk auf die praktische Arbeit gelegt. Die vom Gerer Rebbe eingeleiteten Aktionen erlitten eine Pause, werden aber heute frisch ausgenommen. Wichtig sei die Tatsache, daß sich die Aulim heute aus den Massen der Frommen rekrutieren. Es haben sich dort viele Kwuzoth gebildet, die, nach Interessengruppen und Landmannschaften zusammengesetzt, die Ansiedlung in Palästina bezwecken. Die Zionisten mühen sich, sich dieser Gruppen zu bemächtigen. An der letzten Konferenz der polnischen Palästina-Zentrale waren aber 48 Gruppen beteiligt, auch solche, die schon in einem Verhältnis zu den Zionisten standen und dieses nun gelöst haben. Mit ein Beweggrund für die Auswanderung ist die Luxusmüdigkeit. Man Literarische Notizen zu v'vSVv '3- Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. 21. 26. 27: 'in m» py nx tt’K fD’ '21 ..Wenn jemand das Auge oder den Zahn seines Knechtes ausschlägt, soll er ihn freilassen." Als Grund für diese Bestimmung gibt der Midrasch (x»iN3Ni ml) an. daß es bei Chom heißt: TOI - xti .Er sah (die Schändung des Vaters) und er erzählte dies seinen Brüdern (Gen. 9. 22). wofür ihn der Vater verfluchte, Sklave zu sein. Wird er nun an einem der Organe (Gesich's- oder Sprachwerkzeug) geschlagen, mittels deren er gesündigt, so erhält er damit die Freiheit wieder. - Zwar hat nach Kiduichin 24 a die Verletzung auch irgend eines anderen dort näher bezeichneten 24 Glieder dieFreilaflung zur Folge: doch werden diese erst auf dem Wege der Deduktion von den in der niln aus-; drücklich genannten „Zahn und Auge" abgeleitet. Dgl. rrs’. II. 22, 19: tnrp v'nbrrb N217. — Abweichend von der üblichen Deutung, legt Midrasch haneelom dieses Wort dahin aus, daß man nicht dem göttlichen Namen v'p^rr, sondern nur 'n zu Ehren opfern dürfe. — Diese Auslegung ist im Sinne des Talmuds 'isvi i"B ''ö 3"fl rnp'i 3"in;’"j? mm») (n"b ''0 om'S, wo auch daraus hingewiesen wird, daß in keiner der opfergesetzlichen Stellen der Thora ^xp oder v'pbrr. sondern allein M vorkomme. m. 24, 7: VQV21 nt&M „Wir wollen tun und hören." — Drei Stufen sind es, die uns auf den Weg zur Vollkommenheit durch die Erfüllung unserer Bestimmung aus Erden führenGottes Wort hören, dann lernen und schließlich üben.- Damals versicherten unsere Väter, schon gleich mit oberster Stufe zu beginnen; heutzutage will man nicht einmal mit der ersten ansangen. — Kleines Feuilleton. Weiteres vom Dubner. Man schreibt uns: Der Dubner Maggid wurde einst -gefragt, warum wir an wniii »'»' die sämtlichen imx 132^0' Vorbeter sowie Gemeinde laut und in¬ 19. Februar 1926 hat das Bedürfnis und den Wunsch, auf heiligem: Boden ein einfaches» bescheidenes jüdisches Leben zu führen. Schwierig ist die Frage der Visa. Vom Gelingen der Palästinaarbeit der Agudas Jisroel in diesem kritischen Momente hängt die Zukunft des Judentums ab. Der hier schon wohlbekannte „Rakower Raw", Rabbi K a l m a n o w i tz, spricht für Zentrallitauen und die Wilnaer Gegend und schildert in drastischen Bildern die Rot in Wilna^ in Polen wie in den Randländern überhaupt. Auch seine Rede gipfelt darin, daß der Auswanderungsstrom mit elementarer Gewalt von selbst losgebrochen ist und uns so die Verantwortung nicht für die Ursachen» sondern nur für die richtige Leitung dieses Stromes zufällt: Lösen könne man heute die Aufgabe nur durch positive Arbeit. Herr Alfred Stroh aus Wien überbringt die Grüße der Wiener, auch des E z o r t k o w e r und des Sabagorer Rebbe wie des Herrn Oberrabbiner Fürst, und erstattet Bericht über die Tätigkeit der Wiener Zentrale, die sich zumeist auf die Fürsorge für die Ehaluzim erstreckt. Ein Chaluzim-Heim sowie Baracken und Chaluzim-Werkstätte sind im Betrieb. Die Asyle umfassen 1000 ^Seiten. Damit ist die Vormittagssitzung kurz nach 1 Uhr geschlossen. Alle Referate und Begrüßungsreden fanden aufmerksame Zuhörer und lösten großen Beifall aus. Die Nachmittagsfitzung. Am Sonntag nachmittag, 4.45 Uhr, eröffnet^ der Vorsitzende, Herr Dr. O p p e n h e i m e r r der im Laufe des Nachmittags den Vorsitz an Herrn Senator Deutscher weitergibt, Niedre Sitzung und erteilt Herrn Rabbiner Horo -- w i c z, Jerusalem das Wort zu einer Begrüßung: im Namen von Erez Jisroel. Redner führt eilw Reihe von Vibelfätzen in sinniger Ausdeutung an, die alle darauf hinausgehen, daß Palästina und alles, was mit Palästina Zusammenhänge im Mittelpunkte des jüdischen Interesses stehen und alle Brüder um ein Ideal einen muß. In diesem Sinne und in der Hoffnung, daß aus den Beratungen Ersprießliches für Jisroel und Erez. Jisroel herauskommen wird, begrüßt er die Versammlung im Namen Jerusalems und Palästinas. Herr Joffeliowski, Memel, überbringt: die Grüße Litauens. Das kleine Litauen habe verhältnismäßig gut gearbeitet, die Arbeiten könnten aber nur im großen Rahmen der Weltaguda von Bedeutung fein. Herr Lewenstein, Zürich, berichtete, daß die Palästina- Zentrale in Luzern mehrere Tausend Franken brünstig, sogar singend beten, hingegen der letzte ganz lautlos und schnell hingesagt wird; ist dieser nicht so wichtig wie die anderen? Der Dubner beantwortete diese Frage mit folgendem: Moschol. Ein Großfabrikant aus L., der e» gewöhnt war, alle feine Einkäufe baar zu bezahlen und daher von den Lieferanten gerne gesehen unk gut bedient wurde,, geriet infolge der allgemeinen Verhältnisse in momentane Geldnot und er reiste zur Herbstmesse nach Leipzig, wo er den Bedarf an Rohmaterial fürs ganze Jahr zu decken pflegte, zum ersten Male ohne Bargeld. Er erschien bei seinen Lieferanten, wo er, wie immer in Ehren ausgenommen wurde, bestellte seinen Bedarf an Ware laut und sicher. Man packte die Waren ein und überreichte ihm die Rechnung. Nun aber trat er bescheiden und in gedrückter Stimmung ins Privatkontor des Chefs und machte ihm ganz leise di? Mitteilung, daß er leider heute nicht zahlen könne» da er kein Geld austreiben konnte. ' So ergeht es uns, sagte der Dubner: wir treten an den v'Xlil ä'»' vor unseren Lieferanten d. i. den V"V13N und bestellen unseren Bedarf für das ganze Jahr, indem wir laut und inbrünstig beten: Unser Vater, unser König, schreibe uns ein ins Buch des Lebens, schreibe uns ein ins Buch der Ernährung und Verpflegung usw. Am Schluß sagen wir ganz leise und schnell: „Unser Vater, unser König uq px '3 ijjyi im laymm ivni npnx nwy 'trwya. Wir haben leider nichts zu zahlen, borge^uns. S. B., Hannover» * * * Die Anekdote vom Dubner Maggid hat mir Dr. Sonnenschetn (Berlin) im Namen des Dubner Maggid folgendermaßen erzählt: