Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1925)
- Date
- 1925-02-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I 19. Februar 1925 ^esamMkttzätte- Die ZMivalK wurde jetzt nach MM: veMgt. Die Schweizer würden es gern Men,. weM: statt neuen Ankaufs die Arbeit mehr darauf konzentriert rvird, den: bereits angekauften Boden urbar zu machen. Die Referate. Zu Punkt 5. der Tagesordnung übergehend erstattet nun Herr Julius H o l l a n d e r ein gründliches und sachliches Referat über „Das w i r. t f ch a f t l ich e A u f b a u p rag ramm i n P a l ä st i n a". Die Frage: Neuankauf oder Ausbau habe die Zentrale eifrig und ernstlich beschäftigt. Ziel des Bödenkaufes bleibe ja, dort Menschen anzustedeln. Aber der Bodenankauf diene ja vielgestaltigen Zwecken, der Landwirtschaftdem Städtebau, aber auch für Reservehoden muß rechtzeitig gesorgt werden. Agudas Jisroel darf keinen. Fehltritt tun und muß daher alles doppelt erwägen. Der Kern des Problems ist hie Bildung von H e i m st ä t t e n, wofür nzWcherlei Projekte: varliegen. Es ist zunächst an kleine Kolonien mit Gemüsebau, Viehzucht und Milchwirtschäft: gedacht, die leichter zu errichten sind. Aber auch an Straßenbau, Kanalisierung und Elektrisierung muß gedacht werden. Daher sei es nötig, daß eine kapitalkräftige Gesellschaft all dieses in die Hand nehme. Notwendig sei in Palästina als Sjedlungsschule zur Ertüchtigung der Kinder ' für den Beruf. Es; wird nicht zu umgehen sein, daß zu den ehrenamtlichen Arbeitern auch besoldete Beamte antzestellt werden, die die Belange Palästinas hauptamtlich und mit ihrer ganzen Kraft bearbeiten. Für all dieses braucht man Geld, aber auch die Mitarbeit und moralische Unterstützung aller. Es.folgt das zweite Referat über dieses Thema von dem bekannten Palästinafachmann D a v i s T r i e t s ch. Trietsch zeigt, worin sich die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel nach seiner Ansicht von der der anderen Organisationen unterscheiden müsse. Die strenge Auslese der Menschen hält er für grundfalsch, da die Arbeitsmöglichkeiten in Palästina sehr vielfältig sind und jedem Juden nach Kraft und Neigung den geeigneten Platz anweisen. Palästina krankt heute daran, daß das Ausland, zum Beispiel Brasilien, trotz seiner hohen Löhne die Landesprodukte in Palästina noch billiger verkaufen kann, als sie das Land selbst erzeugt. Ueber eine Million Dunam Boden liege heute in Palästina in jüdischen Händen, dabei seien nur 25 000 Juden landwirtschaftlich beschäftigt, das fei ein Mißverhältnis, dem abgeholfen werden muß. Der Bodenkauf darf nur um einen Schritt vor der-Einwanderung voraus sein. Die Ein Aurach kommt zum Bankier» während dieser gerade Goldstücke zählt. Der Aurach: kj 'iv'vV.l NM 0V7Kn 1». Der Bankier giebt ihm ein Goldstück. Äer Aurach: Herr Bankier, es steht geschrieben mV hkh rvnn niü rrb. Der Bankier giebt ihm ein zweites Goldstück. Der Aurach: Herr Bankier» es steht geschrieben vinni -mrm )» D'awn v'2iv pN2' N1N»3 kV V V12t» N- Der Bankier giebt ihm ein drittes Geldstück, aber nur ein S ilb er stü ck. Daraus der Aurach: Herr Bankier, die Lehrer sagen. im,. kx»w -w d*tk bv injn rmpna kV- Rabb. Dr. L. in Z. Die Rückkehr der Juden nach Spanien. — Ansichten des Senators Pulido. Senator Angela Pulido. früher Mzipräsident Des spanischen Senats, richtete ein Schreiben an den I. T. A.-Bertreter. in welchem er u. a. ausführt: Angesichts der unvergänglich ruhmvollen Epoche der Betätigung des jüdischen Volkes in Spanien wäre es. eine Torheit zu behaupten, daß wir Spanien dieses Element unserer Bevölkerung, welches an der Spitze unserer Zivilisation geschritten war, vergessen hätten. Aus geschichtlichen Dokumenten geht hervor, daß in der Zeit der Intoleranz, der Inquisition und Vertreibung der Juden, sich viele Stimmen in reinem Zorn gegen die grausame Ungerechtigkeit an den Juden erhoben haben. Seit jener Zeit sind große Veränderungen im Leben des spanischen Volkes vor sich gegangen. Ich bin glücklich, daß neue Bezieh- _Der I s r a e 1 t t Einwanderung müßte möglichst gestärkt werden, weil wir dort die jüdische Majorität brauchen. Die Städtekolonisation muß gefördert werden, und zwar unter noch besserer Voraussetzung als es in Tel Awiw geschehen ist. Redner ist für die Kombination von Stadt und Land, für die Gartenstadt. Die Kosten der Ansiedlung belaufen sich nach seinen Plänen auf 100 bis 300 oder -400 Pfund per Familie, je nach Größe derselben. Die englische Forderung eines Nachweises von 500 Pfund für Einwanderer beruhe auf falschen Voraussetzungen. Wenn in Masse nach einheitlichen Typen gebaut wird, verbilligt sich die Ansiedlung ungemein, Ein Pfund per Kopf und Monat genüge heute in Palästina zur Lebensfristung vollkommen. (?) Wichtig sei die Einwanderung des Privatkapitals. Jerusalem, Safet und Liberias mit ihren streng frommen Massen eigne sich besonders für die Ansiedlungszwecke der der Agudas Jisroel. Aus der Umgebung Jerusalems wäre bei zielbewußter Arbeit noch viel herauszuholen, was das Beispiel Bethlehems, das in nichtjüdischen Händen ist, klar beweist. Herr Dr. Robert W e i ß-Wien referiert, ebenfalls als Gast, über das Thema „Liquidation, Kolonisation und Konsumerfassung". Die wirtschaftliche Organisation der landwirtschaftlichen und industriellen Ansiedlung gesetzestreuer Juden könne durch eine zu gründende „Allgemeine Kolonisationsgesellschaft für gesetzeestreue Juden erfolgen, die ein streng erwerbswirtschaftliches Unternehmen fein müsse, dessen Geschäftsführung weder von parteipolitischen noch von philanthropischen Erwägungen belastet sein dürfe. Aufgabe der Kolonisationsgesellschaft wird Zunächst die Ermöglichung einer verläßlichen Information in Wirschaftsangelegenheiten sein, ferner die Uebernahme der wirtschaftlichen Garantie für die neuen Einwanderer gemäß den Jmmigrationsvorschriften der palästinensischen Regierung. Der Bodenkauf und Verkauf in Erez Jisroel und in dem Goluth, sowie die Liquidation des jüdischen Grund- und Hausbesitzes in Osteuropa wird gleichfalls zum Tätigkeitsbereich der Kolonisationsgesellschaft gehören müssen, wobei sie grundsätzlich nur als Kommissionär, ohne eigenes Kapital festzulegen, operieren wird. Eine eigene, von der übrigen Verwaltung vollkommen losgelöste Pfandbriefabteilung wird die Erzielung von Hypothekarkrediten zu ermöglichen haben. Soweit wird die Einwanderung produktiv arbeitender, gesetzestreuer Einwanderer auf streng wirtschaftlicher Basis organisiert werden müssen. Zu diesem Zwecke sei in Erez Jisroel ein „Konsumverein für den gesetzeestreuen Jischuw" zu gründen, der nach kaufungen zwischen Spaniern und sephardischen Juden geknüpft worden sind. Ich bin glücklich, mit gutem Gewissen behaupten zu können, daß der Gedanke, den ich jetzt vertrete, der Ausdruck des Wunsches der Mehrzahl meiner Landsleute ist. In Osteuropa bin ich mit den sephardischen Juden in Beziehung getreten. Ich selber bin Christ und weiß nicht, ob unter meinen Ahnen Juden waren, obwohl ich einer von jenen bin. die glauben, daß in den Adern aller Spanier jüdisches Blut fließt. Auf meiner Reise durch die Donauländer im Jahre 1892, bei welcher ich auch die Länder Ungarn, Serbien, Rumänien und Türkei berührt habe, dann im Jahre 1903, habe ich die Verhältnisse der spaniolischen Juden studiert. Ich habe darüber im spanischen Parlament berichtet. Zwei Bücher widmete ich dieser Angelegenheit Am 13. November *903 habe ich im Senat die moralische, politische und historische Pflicht meines Landes und meiner Regierung gegenüber den Sephardim unterstrichen. Die moralische Rehabilitierung Spaniens vor der Welt, sein Friede mit dem eigenen Gewissen, seine Rückkehr aus den Ehrenplatz in der Familie der Nation, wird nicht ganz vollzogen werden können, ohne eine völlige Aussöhnung mit den sephardischen Brüdern. Senator Angelo Pulido setzte fort: Die Handvoll Juden, die jetzt in Spanien leben, lassen den Wert ermessen, den eine größere jüdische Bevölkerung für die Entwicklung des Landes haben könnte. Die etwa 2000 Juden, die heute in Spanien leben, zeigen dieselben hohen Eigenschaften, die einst ihre Däier ausgezeichnet haben. In Handel, Industrie und Finanzen, im Handwerk und sogar in der Armee haben sie sich um das Land verdient gemacht. Sie sind überall gleichberechtigt. Es besteht auch eine gewisse Opposition im Lande Nr. 8 Seite 3 männischen Gesichtspunkten und nach dem jahrzehntelang bewährten Vorbild und Methoden der engli chen und deutschen Konsumvereine wird zu arbeiten h oben. 1. In Jerusalem wird auf Veranlassung der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel von einem Komitee, dem möglichst alle Gruppen des gesetzestreuen Jischuw angehören, die Gründung eines „Allgemeinen jüdischen Konsumvereines für den orthodoxen Jischuw" in die Wege geleitet. 2. Zweck des Konsumvereines ist der Einkauf von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen aller Art im Großen und Verkauf derselben in den eigenen Niederlassungen. 3. Die Nahrungsmittel, aber auch sonstige Gebrauchsgegenstände (Kleider und Schuhe), soweit sie im Lande hergestellt werden können, sind bei gleichen Preisen und gleicher Qualität ausschließlich von gesetzestreuen Produzenten (landwirtschaftliche und handwerkliche Siedler) zu beziehen. 4. Der gesetzestreue Jischuw Palästinas kann auf diese Weise mit der Konsumkraft von 10 000 Menschen wirtschaftlich operieren, was auch seine politischen und vor allem religiösen Konsequenzen hat. 5. Ferner kann eine zu gründende „Allgemeine Kolonisationsgesellschaft der gesetzestreuen Juden" nach Maßgabe des derart gesicherten Absatzes allmählich Aulim ins Land rufen und fußend auf einem ziemlich stabilen Konsum, landwirtschaftliche und handwerkliche Betriebe, sei es als Eigenbetrieb des Konsumvereines (Brotfabrik, Molkerei, Konserven- und Marmeladeerzeugung, Kleiderfabrik, Schuhfabrik, Druckerei usw.), sei es unabhängig vom Konsumverein, eröffnen. 6. Die Tätigkeit des Konsumvereines und seiner Eigenbetriebe wird sich so vollziehen müssen, daß die gesetzestreuen jüdischen Kleinhändler und Kleinhandwerker in ihrer wirtschaftlichen Existenz nicht gefährdet werden. Die Eröffnung rationell und modern arbeitender Eigenbetriebe, z. B. einer Grobäckerei wird im Gegenteil nicht nur den vorhandenen gesetzestreuen Handwerkern eine sichere und bessere Arbeitsgelegenheit geben, sondern darüber hinaus — wie schon oben erwähnt — eine gesunde Basis für die neue gesetzestreue Einwanderung därstellen. 7. Es wird eine der Aufgaben der Wirtschaftsdelegation der Palästina-Zentrale sein, öknomische Untersuchungen und Vorarbeiten zur Gründung dieses „Allgemeinen jüdischen Konsumvereines für den orthodoxen Jischuw" an Ort und Stelle durchzuführen. Die Diskussion. Die drei aufeinanderfolgenden streng sachlichen Referate brachten eine Fülle von Material und auch eine Fülle von Anregungen, die in einer ausgiebigen Diskussion ein warmes Echo fanden. Als erster Diskussionsredner begrüßt mit eindrucksvollen Worten Herr R i n s k i, Bendzin, daß zum erstenmal auf einer Agudakonferenz die P a l ü st i n a f r a g e an erster Stelle der Tagesordnung stehe. Er betont noch einmal als Eingeweihter und Augenzeuge, daß die Auswanderer in der Heimat nichts zu verlieren hätten, daher wir nichts versäumen dürften und das Nächstliegende ergreifen müßten. Er macht einen höchst einleuchtenden Vorschlag, in Polen so etwas wie Versicherungspolizen für die Kinder gegen die Rückkehr der Juden, setzte Senator Pulido fort. Ich erinnere an die Proteste, zur Zeit als mein erstes Buch über die Iudenrückkehr erschien. Während alle liberalen Elemente das Erscheinen des Buches warm begrüßten, zeigten sich die Presse und ein großer Teil meiner Landsleute indifferent, während gewisse Fanatiker ein Geheul anstimmten, und von einem jüdischen Komplott sprachen. Ich selber wurde als Jude hingestellt. Ich glaube nicht, daß jetzt eine Masseneinwanderung nach Spanien vor sich gehen kann. Spanien ist ökonomisch und sozial für die Ausnahme einer großen Einwanderung nicht vorbereitet. Mein Gedanke ist der, daß die Wiederannäherung zwischen den Sephardim und den Spaniern zunächst eine geistige sein soll. Von den Sephardim soll ein Strom von Lebenskraft und neuer moralischer Werte in ihr altes Vaterland fließen, der es bewirken soll, W Spanien aus seiner Isolierung heraustrete, an dem universellen Fortschritt teilnehme. Die Juden würden mit ihrer angeborenen und vererbten kulturellen Macht Spanien dazu velhelsen, die verlorene Position wieder einzunehmen. (Ans der toten Stadt an der Mewa.) Der Fremde, der nach Petersburg, Petrograd oder Leningrad kommt, gewinnt auf dem Wege vom Hauptbadnhof ins Hotel den Eindruck, als käme er in eine abgebrannte Stadt. In Wahrheit zeugen die Ruinen von verheizten Häusern, d. h. von Häusern, die in der Zeit des Krieges und der Revolution auf höhere Verfügung ihr ganzes Holzmaterial zu Heizzwecken hergeben mutzten, solche Verfügungen" wurden von Zeit zu Zeit getroffen und in drakonischer Weise zur Ausführung gebracht. Waren Bewohner im Hause, so mußten sie einfach sehen, wo sie ein Dach