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Der Israelit · 1925-02-12 · Heft 7 (12.2.1925) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 7 (12.2.1925)
Date
1925-02-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 4 Seite 3 12. Februar 1925 ~ das Interesse für Erez Jisroel-Arbeit erhöht, ja der Tätigkeit der Agudo befruchtend gewirkt, diese Arbeit ins Rollen gebracht hat. Wobei wir bedenken müssen, daß die Bestrebungen für Jischuw Erez Jisroel doch nur eines der vielen Arbeitsgebiete der Ägudo bilden können, die dem Klall Jisroel von der Keneffio als unbedingt notwendig bezeichnet und der Erfüllung anheimgegeben worden sind. Es galt doch, die Kräfte der Agudo in den Dienst auch anderer wichtigen Aufgaben zu stellen. Es sei hier nur an den Keren Hathora erinnert, der mit Gottes Hilfe zu einer auch in ihrer Wirkung sehr bedeutsamen Institution zu werden verspricht. Aber trotz der Hindernisse, die die Schwere der Zeit mit sich bringt, und trotz der Inanspruchnahme der agudistischen Kreise für andere Zwecke, hat sich doch die Idee durchgerungen, daß wir endlich daran gehen müssen, in Erez Jisroel Fuß zu fassen. Daß vom Aufbau Erez Jisroels diejenigen Kreise nicht fernbleiben dürfen, die die Zukunft des Landes als jüdisches Land nur dann als gesichert ansehen, wenn dieser Aufbau im Sinne von Tauroh Hakdoschoh bewerkstelligt wird. Diese Erkenntnis HM nunmehr dazu geführt, daß nunmehr mit' positiver, praktischer Arbeit in Erez Jisroel begonnen wird. So wurden vor kurzem von der Palästina-Zentrale 4000 Dunam Land angekauft, die inzwischen an Interessenten weitergegeben worden sind. Weitere Bodenkäufe größeren Stils sollen in nächster Zeit zum Abschlüsse gelangen. In der Diaspora regt es sich allenthalben: in allen Ländern, besonders aber in Polen schließen sich Leute zusammen, die als Kolonisten nach Erez Jisroel gehen wollen. Darunter auch viele, die über nicht unbeträchtliche Mittel verfügen. Hier gilt es nun in erster Reihe, diesem Streben und Drang nach Verbundenheit mit nvmpfi Ziel und Richtung zu geben. Hier muh die Agudo bzw. die Palästina-Zentrale noch mehr als bisher auf den Plan treten, um all den Leuten, die nach Erez Jisroel gehen wollen, mit Rat und Tat'zur Seite zu stehen. In erster Reihe kommt es darauf an, diese Arbeit systematisch zu fördern und zu organisieren. Die Landkäufe sowohl, die Auswahl des Bodens und auch Auswahl der Menschen (neben ihren religiös-moralischen Qualitäten) nach der Richtung hin, ob sie imstande sind, den von ihnen erworbenen oder ihnen überlassenen Boden richtig zu bearbeiten. Es ist ferner ein Äugenmerk zu richten auf die städtll^e Kolonisation, für welche in erster Reihe Handwerker in Betracht kommen. Veranlassung zu diesen Zeilen gibt mir die Erez Jisroel-Konferenz der Agudas Jisroel, die für den 21. und 22. Schwat dieses Jahres nach Frankfurt a. Main einberufen worden ist. Die Tagesordnung umfaßt sieben Punkte, darunter „das Aufbauprogramm der Agudas Jisroel in Erez Jisroel", ferner „Emigration, Ausbildung der Aulim in Erez Jisroel und in der Diaspora." ' Die sieben. Punkte enthalten, unter Hinweglosstng aller politischen Momente, all das, tnas1 du Agudo auf kulturell-religiösem und wirtschaftlichem Gebiete für Erez Jisroel erstrebt. Auf die religiös-kulturellen Fragen brauchen wir hier nicht eingehen. Sie werden im Einklang rnit den palästinensisch-rabbinischen Kreisen der Agudo ihre Regelung finden. Was jedoch den wirtschaftlichen Teil der Beratungen betrifft, die Einwanderung und ihre Regelung, Kolonisation, Bodenkauf, Arbeitsbeschaffung für die Poale Agudas Jisroel, die sich bereits im Lande befinden, und die noch hinkommen werden, möchte ich es nicht unterlassen. Nochmals auf das oben erwähnte Moment zu verweisen. Wenn wir in Erez Jisroel vorwärts kommen wollen, wenn wir dort festen Fuß fassen wollen, um einen Jischuw im Sinne und im Geiste der c Täuroh zu schaffen, so ist es unabweisbar erfor- - derlich, daß die Agudo dort in Palästina eine - Expositur, ein Amt einrichtet, die die Zentrale 5 für alle Arbeit in'Erez Jisroel sein soll. - Es ist fmeines Erachtens die wichtigste Aufgabe,, die die »h Konferenz der wirtschaftlichen Delegation der D e r I s r a e l i t B U lt e r -—____ ' f Palästina-Zentrale nach Erez Jisroel (Punkt 7 der Tagesordnung) mit auf ihren Weg gibt, Mittel und Wege, in erster Reihe aber die geeigneten Persönlichkeiten ausfindig zu machen, um diese Frage, die die Vorbedingung jeder ersprießlichen wirtschaftlichen und kolonisatorischen Tätigkeit bedeutet, einer befriedigenden Lösung entgegenführen zu können. * Eine Arbeitstagung Die Wiener „Jüdische Presse" schreibt: In Frankfurt am Main werden sich am 21. Schwat die Leiter und Delegierteen der agudistischen Palästina-Zentralen zu einer Tagung zusammenfinden, deren geschichtliche Verantwortung nicht schwer genug gewertet werden kann. Die Konferenz sieht sich vor die neuartige Aufgabe gestellt, die wirtschaftliche Organisation und Regulierung der Palästina-Wanderung gesetzestreuer Juden in größerem Umfange in Angriff zu nehmen. Eine gesunde wirtschaftliche Kolonisationsbasis ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für erfolgreiches Arbeiten auf politischem und kulturellem Gebiete. Wenn in den letzten Monaten gesetzestreue Juden in zunehmendem Maße in Erez Jisroel einwandern, wenn eine vieltausendköpfige Menge, vor allem im Osten, ungeduldig auf den Tag der Heimkehr in das Land der Väter wartet, hat einee große Organisation wie Agudas Jisroel die historische Pflicht, für die geordnete, planmäßige Regelung der Liquidations- und Kolonisationsarbeit zu sorgen. Ohne ihre sonstigen Arbeitspflichten auf anderen Gebieten zu vernachlässigen, wird sie am Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte in Erez Jisroel teilnehmen, allerdings einer jüdischen Heimstätte, wie sie uns die Tauroh, die Tradition anbefiehlt, einer Heimstätte, die also niemals nach den Moden des europäischen Zeitgeistes gestaltet fein kann. Gewiß, gesetzestreüe Juden werden Boden kaufen, Häuser bauen, industrielle und landwirtschaftliihe Siedlungen errichten wie andere Juden auch. Aber für uns^ sind dies nur die wirtschaftlichen Mittel für das jüdische Leben, das allein im Gebiete des überlieferten Sinnens und Fühlens liegt, in einem gefetzestreuen und gesetzesfreudigen Leben, das, so Gott will, in Erez Jisroel in den Siedlungen gläubiger Juden sich ungehindert entfalten wird. Wir werden der dringenden Notwendigkeit nach einer straffen Organisierung unserer wirtschaftlichen ^Aufbauarbeit gerecht werden, wir werden aber niemals vergessen, daß alle politische und wirtschaftliche Arbeit von Juden in Erez Jisroel nur dann einen geschichtlichen Sinn empfängt, wenn sie sich einordnen in die große Linie jüdischen Geschehens, Tuns und Erlebens, das in Erez Jisroel begann, als unser Vater Awrohom um eine klare Gotteserkenntnis rang und das in Erez Jisroel sein tragisches Ende erreichte, als das Volk aufhörte, der Lehre gehorsam zu sein. Wenn wir jetzt im Hellen Bewußtsein unserer Verantwortung es noch einmal wagen, in größerer Menge das von Gott uns als ewiges ^Erbgut zugesprochene Land zu besiedeln, so dürfen wir keinen Augenblick daran vergessen, daß, so oft unsere Väter geirrt haben, dieser Irrtum den Verlust der jüdischen Heimat zur Folge hatte. Wir nehmen unsere Thora, das Dokument unseres vergangenen jüdischen Lebens, zur neuen Erez Jisroel-Arbeit mit, damit wir die Freiheit unseres von der Lehre vorgezeichneten Weges erkennen und die furchtbaren Gefahren des Abweges in unbarmherziger, geschichtlicher Klarheit vor uns sehen. Die Väter sind mit uns: in ihrer unerreichbaren Größe und in ihrer menschlichen Kleinheit, die Großtaten ihres Lebens als Vorbild und die Schwäche so mancher ihrer Entschließungen als warnendes Beispiel. * Zwei Grundentscheidungen über die Art der Kolonisätionsarbeit wird die Frankfurter Tagung zu treffen haben: ,;. . ( Die seine behandelt die-Frage.^des Systems: ob die Aguda direkt oder indirekt philanthropisch, > jedenfalls aber mit Hilfe eines Beamtenappajede ideale Organisation, nicht geeignet ist, wirtschaftliche Zwecke sich wirtschaftlicher Methoden und wirtschaftlicher Gesellschaften bedienen wirb. Es ist zu erwarten, daß die Franfurter Tagung angesichts der Erfahrungen, die andere Organisationen in dieser Beziehung gemacht haben, sich in aller Klarheit auf den Standpunkt stellen dürfte, daß die Agudas Jisroel als solche, wie jede Parteiorganisation, nicht geeignet ist, wirtschaftlich zu arbeiten, daß dies nur Aufgabe von großen, finanziell gesicherten und ausschließlich nach ökonomischen Gesichtspunkten arbeitenden Erwerbsgesellschaften sein kann. Die größte Aufgabe der Frankfurter Konferenz wird daher sein, die Vorbereitungsarbeiten zur Gründung einer solchen allgemeinen Kolonisationsgesellschaft der gesetzestreuen Juden, zum Abschluß zu bringen*). Diese rein wirtschaftliche Institution wird auf Grund fachmännischer Vorarbeiten gesetzestreue Juden, die nach Erez Jisroel zu übersiedeln beabsichtigen, in^ allen wirtschaftlichen Fragen beraten und Projekte auf ihre Durchführbarkeit und finanziellen Mtttel hin überprüfen. Sie wird Boden in Erez Jisroel kaufen und ihn in Europa und Amerika durch ihre Landesvertretungen an die zur Uebersiedlung Entschlossenen abgeben.. Ohne eigene Mittel vorerst in größerem Maße zu immobilisieren, wird sie bei der Liquidation der im Golus verbleibenden Vermögenswerte als Kommissionär behilflich sein und die Kolonisation regulieren. Rach Maßgabe der Absatzverhältnisse wird die Kolonisationsgesellfchaft der gesetzestreuen Juden Menschen ins Land rufen, landwirtschaftliche, handwerkliche und industrielle Betriebe eröffnen oder ihre Gründung veranlassen. All dies unbureaukratisch, nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten, ohne jede hastende Uebereilung und ohne jedes Schielen nach der propagandistischen Verwertbarkeit. Nur ein Erwerbsunternehmen ist imstande, die gesetzestreue Kolonisation wirtschaftlich auf eine derart' gesunde Basis zu stellen, daß sie nicht wieder sich zu einem mehr oder weniger verhüllten Wohltätigkeitswerk umbildet. Jeder Siedler soll mit dem Rat und der wirtschaftlichen Rückendeckung der gesetzestreuen Kolonisationsgesellschaft arbeiten, aber immer wird nur er allein die Sorge für seine Existenz zu tragen und feine wirtschaftlichen Handlungen vor sich selbst zu verantworten haben. Dehsalb ist es notwendig, daß die Kolonisationsgesellschaft nicht von mehr oder minder politisch interessierten Beamten, sondern von Kaufleuten geführt wird, die zwar gemäß den Bestimmungen und im Rahmen des Taurohgesetzes arbeiten, aber alle Entschließungen nach ihrer rein wirtschaftlichen Berechtigung sorgfältig überprüfen. Die zweite, damit innig zusammenhängende Grundentscheidung, die in Frankfurt zu fällen sein wird, ist die Beantwortung der Frage, ob möglichste Zurückhaltung und Zuverlässigkeit bei der gesetzestreuen Kolonisationsarbeit geboten ist, ob — wie es leider oft geschah — propagandistische Wünsche das rein sachliche Moment in den Hintergrund drängen dürfen. In der Erkenntnis des Fehlers liegt der Wille und die Stärke zu seiner Behebung und daher wird festgestellt werden müssen, daß so rnanche Aktion der letzten Jahre leider mit all zu großem propagandistischen Clan ausgemacht worden ist, um dann, ohne jemals rechten Widerhall gefunden zu haben, in Vergessenheit zu geraten. Nicht der Propaganda, sondern der ernsten, fast nüchternen Arbeit wird die Frankfurter Tagung gewidmet sein müssen, wenn sie im Bewußtsein ihrer geschichtlichen Aufgabe dem elementaren Aufbauwillen im Volke gerecht werden soll. Denn die gesetzestreuen Schichten im jüdischen Volke, die ungestüm den Anbeginn einer großzügig durchgeführten Jischuw Erez Jisroel verlangen, wollen nicht Wohltätigkeit, sondern Wirtschaftlichkeit, nicht nur politische Ueberlegung, sondern auch, kaufmännische Kalkulation, *) Hierfür ist bereits der „Keren.hajischuw" geschaffen. Red.;;1 ,,,u

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