Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1925)
- Date
- 1925-02-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 4 Del Israelit matter 12. Februar 1925 auf der einen, Zionismus auf der anderen Seite. Eine solche Kombination hätte vor allem den Vorzug der Wahrhaftigkeit. Man mag es bedauern, daß die Errichtung des „nationalen Heims" das Judentum mitten in einem Auseinandersetzungsprozeß antrifft. Ignorieren aber kann man es nicht. Wahrhaftigkeit ist die erste Voraussetzung der Gerechtigkeit, Die Lüge erzeugt Gewalt und Unrecht. Dieser Schrift ist in der Anlage ein Entwurf beigefügt, der alle, soeben entwickelten Grundsätze in sich ausgenommen hat und den Weg zeigt, wie die gerechte Lösung des Problems des „nationalen Heims" gefunden werden kann. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß dieser Entwurf die volle Billigung Rabbi Joseph Chajim Sonnenfelds erlangt hat. Damit ist alles Gerede über die persönlichen oder die subversiven Tendenzen des großen Mannes ins Reich der Verleumdung verbannt. Von der zionistischen Presse ist dieser Entwurf mit seltener Einmütigkeit totgeschwiegen worden. Wahrscheinlich, weil er zu wenig von Schlachthaus und Bäckerei, desto mehr aber von Gerechtigkeit und Gewissensfreiheit spricht. — — 19. Es war um die Zeit des Abendopfers, da erhob sich Esra aus seinem Fasten, und mit zerrissenem Kleid und Obergewand warf er sich auf die Knie und breitete seine Hände aus zu feinem Gotte.. Und sprach: „Mein Gott, ich schäme mich und erröte, mein Angesicht zu Dir, mein Gott, zu erheben. Denn unsere Sünden wuchsen über unseren Kopf, und unsere Schuld stieg bis zum Himmel. Seit den Tagen unserer Väter sind wir in großer Schuld, finds bis zu diesem Tage. Und durch unsere Sünden find wir gegeben worden, wir, unsere Könige, unsere Priester, in die Hand der Könige der Länder, in das Schwert, in die Gefangenschaft, und in die Ausbeutung und in die Geringschätzung — bis heute. Run aber — für Augenblickes Weile — kam Gnade von unserem Götte, uns einen Rest zu erhalten und uns einen Pflock zu schenken an der Stätte Seiner Heiligkeit, auf daß unsere Augen leuchten mache unser Gott und uns eine Lebensmöglichkeit werde, wie karg sie auch sei, in unserer Abhängigkeit. Denn abhängig sind wir geblieben. Aber in unserer Abhängigkeit hat unser Gott uns nicht verlassen. Er ließ uns Gnade finden vor den Königen Persiens, um Lebensmöglichkeit zu gewähren, auf daß wir hoch hin stellen das Haus unseres Gottes und seine Trümmer aufrichten, und uns ein gesichertes Heim zu geben in Jehudah und in Jeruscholajim. Aber jetzt — was sollen wir sagen, unser Gott, nachdem solches geschehn: Verlassen haben wir Deine Gebote!" Muß nicht genau so heute, auf weitem Erdenrunde, die thoratreue Nation vor ihrem Gotte bekennen? Siehe, auch wir waren in großer Schuld seit unserer Väter Tagen. Längst ist selbst Esras Golusheim verwittert und geborsten. Wieder sind wir, durch eigene Schuld, den Königen der Länder hingegeben worden, oft in Schwert, in Gefangenschaft und Ausbeutung — in Geringschätzung immer. In Sehnen und Hoffen schwanden die Jahrhunderte, bis mit einem Male, für Augenblickes Weile, Gnade kam von unserem Gotte. In all unserer Abhängigkeit ließ Er uns neue Lebensmöglichkeit zukommen und schenkte uns, in all unserer Abhängigkeit, ein gesichertes Heim in Jehudah und Jeruscholajim. Nur ein Pflock an der Stätte Seiner Heiligkeit, aber wahrlich genug, unsere Augen leuchten zu machen und unseren Willen zu entflammen, die neue Lebensmöglichkeit unseres Gottes Erhöhung zu weihen, auf daß wir würdig gefunden würden, die Trümmer Seines Hauses zu bauen: und wir? und nun? Was sollen wir sagen, unser Gott, nachdem solches geschehen konnte: ''Siehe, unsere Augen leuchten^nicht in gemehrter Gotteserkenntnis/ siehe, unser Wille wird nicht stark, ein Gottesheim zu errichten: Gottes Gnade ist uns geworden, und wir — verlassen Seine Gebote! Juden des Erdenrunds, zerreißet eure Gewänder und rauft euch die Haare in heißem Schmerz bei solcher Kunde aus Zion! Nur eines Augenblicke^Weile lächelte euch, ihr wißt es alle, die Gnade eures Gottes! Sie reichte aus, euch neue Lebensmöglichkeit an der Stätte Seiner Heiligkeit zu schenken. Aber ihr wisset es alle nicht minder, daß Gottes Gnade stets auch Gottes Aufgabe bedeutet. War es nicht am Ende der leise Versuch eures Gottes, ob zweitausendjähriges Golus fein Erziehungswerk vollendet, die Frage eures Gottes an euch, ob ihr auch in Freiheit Gott und der Thora den Gehorsam zu wahren entschlossen? Der Versuch: soll er kläglich mißlingen? Die Frage: soll sie ein schmachvolles Nein erfahren? Juden des Erdenrundes: Kennt ihr, begreift ihr die fürchterliche Schicksalsschwere der Stunde? Fühlet ihr alle, daß sich, vielleicht, in dieser Stunde entscheidet, wie lang — eure Kinder und Kindeskinder — — noch-sehnen und hoffen müssen —! Erwachet, Juden des Erdenrunds, aus dumpfer Beschaulichkeit! Hört ihr nicht den gellenden Hilferuf der Märtyrer von Jeruscholajim? Wisset: nicht sie sinds, die. rufen! Wisset: Agudas Jisroel Jugendorganisation Wir geben unseren Mitgliedern und Freunden bekannt, daß vom 2—4. August d.Js. (11.-13. Aw) Hier in Köln Nufer Bundes- und Delegiertentag stattfindet. Wir bitten Unsere Freunde, ihren SornMerurlaub möglichst darnach einzurichten. Geschlossen ist bereits, wie einst in Esras. Tagen, der „Bund für unfern Gott". Lasset uns hintreten ZU den Führern von Agudas Jisrael und lastet uns, wie einst in Euren Tagen, also zu ihnen sprechen: „Auf! Denn euch obliegt die Sache! Wir scharen uns um euch, ihr aber seid fest und — handelt!" Die Zeitennot hat Agudas Jisrael emporgetrieben. Sie ist die Weltorganisation, die für die Alleinherrschaft Gottes und der Thora, nicht nur im Einzelleben, sondern erst recht im nationalen Leben des jüdischen Volkes kämpft. Die Alleinherrschaft Gottes und der Thora. ist ihr Programm. Sie, die das Vertrauen von Millionen thoratreuer Juden genießt, ist dafür verantwortlich, wenn nicht, in der letzten jüdischen Hütte der Sinn der Stunde begriffen wird. -Sie allein ist auch imstande, das Ohr der Regierung Englands zu finden. Drum keine Zaghaftigkeit, keine Unentschlossenheit, kein bängliches Schwanken! Seid fest und handelt! Unser ist die Zukunft! Unser ist die Wahrheit! Weltliches und Religiöses? Göttliches, und Irdisches? Gott Heiliges und Gott Fremdes? Bei den Nationen der'Erde mag es so sein. Jüdische Wahrheit lautet anders! Das politische Programm der Gottesnätiön? Bei Secharjah, dem Propheten, ist es zu lesen: „An jenem Tage wird auf den Schellen der Rosse stehn: Heiligtum Gotte s!" es ist der Notschrei der jüdischen Volksseele, es ist der Notschrei der Gottesnation selber, die in Jeruscholajim ums nackte Leben ringt! Denn um euch selber, um die ganze Gottesnation geht es jetzt! Wohl kämpft auf ganzem Erdrunde, feit den Tagen der sozialen Emanzipation, die Gottesnation um die Alleinherrschaft Gottes und der Thora. Aber der Entscheidungskampf wird heute in Jeruscholajim gekämpft. Nirgends ist das Problem so klar, so handgreiflich klar, wie in Jeruscholajim. Wächst im nationalen Heim eine neue Nation empor, die Gottes Herrschaft nicht mehr kennt, so wird vom Lande der Väter ein Giftstrom sich, über die Diaspora ergießen, der, ohne göttliches Wunder, alles Thoraleben ertöten kann. Nicht nur die, Thora geht aus von Zion.- Gott stärke die Gottesstreiter in Jeruscholajim! Er stehe ihnen bei in ihrer Not, Er streite ihren Streit, Er richte ihr Recht, Er ahnde ihre Kränkung: aber zittert ihr nicht, daß sie, die Schwachen zusammenbrechen könnten, wennsie ich verraten fühlen würden von den Millionen der Diaspora? Habt ihr sie wissen lassen, daß ihr nicht stille steht bei ihrem Blut, daß ihr mit Herz und Seele, mit Hab und Gut bei ihnen eid, die Gott gewürdigt hat, an der vordersten Front zu stehen in dem Kampf um die Herrschaft Gottes? Habt ihr euch frei gehalten von dem zionistischen Lügengewebe, daß es dort in Jeruscholajim nur kindische Streitsucht gebe, nur konkurrierende Rechthaber, nur konkurrierende T- Schlachthäuser?" - Die Kalenderreform Wien. 9. Februar. Auf Grund der Eingabe, die Agudas Jisroel vor Jahresfrist in Sachen der den Sabbat schwer bedrohenden Kalenderreform an die Kalenderkommission des Völkerbundes gerichtet hat, ist diese nunmehr an den „Rab b inisch en Rat" mit her Aufforderung herangetreten, einen Delegierten zttr Sitzung der Kommission nach Genf zu entsenden. Im Aufträge des Rabbinischen Rates der „Agudas Jisroel" hat sich daher heute Herr Oberrabbiner Fürst- Wien nach Genf begeben. Von jüdischer Seite find außerdem , die Herren Oberrabbiner Hertz-London, Levy- PkJis und Lewenstein-Zürich sowie Mr. Lucien Wolf-London geladen. Zar Erez Jisroel-Konferenz der Aandas Jisroel. Von Rabbiner Dr. Ph. Frankl in Halberstadl. Als vor etwa 1% Jahren die Agudas Jisroel daranging, sich durch die Kenessio Gedaulo endgültig zu konstituieren und die Arbeiten der Agudo für die nächstfolgenden Jahre festzusetzem da habe ich mir gestattet, in diesen Blättern einige Bemerkungen zu der Arbeit der Agudo für tonv» pH 3U machen. Ich habe darauf hingewiesen, daß man unbedingt dazu schreiten müsse, in Palästina ein Büro mit fachmännischer Leitung einzurichten. In diesem Büro sollen: dann alle Bestrebungen für die Arbeit aus dem Gebiete der pH aw» rnrrd zusammenlaufem dort sollen sie ihre Bearbeitung und, soweit es möglich ist, ihre Erledigung finden. So lange ein solches Amt nicht geschaffen ist, müssen alle' Einzelbestrebungen, wenn sie auch noch so gut und ernst gemeint sind, ohne Resultat und im besten Falle Stückwerk bleiben, das den Aufwand an Kraft, Energie und materiellen Opfern nicht aufwiegt. Es wurde hierbei auf die mehrfachen bis dahin gemachten Versuche ernsthafter Natur hingewiesen, die nicht die Erfüllung der: Hoffnungen, die man an sie geknüpft, gebracht haben. Seit der Kenessio Gedaulo ist nun die AgUdm auf dem Gebiete der Arbeit für Erez Jisroöl etwas'weitergekommen. Es zeigt sich nach und nach, daß die Kenessio Gedaulo, diese gewaltige Manifestation wahrhaft jüdischen Geistes Und k Willens zu jüdischer: Tat auch auf diesen Zweige