Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1925)
- Date
- 1925-02-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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12 Februar-1826 _' _ üuf jüdischem Gebiet sein müssen. Ziel einer solchen Ausbildung würde sür die Unterstufe sein: Kenntnis von min mit Uebersicht über' und mm mit 'daneben jüdische Geschichte und d’i’n: für die D b e r st'us e eindringenderes Studium dieser Debiete,' vor allein mit. riisoiri und anderen v’ViS» wohl auch etwas aus der v’pois- Literatur. Einige Beschäftigung mit religionsphilosophischen und apologetischen Fragen müßte -angesichts der Erfordernisse des Unterricht auf der Oberstufe ebenfalls verlangt werden. Ein entsprechendes Examen pro facultate docendi in jüdischen Wissenschaften wurde diese Bildung zum Abschluß bringen. Die für diese Ausbildung nötigen - Institutionen — Volksschulen, Aufbauschulen, Seminare — zu schaffen, bezw. auszubauen, ist die höchste Zeit., Denn wollten wir warten, bis die Neuregelung iy Wirksamkeit ist, so wäre es zu sfpät. Bis dahin müssen sie ' geschaffen sein, nir ino’ O’pjn f’VVisr. ’oa- Die Zukunft und Hoffnung unseres Judentums ist unsere Jugend, und sie können wir nur dann gewinnen, wenn wir zunächst L e h r e r heränbilden. Diesem großen -Ziele sollen unsere Zeilen dienen! ll-nezpMenre« « ßacbricbten« Veutsche» Reich. Die Zusammensetzung des Preußischen Landesverbandes. Berlin, 8. Februar. Nach den vorliegenden Nachrichten aus privaten lOuellen ergibt -sich das folgende Bild: Von den gewählten 123 Repräsentanten dürften 71 den Liberalen, 31 der Jüdischen Volks- Partei, 2 den Pöale Zion, 14 den Konservativen, 5 der Religiösen M i ttelpartei .angehören. Durch die Verteilung der Reststimmen aus die Landeslisten dürfte die eine oder die andere Partei noch je ein-Mandat erhalten. Die Liberalen rechnen .mit einer absoluten Mehrheit von 72 Sitzen gegenüber -etwa 56 Sitzen aller anderen Parteien. In den Kreisen der Jüdischen Volkspartei rechnet man mit 33 Sitzen in der Landesversammlung. Gestevveieh. Das angebliche Schächtverbot. W i e n, 9. Februar. Auf die in vielen Blättern veröffentlichte Nachricht -eines drohenden Schächtoerbotes in Oesterreich, sei hier- Eit zur Steuer der Wahrheit Nachstehendes festgestellt: -In einer Notiz der „Wiener Arbeiterzeitung" war berichtet worden, daß durch eine Verordnung des Wiener Magistrates angeordnet würde, daß vor dem Schächten von Kleinvieh der Kopfschlag zu erfolgen habe. Nach dieser Notiz sollte, auch das zuständige Bundesministerium eine Weisung herausgegeben haben, daß allent- .halben in ganz Oesterreich der Kopfschlag vor dem Schächten emzusühren sei. Da bekanntlich der Kopf- .schlag vor dem Schächten in seiner Wirkung einem Schächteverbot gleichkommt, bemächtigte sich der orthodoxen Judenschaft eine große Unruhe. Bei erfolgter Intervention seitens des Präsidiums ergab sich, daß die lVochenkalender. 14.-21. 3^.1925. I 20-27. SchUMth 5685. Samstag Febr. 14 iim 20 -Sonntag 15 21 Montag 16 22 Dienstag 17 23 Mittwoch 18 24 - Donnerstag 19 25 Freitag 20 26 Samstag 21 amav» 27 Rausch-Cbaudesch benschen Mauled: Montg. voryl. 10" nana __Der Israelit_ städtischen und staatlichen Behörden in der loyalsten Weise ausdrücklich in den betreffenden Erlässen anmerkten, daß sich diese Vorschrift auf die nach jüdischem Ritus zu schlachtenden Tiere nicht beziehe. Die P alästinabewegung in Polen. (Von unserem Korrespondenten.) Warschau, 3. Februar. Wer die stürmischen Debatten auf her, jüngsten in Warschau, stattgehabten siebenten zionisßschen Landeskonferenz angehört hat, wer. übrigens ßre noch immer in der. hiesigen zionistischen Presse nachhallende Polemik mit Interesse verfolgt, begegnet einer auf den ersten Blick rätselhaften, paradoxen Erscheinung. En bedeutender Teil der zionistischen Parteikadres — und gerade die bedeutendsten — steht verlegen, skeptisch, man könnte fast sägen, fremd. und'feindlich der im Wachsen begriffenen Palästinabewegung gegenüber, die sie doch freudig begrüßen sollten. Nach der Veröffentlichung der Balsour-Deklaration versuchte vergebens die zionistische Organisation durch Psalmgesänge und Schofarklänge, durch gekünsteltes Aufblasen jeder minderwichtigen Errungenschaft für und in- Erez Jisroel zum epochemachenden Ereignis, im Volke das Interesse sür Palästina wachzurufen. Wenn hie und da beim Entzünden des küstlichen Feuerwerks auch ein Funke echter Begeisterung aufloderte, so war es das Aufflackern des Strohfeuers, das blitzschnell wieder erlosch. Erst jetzt, nachdem die Fackelträger des „aufgeklärten Nationalismus" längst arider Wirksamkeit ihrer Arbeit verzweifelten und bereits Klage- und Anklagelieder gegen die Stumpfheit der nationalen Gefühle im Volke anstimmten, erst jetzt beginnt eine Bewegung, die um so mehr alle Merkmale einer echten, ungesälschten Volksbewegung trägt, da sie unerwartet, üngerufen,'von sich selbst kam. Man kann nicht recht sagen, wie und wann. Da wurde eines Tages Erez Jisroel nicht bloß der Gegenstand der Wünsche und Träume wie bisher, sondern das Ziel des Strebens jedes einzelnen Juden. Wer es nur kann, der zieht dorthin. Aber nur wenige im Verhältnis sind es, die es. können. Den Wohlhabenden steht, infolge der wirtschaftlichen Krise, die Unmöglichkeit ihre Geschäfte zu liquidieren oder die Besitztümer zu veräußern im Wege, den Armen wiederum — die Einwanderüngsbegrenzungen. . Die palästinensische Regierung fordert eben von jedem Einwanderer, daß er über ein Vermögen von 500 Pfund verfügt. Das mag zwar an und für sich kein besonders erhebliches Vermögen sein, ist aber immerhin groß genug, um der Einwanderung der an den Bettelsack und Wanderstab gebrachten Volksmassen einen nicht leicht zu durchquerenden Damm zu schlagen. So gehen nach Erez Jisroel nur Tausende, während viele Hunderttausende dahier Zurückbleiben müssen. Allein die gewaltsam-unterdrückte Sehnsucht nach der historischen Heimat muß Ausdruck finden und sie äußert sich im Streben nach Bodenerwerb. „Es gibt keinen Menschen in Israel, der keine vier Ellen Boden in Erez Jisroel besäße", dieser Ausspruch unserer Weisen wird hier bald Wirklichkeit werden. Es sieht fast unglaublich aus, ist aber doch Tatsache. Sogar der Aermste der Armen, der von einem unbeweglichen Vermögen im Golus nicht einmal träumen würde, läßt es sich nicht nehmen, ein Bodenfleckchen auf den Bergen Jehudas oder n den Tälern Israels sei eigen zu nennen. Sei es ein Dunam oder zwei, seinen Teil muß er haben. In jeder Stadt und in jedem Städtchen entstehen größere und kleinere Gruppen von Personen, die sich zusammentun, um gemeinsam sür das letzte Scherflein ein Stück Boden in Erez Jisroel zu erwerben. Jede Gruppe - handelt vorläufig auf eigene Faust und für eigene Rechnung. Wären sie koordiniert und im engen Kontakt miteinander — wie es „Agudas Jisroel" mit großem Eifer erstrebt —, könnten sie viel Ersprießliches schaffen. Jedenfalls werden sie noch viel Nutzen dem Jischuw bringen. Man dürste daher glauben, daß diese höchst erfreuliche Erscheinung die größte Zufriedenheit derer hervorgerufen hätte, die bei Gelegenheit der Sammlungen für ihre verschiedenen Fonds, wie Keren Hajessod, Keren Kajemeth oder wie sie noch heißen mögen, die Parole ps6 nnn verkünden. Aber nein. Auch hier wie bei der Emigrationsbewegung nimmt der engherzige Parteiegoismus überhand. Das Menschenmaterial weder der Einwanderer noch der Käufer will ihnen, den einheimischen Machthabern, recht Nr. 7 Sette 8 gefallen. Orthodoxe Juden sind es, die keine all zu große Neigung zeigen, sich unter die Leitung der zionistischen Rädelsführer zu stellen Da heißt es also: das sind Kleinhändler, Vermittler und Mäkler, welche ihre Händel und Mäklergefchäfte, die „Berditfchews" und Warschauer „Nalewkis" nach Erez Jisroel verpflanzen wollen. Das können sie aber nicht erlauben, sie, die sie die Schlüssel zur Zionspforte an sich gerissen haben. Manche von ihnen haben den traurigen Mut den Volksmassen in den Weg zu treten aus Furcht, daß „Zion (das Interesse für Zion) den Zionismus verschlingen könnte." Sie glauben daher Auswahl treffen zu dürfen, vor wem die Zionstore geöffnet und vor wem sie geschloffen werden sollen. Die Bewerber um Zertifikate (Einreiseerlaubnis als qualifizierte Arbeiter) müssen ein Examen bestehen, wo die mehr oder; weniger befriedigende Antwort auf solche Fragen wie: „W orin besteht der Unterschied zwischen „Keren Haje ssod" und „Keren Kajemeth": „Wer war der Gründer des politischen* Zionismus?"; „In welchem Jahre entstand der Zionismus?" usw., über die Eignung zur Aufbauarbeit als qualifizierter Agronom oder tüchtiger Schlosser oder sachkundiger Maurer entscheiden darf. ' Wenn wir den Zeitungsnachrichten Glauben schenken dürfen, sollte die zionistische Exekutive in Warschau beschlossen haben, sämtliche Aulim, somit auch die Kapitalisten, vor eine Prüfung der Kenntnisse der hebräischen Sprache zu stellen. Wer Hebräisch nicht sprechen kann, sollte das Visum nicht kriegen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn dieser Beschluß in Kraft treten sollte — woran wir doch nicht glauben möchten — die neugebackenen Hebräers die kaum einige gut eingeprägte Worte im sephardischen Akzent ziemlich geläufig herunterzuleiern verstehen, die Prüfung erfolgreich bestehen, während die Männer, die ihre Jugendjahre ausschließlich dem jüdischen Wissen widmeten und noch heute in den Mußestunden oft bis spät nach Mitternacht sich in die unsterblichen Werke und Schriften unserer Weisen vertiefen, gerade diese Männer Gefahr liefen, aus angeblichem Mangel der Sprachgeläufigkeit das Visum nicht zu bekommen. Das wäre wirklich die Krone all der verschiedenen im zionistischen Palästinaamt auszustehenden Schikanen, die darauf ausgehen, die schief angesehene Einwanderung orthodoxer Elemente nach Palästina in ihren Anfängen zu ersticken. Es wäre uns zu weit führen, wollten wir all diese Schikanen auszählen. Es ist nur zu bedauern, daß der englische Konsul keine Einsicht in diese Treibereien nimmt. Das Bestehen der zionistischen Organisation, die in die engen Parteirahmen nicht mehr hineinzuzwingende Bewegung zu beherrschen und unter ihre Diktatur zu stellen, tritt in ihrem Verhältnis zu den Gesellschaften sür Bodeneinkauf, noch bedeutend krasser zutage. Zuerst wurde eine Pressekampagne gegen die letzteren unternommen. Sowohl die redlichen Absichten wie die Vertrauenswürdigkeit der Gründer dieser Gesellschaften wurden in Zweifel gebracht. Nach diesem Bombardement mit den schwerkalibrigen Geschützen — um ein aus der Kriegszeit geläufiges Gleichnis zu gebrauchen — setzte der Angriff ein, um nach Einschüchterung der Verteidiger die Position um so leichter zu erobern. Die Vorsteher der Warschauer Gesellschaften wurden aufgefordert, sich einer zur Hälfte aus den offiziellen Vertretern der zionistischen Organisation bestehenden Kontrollkommission zu unterwerfen. Die Gruppenvorsteher erklärten sich zwar im Prinzip mit einer öffentlichen Kontrolle ihrer Tätigkeit einverstanden, konnten sich aber größtenteils nicht zur Aufdrückung des zionistischen Parteigepräges verstehen. Die Bemühungen in dieser Richtung werden jedoch seitens der Zionisten fortgesetzt, wobei ihnen der entscheidende Einfluß auf die. Gewährung der Visa nach Palästina und der in dieser Hinsicht angewandte Terror große Dienste erweist. Am Wachrusen der Privatinitiative und dem Heranziehen des Privatkapitals für und nach Erez Jisroels hat Agudas Jisroel gewiß ihr gut Teil. Wir sind weit davon entfernt die gegenwärtige grandiose Bewegung allein den Verdiensten der Agudas Jisroel zuzuschreiben. Eine solche Bewegung muß ohne Zweifel eine weit stärkere, eine innere Stoßkraft besitzen. Neben den psychologischen religiös-nationalen Gründen gehört gewiß die schwere wirtschaftliche Krise zu der bedeutsamsten Ursache derselben. Diese Ansicht wird hier allgemein geteilt und es ist bereits geflügeltes Wort geworden, daß die Balfour-Deklaration von minderer Ve^