Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1925)
- Date
- 1925-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 7 "" .. /'I s r o e l i t - 12. Februar 192ä ■ liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und Gesichtsbildung' hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern) falsch' und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch'vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fach euten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie .gut und bedienen Sie. sehr preiswert-. Lieferung für alle Kassen. Orthozentrisdhe Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz* .Für die-Reise Feldstecher, Operngläser -von 20.— Mk. an- Schutzbrilleq und Kneifer in allen. Färben binen, ein bei Freund und Gegner Hochverehrter Schüler Prof. David. Hoffmanns uns spontan auf schriftlichem Wege Dank und Anerkennung zollte gerade für diesen Aufsatz — und er selbst der unvergeßliche große Mann >'XT er würde sicherlich weit abrücken von den Methoden, nach denen man in Marburg seine Gegner lotzuschlagen versucht. Daß es sich unserem Gegner in der Tat gar nicht .um die Universität handelt, sondern lediglich um eine moralische Diskreditierung der geistigen Leiter des „Israelit", - ergibt sich aus der erstaunlichen Tatsache, daß Herr Fraenkel auch jetzt wieder die Affären Jendrezew und Rosenbaum mit den Haaren herbeizerrt und seinen Lesern das Märchen auftischt, der „Israelit" habe auf seine, Fraenkels, anmaßenden Vorwürfe in diesen Angelegenheiten nichts zu erwidern gewußt.. Wir wiederholen daher die letzte öffentliche Antwort,, die wir am 12. Juni 1924, Herrn Frstenkel erteilten- und der' wir' Nichts hinzuzufügen haben: ' ' - r Ihre beleidigenden Anklagen find wenig geeignet, die Atmosphäre zu reinigen. Wir halten vielmehr den von Wien gemachten Vorschlag, den Fäll'Jendrzew durch ein unparteiisches Schiedsgericht klären zu lassen — das Gleiche ^könnte auch im Falle Rosen-, bäum erfolgen — für die einzig zweckmäßige Lösung. Sie selbst sind vermöge Ihrer parteimäßigen Einstellung zu einem Urteil ex cathedra jedenfalls weder befähigt, nch berufen. Es hat Leute gegeben, die den letzten Satz damals für zu scharf hielten, obgleich er die sittliche Ehre des Herrn Fraenkel nicht antastet und gewiß nichts weiter enthält, als die selbstverständliche Feststellung, daß nur Unparteiische in strittigen und nach allen Behauptungen und Gegenbehauptungen verworrenen Dingen entscheiden können. Nach der neuesten Leistung des Herrn Professors werden auch diese Freunde zugeben, daß schließlich die gewohnheitsmäßige Herabsetzung der Person des Gegners im jüdischen Parteikamps eine Grenze haben muß und gegen diese Fraenkelsche Methode keine Abwehr zu scharf ist. Möge Herr Fraenkel und seine Freunde unsere Ideen bekämpfen und widerlegen, sie als irrig und schädlich erweisen wie wir die Idee des Misrachi und der Gemeindeorthodoxie — wenn sie aber stattdesien unsere Personen als sittlich minderwertig herabzusetzen sich bemühen, jedem Bekenntnis und jedem Aufruf, jeder Warnung und jedem Aufschrei, der uns aus der Tiefe der Seele kommt, häßliche, „unsäglich niedrige" Motive unterschieben, so müssen sie sich gefallen lassen, dieses Verfahren mit derjenigen Entschiedenheit gebrandmarkt zu sehen, die das Bewußtsein reinen Wollens dem böswilligen Angreifer gegenüber verleiht. Jüdische Lehrerbildung. Von Dr. W. Halberstadt in Berlin. In der Ausbildung der Volksschullehrer ist in der letzten Zeit durch eine Verfügung des preußischen Unterrichtsministeriums ein Wandel eingetreten, der die größte Bedeutung für die jüdische Oeffenftlichkeit hat. Die wichtigste Frage, welche auf dem Erziehungstag des Keren Hatorah in Hamburg besprochen wurde, war deshalb meines Erachtens die Frage nach der künftigen Ausbildung der jüdischen Lehrer. Der Artikel von Dr. S. Adler in Nr. 3 des „Israelit" und die Veröffentlichung der betreffenden Protokolle der dortigen Tagung scheinen mir die Schwierigkeit und B e - d e u t u n g dieser Frage für die große Öffentlichkeit noch nicht so stark betont zu haben, daß es überflüssig wäre, auf die großen Zusammenhänge noch einmal ausführlicher einzugehen; denn hier handelt es sich um ein Ereignis, das unter Umständen zur größten Gefahr für das Weiterbestehen der jüdischen Volksschulen, insbesondere auf denk Lande und damit für die Fortexistenz des deutschen Judentums überhaupt werden kann. Es sei mir deshalb gestattet, die ganze Frage noch einmal im Zusammenhang vor' jüdischen Öffentlichkeit zu behandeln. Bis jetzt vollzog sich, wie ich als bekannt voraussetzen darf, die Ausbildung der Volksschullehrer in Präparandien und Seminaren, die sich auf die Volksschule aufbauten und zugleich die wissenschaftliche und pädagogische Ausbildung der Lehrer übernahmen. Gegen diese Ausbildung hatte sich schon längst ein starker Widerstand aus den Kreisen der Volksschullehrer geltend gemacht, und dieser hat jetzt nach langen Vorarbeiten, insbesondere auf der Reichsschulkonferenz von 1920, zürn Abbau der 'Seminare geführt. April 1926 müssen laut Verfügung des preußischen^' Unterrichtsministeriums' alle; Seminare abgebäui "stirr: Statt desstn Wird''- diß'' ällge^ meine wissenschaftliche Bildung auf den höheren Schulen erworben; auf den pädagogischen Akademien, wie sie sich vermutlich' in dev Regel in Universitätsstädten bilden werden, soll eine eindringende wissenschaftliche und die pädagogische Ausbildung erfolgen. Ein Universitätsstudium, wie es von einigen Seiten für die Volksschullehrer gefordert wurde, ist nicht vorgesehen. Diese Neuordnung der Lehrerbildung, wie sie hier in großen Umrissen geschildert wurde, ist nun augenscheinlich von der größten Bedeutung für die Heranbildung jüdischer Lehrer. Auf den jüdischen Lehrerseminaren wa res relativ leicht, den jungen Lehrern eine gute jüdische Grundlage zu geben, eine Lehrergeneration heranzubilden für Stadt und Land, natürlich für das Land junge Leute aus Landkreisen, für die Stadt mehr aus Städten. Jetzt wird das Abiturientenexamen verlangt. Wird es Menschen geben, die soweit gelangt sind und dann aufs Land gehen wollen? Wird es Menschen geben, die soweit gelangt sind und nicht studieren wollen? Werden wir nicht einen Ueberfluß an akademisch gebildeten Lehrern, aber einen Mangel an Volksschullehrern bekommen? Werden wir imstande sein, in den pädagogischen Akademien, über deren Gestaltung wir noch nichts wissen, solchen Einfluß auszuüben, wie in den jüdischen Lehrerseminaren bisher? Oder wird es vielleicht möglich lein, selbständige jüdische pädagogische Hochschulen zu gründen? Eine Fülle von Fragen und Problemen ist es, die die Neuordnung aufwirft) Nicht allem von schweren, sondern vor alleist vor tief ins jüdische Leben einschneidenden Problemen. Denn gibt es keine Lehrer auf dem Land, so hört das jüdische Leben dort ganz auf, und das Reservoir, aus dem das Judentum in den Städten immer neue Kräfte geschöpft hat, versiegt. Aber auch für das jüdische Leben in den Städten ist die Frage von der größten Bedeutung, denn unsere jüdischen Schulen, die vielfach gegründet wurden, können nur dann wirklich ihren Zweck erfüllen, wenn genügend jüdisch gut gebildete Lehrer vorhanden sind, auch Volksschullehrer, und wie sehr es da mangelt, weiß jeder, der in die Verhältnisse einen Einblick hat. Wie soll es da erst in Zukunft werden?! Was ist zu tun, um die jüdischen Lehrer — besonders Volksschullehrer — mit der genügenden jüdischen Bildung für Stadt und Land zu gewinnen? Bestimmte Vorschläge zu machen, ist heute nicht ganz leicht, da der Gang der Lehrerbildung durch den Erlaß noch nicht genug geklärt ist. Vor allem besteht über den Charakter der zu gründenden pädagogischen Akademien noch keine volle Klarheit. Trotzdem ist es notwendiig, schon heute über die zu ergreifenden Maßnahmen 'nachzudenken und. zum mindesten sie vorzubereiten, und das ist bis zu einem gewissen Grade auch durchas möglich. Die erste Etappe der künftigen Lehrerbildung ist das Abiturientenexamen.' . Es ist dringend zu wünschen, daß dies, wo immer möglich, an einer j ü di f ch e n höheren Schule abgelegt wird. Nun werden wir aber Volksschullehrer für das Land, wenn überhaupt, im wesentlichen nur aus ländlichen Kreisen gewinnen können, und dort befinden sich höchstens Volksschulen, aber keine höheren Schulen, Für die Allgemeinheit,^treten hier die Aufbauschulen ein, dA Schüler, welche die allgemeine Volksschule ''durchgemacht haben, in 6 statf 9 Jahren zur Reifeprüfung führen. I ü d 1 sch e A u f b a u s ch ul e n existieren bisher, nicht. Sie sollten im Anschluß an die jüdischen Volksschulen der Großstädte geschaffen werden, und zwar'von der A l l g e m e i n h e i t (AgudaS Jisroel, Freie Vereinigung usw.), wenn die - einzelnen/Gemeinden es nicht wollen. Ich habe, es an anderer Stelle nachzuweifen gesucht,,daß aru^der jüdischen MlMMung'Mstrr^WndMiUMneinW-'eine selche Regelung (Volksschule — 'Ausbauschule statt Grundschule — höhere Schule) ^vm besten gerecht zu werden vermag *);' Für die Ausbildung jüdischer Lehrer erscheint sie .uri erlaß lich,'da naturgemäß die Kenntnisse^ auf die die weitere Ausbildung sich stützen kann, bei solcher Vorbildung einen weit größeren Umfang haben, als wenn die Ausbildung etwa in der allgemeinen Aushauschule erfolgen• müßte. Deshalb lautet unsere erste Forderung: Schaffung j ü d i s che r Volk s-- u n d A u f bausch u l e n. Was die weitere Ausbildung betrifft, so geben die Hamburger Resolutionen Richtlinien, die, wie wir hoffen, von den zuständigen Instanzen recht bald in die Wirklichkeit umgesetzt werden werden. Ob es m ö g l i ch fein wird, gesonderte pädagogische Akademien für jüdische Lehrer zu schaffen, scheint zweifelhaft. Wünschenswert wäre es zweifellos, denn dann könnte die allgemeine und jüdische Ausbildung Hand in Hand gehen. Die Ausbildungszeit müßte freilich infolge des jüdischen Studiums verlängert werden. Sollte die Schaffung von derartigen Lehrstätten nicht möglich sein, so müßte der Weg für die Volksschullehrer ein ganz ähnlicher sein wie für Oberlehrer. Es müßten in einzelnen Städten, wo solche pädagogische Akademien sich befinden, Institute ausgebaut oder geschaffen werden, in welchen die allgemeine pädagogische und wissenschaftliche Ausbildung durch die spezielle jüdische ergänzt wird. Das Studium der jüdischen Wissenschaft mußte dabei zunächst neben dem allgemeinen herlaufen und, wenn irgend möglich, dadurch abgeschlossen werden, daß eine bestimmte Zeit, etwa 1 Jahr, ausschließlich diesem Studium gewidmet wird. Dadurch würde sich natürlich ebenfalls die Ausbildungszeit verlängern. Für die materielle Belastung, die dies bedeutet) könnte einerseits durch Stipendien, andererseits durch eine entsprechende höhere Eingruppierung der jüdischen Volksschullehrer, wie sie die Hamburger Resolution fordert, ein Aequivalent geboten werden. Dazu müßten sich die riibnp entschließen, wenn sie dagegen die Sicherheit gewinnen, jüdisch gut durchgebildete Lehrkräfte zu gewinnen. Das Wort nnun rrosn xrv wäre hier mit Recht anzuweden. Ein besonderer Vorteil solcher Einrichtungen wäre es, daß auch die akademisch gebildeten jüdischen Lehrer hier eine gediegene jüdische Bildung sich aneignen könnten. Diese Instituten wären ohne große Schwierigkeiten aus den in Deutschland bestehenden orthodoxen Lehrer- und Rabbinerseminaren, sowie den 7112'^' zu entwickeln, bezw. an sie anzugliedern. Die überall bestehenden jüdischen Volksschulen und höheren Schulen würden die Stelle für die praktische pädagogische Ausbildung *>:Vgl. den Artikel „Volksschule oder höhere Schule" im Jeschurun, XI. Jahrgang,vHeft 11/12.