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Der Israelit · 1925-02-12 · Heft 7 (12.2.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 7 (12.2.1925)
Date
1925-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 7 Der Israelit 12/ Februar 1928 versagt. Eine typische Form einer solchen „mechanisierenden Organisation" ist die Staatsform des Despotismus, die deshalb sich mehr und mehr seelenloser Erstarrung nähert. Ganz anders gestaltet sich das Bild, wenn eine Organisation auf Wirkung und Gegenwirkung, auf Leistung und Gegenleistung sich aufbaut, wenn also, um zu einem anderen Bilde zu gelangen, gewissermaßen in die Vergesellschaftung von Menschengruppen das Prinzip des perpetuum mobile eingeführt wird als das Prinzip wirklichen Lebens, endloser Bewegung. Dieser Gedanke des wechselseitigen Gebens und Nehmens, allerdings stets ohne mathematisch genaue Abgleichung, ist das sittliche große Ziel moderner Staatsgebilde, sollte es wenigstens sein, ist nach einem wundersam tiefen Worte sogar der Regulator der idealsten Beziehungsformen zwischen dem Allmächtigen und seinen Geschöpfen, ist Inhalt und Gestaltungsbindung der jüdischen Ehe, ist gottgewollter Richtpunkt des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern, ist endlich das Fundament des Zibbur, der jüdischen Gemeinde. Und nun mag man es ermessen, was Inhalt aller Kämpfe der Orthodoxie war, wenn sie sich von den Tagen des westfälischen Konsistoriums an gegen den napoleonischen Gedanken und gegen jede Organisationsform wandte, welche ausgerechnet im Bereich der jüdischen Religionsbetätigung das mechanistische Prinzip zur Geltung bringen wollte und den Staat veranlaßte, für Juden die Gewissensfreiheit nach der positiven und negativen Seite zu brechen. Wenn je die Orthodoxie auf gleichen Wegen gegangen sein sollte, wir könnten es nicht billigen, auch als Akt der Gegenwehr nicht. Aber es bleibt der schlimmste Fleck auf der Rüstung der Reform, daß sie nunmehr seit mehr als einem Jahrhundert immmer wieder und wieder von Gefetzgebungsfaktoren, die dem Wesen des Judentums fremd und verständnislos gegenüberstanden, eine drakonisch zwingende Einmischung heischte, hin und wieder auch erlangte. Noch sind diese Versuche nicht abgeschlossen, und es gehört zu den beliebtesten Kampfmitteln dieser Methode, das Judentum entweder als dogmenlosen Tummelplatz aller Weltanschauungsfragmente und als Einheit der Inhaltslosigkeit darzustellen oder das Judentum der Judenheit zu opfern und Abwehrmaßnahmen oder materielle Unzulänglichkeit zu Motiven einer Zwangsorganisation zu gestalten. Denn leider muß die wahrlich nicht ehrenvolle Feststellung gemacht werden, daß die Neigung, sich staatlicher Machtmittel zur Knechtung des Gewissens zu bedienen, noch immer vorausgesetzt werden muß. Um so bedeutsamer aber muß die Aufgabe erachtet werden, eine Organisation zu schaffen die ein wirklich, in allen Teilen sittliches Gebilde darstellt, die sich selbst ihre Gesetze gibt, in sich allein die Wurzeln ihrer Kräfte und ihrer Kräfteverteilung sucht und findet.- Hier könnte, hier muß das Judentum vorbildlich fein für alle anderen Formen der menschlischen Gesellschaft und der cbaracter indelibilis unserer Gesetzgebung, unserer Organisation einen Wendepunkt in der Sozialethik anbahnen. Mögen große Seelen endlich' das Werk schaffen und und den weltbezwingenden Gedanken der in freiwilliger Hingabe sich offenbarenden sittlichen Freiheit, den Sinaischwur, zur welterlösenden Tat gestalten. HP Wochenrundschau. Die Erez Jisroel Konferenz der Agudas Jisroel. Zum ersten Male wird am Sonntag, den 21. Schewat (15. Februar) in Frankfurt a. M. eine allgemeine Palästinakonferenz der Agudas Jisroel tagen, an der sämtliche Palästina-Zentralen der Agudas Jisroel und deren Vertrauensmänner sich beteiligen werden. Was innerhalb der Aguda feit der Kenessio Gedaulo in und für Erez Jisroel geschehen ist, ist jedermann bekannt, der nicht gerade geschlossenen Auges und üblen Wollens den Bestrebungen der Agudas Jisroel gegenübersteht. Der Tätigkeitsbericht der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel fürdas Jahr 5684 entrollt ein Bild eifriger, zielbewußter Arbeit, die auch ehrlichen Gegnern Anerkennung und Achtung abringen muß und abgerungen hat (hat doch Usiischkin seine abfälligen Aeußerungen nach besserer Einsicht in die Dinge öffentlich widerrufen). Abgesehen von der straffen Organisation, wie sie sich die Aguda in der allweltlichen Palästinazentrale für Erez Jisroel geschaffen hat, kann die Palästmaarbeit auch auf eine Reihe von konkreten Unternehmungen und glücklichen Erfolgen Hinweisen, die sich schon in der Gegenwart zum Segen geltend machen und noch mehr für die Zukunft versprechen. Ein schöner Anfang ist für Thora und Chisuk Hadaß durch Gründung bz. Erhaltung von Talmud Thoras und Mädchenschulen in verschiedenen Teilen Palästinas gemacht worden. Es ist ein großes Wort, wenn der Bericht feststellen kann, daß im Berichtsjahre doch schon etwa 1000 K i n'd e i' durch die Tätigkeit der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Erez Jisroel eine Erziehung in echt jüdischem Geiste erh i e l t e n. Auf sozialem Gebiete kann die Palästina-Zentrale auf eine von ihr unterstützte Klinik in Jaffa Hinweisen, in der im abgelaufenen Jahre an 6000 Patienten behandelt wurden. Mit Hilfe der Jerusalemeer Jugendorganisation konnte etwa 40 agudistischen Aulim in Palästina ^Arbeit verschafft werden. Dep Bodenkauf in Emek Israel, zunächst ein schwacher Versuch, hat den überraschenden Erfolg gezeitigt, daß der ganze Komplex in kürzester Zeit in kleinen und größeren Parzellen verkauft wurde und nunmehr Verhandlungen über neuen Bodenerwerb im Gange sind. Die Möglichkeit, für geringes Geld sich ein Stückchen heiliger Erde zu erwerben, hat dem Begriffe „Erez Jisroel-Erde" einen neuen lebendigen, aufbauenden Inhalt gegeben. Die beiden Fonds „Erez Jisroel" und „Keren Hajifchuw", der eine für die religiös-kulturellen Bedürfnisse bestimmt, der andere mehr den Interessen der Bodenkultur gewidmet, arbeiten Hand in Hand mit wachsendem Erfolge. Mit diesen Erfolgen steigern sich aber auch die Aufgaben, mehren sich die Probleme, die der Lösung harren und eine Aussprache aller, die an diesem heiligen Werke in den verschiedenen Ländern interessiert und beteiligt sind, als unumgänglich nötig erscheinen lassen. Dieser Aussprache soll die Frankfurter Konferenz am Sonntag dienen. Ein Blick auf das Programm der Tagung zeigt, von welchem Geiste die ganze Arbeit getragen ist und welche Ziele sich die Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel gestellt hat. Neben dem Tätigkeitsbericht werden wir genaue Auskunft über das Aufbauprogramm der Agudas Jisroel erhalten, über Emigration, Ausbildung der Aulim usw. Die Erziehungsaufgaben in Palästina sollen genau durchberaten werden, ebenso ein bestimmter Plan zur Erleichterung des wirtschaftlichen Existenzkampfes der minderbemittelten Klassen der jüdischen Bevölkerung Erez Jisroels. Es ist Aufbau in jeglichem Sinne, geistiger und wirtschaftlicher. Aufbau, dem die Konferenz dienen, dem sie sich in gemeinschaftlicher Arbeit zuwenden will. Möge ihre Arbeit von Erfolg begleitet sein und dem Judentum in der Heimat des Judentums zum Segen gereichen. Literarische Notizen zu ■nrr 's* Von Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. 18, 3oma “man vw ..Der Name des einen Gerschom — fremd", hierzu bemerkt die Mechilto: „Als Moses um Zipora warb, stellte Ijtro an ihn die Bedingung, daß er den erstgeborenen Sohn der „Awaudo soro" übergebe, während die anderen Kinder „leschem schomaim" erzogen werden dürsten, worauf Moses unter eidlicher Versicherung (K"D '2 h'Vh JWV f’K /,TO» ^Xl'i) ein ging. Der Engel Gottes wollte ihn später eben deswegen umbringen (ob. 4,24). Dieser Bericht findet sich auch in Targ. Ion. zu t'2 mar?. — Wie ist das von Mosche Rabenu zu verstehen?! — Eine Stelle in Bowo basro S. 110 a, glaube ich, gibt uns darüber Aufschluß. Der Talmud läßt dort nämlich Gerschoms Sobn folgenden Ansspruch tun: ..Ich habe es von Moses, meinem Ahn, überliefert bekommen: Lieber solle man sich an eine „Awaudo oro" vermieten, als Menschen zur Last zu fallen", und bemerkt dazu: Moses Enkelsohn hätte das Wort „Awaudo soro" fälschlich als ..Götzendienst" ausgefaßt, während es einfach „eine ihm fremde Beschäftigung" bedeute. — Danach ist der obige Bericht verständlich: Iitro war darüber unterrichtet, welchem gefahrvollen, opferreichen Dienst Moses sein Leben geweiht hatte: der Befreiung seines Volkes. Da bedang er sich aus, daß wenigstens das erste Kind für einen anderen Dienst (der Moses fremd war) bestimmt würde. Doch auch daraus hätte Moses nicht eingehen sollen, und deshalb bedrohte ihn der Engel. ll. * 14, 4: TliKn cnpi „Unb der Name des einen Eliefer». Hier sollte es doch eigentlich heißen: '1V.1 Dtzn .Und der Name des anderen"! — Darüber gibt es viele Erklärungen, die aber alle nicht befriedigen. Ich meine das Wort inrr ist hier, abweichend von der Regel, mit Absicht gewählt worden, weil es sich unmittelbar an -H-rr. als den ersten Teil des Namens anschließt. Der Satz sollte nämlich gleichzeitig auch bedeuten inän „der Einzige, mein Gott, ist Beistand". IN. 18, 16: K3 *m anb '\T '2 „Wenn sie etwas Vorhaben, kommt es vor mich". Der Singular an bezieht sich natürlich auf 121: pnxi jnt indes faßt das anders auf: Wenn sie eine Streitsache Vorhaben. und nur einer der Kläger zu mir kommt, so höre ich ihn nicht aus, sondern nvLVl injn f'2i, setze mich erst dann zu Gericht, wenn beide Parteien zugegen sind. Uleines Feuilleton. RabbUoses b. Amram Grünwald srn- (Verfasser des Werkes: ot^an m-nv) Fünfzehn Jahre sind bereits verflossen, seit einer der größten ungarischen Talmudgelehrten, ein pnx und E?npn -non im wahrsten Sinne des Wortes, das Zeitliche gesegnet hat. Es ist der weit über die Grenzen seines Landes berühmte Gaon Rabbi Moses ben Amram Grünwald, Rabbiner in Hufzt, ein Nachfolger seines auch bei uns gut bekannten Namensvetters, R. Moses Schick, auch Maharam Schick genannt. Ein tückisches Darmleiden hat dem Wirken dieses großen Lehrers ein frühes Ziel gesetzt, und nur durch seine monumentalen Werke, sowohl auf dem Gebiete der Halacha wie auf dem der Agada, wirkt er in unserer Mitte weiter fort. Seine unendliche, fast unvorstellbare Bescheidenheit einerseits und andererseits seine große Liebe zur Thora, die ihrr jede andere Beschäftigung als Zeitvergeudung betrachten ließ, hielten ihn von jeder parteipolitischen Tätigkeit fern, so daß sein Ruf nicht die seiner Größegebührende Verbreitung fand. Aus den gleichen Gründen hat er viele Berufungen nach großen, berühmten Gemeinden abgelehnt, darunter die von Tornow und Krakau, von wo aus er gewiß Weltruhm erlangt hätte. Man muß fein während seiner langen Krankheit auf seinem Schmerzenslager verfaßtes Testament welches nach seinem Tode von seinen Kindern unter dem Titel 0211 na:>n herausgegeben wurde, lesen, um eine ungefähre Vorstellung von dem-

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