Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1925)
- Date
- 1925-02-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 6 Der Israelit 5, Februar 1925 in offenbar beabsichtigtem Gegensatz, von der Jdealfrau gesagt ist: nn'2 nia'^n n'sir „Sie überschaut den Gang ihres Hauses", während es vom Mann heißt: nton onswa jpi: „Ihr Mann ist in den Toren, den Stätten der Verhandlung öffentlicher Angelegenheiten, bekannt", dann läßt diese Gegenüberstellung erkennen, wo altjüdischer Geist die Frau hinwünscht. In der Tat ist die Frauenwahlrechtsfrage nur ein Ausschnitt aus der Gesamtfrage der Gleichstellung der Frau mit dem Mann. Diese Gleichstellung ist aber im Sinne der min nicht gegeben. Die nun stellt die Frau in einen anderen Pflichtenkreis als den Mann. Warum? Die Gebote der nun bedürfen keiner Rechtfertigung. Wir könnten auch nicht begründen, warum wir als irdische Menschen in diese irdische, sündenverstrickte Welt gestellt sind und nicht als reine Geister um den Thron des Schöpfers. Das eine wissen wir: wer die ihm auferlegten Pflichten mit ganzer Kraft zu erfüllen strebt, ob Mann oder Frau, ist vor Gott vollwertig. Ein Geist übrigens, der eine Mutter erstehen ließ, die sich mit ihren sieben Kindern vor Gottes Wort opferte, der ein schwaches Mädchen den feindlichen Heerführer in seinem eigenen Zelte töten läßt, um die Vaterstadt zu befreien, hat doch wohl die Frauenseele nicht bedrückt, sondern zu ihrer reinsten Entfaltung gehracht. Korrespondenzen « ßaebriebten. Deutscher Reich. Wahlen zur Hauptversammlung des „Landesverbandes preußischer Synagogengemeinden". Berlin, 3. Februar. Folgende Wahlergebnisse liegen bisher vor: Berlin: Liberale 24 600 Stimmen (27 Mandate), Konservative 2700 (3), Volkspartei (Zion.) 14 400 (16), Poale Zion 1700 (1). Mittelpartei 4900 (5). Breslau: 6 Liberale, 2 Konservative, 2 Volkspartei. Köln: 4 Liberale, 2 Konferv.-zionist. Block. Frankfurt: Liberale 5330 (6), Konferv.-zionist. Block 3417 (4), Poale Zion 169 (0). Schleswig-Holstein: 1 Liberaler, 1 Volkspartei. Pommern: 3 Liberale, 1 Zionist. — In Berlin war die Wahlbeteiligung kaum 45 Prozent. Offenbar sind in Berlin Tausende von Konservativen zur Volkspartei abgewandert. Weitere Wahlergebnisse. Berlin, 4. Februar. Berlin: Die Liberalen haben 28 statt 27 Mandate, Mittelpartei 5. Rheinprovinz: 7 Liberale, 4 Zionist.-konsero. Block. H es s e n - N a s s a u: 2 Liberale (Steinberg-Wiesbaden, Dr. Katzenstein-Kassel). Westfalen: 4 Liberale, 1 Volkspartei. Alle diese Resultate sind noch nicht als endgültig zu betrachten. In liberalen Kreisen der Reichshauptstadt rechnet man mit einer absoluten Mehrheit der Liberalen in der Verbandsversammlung. Adolf Lewinski verstorben. Berlin, 28. Januar. Der älteste und auch dienstälteste Repräsentant der Berliner jüdischen Gemeinde, Adolf L e w i n s k i, ist in Wochenkalender. 7.-14. Febr. 1928. / 13.-20. Schwach 5688. - Samstag Febr. 7 13 V2V m’ip rav Sonntag 8 14 Wontag 9 15 im nvnrt Dienstag 10 16 Mittwoch 11 17 Donnerstag 12 18 Freitag 13 19 Samstag 14 inm 20 Berlin verstorben. Der Verstorbene war seit einigen Jahren auch stellvertretender Vorsitzender der Repräsentantenversammlung. Lewinskis Tätigkeit lag. hauptsächlich auf dem Gebiet wirtschaftlicher und den Etat beteffender Frage der jüdischen Gemeinde. Selbst der Mittelpartei angehörig, war er in vielen Fragen Wortführer der konservativen Arbeitsgemeinschaft in der Repräsentantenversammlung. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung in Weitzensee statt. Herr Rabbiner Dr. B l e i ch r o d e hietl die Trauerrede und der stellvertretende Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr Rechtsanwalt Dr. Klee, sprach im Namen der Gemeinde Worte des Dankes. Herr . Magistratsrat Neumann sprach im ' Namen der konservativen Fraktion warme Abschiedsworte. Eduard Bernsteins jüdisches Bekenntnis. Berlin, 20. Januar. In einer Wahlversammlung der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation „Poale Zion", die für die preußisch-jüdische Landesversammlung in einer Anzahl Wahlbezirken eigene Kandidatenlisten aufgestellt, führte am 19. Januar Eduard V e r n st e l n ungefähr aus: Heftern!! ist jetzt die Reaktion am Werke, um die demokratische Entwicklung zurückzudrängen. Die jetzt vor sich gehende Judenhetze trägt den Stempel der Fälschung und des Betruges an sich. Sie geht nicht aus dem Volks hervor, sondern sie wird in das Volk hineingetragen. Der Terror ist so stark,' daß viele Gegner des Antisemitismus zurückweichen und Konzessionen machen, wie dies jeder im öffentlichen Stehende merken kann. Auch die Arbeit des Verbandes nationaldeutscher Juden ist eine Konzession an den Antisemitismus. Insofern diese Arbeit ehrlich ist, ist sie eine Torheit. Eduard Bernstein schildert dann seine eigene Entwicklung als Jude. „Mein Vater war ein armer Lokomotivführer. Wir waren 10 Kinder im Haus. Die Verhältnisse waren sogar unter dem proletarischen Niveau und so entwickelte ich mich zum Juden und Internationalen. Das steht mit dem deutschen Empfinden nicht im Widerspruch. Ich kann mir keinen deutschen Juden denken, der sich nicht mit seiner deutschen Heimat eng verbunden fühlt. Ich bin deutscher Jude. Das ist genug. Die Betonung, daß man national-deutscher Jude ist, ist ein Zugeständnis an die Feinde." Bernstein wünscht natürlich, daß die jüdischen Sozialdemokraten größten Einfluß in der Landesversämmlung gewinnen mögen. Verein der jüdischen Lehrer in den Rabbinatsbezirken Emden-Oldenburg-Bremen. Emden, 24. Januar. Zum 4. und 5. Januar 1925 hatte der Verein eine Versammlung seiner Migtlieder nach Emden einberusen, die gut besucht war und sehr anregend und belehrend verlief. Sonntagnachmittag beteiligten sich die Anwesenden an der Waisenhaussitzung, die diesmal wegen der Satzungsänderung besonders wichtig war und eine sehr lebhafte Aussprache hervorrief. Abends fand ein gemeinsames Essen und gemütliches Zusammensein statt wobei von verschiedenen Seiten anregende Thoravorträge gehalten wurden, welche von den Versammelten mit großer Aufmerksamkeit angehört wurden und die viel Lehrreiches boten. Montag morgen wurden die Verhandlungen durch eine Ansprache des Vorsitzenden Wolss-Aurich eröffnet. Dann hielt Kollege Gottschalk-Cmden einen Vortrag über Arbeitsunterricht in den Religionsfächern mit Lehrbeispielen. Zunächst erklärte er den Begriff Arbeitsunterricht im Sinne Gaudigs als „Erarbeitungsunterricht". Diese Methode ist besonders geeignet, das Interesse der Schüler am Stoffe zu erwecken und die Selbständigkeit der Kinder zu fördern. Denn gerade die Selbständigkeit der Lernenden muß auf die höchste Stufe gebracht werden, um dem Bildungsziel „Persönlichkeiten zu schaffen" gerecht zu werden. Daneben muß aber auch auf eine rechte Ausnutzung der Zeit Bedacht genommen werden, um den notwendigen Stoff, ohne den es in der jüdischen Religionsstunde nun' einmal nicht geht, durchzuarbeiten. Wie der Vortragende seine Theorien in die Praxis umsetzt, zeigte er durch Vorführung seiner Klasse. Und es war wirklich herzerfreuend, mit welcher Frische und welchem Verständnis 9—10 jährige Knaben und Mädchen verschiedene Stoffe vortrugen. Es sei nur an das für die Mittelstufe recht schwierige Kapitel „Jakob erhalt den Segen" erinnert, das von einem Neunjährigen ganz im Hirschschen Sinne erzählt wurde. Aus derselben Höhe standen die Uebersetzungsübungen, bei denen es sich zeigte, daß die nötigen Grammatikformen auch schon von den Kleinen begriffen und angewendet werden, wodurch das Uebersetzew erleichtert, und die Selbständigkeit gefördert wird. Ebenso war die Verbindung des jüdischen Gesanges mit dem Uebersetzen recht gelungen. Eine eingehende und interessante Aussprache brachte die allgemeine Zustimmung zu dem Gehörten und Vorgetragenen zum Ausdruck. Inzwischen war Herr Leo Munk aus Köln eingetroffen, der über den Keren Hatauroh sprach und die Anwesenden zur regen Mitarbeit aufforderte, welche ihm auch zugesagt wurde. , Jp den freien Besprechungen wurde mancher Gegenstand hervorgehoben,. der das Schul- und Lehrerleben berührt. Unter anderem wurde der Uebelstand gerügt, daß die jüdischen Schulbücher bedeutend schlechter gebunden sind, als die für den Profänunterricht, wodurch den Eltern manchmal die doppelten und dreifachen Ausgaben entstehen. Die Buchhandlungen sollten lieber den Preis etwas erhöhen und bessere Einbände liefern. Drahtheftung sollte überhaupt nicht mehr angewendet werden. Einige Vereinsmitglkeder hattenan der Hamburger Erziehungskonferenz teilgenommen und gaben darüber interessante Berichte, die vonden Versammelten dankbar ausgenommen würden. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden, in dem er einen Ueberblick über die Verhandlungen und deren Resultate gab, trennten sich die Teilnehmer mit dem Bewußtsein, zwei angenehme und schöne Tage miteinander verlebt zu haben. Am die Zukunft des Iudenkums in Bayern. Würzburg, 30. Januar. Am 18. Januar tagte in Würzburg der Bünd gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. Alle Teilnehmer waren durchdrungen von dem Ernst der religiösen Lage der Juden in den bayerischen Landgemeinden, aber trotzdem durchwehte die Versammlung ein Geist der Arbeitsfreude und energischer Entschlossenheit, nunmehr nach Stabilisierung der Verhältnisse mit allen Kräften das Werk des Wiederaufbaues zu beginnen, so daß alle mit neuer Hoffnung gestärkt Würzburg verließen. Sehr bedauerlich ist, daß nur wenige Gemeindevorstände die Notwendigkeit der Arbeit des Bundes zu erkennen scheinen; noch schmerzlicher ist, daß auch manche Führer nicht erschienen sind, wo es galt Wege zu finden zur Hebung der Religiosität und Wiederverbreitung der Thora in Bayern. So wenig auch der Bund nach außen in Erscheinung getreten ist, hat er doch, wie aus dem Bericht des Vorsitzenden Distrikts-Rabbiners Dr. Stein hervorging, trotz Inflation und Wirtschaftskrise in den 3 Jahren seines Bestehens gar manches Wertvolle geleistet, hat während der Inflation einen Sofer subventioniert, der die Landgemeinden besuchte, hat den Bau von rmipa unterstützt, Kindern in mancher iehrerlosen Gemeinde Religionsunterricht verschafft, die nV>» eines 8 jährigen Jungen vermittelt. (Die beiden letzten Aufgaben wurden zusammen mit der Freien Vereinigung zur Lösung gebracht.) Er hat Schritte unternommen zur Befreiung jüdischer Kinder vom Unterricht am Schabbos. ferner zur Aufhebung des Verbots der Ausübung der Schechitoh durch Völksschullehrer in Unterfranken, hat Speisegelegenheiten für Reisende auf kleinen Plätzen ausfindig gemacht und veröffentlicht und so manche Werke geleistet, von denen zwar die breite Oesfentlichkeit wenig Notiz nimmt, die aber doch vom Standpunkte eines frommen Jehudi aus von unschätzbarem Werte sind. Freilich hatte der Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns sich noch viel höhere Ziele gesteckt, aber aus dem Kassenbericht des wackeren Kassierers Moses Reus erfuhren wir, wie die Inflation jeder Arbeit auf größere Sicht den Boden entzog. Aber die Versammlung hielt sich nicht lange bei den trüben Betrachtungen der Vergangenheit auf, sondern ging frisch daran, über die Mittel und Wege zu beraten, das jüdische Leben in den Landgemeinden in der Zukunft zu heben. An der eifrigen Debatte beteiligten die Herren Rabbiner Dr. Stein-Schweinsurt, Dr. Hannover-Würzburg. Dr. Vrader-Schweinfurt, Dr. Hannover-Würz- Neubauer-Würzburg, ferner die Herren M. Neuberger- Haßfurt, Lehrer Neiter-Gerolshofen, Dr. Nathanfen- Würzburg, Lehrer Hirnheimer-Höchberg, Seminar- Oberlehrer Stoll-Würzburg, Hauptlehrer Oppenheimer-