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Der Israelit · 1925-01-29 · Heft 5 (29.1.1925) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 5 (29.1.1925)
Date
1925-01-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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MWWMW UMÄ? Sene 2 Nl^ 3 dafür nicht ein Stück von dem innersten Wesen der Sache preisgegeben wird. Und es ist sehr wahrscheinlich, daß sich schon darum der überwiegende Teil der von der Tradition bestimmten Judenheit, die dem „Weltrabbinat" ja ohnehin als etwas scheinbar Neuem mit Bedenken gegenübersteht, bis auf weiteres weigern wird, seine Errichtung, und sei es selbst auf dem geliebten Boden des heiligen Landes, gutzuheißen. Das würde aber bedeuten, daß das „Weltrabbinat" nicht als Anfangstat des Weges gesetzt, werden kann, und wenn man doch irgendwie so tun würde, alsob man es setzte, dieses angebliche „Weltrabbinat" keines und die jüdische Allgemeinde nicht wiederhergestellt wäre. Auch „Agudas Jisroel" ist die Idee einer geistlichen Zentrale des Judentums nichts weniger als fremd. Sie kommt zwar nicht, wie der Verfasser des Artikels „Halachische Anarchie", meint, unmittelbar in der „Agudas- Jisroel", aber in ihrer Institution des „Rabbinischen Rates" zum Ausdruck und ist sogar hier insofern entwickelter als bei Kook, als schon Gliederung und Jnstanzenzug (je ein rabbinischer Rat in jedem Lande und ein rabbinischer Rat für die Gesamtheit der Länder) vorgesehen sind. Dabei ist dem Aufbau Zeit gelassen und durch den Einbau der Institution in die „Agudas Jisroel" Mannschaft geworben. Ja, diese Mannschaft: kann, wenn sich die Hoffnungen, die man auf die „Agudas Jisroel" setzt, erfüllen, selbst die volle Zahl der traditionstreuen Juden erreichen. Allein, es will mir scheinen, als ob zur Erreichung des wirklichen Erfolges, d. h. einer wahren, fest und klug gefügten jüdischen Allgemeinde doch noch manches andere nötig wäre, als die unter allgemeiner Zustimmung gelungene Einsetzung von „rabbinischen Räten" oder auch einer ebenfalls von allgemeiner Zustimmung. getragenen „Weltrabbinates". Müßte nicht vor allem die Idee der wiedergeborenen jüdischen Allgemeinde, d. h. die Idee einer jüdischen über den Parteien stehenden offiziellen religiösen Volksleitung, eines - religiös-nationalen Aemterfystems klar ausgesprochen und verbreitet und „rabbinische Räte" oder „Weltrabbinat" im Namen dieser Idee gefordert werden? Und müßte man nicht zur Einsicht kommen, daß die jüdische Allgemeinde ein in etlichen Hinsichten, anders als jetzt geartetes Rabbinenmaterial und andere Beziehungen der rabbinifchen Persönlichkeiten zur jüdischen Gesamtheit, zur Gemeinde und zum Einzelnen sowie besondere Beziehungen dieser Persönlichkeiten zu den rabbinifchen Instanzen vorausfetzt? Das heißt: Wäre es nicht nötig, Wege zu finden, um den Ortsrabbi (den More de asiro) nur von Berufenen, d. h. von den anerkannten rabbinisch Gelehrten (den Talmide chachomim) des Ortes und den höheren Instanzen bestimmen zu lassen und ihn auch ökonomisch von seiner Gemeinde unabhängig zu machen? Und wären nicht Anstalten zu treffen, um bei intensivster und extensivster Thorapflege aus den Reihen der anerkannten rabbinisch Gelehrten auch die Männer holen zu können, die imstande sind, in den höheren Instanzen die höheren und höchsten Interessen des Judentums wahrzunehmen und von denen ein Teil auch geeignet ist, die Judenheit in ihren materiellen Lebensfragen führend zu beraten? Freilich ist vorauszusehen, daß sich der so aufgefaßten*) Forderung der jüdischen Allgemeinde, falls sie gestellt würde, alle die u n - jüdischen Losungen und Schlagworte widersetzen *) Siehe auch meine „Diwrej hoaulim" (in „Diwrej hoaulim", Verlag Max Hickl, Brünn 5677) — in deutscher Übersetzung „Worte der Aufsteigenden" in meinem „Gottes Volk" (R. Löwit Verlag 1—3. Auflage, Wien 1918—1921), Anhang, — meine „9lad)bemerhmgen zu Gottes Volk" (Verlag des Jeschurun, Berlin 1918). Auch eine in Vorbereitung befindliche neue Arbeit von mir wird sich u. A. mit diesem Thema befassen. B s; ae l Q t t e r 29. Januar 1925 würden, die in den letzten Zeitläuften auch in die überlieferüngstreue Judenheit eMgedrungen sind und sich dort, oft in neo-midrafchifcherVerputzung als u r jüdisch geben. Und das ist natürlich keine günstige Chance. ': t - Ein neuer Hadereäi Haderech Nr. 3-4 ist soeben erschienen. Er enthält einen Brief . von Rabb. Dr. Pinchas Kohn über das Gemeindegesetz, einen Aufsatz von Rabbiner Zirelsohn über Fortschritt und Reaktion, einen Aufsatz von CH. I. Eis (Stellungnahme gegen das Vorgehen des Palästinensischen Oberrabbinats gegen Oberrabb. Kliers, Tiberias). Die Nummer enthält ferner Berichte über die Hamburger Tagung des Keren Hatorah, einen Brief des Rabbi Dawid Karlin und zwei Feuilletons. Talmudbauern. Zu den interessantesten Erscheinungen, die die orthodoxe Palästinabewegung gezeitigt hat, gehört die Kolonie „Nachaliel" im Dorfe „R a n a n i a" bei Jaffa. Die Kolonie wurde vor etwa einem halben Jahre von Jeschiwaj u n g e r n aus Litauen und Polen gegründet, mit dem Zwecke, Thora und Arbeit in idealster Weife zu verbinden und besteht zurzeit aus zwölf Mitgliedern, darunter eine Familie. Äls Grundstock für die Ansiedlung diente eine von einem polnischen Jeschiwafreund gemachte Stiftung von 50 Dunam Boden in Ranania, zwanzig Kilometer von Tel-Awiw, Zwischen „En Schaj" und „Kfar Sabba". Zu dem Gelände gehörte ein Stall mit vier Kühen, auch Geflügel. Dank der weiteren Spende eines früheren Jefchiwajüngers aus K e l m konnte der Grundstock für die landwirtschaftliche. Jeschirva „Nachaliel" gelegt werden. Die zwölf jungen Leute teilten ihre Zeit so ein, daß sowohl die Landarbeit wie das Talmudstudium vollauf auf ihre Kosten kommen, während'Frau und Töchter des einen . Familienvaters das Haus versehen und für die Verpflegung der jungen Kolonisten sorgen. Nach intensiver Arbeit von fünf Monaten darf die Ansiedlung nicht mehr als Experiment, sondern als voller ^Erfolg, als Sieg der Synthese Thora und Arbeit brachtet werden. Wer die Strömungen in Palästina kennt und den Geist, der durch die dortige Jugend geht, mit all seinen Auswüchsen und Abirrungen, der wird diesen Ansatz voll zu schätzen wissen. Es ist die kräftigste Widerlegung der verbreiteten Mär, daß sich Thora mit aktiver Arbeit nicht vertrage. Die in dieser kleinen Niederlassung herrschende Ordnung und Disziplin könnte anderen großen Kolonien als Muster dienen. In vier Monaten haben die jungen Talmudbauern mit eigener Hand ein. großes Wohnhaus aufgeführt aus Ziegelsteinen, die sie selbst anfertigten, das Land wurde zweckmäßig und fachmännisch bebaut, wiewohl ihnen nur primitive und minimale Mittel zur Verfügung standen. Die Zukunft der Niederlassung hangt von der Entwicklung der Milchwirtschaft und der Hühnerzucht ab. Umdie Zukunft der Kolonie zu sichern, sind zurzeit erforderlich etwa 15 Kühe im Werte von 250 ägyptische Pfd., Ackerboden von 100 Dunam im Werte von 520 Pfund, Hühnerställe usw. Mit den zurzeit der Niederlassung zur Verfügung stehenden Mitteln sind monatliche Defizite unausbleiblich. Die Schulden betragen zurzeit etwa 300 Pfund. In einem an die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt am Main erstatteten eingehenden Bericht weisen die Ansiedler darauf hin, daß mit einer sofortigen Zuwendung von 150 bis 200 Pfund die Existenz und die Zukunft der Kolonie gerettet werden kann, unter der Voraussetzung, daß noch weitere Beträge im Laufe des Jahres ihr nach und nach zugehen. Es fei betont, daß die Niederlassung Subventionen von anderen Organisationen, von denen sie stark umworben wird, strikte ablehnt. Die Niederlassung könnte in absehbarer Zeit der Stolz der Ort ho d.o x i e w e r d e nun d ein Grundstein für weitere intensive Arbeit auf der hier gegebenen Basis. Wer will hier helfen? Heimstätten von der Lehre und der Arbeit. Von Dr. Robert Wrig in Wien. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel tritt mit einem ideell und wirtschaftlich gekennzeichneten Siedlungsplan an diejenigen gesetzestreuen Juden heran, die auch der Mizwah Jifchuw Erez Jisroel den ihr gebührenden Platz einräumen wollen. Es keimt in dieser Heimstättenidee ein Werk, das geeignet ist, den kulturellen und sozialen Charakter des Jifchuw von Grund, auf zu verändern. Heute, und noch mehr vor einem Jahre, schied sich die jüdische Gesellschaft Palästinas in zwei kulturell wie fozial -vollkommen entgegengesetzt gesinnte Gruppen: in den alten und in den neuen Jifchuw. Der alte Jifchuw: strenggläubige Juden, die zum Großteil die jüdischen Viertel Jerusalems bevölkerten und meistens keinen nennenswerten weltlichen Erwerb hatten. Sie lebten von *den Gaben, die das religiöse Pflichtgefühl der Juden ihnen aus allen vier Enden der Welt Zuströmen ließ. Der Hauptberuf des alten Jifchuw war es, für das Dasein von Juden, von lernenden Juden in Erez Jisroel zu sorgen. Sie hatten nur zu existieren: nicht mehr wurde von ihnen verlangt, aber auch nicht weniger. Es gab auch strenggläubige Juden in den alten Kolonien, in Rischon-te-Zion und Petach-Tikwah, die gerne sich als Gutsbesitzer versuchten, aber mit der Erlösung des jüdischen Landes keinen tieferen Zusammenhang verspürten; nicht sie bebauten den Acker, auf dem selbst König Saul einmal' den Pflug bediente, sie ließen ihre arabischen Knechte arbeiten . . .' Der neue Jifchuw: Juden, die mit der überlieferten Lehre keine Gemeinschaft 'Haben, deren Lebensrichtung dem Denken der nichtjüdifchen Welt zugewandt war; die sich ein Leben 'zimmerten, das die Erfahrung und den Kultürbesttz einer zweitausendjährigen jüdischen Geschichte grundsätzlich ignorierte. Wäre nur die Befreiung des Bodens von seiner Unfruchtbarkeit und die Ueberwindung der Resignation im Volk ihr Bestreben gewesen, kein gesetzestreuer Jude, dem die Mizwath Jifchuw Erez Jisroel heilig ist, hätte ihrer Arbeit Anerkennung und Unterstützung versagt. Aber sie wollen nicht nur Erez Jisroel besiedeln, sondern betonten immer und immer wieder, daß sie ein neues Erez Jisroel schüfen, das mit dem alten, historischen Erez Jisroel nur eine geographische. Gemeinsamkeit haben sollte. So kam es, daß die Tradition in Jeruschalajim und die Arbeit in Emek Jsreel residierte. Daß diese beiden Lebensquellen auseinanderflosien, statt in einem Bette vereinigt das jüdische Land und die jüdischen Menschen als majim chajim zu befruchten. Und nun kommt die Heimstättenidee und ruft die gesetzestreuen Schichten zur produktiven Arbeit in Erez Jisroel auf. Aber zu einer Arbeit, die sich nicht damit begnügt, mit der Hilfe 'n unfruchtbare Landstrecken in gesegnete Getreidefelder und Gärten zu verwandelu. Auch das Land soll wieder eine Schmittoh und so Gott will, auch seinen Jowel empfangen. Juden sollen ins Emek Jsreel ziehen und den Boden bestellen; aber wenn der Tag um ist und sie von der harten Feldarbeit heimkommen, werden sie unsere' Sforim aufschlagen und den Dingen nachlernen, Seden&ef dev ftofcfi cfioudefcfi Spende $os(fefiecßfumfo der $afäs(ina~ Zentrale der Agudas Jisroel Ar. 53 900 Jran&fur! a. 1H

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