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Der Israelit · 1925-01-29 · Heft 5 (29.1.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 5 (29.1.1925)
Date
1925-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 5 Der Israelit 29. Januar 1925 und Judentum nichts zu tun. Aber der rühmlichst bekannte völkische Tribun W u l l e kommt nicht aus der Uebung und erzählt in der Sitzung des Preußischen Landtages vom 20. Januar zur Begründung des Antrages, das Ministerium Braun habe durch die Hingabe unzähliger Wohnungen an die Ostjuden eine besondere Art von Bolschewismus eingeführt, der das ganze Volk auf diesem Wege proletarisiere. Maßgebende Stellen des Ministeriums hielten über „diesem Gelichter" schützend die Hand. Solange das Ministerium Severing bestehe, sei Preußen ein Bollwerk des internationalen Geld-Judentums usw. Von der Linken wurde dem Redner unausgesetzt „Lügner! Lügner!" zugerufen. Mit diesem Zurufen ist ungefähr das widerliche Gefühl angezeigt, das die Anwürfe Mulles und seiner Konsorten auch außerhalb, des preußischen Parlamentes auslösen werden. Was inan auch dem neuen Regime vorwerfen mag, ein systematischer Import von Ostjuden ging nicht von diesem aus, sondern — daran erinnerte auch Ministerpräsident Braun in seiner Erwiderung — von Ludendorff, zu einer Zeit, als er noch Plakataufrufe an „seine lieben Jiden" an die Mauern von Warschau und Wilna ankleben ließ. Von den damals zum Teile zwangsweise nach Deutschland abtransportierten Ostjuden find viele weiter-, viele zurückgereist. Was von ihnen auf deutschem Boden noch lebt, steht in gar keinem Verhältnis zu den Gespensterbildern, die die Völkischen andauernd an die deutsche Wand malen. haben. Und wie zweitens bei Sabbatbeginn liehen Opfern sprechen, die manche Familien dem Thora-Einzelarbeit. Von Dr. Benno Lohen in Berlin. Die Hamburger Tage sind verrauscht, aber nicht verklungen. Wir sind mit ausgetauschten Erfahrungen heimgefahren und wollen unsere neugefaßten Vorsätze alsbald verwirklichen. Wir hatten vor drei verschiedenen Ausgaben gestanden. Fragen waren an uns ergangen, wie sie der jüdische Hausvater bei Sabbatbeginn an seine Leute richten muß: Jssartem? Eravtem? Hadliku es hanneer! So wie bei Sabbatbeginn Umschau zu halten ist, ob keine unverzehntete Speise im Hause geblieben und ihren Besitzer beim Allgütigen mangelnden jüdischen Gemeinsinnes, geringer Liebe zum Stamme der Thoraverbrerter zeiht, so sind wir geprüft und vielfach im Gewissenstiefen aufgerüttelt worden, ob wir denn den Lehrstätten der Thora nach bestem Können den Bestand gesichert und die Sorgen erleichtert festgestellt werden muß, ob am Eruv, dem Sinnbilde der am Sabbat bestehenden örtlichen Einheit Israels, alle Zusammenwohnenden sich beteiligt haben und ob die Weichbilder der Städte durch das Eruv-Symbol zu weltumfassender Einheit gefügt sind ,so haben auch wir uns die Frage vorgelegt, ob auch abseits der großen Orte die Thora nicht in unserem Lande verklingt, und ob wir. getreu dem Eruv-Symbol, auch in dieser gemeinsamen Sorge Alle für Einen und Einer für Alle das Unsrige getan haben. Ueber alle diese Dinge konnte man, was den gegenwärtigen Stand der Entwicklung betrifft, im fragenden, prüfenden, forschenden Tone sprechen, — wie ja auch das Urbild dieser Feststellung in der Mischna fragend erscheint. Man konnte über Maaßer und Eruv, über Thora- Tribut und Gemeinsinn, wie sie momentan verwirklicht sind, lobend und tadelnd die verschiedensten Meinungen in Hamburg geäußert hören. Einig waren aber alle in einer Feststellung. So wie vorm Verlassen des Hauses bei Kabbolas Schabboß der jüdische Hausvater nicht fragen muß, ob Licht angezündet ist oder nicht, — wie er vielmehr mit seinen Augen unbezweifelbar die Finsternis des Hauses wahrnehmend, Licht anzuzünden gebietet, so haben wir alle ohne Unterschied von Stadt und Land, von Ost und West, die Gewißheit gewonnen, daß in puncto Thorawissen und Unterrichtsmöglichkeit überall tiefes Duster in unserem Lande herrscht und haben als kategorisches Leitmotiv unserer weiteren Lebensarbeit das Gebot mitgenommen: Hadliku es hanneer, entzündet das Licht! Viele neue Programmformulierungen sollen, sagt man, in Hamburg nicht entstanden sein. Wir haben nicht ausgerufen (Pf. 119, 97): Wie lieb habe ich deine Thora, daß ich den ganzen Tag •r> o n ihr rede! Denn wir wollen nicht, daß man uns alsbald frage: Wenn soviel von Thora und Unterrichtsorganisation gesprochen wird, wann lernet ihr denn? Je weniger wir „organisiert" haben, desto mehr haben wir uns gefreut, zu vernehmen, was an Thorawissen außerhalb aller Mechanismen gepflegt und erzeugt worden ist. Wir haben von den herrlichen Erziehungserfolgen des Nürnberger Raw gehört, der auch ohne große offizielle Form eine Talmud-Thora und eine Jeschiwa ins Leben gerufen hat, wo fleißig gelernt wird. Wir hoben gehört, wie sein System überall nah und fern von Nürnberg Nachahmung findet. Wenn wir von den furchtbaren Entbehrungen der litauischen Jeschiwos auch bewahrt geblieben sind, so konnten wir doch mit Stolz von den gesellschaft- Thorawissen ihrer Kinder gebracht haben. Es darf auch nicht geschwiegen werden von den freiwilligen Schiurim, die sich überall an diejenigen jüdischen Schulen angliedern, deren Thoralehrplan offiziell hinter den regierungsseitig geforderten Unterrichtsgegenständen zurücktreten muß, — deren Schüler aber ihrerseits sich an diese „Rationierung" des Thorawissens nicht halten, sondern je mehr, je lieber, freiwillig lernen wollten. Der Zustand, unter dem in früheren Jahren und Jahrzehnten freiwillige Schiurim litten, ist bekannt. Noch Hirsch spottet: Wenn der Herr Doktor Kopfschmerzen hat, dann' habt ihr keine „Religion". — Religionsunterricht hatte immer viele Feinde: bald Entfernungen, bald drohende Versetzung, bald Wetter, bald . Verwandtenbesuch und andere Unholde. Aber der freiwillige Schiur des Verliner Jungen der Nachkriegszeit ist „nicht kleinzukriegen." Der jüdische Hausvater soll rufen: „Hadliku es hanneer"; aber wir hatten am Anfang unsres Ergänzungskürssystems noch nicht einmal Beleuchtungskörper und Heizgelegenheit. Zu allererst stand auch kein Raum zur Verfügung, und die Bücher reichten, Gott fei Dank! meist nicht aus. Da standen eben Schüler und Lehrer, alles verwöhnte Menschen, und lernten auswendigdenvorigenPerek auf dem dunklen kalten Korridor st e h e n d durch. „Mit Ausfallenlassen fangen wir nicht an," sagten die Jungen, „das ist gut für Ehewres von Baalebattim." — Immer wieder meldeten sich solche, die im Profanunterricht keine Glanznummern waren, zum Schiur. Oft meldeten sich solche Jungen, die aus anderen, triftigen Gründen von ihren Eltern nicht gerne geschickt wurden. Es war eine reine Freude, ein Lichtblick aus unserer an Thorawissen armen Zeit ins Helle Licht einer schöneren Zukunft. Ein schmaler Lichtstreifen; an uns liegt es, ihn zu erweitern^ Mittel und Wege zu seiner Stärkung zu finden. Ob und wie wir dazu unseren „Zehnten" hergegeben, ob und wie wir dazu uns alle solidarisch erklärt haben, — issartem, eravtem, — — diese Fragen sind bald genug erörtert; jetzt ans Werk: Hadliku es hanneer! Schaffet jede Förderung dem Lernwillen unserer Jungen; entzündet ihr Licht! Und wo es schon entzündet ist, nehmet jedes Hindernis aus seiner Bahn; ständiges Feuer brenne auf dem Altäre der Thora und verlösche nicht! um das Mißtrauen, das man. gegen den Sohn eines Ungelehrten hat. zu zerstreuen. Don seinem Sohne, der Sohn eines gefeierten Rabbi ist, darf aber füglich nicht mehr verlangt werden als von allen anderen Rabbinern. Hierin auch die Beantwortung der gestellten Frage: Abraham,' der Sohn Terachs, mutzte durch zehn Prüfungen gehen, um den Makel der Abstammung auszuwetzen und sich die Stellung zu erringen, die ihm geworden ist. Wir aber, feine Kinder, die in die abrahamitischen Traditionen schon hineingeboren sind» dürfen auch ohne weitere Prüfungen und außerordentliche Verdienste Anspruch darauf machen, daß Er, „der Abraham aus Moria erhörte, auch uns erhöre". Damit hatte der Dubner Maggid auch seine Prüfung bestanden, und die Wette gewonnen. Orthodoxe Presse. Die orthodoxe Presse im Osten macht gute Fortschritte. In letzterer Zeit sind in Polen neue Organe gegründet worden, die oieloerheißend in den Verteidigungskampf für die jüdischen Interessen nach Innen und Außen treten. In Lodz erscheint das Wochenblatt ..Jiddische Stimme", die den politischen, gesellschaftlichen und literarischen Interessen des gesetzestreuen Judentums dienen will, und nach den uns vorliegenden Nummern zu urteilen, auch dienen wird. Herausgeber dieses Blattes ist der Verlag ..Segulah" Lodz. Als Redakteur zeichnet A. M. Rogowi. Als unparteiisches orthodoxes Wochenblatt bezeichnet sich das in Wilna erscheinende „Wort". Format und Ausstattung erinnern an das früher in Warschau erschienene ..Jiddische Wort", das später vom ..Jud" abgelöst wurde. Das Blatt hat einen ausgiebigen Nachrichtenteil und ansprechendes Feuilleton. Es erscheint' im Verlage von M. Karnic und I. Schub, und^ist redigiert von I. Mo rösch owitz. flÖSS**“ Ein gutes orthodoxes Monatsjournal für die Ju gen d erscheint in Konstantin bei Lodz unter dem Titel „D e r C oi r". Die uns vorliegende erste stummer enthält gediegene Arbeiten religionsphilofophischer, politischer, homiletischer und auch belletristischer Natur. Inhalt wie Ausstattung sind im entsprechenden Jugendstile gehalten. Man darf besonders diesem Unternehmen im Interesse der Jugenderziehung und der Volksbildung bestes Gedeihen wünschen. Bester Ausstattung erfreut sich die Chanuka- Rummer des bekannten Familien-Journales ..B e j th Jakob", das speziell für die jüdischen Töchter allmonatlich in Lodz erscheint. Das schöne Heft enthält gute Artikel aus der und über die Chanuka- Geschichte, u. a. auch eine Wiedergabe des Aufsatzes „Hellenismus und Judentum" von S. R. Hirsch. Für Unterhaltung der Leserinnen sorgen in bester Weise hübsche Feuilletons, die von echt jüdischem Geiste getragen sind. Die Illustrationen zeigen den ..Chofez Chajim", Rabbi Jzchok Abohab, Verfasser des -Menorqth Hamoaur", Rabbi Eide! (Maharschooh) und „Val ScheM Tow". Dem jüdischen Teil ist eine polnische Beilage beigegeben. (Kirr jüdischer Ahnherr des öerühmten Aorschers Sven Kedin). Der Stockholmer Berichterstatter des Berliner Tageblattes, C. Z. Klötzel, hatte eine Unterredung mit dem berühmten Orientforscher Sven Hedin und seiner Schwester Fräulein Alma Hediu. Dabei kam die Rede aus die Abstammung der Geschwister. Die Hrdins sind eine alteingesessene Stockholmer Familie, die ihren Stammbäum bis ins 16.. Jahrhundert verfolgen kann. Geistliche, höhere Beamte und ein berühmter Hofmedikus auf der väterlichen Seite; mütterlicherseits sei der bekannteste Ahnherr ein Frankfurter. Jude. Er hieß Brot, ließ sich 1771 in Schweden taufen und nahm den Namen Berlin an. Diesem Ahnherrn — so schreibt der Korrespondent — ist cs wahrscheinlich zuzuschreiben,- daß der berühmte Enkel nicht wie Hödur aussieht, und daß in dem sanften, beseelten Antlitz seiner Schwester etwas an die Glücke! von Hameln erinnert. Der Korrespondent erzählt, daß Sven Hedin während des Krieges von deutsch-seind ichen schwedischen Blättern seine jüdische Abstammung vorgeworfen wurde, als der Forscher seine Stimme für Deutschland erhob. Diese Blätter erklärten. Sven Hedin sei vom deutschen Kaiser gekauft, und das sei nur deshalb möglich, weil er eben kein echter Schwede, sondern ein Jude sei. lOochenkalender. 31. Jan. bis 7. Febr. 1829. I 8.-13. Schwach 5685. Samstag Jan. 31 «2 6 V2V Sonntag Febr. 1 7 Montag 2 8 Dienstag 3 9 Mittwoch 4 10 Donnerstag 5 11 Freitag 6 12 < Samstag 7 13 rnw

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