Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-01-22 · Heft 4 (22.1.1925) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 4 (22.1.1925)
Date
1925-01-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450341--71875-2529200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Der Israelit 22 Januar 1925 Seite 11 Nr. 4_•_ deshalb ist sie der Stolz ihrer Familie, der Stolz unserer Religiansgesellschast, ja der Stolz der ganzen Stadt und weitester Kreise. Wir schließen mit den Worten der Urkunde, daß es ihr durch göttliche Gnade beschieden sein möge, noch viele Jahre in der Fülle geistiqer Kraft und körperlicher Frische an der Spike der Ehewrah zu stehen. Münster bei Dieburg, 10. Jan. Am Donnerstag den 1. Januar trugen wir Frau Bettchen Vogel, Gattin des Herrn Marr Vogel, zu Grabe. Eine Frau von seltener Herzensgüte, Friedensliebe, Opferfreudigkeit und Hilfsbereitwilligkeit, von tiefinnigster Frömmigkeit, die mit peinlichster Gewissenhaftigkeit alle religiösen Pflichten erfüllte und die es verstand, ihre Kinder zu braven und geachteten Menschen heranzuziehen. Die zahlreiche Beteiligung an der zeugte von der großen Beliebtheit und Wertschätzung, der sie sich zu erfreuen hatte. Die Herren Lehrer Kaufmann-Dieburg und Spier-Groß-Zimmern gaben dem allgemeinen Schmerze um den Verlust ergreifenden Ausdruck und schilderten eingehend die Verdienste, die sich die Verstorbene erworben. Möge 'n den trauernden Hinterbliebenen seinen Trost spenden. nnsan Homburg, 12. Jan. In Oberursel am Taunus starb am 5. Dezember im Alter von 61 Jahren der Geh. und Oberpostrat Moses Joseph, kurze Zeit, nachdem er in den Ruhestand getreten war. Geheimrat Joseph stammte aus Helsen b. Arolsen (Waldeck.) Seine außergewöhnliche Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit, sein vornehmer Charakter nicht minder wie. seine Tüchtigkeit ließen ihn alle Hemmnisse überwinden und verschafften ihm die Anerkennung seiner Vorgesetzten, so daß sie in ihm nicht den Juden sahen, sondern den treuen, mit seinem Beruf ganz verwachsenen Beamten, den edlen und. biederen Menschen. So brachte er es als Jude unter der früheren kaiserlichen Regierung bis zum Geh. Postrat. Er wurde auch mit hohen Orden, darunter dem Noten Adler, bedacht. Geheimrat Joseph fühlte sich als Jude, gehörte der Benebris-Loge in Frankfurt an und neigte zum Zionismus hin. Am Grabe würdigte Herr Rabbiner Dr. Wreschn e r, Homburg, seine Verdienste im allgemeinen. Die Oberpostdirektion überbrachte durch einen Abteilungsdirektor die letzten .Grüße. Ein Postrat sprach für den „Verein der höheren Postbeamten", und in besonders warmen Worten rühmte ein Unterbeamter seine Verdienste um den „Verein der Unterbeamten", deren Ressort der Verklärte so. lange verwaltet hatte. Für die Frankfurter „Benebris-Loge" sprach Dr. Felir Kaufmann und für die kleine jüdische Gemeinde in Oberursel Herr Blum. Viele Kollegen und Freunde, eine große' Zahl von Leidtragenden, folgten seiner Bahre. Papenburg, 5. Jan. Unser seit drei Jahren pensionierter Lehrer, Herr Strauß, war hier erst zum Stadtverordneten und dann zum . Senator der Stadt gewählt worden. Als solcher verwaltete er das Lebensmittelamt, die Preisprüfungsstelle, das Wohnungsamt usw.; außerdem war er Mitglied vieler städtischer Kommissionen. Senator Strauß, der sich aus Gesundheitsrücksichten nicht mehr wählbar gestellt hat, schied jetzt am 19. Dezember 1924 aus dem Magistrat aus. lieber bic Abschiedsfeier auf dem Rathaus bringen die hiesigen Zeitungen Berichte, aus denen die Liebe und die Achtung deren sich Herr Strauß hier allenthalben in den Bürgerkreisen erfreut, deutlich zu ersehen ist. Wien, 1. Jan. Weit hinaus über die Grenzen Wiens, wird, die Kunde von dem Ableben der ob ihres Herzensadels und ihrer Frömmigkeit rühmlichst bekannten Frau Rosa Felsenburg, Gattin des Vorstehers der Mariahilfer Stumpersynagoge, tiefste Trauer und Teilnahme auslösen. „Eine lilienreine Seele", sagte einer der Trauerredner, „hat der göttliche Meister von dem Weltengarten nach dem Gan Eden verpflanzt. Sie ist würdig auch dort Schmuck und Zierde zu sein." Eine zahlreiche, angesehene Familien und Tausende von Menschen, die ihre Liebe und Milde genossen, beklagen und beweinen den herben Verlust, den wir alle erlitten. Das große Ansehen und die hohe Wertschätzung, welche die Verblichene genoß, kam auch an ihrem Leichenbegängnis zum Ausdruck. Es waren Vertreter des Kultusvorstandes, die Spitzen der Adas Jisroel, Korporationen und viele hervorragende Persönlichkeiten erschienen, um der edlen Verblichenen das letzte Ehrengeleite zu geben. Nachdem der schwergeprüfte Gatte in erschütternden Worten ein treues Lebensbild seiner Lebensgefährtin, als gütigen Engel seines Hauses gezeichnet, hielten die Herren Rabbiner Fürst von "bcr Adas Jisroel und Rabbiner Horovicz aus Frankfurt tiefempfundene Hespedim, die ihren großen Eindruck auf die zahlreichen Hörer nicht verfehlten. Beide Redner schilderten aus persönlichen Wahrnehmungen die 'Frömmigkeit, die Lauterkeit und die unendliche Herzensgüte, die den Grundzug ihres Wesens ausmachte. Da war kein Falsch und kein Hehl. Da lebte nur Liebe und Begeisterung für alles Gute und Edle in einer Vollendung, wie man sie nur selten findet. Wehmutsvoll gedachte Rabbiner Fürst der mütterlichen Fürsorge, die sie auch seinem so früh Heimgegangenen Sohne angedeihen ließ, als dieser in jugendlichem Alter Rabbiner in der Stumpersynagoge war, während Rabbiner Horovicz in wehmutsvollem Gedenken ein Bild entwarf von der großen Gastfreundschaft im Hause Felsenburg, in dem auch die Rabbiner und Thoragelehrten zu jeder Zeit sich heimisch fühlten. Ergreifend war ihr Herzensadel, ein regelrechter Fürsorgedienst im Vereine mit ihren Töchtern, wenn es sich um Erez Jisroel handelte, wenn es galt, Tränen der Fremden und Verlassenen zu trocknen, Erwerbsmöglichkeiten zu gründen oder verschämtes Leid zu stillen. Im Trauerhause sprach noch Herr B. H o s b a u e r , ein Schwager der Verewigten, namens der Familie, Worte des Abschieds. Im Zentralfriedhofe hielt Rabbiner Flesch von der Stumpersynagoge einen ergreifenden Nachruf, in dem er die großen Verdienste der Verblichenen um die Gemeinde der Eesetzestreuen, um den Frauenverein, um die Talmud-Thoraschule und Chewra Kadischa schilderte, mit der Betonung, daß sie für ihren Teil auch viel dazu beitrug, daß ihr Gatte sein segensreiches Wirken im gesetzestreuen Kreis der Wiener Kehilla in führender Stellung ausüben konnte. So war Frau Rosa Felsenburg ihr Leben lang ein Segen für ihre Familie und für den ganzen Kreis, dem sie angehörte. Wir werden ihr noch lange nachblicken, als dem leuchtenden Bilde und Vorbilde der edlen Mutter in Israel. nnrm» Vermischtes. Cassel, 17. Jan. Vor dem großen Schöffengericht in Cassel fand am 14. Januar der in der Nacht vom 5. auf den 6. November erfolgte Einbruch in die Synagoge zu Hersseld seine Sühne. Auf der Anklagebank saßen der Ingenieur Erich Götze aus Hersseld, wegen Sachbeschädigung bereits mit 200 Goldmark vorbestraft, der Vertreter des Rückforthkonzern Paul G ö t t i n g aus Hersseld, der Kaufmann Georg R e i n m ö 11 e r von dort rmd der ehemalige Bankbeamte und Student Ernst T h i e l o w aus Hersseld, der Sohn des dortigen Oberforstmeistrrs. Die Angeklagten hatten nach einem reichlich durchzechten Abend — als Zeugen wurden nicht weniger wie 5 Gastwirte vernommen — aus dem Vorhofe der Synagoge zu Hersseld zunächst eine eiserne Bank in den vorbeifließenden Bach geworfen, dann stieß Reinmöller mehrere Fensterscheiben der Synagoge ein, während Götze aus dem Rücken des Eötting durch das Fenster in das Innere der Synagoge stieg. Dort riß er den Vorhang von der heiligen Lade herab, während Reinmöller und Thielow auf der Straße Wacht hielten. Die Decke warfen die Angeklagten einige Stunden später, mit Steinen beschwert, in die Fulda, wo sie am nächsten Tage in stark beschädigtem Zustand wieder aufgefundenwurde. Aus Grund dieses zum Teil durch das eigene Geständnis im Vorverfahren ermittelten Tatbestandes war von der Staatsanwaltschaft Anklage wegen erschwerten Hausfriedensbruches, beschimpfenden Unfugs in einem zu religiösen Versanimlungen bestimmten Ort und wegen Sachbeschädigung eines dem Gottesdienst gewidmeten Gegenstandes Anklage erhoben worden. Die Hauptoerhandlung die unter großem Andrang des Publikums stattfand, ergab keine neuen wesentlichen Momente. Die Angeklagten versuchten zwar, sich auf sinnlose Trunkenheit hmauszureden, konnten aber durch die Zeugenaussagen überführt werden, daß sie sich ihrer Tat wohl bewußt waren. Sic gaben auch zu, daß sie während des Trinkgelages plötzlich den Gedanken gefaßt hätten, den Juden einen Schabernack zu spielen. In seiner Anklagerede führte der Staatsanwalt aus, daß das Verhalten der Angeklagten in staatsbürgerlicher Hinsicht einen überaus schweren Bruch des konfessionellen und öffentlichen Rechtsfriedens darstelle. In menschlicher Beziehung müsse die Tat als eine äußerst rohe bezeichnet werden. Rach kurzer Beratung erkannte das Gericht gegen Götze auf eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten, gegen G ö t t i n g auf 8 Monate Gefängnis, gegen Reinmöller und Thielow auf je 5 Monate Gefängnis. Die Urteilsbegründung hatte sich den Ausführungen des Staatsanwaltes vollinhaltlich angeschlossen. Besonders hervorgehoben wurde, daß für das Gericht kein Anlaß bestand, sich 'mit der Frage der Strafaussetzung zu befassen. Köln, 17. Jan. Am letzten Chanukkatage fand die erste öffentliche Prüfung der hiesigen Jeschiwa „K'neseth Jisrael" vor einem größeren Publikum statt. Im Frühling 1924 durch die Privatinitiative des Herrn Ehosidoff begründet und bisher vorwiegend durch seine aufopferungsvolle Wirksamkeit erhalten, entfaltete diese Lehranstalt eine stille intensive Tätigkeit, deren glänzende Erfolge anläßlich der Prüfung sich zeigten. Es war überraschend, mit welcher Sicherheit die Hörer die von den Dozenten und aus dem Publikum an sie gestellten Fragen aus dem ganzen großen durchgenommenen Lehrstoff zu beantworten wußten. Die Prüfung schloß mit Ansprachen der Dozenten, Rabbiner Gerstein und Rabbiner Gomer, die auf die Bedeutung dieser Lehranstalt für das Thorastudium unserer Stadt sowie des ganzen Rheinlands hinwiesen und es als ihre Aufgabe bezeichnten, die Lernmethode der berühmten litauischen Jeschiwa „K'neseth Jisrrael" in Slobodka, deren Schüler sie sich selbst mit Stolz nennen, hier im Westen zu pflegen. Es wäre 'zu wünschen, daß der vielversprechende Anfang auch die erhoffte Fortsetzung finde, und daß diese vorzüglichste Thora-Lehranstalt unserer Stadt und des Rheinlands in den breitesten, insbesondere auch in westiüdischen Kreisen dem Interesse begegne, das sie so reichlich verdient, damit der durch finanzielle Schwierigkeiten stets bedrohte Fortbestand der Anstalt gesichert werde. Spenden und Beitrittserklärungen als Mitglied sind zu richten an das Büro der Jeschiwa „K'neseth Jisrael", Köln, Bachemstr. 4 pt., z. H. des Herrn I.. Chosidoff. Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. . Unsere allseitig bekannte Spezialität; Herren-, Knaben- und darmizwob - Kleidung In stveng *1 V D Vevavkeitung CARSCH Liebfrauenstr. 8-10 Neue Kräme 27 KOHLEN» GASHERDE stationäre u.rransporfable , KACHELÖFEN i 1 WASCHEREIMASCHINEN i fforstkötkr./CnödtuG) □□□□□□□□□□□□□□□□□ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □□□□□□□□□□□□□□□□□ Bronce BE1N&WEDEMEIER KAISERSTRASSE 40 JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen Frankfurt a. M., Langestr. 7 Telefon Hansa 5842 Postschech-Konto Frankfurtmain 142353J ♦ Einzige Inseraten-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des „ISRAELIT“ ♦ Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen BeranlwortUch für den allgemeinen Teil und das Feuilleton 3. Schachnowitz;Inserate i. V.: S. Schachnowitz, sämtlich in »Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer I. Spiro in Fulda. — Verlag „Israelit", G. m. b. s.. Frankfurt a. M. °vrulk: Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.