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Der Israelit · 1925-01-22 · Heft 4 (22.1.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 4 (22.1.1925)
Date
1925-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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*C’;, i *j ’* - 22. Januar 1925 Der Asraellr r. 4 öotti’ 5 Meinung der Menschen nicht erstehlen, auch nicht die Meinung eines Heiden." Man darf keinem einen falschen Schein vormachen, daß er dem, was er von uns erhält, einen höheren Wert beilege, als demselben in Wirklichkeit nach unserem Wissen zutommt. Jener Händler durfte die Meinung, daß Hülsenfrüchte am Orte schwer zu bekommen und eine wertvolle Ware seien, selbst in dem Falle nicht erwecken, wenn er auch nicht darum die Hülsenfrüchte teurer verkauft hätte. — Ferner sagen unsere Weisen, vor Verstellung der Gesinnung warnend: „Wer Schmeichelei übt, verfällt der Hölle." Heucheln, schmeicheln widerstrebt der Natur des moralischen Menschen; wer zu schmeicheln gewohnt ist, hat einen gemeinen Sinn, einen niederen Charakter und gehört zu denen, die ins Gehinom kommen. Eine Warnung, daß man über den Willen, den man hat, nicht täusche, ist enthalten in dem Ausspruche der Weisen: „Drei sind bei Gott verhaßt und einer von ihnen ist, wer mit dem Munde verspricht, waß er im Herzen zu tun nicht gewillt ist." — Die vierte Vorschrift in bezug auf Wahrhaftigkeit lautet: „Dein Ja soll wahr sein und dein Nein soll wahr sein." Was versprochen wird, muß wahr gemacht, muß durch die Tat bewährt und betätigt werden. Diese vier Vorschriften schließen in sich, da sie alle möglichen Arten der Lüge verurteilen, die aus dem Sittengesetz der Wahrhaftigkeit sich ergebenden Pflichten samt und sonders, in ihrem ganzen Umfange. Wohl wird im Talmud von noch einer Art der Wahrhaftigkeit gesprochen. Wir lesen im Talmud r „Das Schriftwort, welches den tugendhaften Wann rühmt „als Wahrheit sprechend in seinem Herzen", fand seine Anwendung bei Rabbi - Sasra." Rabbi Safra hatte eine Ware zu verkaufen; es kamen Käufer, er forderte 10 Denare, und sie boten 5; er gab ihnen,die Ware nicht. Des anderen Tages kamen die Käufer wieder, um für die Ware 10 Denare zu zahlen. Als sie zu ihm kamen, las er gerade das Schemah.. Wie er sie erblickte, meinte er, daß sie gekommen wären, um wieder die 5 Denare anzubieten und er entschloß sich, die Ware um diesen Preis hinzugeben. Als er das Schemah- Gebet beendet hatte, erklärten sie ihm, daß sie 10 Denare geben wollen. „Ich. habe mich entschlossen," antwortete er, „die Ware für 5 Denare hinzugeben, und mehr kann ich nun nicht nehmen." Hier handelt es sich um die Bewahrheitung nicht eines gesprochenen Wortes, sondern eines nur gedachten Gedankens; das ist eine Wahrhaftigkeit eigener Art, ganz verschieden von der bisher besprochenen. Doch diese Wahrhaftigkeit wird von den Talmudlehrern nur als Musterbild einer besonderen Frömmigkeit angeführt, wird aber nicht als Pflicht hingestellt. Jene Wahrhaftigkeit aber, die in den angeführten vier Sätzen unserer Weisen zum Ausdruck kommt, ist eine Pflicht, die jedem obliegt. Denn Wahrhaftigkeit ist ein Gebot des Moralgesetzes. Das. drücken unsere Weisen treffend aus mit den Worten: „Der Siegel Gottes ist Wahrheit." Auf die Beherzigung und Befolgung dieser vom Moralgesetz uns auferlegten Pflicht, auf die Pflege der Wahrheit werden wir auch durch das menschliche Leben hingewiesen. Wo einer den andern belügt und einer dem andern nicht trauen kann, ist ein ersprießliches Zusammenleben der Menschen, nicht möglich. Die'Welt, die Menschheit, die nur in einer staatlichen Gesellschaft leben und gedeihen kann, beruht als auf einer ihrer Grundsäulen, „auf der W a h r h e i t." Korrespondenzen « ßacbricimn Deutsches Vereinskag der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums e. V. Frankfurt a. M., 19. Januar. Gestern tagte in der Aula der Realschule am Tiergarten ein außerordentlicher Vereinstag der Freien Vereinigung unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Rosenheim. Die Frankfurter Mitglieder waren in ziemlich stattlicher Anzahl erschienen. Auch von auswärts hatten sich eine Reihe der führenden Persönlichkeiten des großen Ausschusses eingefunden. Da die Tagesordnung lediglich Interna betraf, hatten nur Mitglieder Zutritt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: „Antrag von 35 Mitgliedern auf Abänderung des § 16 der Satzung", erklärte der Vorsitzende, nachdem von den Antragsteller^ sich niemand zur Begründung des Antrages zum Worte meldete, daß Vorstand und Ausschuß der vorgeschlagenen Satzungsänderung entschieden ablehnend g g e g e n ü b e r st e h e n. Die Annahme des Antrages würde den Kreis der Mitarbeiter ungebührlich beschränken und insbesondere im vorliegenden Falle den Vorstand dauernd einer seiner fähigsten Kräfte berauben. Das fei unverantwortlich in einer Zeit, in der die Orthodoxie im Gegenteil alle arbeitsfähigen Kräfte heranziehen müsse, zumal sich gerade in Preußen außerordentlich wichtige Entscheidungen auf dem Gebiete der Judengesetzgebung vorbereiten. Unter dem Eindruck der Vorstanderklärung trat einer der Unterzeichner des Antrags, Herr Julius Lewin, selber für die Ablehnung des Antrages ein, so daß dieser einstimmig verworfen wurde. Die Ergänzungswahlen ergaben für den großen A u s s ch u ß die Wiederwahl bezw. Neuwahl folgender Herren: Rabbiner Dr. I. Auerbach, Halberstadt Rabbiner Dr. Sal. Breuer, Frankfurt a. M. Rabbiner Dr. Cohn, Breslau Dr. med. Max Calvary, Berlin S. Epstein, Freiburg i. Br. H. Freirich, Berlin Dr. med. Jac. Feuchtwanger, Frankfurt a. M. Jul. Holländer, Frankfurt a. M. Emil H. Lehmann, Frankfurt a. M. Jacob Rosenheim, Frankfurt a M. Dr. L. Schlesinger, Hamburg Jacob Strauß, Frankfurt a. M. Jos. Wohlfarth, Frankfurt a. M. ’ Für den Vorstand die Wiederwahl bezw. Neuwahl der Herren: Rabbiner Dr. S. Breuer, Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. I. Breuer, Frankfurt a. M. ' Dr. med. Jac. Feuchtwanger, Frankfurt a. M. Julius Holländer, Frankfurt a. M. Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M. Jacob Strauß, Frankfurt a. M. In der allgemeinen Aussprache suchte Herr Max Hackenbroch die Berechtigung der. Achduthgründung zu erweisen, worauf vom Vorstandstisch die Herren Rosenheim und Kahn, aus der Versammlung Herr Hugo Rosenbaum erwiderten. Ueber die Beziehungen der Freien Vereinigung zu den gesinnungsverwandten Organisationen (Bund, Gruppenverband der Agudas Jisroel, Keren Hatorah, Palästinazentrale) entspann sich eine längere Diskussion, an der sich aus der Versammlung die Herren Dr. S. E h r m a n n , Joel Sänger, Karl Ochsenmann beteiligten. Das Präsidium der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde. Berlin, 15. Januar. Die Neuwahlen für den Vorsitz in der Repräsentantenversammlung in dev Berliner jüdischen Gemeinde zeitigten das folgende Ergebnis: Zum 1.“ Vorsitzenden wurde Herr Rechtsanwalt Är. Heinrich Stern gewählt. Zi? stellvertretenden Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung wurden die Herren Dr. Alfred Klee und Adolf Lewinsky gewählt. Einladung einer „Deutsch-mexikanischen Siedlungsgesellschaft" an jüdische Emigranten. Berlin, 15. Januar. Die im Hafen von Cherbourg weilenden j ü - dischen Emigranten aus Rußland haben von einer „Deutsch-mexikanischen Siedlungsgesellschaft in Mexiko einen Siedlungsvorschlag erhalten. In dem betreffenden Schreiben heißt es: „Unter der Voraussetzung, daß sie sich alle dem Berufe des Farmers widmen wollen, empfehlen wir ihnen, nach Mexiko zu kommen. Mexiko ist heutzutage das einzige noch wenig erschlossene Land und bietet demzufolge noch ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten. Die „Deutsch-mexikanische Siedlungsgesellschaft" besitzt zirka 250 000 Hektar allerbesten Siedlungslandes und gibt dieses zu den günstigsten Bedingungen ab." Es folgt Mitteilung der Bedingungen und des übrigens sehr billigen Preises. Nachdem das Vereinigte Komitee für jüdische Auswanderung in Berlin (Emigdirekt) eine Abschrift dieses Angebots zwecks Nachprüfung erhalten hat, wandte sich dasselbe an die zuständigen deutschen Behörden um Auskunft über die „Deutsch-mexikanische Siedlungsgesellschaft". Von offizieller deutscher Seite hat das Emigrationsdirektorium die folgende Mitteilung erhalten: „Wie hierzu von vertrauenswürdiger Seite mitgetenilt wird, handelt es sich um tropisches Land, Urwald usw. mit entsprechenden Krankheitserscheinungen der heißen Länder, Schwierigkeiten mit den benachbarten Eingeborenen, die das Land für sich beanspruchen, sind zu erwarten, so daß diese Siedlung unter keinen Umständen als für Europäer geeignet,, angesehen werden kann." (I. T.A.) Tagung der jüdischen Waisenerzieher Deutschlands. Berlin, 17. Januar. Am 3. und 4. Januar 1925 tagte in Berlin der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands. Der Vorsitzende, Direktor Peritz- Königsberg, sprach einleitend über die Zwecke des Vereins, der sich außer mit Erziehungsfragen, auch mit der Geschichte der Waisenpflege und der einschlägigen Gesetzeskunde befaßt und die wirtschaftlichen Interessen der Anstalten zu fördern sucht. Aus dem Geschäftsbericht sei bemerkt: Der Verein hat im vergangenen Jahre eine große Anzahl heimloser jüdischer Kinder untergebracht. Er hat in Gemeinschaft mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden an einer Reform der Anstaltssatzungen gearbeitet. Er gab ein Verzeichnis von Schriften über jüdische Waisenanstalten und jüdische Erziehung heraus. Er trat für eine wirtschaftlich und rechtlich befriedigende Stellung der Anstaltsleiter ein und forderte diesbezüglich insbesondere Besoldung nach dem Reichstarif und Sitz und Stimme der Anstaltsleiter im Vorstand der Anstalten. Er bemühte sich ferner, Pflegesätze für die Anstalten zu erlangen, die den Selbstkosten derselben entsprechen. Obermagistratsrat Dr. Ollendorf-Berlin und Direktor Baronowitz, Leiter der Erziehungsanstalt Repzin, führten in das Reichs-Jugendwohlfahrtsgefetz ein. Ersterer gab einen kurzen Ueberblick über das wichtige Gesetz und über seine Haupterrungenfchaften, letzterer behandelte eingehend die Bestimmungen des Gesetzes, die unsere Anstalten betreffen. An der eingehenden Aussprache beteiligte sich insbesondere Geh. Justizrat Dr. Richter, der als Jugendrichter aus reicher Erfahrung Interessantes mitteilen konnte. Dann sprach in ausgezeichneter Weise Direktor Dr. Feist, Leiter des Reichenheimschen Waisenhauses in Berlin über Probleme der Anstaltserziehung. Viel wertvolle Anregung boten Vortrag und Aussprache. Insbesondere wurde dabei Klage geführt über den Mangel an tüchtigen Erziehern. Es wurde eine Entschließung gefaßt, die die maßgebenden Körperschaften darauf aufmerksam machen soll, die Heranbildung geeigneter Kräfte zu veranlassen. Dr. med. Götz-Verlin, leitender Arzt der Städt. Anstalt für Epileptische, Wahlgarten, sprach über die Merkmale der psychopathischen Kinder. — Direktor Bein-Beelitz, Leiter der dortigen Anstalt für schwachsinnige Kinder, zeigte, wie psychopathische Kinder zu erziehen sind. Bemerkenswert war die Mitteilung, daß die Zahl der psychopathischen jüdischen Kinder außerordentlich groß sei. Solchen Kindern kann eine normale Anstalt nicht gerecht werden, und es ist deshalb ein dringendes Bedürfnis, ein Heim für derartige unglückliche Kinder zu schaffen, die bei frühzeitig eingesetzter Erzehung dauernd geheilt werden ^können. Wird die richtige Behandlung versäumt, so entwickelt sich das Leiden weiter und der Psychopath wird für sich und seine Umgebung eine Quelle des Leids und des Unglücks, we auch oft eine Gefahr für das Ansehen und die Interessen unserer jüdischen Gemeinschaft. Direktor Plaut, Leiter des Auerbachschen Waisenhauses, Berlin, sprach über den wirtschaftlichen Aufbau unserer Anstalten. Er gab wertvolle Winke für die Wiedergewinnung ausreichender Mittel zur Erhaltung, unserer Anstalten. 1$

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