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Der Israelit · 1925-01-22 · Heft 4 (22.1.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 4 (22.1.1925)
Date
1925-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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22. Januar 1925 Der Israelit Nr. 4 Seite 3 Hchon das Wort „Parlament" eingeführt aus dem Instinkt heraus, daß man mit Parlament lediglich die staatliche Vertretung eines Volkes bezeichnet. Wir find in Deutschland doch kein eigenes Volk und wir haben auch keinen eigenen Staat. Wenn es einmal in Jerusalem ein rein jüdisches Parlament geben sollte — ob und wann, ruht ln der Zeiten Schoß —, dann wäre dieses Parlament ein jüdisches. Auf deutscher Muttererde gibt es aber kein jüdisches Parlament und wird es keins geben. Ist also schon der Name „Parlament", den die Jüdische Volkspartei auf den Berliner Anschlagsäulen neulich prangen ließ und sowohl auf dem zionistischen Delegiertentag als auch in den zionistischen Tagungen eine Rolle spielte, völlig verfehlt, so ist es der dem Landesverbände gegebene Inhalt noch mehr?. Herr Dr. Sandler hat das Altjudentum betont, das im neuen Parlament gepflegt werden soll und zu dessen Stützung Zewissermaßen das Parlament da sein soll. \ Darauf sagen wir: Wir danken für solches Altjudentumk» Hauptsächlich des Judentums wegen. Denn wenn die Herren Nationalisten ihr Wesen so weiter treiben, so wird sich -eine große Anzahl von Menschen, die gute, religiöse Juden sind, angewidert von diesen politischen Spielereien, :vom Judentum abwenden. Es kann dann den Nationalisten einmal so gehen, daß sie in ihren Gemeindestuben herrschen werden ohne jede Gegnerschaft, als die, -die sich in ihren eigenen Reihen erhebt. Denn dann werden alle diejenigen Juden, die im Sinne einer Religion, seien sie konservativ oder liberal, dem geistigen Judentum angehören und die ihre Kinder in diesem Sinne erzogen haben wollen, der Gemeinde lange den Mücken gekehrt haben. Die Politisierung des Judentums zieht vom Judentum üb und ruiniert das Judentum. Darum kämpfen wir für unsere Wahlparole, weil wir das Judentuiri irrholten wollen. Aner der jungen Führer der Jüdischen Volkspartei hat einmal den Kampf gegen das jüdische Assimilantengesindel als besonders notwendig bezeichnet. Es wird die Zeit kommen, wo es sich zeigen' wird, wie falsch und gemeingefährlich die Bekämpfung der „Assimilation" als solche immer gewesen ist, noch dazu, wo der jüdische Nationalismus und die Jüdische Volkspartei die schlimmste Assimilation bedeuten. Wenn wir die Landesversammlung wollen, so wollen wir sie in dem Sinne der grundlegenden Bestimmung ihrer Satzungen als Neligionsgesellschast. Wir erwarten von ihr die Hebung der jüdischen Religiosität und die Hebung der Gemeinden, und wenn diese Wünsche erfüllt werden sollen, so müssen alle Wünsche auf die Volksgemeinde, — wir bitten vielmals um Entschuldigung,, von „Volksgemeinde" darf ja nicht mehr gesprochen werden, also sagen wir' — auf die völkischen Forderungen verstummen. Da es sich um eine Frage der Existenz des Judentums handelt, würde hier ein Nachgeben um des Friedens willen ein Aufgeben der jüdischen Ideale sein." Der „Eentralverein" erwirbt sich durch den Kampf gegen die Lnttonfessionalisierung und Politisierung des Judentums in Deutschland unleugbar ein Verdienst nicht nur um die deutschen Juden, sondern um die Erkenntnis der jüdif ch e n W a h r h ei t. Es fiel den Ordnern mit Hilfe der Polizei schwer, den Andrang aufzuhalten und eine schmale Gasse für die ansgestiegenen Gäste durch die Menge zu bahnen. Man mutzte eine Zeitlang, um den Ansturm aufzuhalten, die Türe zum Wagen gesperrt halten. Der „Chofez Chajim" wurde in das bereitstehende Auto gehoben, aber es kostete Mühe, den Weg für das Fahrzeug durch die Massen frei zu bekommen. Endlich gelang auch dieses. Dem Auto vorckn ritt eine Polizeiehrenwache in Galauniform, und eine solche folgte auch dem Wagen, hinter der die Autos mit den Delegationen fuhren. So bewegte jul) der Zug durch die ganze Stadt bis zuin Lokal des Kaufmännischen Vereines, wo die Versammlung stattfand. Der „Chofez Chajim" blieb bei all diesen Ehrungen und Huldigungen still und bescheiden wie immer und sagte, nachdem er all die Begrüßungen über sich hat ergehen lassen, er sei nicht hergekommen, uni Huldigungen entgegenzunehmen, sondern um zu arbeiten. Die Zeit von hundert Rabbinern, die aus ganz Polen hergekonrmen sind, sei auch zu kostbar, um noch zu warten. Er verlange trotz der Anstrengungen der Fahrt und des Empfanges, daß sofort mit der Arbeit begonnen werde. Tatsächlich fand noch an dem gleichen Abend eine Sitzung statt, die der „Chofez Chajim" mit einer einstündigen Ansprache einleitete. Wochenkalender. 24.—31. Jan. 1923. / 28. Terveth bis 6. Schwach 3885. Samstag Jan. 24 rn«i 28 m» Rausch-Chaudesch benschen Mauled: Freitag vorm. 9>« Sonntag 25 29 ]üp> 119D DT> Montag 26 1 tat? Rausch-Chaudesch Dienstag 27 2 Mittwoch 28 3 Donnerstag 29 4 Freitag 30 5 Samstag 31 K2 6 Nur fehlt ihm selber die volle Erkenntnis. Der Landesverband ist eine „Religionsgesellschaft", zitiert Herr Holländer mit Recht aus dem Statut, das sich der Verband gegeben hat. Wir fragen ergebenst an, wie das genieinfame Bekenntnis dieser liberal-orthodvX-zionistischen „Religionsgesellschaft" lautet? Es ist ohne Vergewaltigung der Wahrhaftigkeit unmöglich, ein gemeinsames Bekenntnis dieser „Religionsgesellschaft" zu formulieren,' ebensowenig wie das gemeinsame religiöse Bekenntnis der Berliner Jüdischen Gemeinde. Das gemeinsame Band sind also doch außerreligiöse, geschichtlich-kulturelle und blutmäßige Zusammenhänge. Für den Politiker folgt daraus, daß die Delegiertenversammlung des sogenannten „Landesverbandes" das über lief e rte, das orthodoxe Judentum überhaupt nicht repräsentiert, dessen einzige legitime Vertretung der „Bund gesetzestreue;; G e m e i n d e n " ist. Wir haben das in der letzten Zeit häufiger betont, weil hie Leitung des „Verbandes" töricht genüg ist, zu glaübE", sie könne Ideen durch Ziffern bekämpfen und sich die fehlende Legitimation dadurch verschaffen, daß sie die gedanken- und willenlos von ihr vertretenen 500000 Seelen ins Feld führt. Alls der erwähnten Feststellung ergibt sich aber weiter, daß angesichts der religiösen Ideenlosigkeit der „Landesversammlung" naturgemäß die völkisch-zionistischen Politiker auf ihr das große Wort führen und ihr wohl oder übel den Stempel des politischen Judenparlamentes aufdrücken werden. * Die in der Regel als „separatistisch"' gebrandmarkte, in Wirklichkeit aber lediglich traditio n s t r e u e Politik der gesetzestreuen Verbände ist also nicht nur die religiös wahrhaftige, sondern zufällig auch die klügste: iVVN ‘l’p-own Aus der Schule des Hasses. Die Deutschoölkischen denken: „Wer die Schule hat, hat die Zukunft", und so tat sich vor kurzem ein „Bund völkischer Lehrer Deutschlands" zusammen, der nun in der rechtsstehenden Presse einen Aufruf an „alle völkischen Lehrer und Erzieher in Deutschlands Volks-, Mittel- (Eymnafien. Lyzeen) und Hochschulen — Männer und Frauen" -rerläßt, sich um den Verein zwecks gemeinsamer Arbeit zu sammeln. Als Ziele werden angegeben: 1. „Alle unsere Bildungsanstalten von ündeutfchen Einflüssen freizumachen; 2. sie von fremdrassigen Elementen zu säubern: 3.. sie zu Pflegestätten deutschen Geistes und Gemütes zu machen, sie also in völkischem Sinne von Grund auf umzugestalten." . . . Wer das ernsthaft will, gehört als deutfchblütiger Erzieher in unsere Reihen! Vundeszeitschrift ist „Die völkische Schule". Es ist nicht bekanntgegeben, wie viele Lehrer Deutschlands dem Sammelrufe gefolgt sind. Von höchstem Interesse für die Bewertung des derzeitigen Kulturstandes in Deutschland wäre es immerhin festzustellen, welchen Widerhall diese Ausgeburt des blindwütigen Hasses in den Kreisen der Lehrer, deren Händen mit der Jugend die Zukunft des deutschen Volkes anvertraut ist, gefunden hat. Wir hoffen und vermuten, der Zulauf war nicht sehr groß, die völkische Presse hätte es anders nicht versäumt, den „Erfolg" in Jubeltönen zu besingen. Der Kampf geht aber noch weiter und richtet sich auch gegen die jüdischen Oberlehrer und Schulleiter. Zu den lauten Rufern im Kampfe auf dieser Front gehört auch das Organ, der Deutschen Volkspartei „Die Zeit", die zur Stunde keine größeren Sorgen hat, als ihre Spalten an leitender Stelle mit Protesten gegen die Wahl eines jüdischen Direktors an einer Berliner Schule zu füllen. „Die Zeit" handelt in dieser Sache ganz im Sinne ihrer Partei, zu der sich auch der preußische Unterrichtsminister von 1922, Boelitz, zählte, der im November des genannten Jahres im Landtag erklärte, daß er als Rektoren von Volksschulen nur E h r i st e n b e st ä 1 i g e n werde. Liberale und sozialdemokratische Blätter erachten es bei dieser Gelegenheit für nötig, an einen gewissen Artikel 136 der immer noch gültigen R e i ch s v e r f a s s u n g zu erinnern, der ungefähr lautet: „Die Zulassung zu öffentlichen Aemtern ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnis." Wie der „Vorwärts" übrigens feststem. kann auch beute, wie anno dazumal, in Berlin von den jüdischen Studienräten, die dort 10 °/o der Oberlehrer ausmachen, nur dann einer zum Direktor avancieren, wenn er seinen Befähigungsnachweisen auch noch Knen Taufschein beilegen kann, was mit einem konkreten Falle belegt wird. Wir verzeichnen diese Tatsachen als Symptom der Lage als einen erneuten Beweis dafür, von welcher Lebenswichtigkeit die Erhaltung der Konfessionsschule — im Interesse der Schüler sowohl wie der Lehrer - für die deutsche Iudenheit heute ist. Hamburger Lrz,ÄWg5konferenz am 29. Dezember 1924. (Fortsetzung und Schluß.) Das 2. Referat in der Nachmittagssitzung hielt Herr Seminardirektor Rabbiner Dr. Neubauer (Würzburg) über „die Frage der jüdischen Lehrerbildung in Deutschland". Referent führte etwa folgendes aus: Die jüdischen Lehrer müssen jüdische Kulturpersönlichkeiten sein. Das Lehrziel ist: 1. der Lehrer muh und mm mit maom selbständig lehren und lernen können; 2. er muß mit der jüdischen Kultur ausreichend vertraut sein. Zwei Wege dienen nun zur Vermittlung' dieser Ausbildung: 1. Die allgemeine Profanblldung muß bleiben; dabei kann in der Verwertung der 3 Seminarjahre im einzelnen manches verbessert werden. 2. An die 3 Seminarjahre muß ein mehrjähriger jüdischer Fortbildungskursus angefügt werden. Die Folge wäre ein späteres Verlassen des Seminars, wofür nalich Kompensationen geschaffen werden müßten. Man sollte deshalb durch längere Ausbildung die bester qualifizierten Lehrer in eine höhere Gehaltsklaste einreihen. Es wird wohl in der nächsten Zeit nicht möglich sein (mit Ausnahme von Bayern), den Religionslehrer und den Volksschullehrer gleichzeitig ausbilden zu lasten. Durch die Forderung des Abitur wird wohl der Zugang zum Volksfchüllehrerberuf erschwert werden: die Schulen auf dem Lande werden daher leider allmählich aussterben. Es muß daher eine Trennung in der Lehrerausbildung eintreten. Referent faßt seine Ausführungen in kurze Thesen zusammen, die, zusammen mit Thesen von Fräulein Freimann und Herrn Dr. Rothschild, nachher von der Versammlung einstimmig angenommen werden. (Siehe weiter unten!) In der Diskussion führte als erste Fräulein Freimann-Köln aus: Wir brauchen den jüdischen Oberlehrer, der den jüdischen Lehrstoff genau so wie den profanen auf Art des Univerfitütsstudiums gewonnen hat. Dafür ist an den Rabbinerseminaren ein Zweig zu schaffen für den „Oberlehrer in hehraicis". Als Ersatz für die eingegangenen Landschulen müssen ‘ Grundschulen in den Städten gegründet werden. Dr. Neubauer ergänzt seine Ausführungen, indem er sagt: Von jedem jüdischen-Oberlehrer, auch von dem, der nur Profanfächer unterrichtet, ist ein Nachwies jüdischer Kenntnisse, etwa durch 1—2-jährigen Ieschiwahbesuch erforderlich. Herr S. Adler Frankfurt spricht von dem derzeitigen Mangel an jüdischen Lehrern. Für 15 angeforderte Lehrer sind für die nächsten Jahre nur 10 Kandidaten vorhanden.

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