Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1925)
- Date
- 1925-01-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dene 2: c.Hi. 2 Der Israelit Blatter 13. Januar 1926 Unsere erste Ausgabe bestand also darin, und man darf wohl sagen, besteht darin, die notwendigen Gelder für die Belange des Keren Hatorah zu beschaffen. In diesem Kreis braucht nicht besonders betont zu werden, daß von all den Geldern, die wir aufbringen, nur die Hälfte für deutsche Belange zur Verfügung bleibt; die andere Hilfe ist der Zentrale des Keren Hatorah abzuführen, die daraus die dringendsten Bedürfnisse der Gesamtheit mitzubefriedigen hat. In diesem Zusammenhang sei bemerkt, daß der Verteilungsschlüssel auf einem Beschluß des Rabbinischen Rates der A. I. basiert, so daß Diskussionen hierüber keinen Zweck hätten. Die Sammlung von Geldern hat nur dann Aussicht, überall erfolgreich durchgeführt zu werden, wenn es uns gelingt, die Form der von uns geplanten Drganijation überall lückenlos durchzuführen, dergestalt, daß an allen Orten mit einigermaßen ansehnlicher jüdischer Bevölkerung Keren Hathora-Kommissariate geschaffen werden, denen die doppelte Aufgabe obliegt, 1. die gemäß Punkt 2 unseres Ausgabenkreises zu beschaffenden Gelder aufzubringen, 2. die Beschlüsse zur geistigen Hebung gemäß Punkt 1, die das Landesdirektorium in Uebereinftimmung mit den maßgebenden Stellen faßt, in die Wirklichkeit umzusetzen. Auch hierbei ergab sich, daß die Keren Hatorah- Kommissariate vorläufig mehr nach der Seite hin zu arbeiten haben, die Gelder aufzubringen, während die planmäßige Organisierung des Limmud durch die Zentrale auf einen etwas späteren Zeitpunkt verschoben lveden muß. Wie das Landesdirektorium in seinem ersten Ausruf an die Oeffentlichkeit betont hat, gibt es viele Möglichkeiten, Gelder für Keren Hatorah zu beschaffen. Wir haben uns aber letzten Endes doch auf 4 Wege beschränkt, die ich stichwortartig bezeichnen möchte, und die ich nachher ausführlicher darlegen will: 1. Mitgliedermerbung, 2. Spendenbuch, 3. Barmizmoh-Aktion, 4. Einsetzung eines Keren Hatorah-Schabbos und Schnodern für Keren Hatorah. Mitglieder Werbung. Bezüglich der Mitgliederwerbung steht das Landesdirektorium auf dem Standpunkt, daß es in dieser schweren Zeit durchaus nicht ratsam erscheint, die Lasten des Keren Hatorah auf einige wenige gutsituierte Persönlichkeiten zu legen,- von deren guten Willen die Sicherung des großen Werkes alsdann abhängig wäre. Es erscheint als unbedingt notwendig, daß der Keren Hatorah als Gesamtheitsaufgabe von allen getragen, betrachtet wird. Als Mitgliedsbeitrag haben wir 10 Pfennig per Tag, für ganz Unbnmittelte einen Teil hiervon, für gut Situierte ein Mehrfaches hiervon, zugunde gelegt. Wir find der Meinung, daß, wenn die Kommissariate den Mitgliedsbeitrag — und von dem Sichbewähren oder Versagen der Keren Hatorah-Kommissariate auf diesem Gebiete hängt die Entscheidung ab —, wöchentlich einkassieren, auch der mit bescheidenstem Einkommen Versehene imstande ist, die 70 Pfennig per Woche aufzubringen, und wir glauben, wenn die Mitgliederwerbung durch die eizelnen Kommissariate, sowie es in jüngster Zeit durch Propagandareisen in West- und Süddeutschland von uns zu organisieren begonnen wurde, systematisch geschieht, und das Inkasso lückenlos regelmäßig vorgenommen wird, allein aus den Mitgliedsbeiträgen, wenn wir alle Keife, die an einem religiösen Aufbau interessiert sind, zu erfassen verstehen, wir ein Jahresbudget ausstellen können, aus dem alle dringendsten Bedürfnisse befriedigt werden können. Gelänge es uns z. 23., in Deutschland 10 000 Keren Hatorah-Mitglieder zu bekommen, und wenn alle Kommissariate so arbeiten würden wie einzelne, ist die Zahl 10 000 niedrig gegriffen, so hätten wir für die deutschen Belange ein festes Jahresbudget von zirka 180 000 Mark, ohne das beschämende Bewußtsein, daß diese Summe durch einzelne Zuweisungen einiger zufälligerweise mit Glücksgütern besonders Gesegneter aufgebracht ist. Spendenbücher. Die Spendenbücher dürften den meisten der Anwesenden aus eigenem Augenschein bekannt sein. Sie haben sich überall, wo die Kommissariate sie eingeführt haben, als ein gutes und einträgliches Instrument erwiesen. Barmtzwoh-Aktion. Jedem Barmizwoh- Knaben wird einige Tage vor seiner Barmizwoh ein Schreiben des Landesdirektoriums durch das zuständige Kommissariat, dessen Vorsitzender das Schreiben gegenzeichnet, zugeftellt. Der Knabe wird ausgefordert, an dem Tage, an dem er zum erstenmal als vollverpflichteter Jude in der Oeffentlichkeit steht, für die Zwecke der Thora zu sammeln. Sobam wir von dem zuständigen Kommissariat die Mitteilung über den Eingang eines Beitrages haben, erhält der Knabe von der Zentrale ein künstlerisch ausgestattetes Gedenkblatt zugeftellt. Die Einsetzung eines allgemeinen KerenHathora-Schabbos ist uns nicht nur aus geldlichen Gründen, sondern vor allen Dingen aus Prestigegründen sehr erwünscht. Der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber soll dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß Keren Hatorah, wenngleich er eine Gründung der A. I. ist, und sich dieses seiner Ursprungs stets stolz bewußt ist und bleiben soll, doch in seiner Wirkung alle gesetzestreuen Institutionen umfassen will, und daher Anspruch auf die tatkräftige.Unterstützung und Anerkennung aller jüdischen Kreise, wie sie eben in den einzelnen Gemeinden zusammengefaßt sind, hat. Ob es möglich ist, den Keren Hathora-Schabbos und und ebenso das Schnodern fürKeren Hatorah in allen Gemeinden einzuführen, wird die Zukunft erweisen. Diesbezügliche Bestrebungen einzuführen, ist jedenfalls eine dringende Aufgabe jeden Keren Hatorah- Kommisiariats. Keren Hatorah-Kommiffariate bestehen — nach dem Alphabet — in: Berlin, Breslau, Dortmund, Dresden, > Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt a. M., Fulda, Fürth, Gelsenkirchen, Halberstadt, Hamburg-Altona, Kitzingen, Köln, Leipzig, Mainz, Mannheim, München, Nünberg, Würzburg. Von diesen Kommissariaten arbeiten vorbildlich die Kommissariate Frankfurt und Nürnberg, während es bisher unmöglich war, in Berlin, dem für unsere Arbeit, wegen der großen Anzahl der dort in Betracht kommenden Juden, wichtigsten Ort, auch nur einigermaßen Fuß zu fassen. Es wird eine wichtige Aufgabe fern, daß die anwesenden Herren aus Berlin mit Vertretern des Landesdirektoriums verhandeln über die Art der Organisierung des Keren Hatorah in Berlin. Rühmend erwähnt fei die Opferfreudigkeit einzelner kleiner Orte, aus denen uns anläßlich der Schabbos Schuwoh-Aktion und auch sonst, dauernd Ueberweisungen zugehen. Daraus erhellt, daß der Gedanke des Keren Hatorah auch auf dem Lande gute Wurzel geschlagen hat. Als Ergebnis der bisherigen Sammeltätigkeit des deutschen Keren Hatorah sind bisher, einschließlich der aus der Reise des Sanoker und Rackower Raws eingegangenen Beträge in Deutschland eingegangen 76 366.70 Mark, davon an den Organisationsfonds der A. I. abgeführt werden zur Bestreitung der ihr durch den Keren Hatorah verursachten Spesen. 3 307.75 dl an die Keren Hatorah-Zentrale nach Wien 29 490.00 dl während für deutsche Zwecke bisher verausgabt, bzw. zugesagt wurden . . . 18 975.35 dl und hiermit kommen wir auf den ersten Punkt unserer Tätigkeit, die Organisierung des Limmud in Deutschland — für Unterstützung deutscher Jeschiwaus 9 920.00 dt Jesaude Tauro.. 5 500.00 dl für einzelne Bachurim zum Besuch von Jeschiwaus . 850.00 dl und für das Schulwerk der segensreich wirkenden Organisation der A. I. I. O. und Freien Vereinigung. 1 870.00 dl für allgemeine kulturelle Zwecke, die in das Gebiet des Keren Hatorah fallen . 835.55 dl Das Landesdirektorium ist in seinen Bewilligungen vorerst sehr zurückhaltend und vorsichtig gewesen, da die bisher eingegangenen Beträge sich zum überwiegend größten Teil aus einzelnen Spenden zusammensetzen, und Subventionen nur dann einen Sinn haben, wenn sie mit einigermaßen anzunehmender Sicherheit stabil gewährt werden können, und die Voraussetzung hierfür, die Speisung des Keren Hatorah durch breite Massen, wie schon erwähnt, vorläufig noch fehlt, und erst in letzter Zeit in Angriff genommen wurde. An der Unterbringung der von der Zentralratssitzung der A. I. in Krakau beschlossenen 100 000.— Dollar beteiligen wir uns durch das von unsvorgenommene System der Mitgliedersammlung nicht. Es ist selbstverständlich, daß uns die von uns nach Wien abgeführten Beträge 'auf das Konto der Dollaranleihs gutgebracht werden. Ich komme jetzt zu dem eigentlich wichtigeren Punkt unserer Tätigkeit, zur Förderung und. Organisierung des Limmud in Deutschland. Es ist unbestreitbar, daß das deutsche Judentum beginnt, sich auf sich selbst zu besinnen, daß der Wille zur Tauro in Deutschland stärker ist denn je. Wer hätte noch vor einem Jahrzehnt gedacht, daß der deutsche Jude von der Notwendigkeit, sein Kind aus die Jeschiwoh schicken zu müssen, so durchdrungen sein werde, wie das heute der Fall ist. Es gilt aber zu betonen, daß, wenn au<fy dieser Wille zum Lernen nicht hoch genug einzuschätzen ist, — und er wirkt sich auf der einen Seite durch stärkere Beschickung der schon länger bestehenden und Gründung neuer Ieschiwaus aus, und auf der anderen Seite darin, daß zahlreiche Gesuche von jungen Leuten an uns gelangen, sie in ihrem Vorhaben, auf deutsche oder ausländische Ieschiwaus zu gehen, materiell zu unterstützen — doch weite Strecken Landes und weite Kreise unserer jüdischen Gemeinschaft in Deutschland entblößt sind jeden, wie der, wenn auch nicht sehr sympathische Ausdruck lautete — jüdischen Religionsunterrichts. Ich greise einige geographische Gebiete heraus, von denen uns die Notlage bekannt ist: Emsland und Friesland, das rheinische Industriegebiet, bestimmte hessische, bayrische und badische Bezirke. Dort wächst die Jugend auf ohne jeden Limmud. Dem abzuhelfen, haben sich große Verdienste di« schon erwähnten beiden Organisationen, die Freie Vereinigung und die A. I. I. O. in Verbindung, mit dem Bunde gesetzestreuer jüdischer Gemeinden, erworben; dennoch gilt es auf unserer heutigen Tagung, besondere Maßnahmen zu treffen, daß nach dieser Richtung hin ein großes einheitliches Erziehungswerk, wenn auch nur in den ersten Anfängen, in die Wege geleitet wird. Die Aufgabe des deutschen Keren Hathora wäre es, wie wir schon in unserer ersten Kundgebung betont haben, dafür zu sorgen, daß erstens kein jüdisches Kind ohne Religionsunterricht aufwächst, und daß weiter jeder, der wirklich lernen will, den Lamden findet, der ihn fördert. Neben dieser Schaffung von Neuem, gilt es aber auch, vor allem das Seiende in seinem Bestand zu sichern. Nach der von uns gemachten Statistik besitzt Deutschland: 6 Talmud-Lehranstalten, 6 höhere jüdische Schulen, 5 Lehrer-Bildungsanstalten, die alle mehr oder weniger schwer um ihre Erholung zu kämpfen haben. Dem deutschen Keren Hatorah liegt also die schwere Verpflichtung auf, nicht nur auf der einen Seite Gelder planmäßig zu sammeln, sondern auch, was vielleicht noch schwerer ist als das Sammeln, sie gerecht und zweckentsprechend zu verteilen. Er hat ferner ein großes. Werk der geistigen Belebung und Wiederbelebung in 2lngriff zu nehmen. Wenn uns von einem Mitglied unseres Direktoriums berichtet wird, daß ihm auf seiner Reise durch das Industriegebiet dort von maßgebenden Persönlichkeiten gesagt worden ist — und einen Teil von ihnen haben wir die Freude, in diesem Kreise heute zu zu begrüßen — wie bie Jugend, zum größten Teil Kinder aus Baale Battim-Häufern, dort religiös verwildert, wenn uns der Vorsitzende der A. I. I. O. versichert hat, daß die Jugendorganisation nicht nur das von ihm bisher auf dem Gebiet des Limmud Geschaffene, nicht vergrößern, sondern bestimmt nicht erhalten kann, wenn wir nicht mit entsprechenden Beträgen einspringen, wenn die Freie Vereinigung die ihr bisher gewährten Subventionen verzehnfacht wünscht, um nur einigermaßen allen Anforderungen entsprechen zu können, dann, meine sehr geehrten Herren, begreifen Sie den ungeheuren Ernst der Stunde und die Verantwortung, die auf Ihnen allen, die Sie hierhergekommen sind, lastet. Die von mir in diesem Bericht angeschnittenen Fragen werden hoffentlich in der Diskussion Gegenstand ausführlicher Erörterungen sein. Es wird die Arbeit der aus dem Plenum zu wählenden Kommissionen sein, uns alsdann greifbare Vorschläge für die Zukunft zu machen. Da aber, wie schon eingangs erwähnt, die wichtigsten Beschlüsse nur dann realisierbar sind, wenn wir mit absoluter Sicherheit darauf rechnen können; daß die gesamte deutsche Judenheit sich ihrer Pflicht dem Keren Hatorah, d. h. sich selbst gegenüber bewußt wird, so erlaubt sich das Landesdirektorium einem Antrag dem Plenum vorzulegen, der hoffentlich nicht nur die . Zustimmung des gesamten Plenums finden wird, sondern an dessen tatkräftiger Durchführung jeder Einzelne von Ihnen nach ganzen Kräften und in vollem Bewußtsein der Schwere der Aufgabe Mitwirken wird. Zum Schluß noch eine Bemerkung: Das Landesdirektorium leistet die von ihm übernommene Arbeit gern und freudig in dem Bewußtsein, ein wichtiges Werk aufzubauen; Sinn und Zweck hat diese Aufgabe aber nur, wenn jeder Einzelne von Ihnen sich,- nicht nur in dieser Stunde, sondern das ganze Jahr hindurch, als unser aktiver Mitarbeiter spürt und da- . von erfüllt ist, daß in die Hand jedes Einzelnen von Ihnen die Entscheidung mitgegeben' ist, ob Keren Hatorah in Deutschland, was Gott verhüten möge, ein kläglicher Versuch bleibt, oder aber, was Gott geben möge, die Lösung des wichtigsten Problemes wird, das die besten Meister unserer deutschen Judenheit beschäftigen soll. Entschließung. Die Plenarversammlung des deutschen Keren Hatorah, welche am 27. Kislew 5685 zu Hamburg tagt, hält, nach Anhörung des vom Vorsitzenden erstatteten Tätigkeitsberichts, eine Durchführung der dem deutschen Keren Hatorah obliegenden Aufgaben nur dann für möglich, wenn sofort allerorts an die Gründung bzw. den Ausbau der Keren Hatorah-Kommisiartate geschritten wird. Die anwesenden Rabbiner erklären sich bereit, in ihren Gemeinden den Gedanken des Keren Hatorah in jeder Weise zu propagieren, und selber an din Spitze des Keren Hatorah-Kommisfariats zu treten, während die Kaufleute sich verpflichten, die praktische Arbeit in den einzelnen Keren Hatorah- Kommissariaten zu leisten. Die Mitgliederwerbung — auf Basis eines- Tagesbeitrags von 10 Pfennig und des überall ein- Sedenftef dev ‘ftofcfi cfiaudefcfi Spende Eostfekeekkonlo dev Palästina- Zentrale dev ftgudas Asroel Jlv. 53 900 Frankfurt a. TU