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Der Israelit · 1925-01-15 · Heft 3 (15.1.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 3 (15.1.1925)
Date
1925-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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tf?; Sette 4 Nr. 3 Der Israelit sein, daß Lehrer, an deren Jüdischkeit sonst gar nichts auszusetzen war, den hebräischen Unterricht erteilten, ohne das dazu notwendige Mindestmaß an Kenntnissen zu besitzen. Wohl hat der B. I. A. stets für das Lernen seiner Mitglieder Sorge getrygen, aber Zwangsmittel stehen und standen ihm nie zur Verfügung, ganz abgesehen davon, daß nicht jeder zukünftige Oberlehrer dem B. I. A. angehört. Nun wird zwar der Lehrer seine Unfähigkeit zur Erteilung des Religionsunterrichts bald erkennen und seine Konsequenzen daraus ziehen, aber wie soll für die vorhergehenden Jahrgänge, die seinen Unterricht genossen haben, die verlorene Zeit wieder eingeholt werden? Zum Experimentieren ist unsere Jugend zu kostbar! Mein Vorschlag lautet daher: Bevor ein Lehrer in jüdischer Religion an irgendeiner Schule — sei es Volksschule oder Höhere — unterrichten darf, hat er ebenso wie für den profanen Unterricht seine Befähigung durch eine Prüfung nachzuweisen. Die Anforderungen an den Kandidaten richten sich nicht nach der Schulgattung, an der er unterrichten soll. Es müßte entsprechend dem Staatsexamen für Oberlehrer eine in Unterstufe und Oberstufe getrennte Lehrbefähigung für jüdische Religion geschaffen werden, wobei aber die Abgrenzung der beiden Stufen ungefähr in das Barmizwohalter, also nach der Ouarta zu legen wäre, oder mit Rücksicht auf die Volksschule nach Abschluß des 8. Schuljahres. Es wäre noch zu erwägen, ob für Vollanstalten noch eine dritte Stufe nötig wäre, doch ist diese Frage noch nicht akut, da wir bis jetzt noch keine bis Obersekunda ausgebaute Vollanstalt besitzen. Ich betone nochmals, daß ich für Volksschullehrer dasselbe Wissen verlange wie von Akademikern in der Unterstufe*). Wenn die in der Anmerkung skizzierten Anforderungen wirklich gestellt werden, so müssen auch meines Erachtens die häufigen Klagen über ungenügende Vorbildung der Landlehrer für den Religionsunterricht allmählich verstummen. Ob im Seminar dieser ganze Lehrstoff nebenher noch bewältigt werden kann ohne Verlängerung der Ausbildungszeit, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Erziehung unserer Kinder zu guten Jehudim ist aber so wichtig für unsere Zukunft, daß wir auch diese Opfer evtl, verlangen müssen. Der Klall, in dessen Interesse es gebracht wird, müßte natürlich mit Stipendien ufw. einfpringen. — Wenn behördlicherseits nicht dagegen eingewandt werden kann, wäre es natürlich wünschenswert, daß die jüdischen Lehrerseminare für den jüdischen Unterricht auch dem Akademiker ihre Pforten öffneten, wenn nicht die zukünftige Lehrerbildung ohnedies diese scharfe Trennung aufhebt. Ebenso ist es natürlich möglich, — das behördliche Einverständnis stets vorausgesetzt — daß Eleiüentarlehrer die Lehrbefähigung in jüdischer Religion für die Oberstufe erwerben und an höheren Schulen diesen Unterricht tatsächlich erteilen. Wo soll die Prüfung abgelegt werden? Ich glaube, daß hierfür in erster Reihe die bestehenden frommen höheren Schulen und Lehrerseminare in Deutschland in Betracht kommen. Diese Anstalten bestehen in den meisten Universitätsstädten *) Anm.: Ohne Anspruch aus Vollständigkeit oder Nichtigkeit möchte ich folgende Kenntnisse vom Kandidaten verlangen.- Unterstufe.- Fließende Uebersetzung und sachgemäße Erklärung von nbvn und Vvin (letzteres mit ■»»En). sowie leichtere Stellen aus “pn, mittelschwere Texte mit Hilfe der ä’Enaa, biblische Geschichte sorM Grundlagen der Grammatik (Formenlehre). Dazu einfachere nivjw» mit rniirnz und Kenntnis der für das tägliche Leben wichtigen BTH aus ms "N der Oberstufe: Anforderungen wie oben, jedoch alles vertieft. Dazu ausführlichere Kenntnis von -pn (extra Spezialisierung auf ein bestimmtes -,sv). Fähigkeit, eine mittelmäßige allein zu lernen, Ueberbllck über die nachbibl. Geschichte sowie Vertrautheit mit den hauptsächlichsten religionsphilosophischen Problemen. ' ohnedies, so z. B. Frankfurt, Hamburg, Leipzig, Berlin, Breslau, Fürth (für Erlangen)' und Würzburg. Für die noch fehlenden Städte läßt sich wohl leicht eine Regelung ebenfalls finden. Doch selbst, wenn man den Schulen das alleinige Prüfungsrecht überließe, so bedeutet dies keine allzugrohe Här^ für solche, die nicht gerade an einem solchen Platz studieren, mußten ja auch in Preußen sämtliche Gerichtsreferendare nach Berlin zur Ablegung der Assessorenprüfung. Wirklich wirksam können diese Pläne natürlich erst werden, wenn der orthodoxe Gemeindebund in Halberstadt die ihm angeschlossenen Gemeinden verpflichten würde, bei Neubesetzung von Stellen (Religions-, Elementar- oder Oberlehrer) nur solche Bewerber zu wählen, die diese geforderte Prüfung abgelegt haben. So neuartig diese Pläne auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, so hoffe ich dennoch, daß sie bei ruhiger Ueberlegung Anhänger und Förderer finden mögen. In welcher Form sie im Einzelnen durchgeführt werden, überlasse ich gerne Sachkundigen, mir gilt es nur, das Problem gezeigt zu haben. Vom Bundestag des Bundes Jüdischer Akademiker. Im Anschluß an den wissenschaftlichen Bundestag des B. I. A., der sich — wie be-1 richtet — zu einer großzügigen Kundgebung der deutschen Orthodoxie gestaltet hat, fanden kürzere Beratungen organisatorischer Natur statt. Sie sollten in der Hauptsache der Umstellung der wissenschaftlichen V. I. A. - Arbeit dienen. Das in Anträgen, Entwürfen und Diskussionsreden niedergelegte Material war indes so reich an Ideen und Anregungen, daß eine Bewältigung in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich war. Es wird vielmehr ausgedehnter Beratungen im engeren Kreise bedürfen, um die Zweckmäßigste Arbeitsform zu eruieren. Auch die auf dem Halberstädter Bundestag 1921 erörterte Frage der Bunde s-T e n d e n z gelangte wiederum zur Besprechung. Es ist erfreulich, daß diesmal Einmütigkeit über diese wichtigen Grundsätze vorhanden war, die ihren Niederschlag in folgenden Beschlüssen fand: Die Beschlüsse des Halberstädter Bundestages zum 8 2 enthalten eine der Tradition, und Aufgabe des V. I. A. entsprechende Interpretation der Tendenzparagraphen, die ein Bekenntnis der Mitglieder zum gesetzestreuen Judentum in Gesinnung und Tat fordern. Auf Grund der einheitlichen Auffassung, die der Hamburger Bundestag über den Inhalt dieser Forderung hegt, erblickt er in dem Inhalt der Halberstädter Beschlüsse heute eine Selbstverständlichkeit, deren Betonung heute angesichts der gekennzeichneten Auffassung des § 2 nicht erforderlich ist. Der Bundestag sieht mit Vertrauen auf das jüdische Wollen der zukünftigen Entwicklung des Bundes entgegen. Besondere Erwähnung verdient auch die Schaffung eines zentralen Wirtschaftsa m t e s zur Förderung weniger bemittelter Bundesbrüder. Auf vielfachen Wunsch ist eine Drucklegung der auf dem Hamburger Bundestag gehaltenen wissenschaftlichen Referate in Angriff genommen. Das Einzelheft dürfte sich (unverbindlich) auf 1—2 M., die Gesamtausgabe auf ca. 10—12 M. stellen. Umgehende Bestellungen an das Bundespräsidium, Dr. Jacob Levy, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstraße 138, erbeten. Bei dieser Gelegenheit machen wir darauf aufmerksam, daß die in der letzten Nummer des Blattes veröffentlichten Aufnahmen vom Bundestag bei Bbr. Ullmann, Hamburg, Bornstraße 2, gegen Einsendung von je Mk. 1.— erhältlich sind. 15. Januar 1925 ——2t--iN-I Korrespondenzen « nacbricbten. Reich. Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoren Judentums e. V. Frankfurta. M., 13. Januar. Der auf Sonntag, den 18. Januar, nachmittags 4 Uhr, nach Frankfurt a. M. einberufene Vereinstag findet nicht, wie ursprünglich bekanntgegeben, Friedberger Anlage 5—6 statt, sondern in der Aula der Realschule, Am Tiergarten 8. Eine Warnung an Auswanderer. Berlin, 10. Januar. Angesichts des gefährlichen Treibens verschiedener Auswanderungsschwindler. in jüdischen Auswanderer» zenten, sowie in den Grenzgebieten, denen zahlreiche Auswanderer zum Opfer gefallen sind, erläßt der „Hilfsverein der deutschen Juden" eine Warnung an die jüdischen Auswanderer, in der es u. a. heißt: „In allen Fällen, wo Auswanderer solchen Schwindlern in die Hände fallen, ist ihnen miss allerdringendste zu raten, sich an die in Betracht kommenden jüdischen lokalen Wohlfahrtsinstitntionen zu wenden. Der Hilfsverein der deutschen Juden, der das Agentenunwesen zu verfolgen nicht nachläßt, ist stets bereit, in Fällen, die ihm zur Kenntnis gebracht werden, feine Mithilfe zu leihen. Zum Schutze der Emigranten hat er feine Organisation an der deutschen Grenze erweitert." Die Wahkbewegung im Landesverband. (Von unserem Korrespondenten.) Berlin, 4. Januar. Fieberhaft wird hier seit einigen Wochen seitens sämtlicher Parteien für die Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden vorgearb eitet. Aus dem durch die Reichstagswahlen im Dezember notwendig gewordenen Aufschub wird allseitig Nutzen gezogen. Die konservative Partei hält in allen' Stadtvierteln Wahlversammlungen ab. Sie gewinnt zu Rednern Persönlichkeiten wie M. A. Loeb und Dr. Kahn- Jaffa. Ihr Ziel, das sie unter Aufbietung ihrer ganzen Kraft verfolgt, ist die Gewinnung der ostjüdischen Wählermafsen, die bisher der zionistischen jüdischen Volkspartei ihre Stimme gaben. Letztere Partei, jedoch, unter rednerischer Leitung von Klee, macht nichtweniger rührig Stimmung. Sie besoldet übrigens feil Wochen eigens zur Vorbereitung dieser Wahl ein Heer von Sekretären und Werbern. Selbst die Liberale Vereinigung bleibt nicht untätig. Ihr Organ leiht seine- Spalten seit einigen Nummern den Wünschen und Aeuherungen weitester Kreise, von den wildesten individualistischen Ideen einzelner Berliner bis zu dem historischimmerhin begreiflichen Standpunkte des Königsbergerliberalen, gelehrten Kantors. Es bleibt abzuwarten, ob diese Auffrischung des liberalen Gedankens den Wahlkampf überdauern wrkd. Die Wahlversammlungen folgen einander aufs engste. Zum Teil find sie ohne Rücksicht auf die Werberedew des Poniwefcher Raw für den Keren Hathora angegfetzt; es scheint jedoch nicht, als ob diesen Großen in Israel' durch die Parteigrößen Berlins die Zuhörerschaft abspenstig gemacht wird, zumal die Müdigkeit und der- Ueberdruß am Politischen sowe die Liebe zur Thorw und ihren Verbreitern auch hierorts die vorherrschende- Stimmung sind. F!üchtlinqshilfe in Danzig. Danzig, 8. Januar. Die Zentralstelle für jüdische Hilfe, die nach Liquidierung des Jca-Büoros in Danzig die Fürsorge für. die: dort lebenden jüdischen Flüchtlinge übernommen hat. Für Sechs Mk. 40 Pfg liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und Gesichtsbildung: hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden i Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fach leuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz.; Für die Reise Feldstecher, ^Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen ndd Kneifer in allen Farben-

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