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Der Israelit · 1925-01-15 · Heft 3 (15.1.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 3 (15.1.1925)
Date
1925-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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15. Januar 1925 Der Israelit i>tr. 3 Sette 5 mußte sich wegen Mangels an Mitteln auflösen. Die Emigranten sind jetzt ohne Fürsorge geblieben. Man fteht deshalb mit großem Interesse dem Besuche des Delegierten des Berliner Emigrationsdirektoriums, Herrn W. Latzki, entgegen. Zugleich mit Herrn Latzki wird Hier der Vertreter der amerikanischen Hias, Dr. Bernstein, eintreffen. Es soll hier ein lokales Emigrationskornitee gegründet werden. (I. T. A.) Breslauer Brief. lVon unserem Korrespondenten.) Breslau, 10. Jan. UeberbliSt man die Entwicklung der hiesigen Gemeinde in der Nachkriegszeit, so. kann man auf vielen den religiös interessierten Juden angehenden Gebieten eine intensivere Tätigkeit beobachten. Das Abströmen großer Teile der jüdischen Bevölkerung aus den östlichen besetzten Gebieten nach der Metropole des Ostens hat nicht nur zahlenmäßig eine Vergrößerung der Gemeinde bewirkt, so daß Breslau mit über 30 000 jüdischen Seelen an zweiter Stelle der preußischen jüdischen Groß- .gemeinden rangiert. Vor allem ist eine bewußte Stärkung in den Reihen der Gesetzestreuen zu konstatieren, wie sie seit Jahrzehnten nicht zu beobachten war, Ihre unzureichende legitime Vertretung in' den Gemeindekörperschaften hat es aber mit sich gebracht, daß fast alle wesentlichen Errungenschaften auf private 'Initiative zurückzusühren sind. So ist eine jüdische Schule im Ausbau begriffen, die unserer Jugend neben einer gediegenes Profanbildung die wahren Ideale der Tauroh zu vermitteln mit Erfolg bestrebt ist. Konnte sie sich auch anfangs bei den Gemeindebehörden keiner Gegenliebe erfreuen, weil sie durch bewußte Betonung der gesehestreuen Grundlage, auf der sie fundiert, dem. hier noch -maßgebenden gemeindetrabilionellen neutralen Charakter widerspricht, so rechnet man umsomehr mit dieser Institution, da man ihren Lebenswillen und ihre Leistungen nicht mehr bestreiten kann. . Ja, man hat sich herbeigelassen, im Aufruf zu den Preußenwahlen seitens des konservativen Wahlausschusses eine, wenn auch zunächst noch etwas verklausulierte Förderung der jüdischen Schule in Aussicht zu stellen. Einer gleich privaten Initiative entsprang der Gedanke, ein Bes Hame drasch zu gründen. Wohl gab und gibt es noch einige Klausen oder Stifte, wie das Leipziger und das Frankelsche Bes - Hamedrasch. Aber die Auswertung der darin angesammelten Bücherschätze durch großzügige und bequeme Bereitstellung /für die Oeffentlichkeit seitens der Gemeinde, die die Stiftungen verwaltet, erfolgte nicht. Die Verlegung eines Raumesin den vierten Stock vermochte erst recht keine Interessenten anzulocken. So ist eine Anzahl von Gründern unter Aufwendung teilweiser recht erheblicher Opfer zusammengetreten, mn den Plan eines Bes- Hamedyasch zu verwirklichen. Wenn auch schon unter Leitung bewährter Talmidei Chachomim gelernt wird, so ist doch jetzt die Heranziehung eines großen;L a m d e n im Hauptamt in Aussicht genommen, der auch den durch die westeuropäischen Erziehungsverhältnisse bedingten Ansprüchen gerecht werden soll. ' Der Zunahme und dem wachsenden Einfluß gesetzes- .treuer Elemente ist es schließlich auch zu verdanken, daß auch andere wichtige Institutionen wie Schechitoh und Aufsicht usw. erhebliche Verbesserungen gegen früher aufweisen. So ist ein geordnetes System der Haschgochoh in der Einführung begriffen, und die Gemeindebehörden haben durch Anstellung eines weiteren Daiens sowie einer Anzahl von Aufsichtsbeamten den schon lange ' und oft laut gewordenen Notwendigkeiten Rechnung getragen. Mit einigem guten Willen wird es gelingen, auch die letzten berechtigten Wünsche zu erfüllen mit dem Ziele, eine mustergültige Schechito und Haschgochoh zu schaffen. Ebenso darf man hoffen, daß die hierbei tätigen Beamten durch eine ihrer Vorbildung und Verantwortung entsprechende Eingruppierung aus die Heranbildung eines im Jnlande heroorgehenden Nachwuchses fördernden Einfluß ausüben. So bietet sich, abgesehen von denjenigen Mängeln, die in der Gemeindeverfassur.g begründet sind, welche bei strengstem Dualismus des Kultus und der „Richtungen" an der Fiktion der Einheitsgemeinde festhält, in pra.ri ein ziemlich erfreuliches Bild der derzeitigen Breslauer Verhältnisse. Aufgabe der an der Förderung des Gemeindeledens in gesetzestreuem Sinne interessierten lokalen Organisationen, vor allem der jüngst ins Leben getretenen „Achawoh" ist es, durch rechtzeitige umfassende Fühlungnahme mit den an der Umredigierung des Gemeindestatuts beteiligten Instanzen, die Sicherungen zu treffen, die auch für die Gemeindekonservatioen eine Selbstverständlichkeit bilden. Vielleicht erreichen wir es dann wenigstens, daß die konservativen Vertreter sich nicht an der Beschlußfassung tradi.ionsfeindlicher Vorlagen, wie Urnenfriedhof, Oeffnung des Friedhofs am Sabbat,' Herausgabe reformierter Gebetbücher beteiligen und zum Teil verantwortlich zeichnen, vielmehr durch Protesterklärung klar Stellung hierzu nehmen. Man sollte nun meinen, daß angesichts der Preußenwahlen mit Rücksicht auf die bald zu erwartenden Repräsentantenwahlen ein klares Bild über die Stärkeverhältnisse der Konservativen zu erwarten sein wird. Doch wert gefehlt. Nachdem der Mrsrachi durch Aufstellung einer gemeinsamen Liste mit den Z i o n i st e n eine einheitliche konservative Vertretung vereitelt hat, konnte der Phalanx der vereinigten Liberalen gegenüber mn^ die Aufstellung einer auf ganz breiter konzilianter Basis geführten konservativen Liste Aussicht auf Erfolg bieten. So kam ein Wahlausschuß zustande, der bei der Nominierung der Kandidaten den am Ort befindlichen gesetzestreuen Organisationen n i cht gerecht wurde. Es wird sich zeigen, ob sich diese Fehler bei den Repräsentantenwahlen, bei denen die genannten Organisationen ungleich stärker interessiert sind, hinsichtlich der Erfüllung ihrer Forderungen werden vermeiden lassen. ftng,avn* Autonomie des ungarischen Kötels in Jerusalem. Budapest, 20. Dezember. Aus Jerusalem ist hier soeben die Nachricht bestätigt eingelaufen, daß dem dortigen ungarischen Kolol von der palästinensischen Negierung die Autonomie zuerkannt wurde. Der große Erfolg, den die Erlangung der Autonomie für die ungarische Gemeinde in Jerusalem bedeutet, ist durch diplomatische Intervention der orthodoxen Landeskanzlei in Budapest erreicht worden. fielen« Furchtbare Arbeitslosigkeit in Warschau und Lodz. W a r s chch u , 10. Jan. Aus Lodz wird mitgeteilt, daß dort infolge der wirtschaftlichen Depression eine furchtbare Arbeitslosigkeit herrscht. In Lodz gibt es jetzt 100 000 Arbeitslose, das ist mehr als ein Fünftel der Eesamtbevölkerung der Stadt. Besonders groß ist das Elend unter den jüdischen Arbeitslosen, die keine Regierungsunterstützllng erhalten. Unsagbar ist auch das Elend unter den intellektuellen Arbeitslosen. Sollte die Depression anhaltend sein, so werden traurige Vorkommnisse nicht zu vermeiden sein. Auch in Warschau nimmt die Arbeitslosigkeit ungeheure Dimensionen an. Vor dem Lokal der jüdischen Gemeindeverwaltung sammelten sich zahlreiche jüdische Arbeitslose an. Jeder erhielt eine Unterstützung von 5—10 Zloty. Als später Nachzügler kamen, war die Kasse leer, so daß man ihnen nichts geben konnte. Die Arbeitslosen besetzten die Türen und ließen die jüdischen Beamten und Räte nicht hinaus. Es kam zu großen Tumultszenen. Die Funktionäre mußten durch Hintertüren das Lokal verlassen. 3ug,$flatmcn« Verband der jugoslawischen orthodoxen israelitischen kullusgemeinde. S u b o t i c a , 20. Dezember. Das Präsidium des Verbandes der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde des Königreiches S. H. S. hat anläßlich seiner jüngsten Sitzung Herrn Oberrabbiner Moses Deutsch- Subotica zu ihrem leitenden Präsidenten gewählt. rius;la,rd. Der „Nogatschower Raw" nach Dünabura zurückgekehrt. Pause das Rabbiner-Amt in dieser Stadt wieder zu übernehmen. Dünaburg zählt etwa 50 000 Juden unter 120 000 Einwohnern. Der Rabbi war zu Beginn des Krieges angesichts des deutschen Vormarsches auf die Festung Dünaburg nach Petersburg geflüchtet. Erst jetzt aber erhielt er die Möglichkeit, zurückzukehren. In Petersburg, so erzählt er dein JTA-Vettreter, habe man ihm den Rabbinersitz angeboten, er habe aber dieses Angebot abgelehnt. Der Rabbi hat 14 Manuskripte mit sich gebracht, die er in den letzten neun Jahren avgesaßt hat. Es sind meist Kommentare zu Maimonides. Der Rabbi erzählte, er habe zwei Enkel in Sowjet-Rußland zurnckgelassen, der eine ist Ingenieur, der andere Mathematiker. Beide haben Angebote der russischen Regierung für höhere Posten abgelehnt, weil sie das traditionelle Judentum nicht verlassen und den Sabbat nicht entweihen wollen. 21 me vif a« Eine Million Dollar für eine Jeschiwatt. Newport, 1. Jan. Das Komitee der nach dem „Wilnaer Gaon" Rabbi Jizchak Elchanan benannten Jeschiwah hat vor kurze,n in der Amsterdam-Avenue zu Newyork einen Baugrund für die Errichtung des neuen Gebäudes der Jeschiwah erworben. Aus diesem Anlasse fand im Hotel Astor ein großes Bankett statt, welchem einige hundert der prominentesten Rabbiner und Bürger der Stadt Newyork beigewohnt haben. Vorsitzender war Richter Otto Rosalsky. Bei dieser Gelegenheit wurde ungefähr eine Million Dollar für den Neubau gezeichnet. Unter den größten Spendern sind zu nennen: Nathan Lampert mit 100.000 Dollar, Harry Fischei mit 100.000 Dollar, M. Wessel und sein Schwiegersohn Sam Leon mit je 50.000 Dollar, Louis Gold mit 25.000 Dollar. Die Konjtantinopeler Flüchtlinge an Präsident Coolidge. Newyork, 8. Jan. Die in Konstantinopei gestrandeten russischen Flüchtlinge sandten eine Bittschrift an den Präsidenten Coolidge, in der sie erklären, sie seien durch das bolschewistische Regime in Rußland in eine hoffnungslose Lage geraten. Als sie Affidavits von ihren Verwandten in Amerika erhielten, liquidierten sie ihren gesamten Haushalt in Rußland und machten sich aus den Weg nach den Vereinigten Staaten. Da in Rußland keine amerikanischen Konsule sind, hofften sie in Konstantinopel oder Riga Visa zu erhalten. Inzwischen kam das Einwanderungseinschränkungsgesetz, und sie blieben in Len Hafenstädten ohne jedes Ziel. In die Heimat können sie nicht mehr zurück. Die Flüchtliige bitten den Präsidenten, zu veranlassen, daß ihnen eine Zuflucht in Amerika gewährt wird. Sollte ihre Bitte Gehör finden, so werden sie sich in jeder Beziehung als dankbare Bürger erweisen. (ITA.) Die Kultuswahlen. Jassy, 8. Jan. Die Wahlen in die jüdische Gemeinde brachten einen vollen Sieg der G e s e tz e s t r e u e n , die 26 Mandate errangen. Es sind außerdem gewählt: 13 Zionisten und 5 Sozialisten. Personalien. Beuthen, 12. Jan. Der durch den Tod des Oberrabbincrs Dr. Kopfstein sreigewordene Rabbinersitz in Beuthen O.->s. wird durch die Berufung von Pros. Dr. G o l r s k i, einem Schüler des Breslauer Rabbiner-, seminars und bisherigem Rabbiner in Pilsen, besetzt werden. Berwangen, 4. Jan. Unser langjähriger Lehrer, Herr L e v y , ist auf sein Ansuchen von dem Badischen Oberrat am 1. Dezember wegen leibender Gesundheit in den Ruhestand versetzt worden. Eine angebotene Abschiedsfeier hat derselbe abgelehnt. Nürnberg, 5. Jan. Herr Dr. Joseph Unna. Studienrat an der Realschule III, wurde vvm bayrischen Staatsministerium für Unterricht und Kultur znin P r of e s s o r ernannt. R i g a , 12. Jan. Wie der ITA berichtet, ist der als der „Rogatschower Gaon" berühmte Rabbi Josef Hischer-Rosin dieser Tage aus Leningrad (Petersburg) nach Dünaburg in Lettland zurückgekehrt. um nach einer neunjährigen Briefkasten. S. Lin S. Betrag eingcaangen.. Lehrer Raphael Adler. Mittels in n. Sie schulden für Abonnement vom 1. Jan. bis 1. Apr. 25. i 1.68 Mark.

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