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Der Israelit · 1925-01-15 · Heft 3 (15.1.1925) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 3 (15.1.1925)
Date
1925-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 3 "Ni-iv" - „Blöße" nennt das göttliche Gesetz jedes Objekt, das auf die Sinne des Beschauers normaler Weise als Wecker tierhafter Triebe einzuwirken geeignet ist, das die ruhige geistige Klarheit, die Harmonie des dem reinen Wollen unterworfenen Trieblebens auch nur für kürzeste Augenblicke stören kann. „Denn Gott, Dein Gott" — dies ist die Grundstelle im schriftlichen Goteswort, — „denn Gott, Dein Gott, wandelt inmitten Deines Lagers, so soll Dein Lager heilig sein — daß er nicht an Dir schaue die Blöße einer Sache und sich von Dir zurückzieh e." Nicht mehr und nicht weniger als das höchste Lebensziel also, objektiv die Nähe Gottes mitten im irdischen Leben und subjektiv der Gipfel hiniediger Seligkeit, das G e - fühl der Gottesnähe find hier in klaren Worten abhängig gemacht von der ängstlichen Wahrung desniiv iivtt- — Und es sollte nicht auch uns Modernen der Mühe Wert sein, ohne auf das Getufchel der Frivolen und auf die überlegene Schulmeister- Geste der Superklugen zu achten, die alte jüdische Gewissenhaftigkeit auch «uf diesem verwahrlosten Gebiete wieder zu erwecken? v«— eine Spanne entblößten Körpers der Frau schon ist »nvisr-v kann sinnliche Regungen im Beschauer wecken, sagt das Gesetz. Mögen Heuchler protestieren, oder Menschen von übernormaler Geistigkeit, außergewöhnlicher sittlicher Vollendung oder nicht normaler Stumpfheit für sich selbst die psychologische Richtigkeit des Satzes bestreiten, sie zählen nicht mit angesichts des jüdischen rn:ny, das jeden Einzelnen einbegreift in die Norm der Gesamtheit. Und eine fe st e G e s e tz e s n o r m für die Gesamtheit, eine göttliche Gesetzesnorm von gleicher Absolutheit wie alle übrigen 612 Pflichten und Warnungen des Sinaigefetzes stellt das ninp- Gesetz für uns und unsere Kinder dar. Kein Wort des Gebetes, kein Segensspruch, der den göttlichen Namen heiligen soll, kein Sch'ma-Bekenntnis darf im Anblick solches nvw nsv gesprochen werden, und eine geringere Versündigung läge oft in der gänzlichen Unterlassung des Gebetes als in der Ignorierung eines tidn 8N"-iirr'7. dessen Kenntnis leider weiten Kreisen abhanden gekommen zu sein scheint. Nicht umsonst hat der C h o f e z C h a j i m bei Gelegenheit der Kenessio gedaulo in Wien den versammelten Rabbinen im '»2N nssn» minn den Gegenstand in erschütternden Worten zur ernsten Beachtung ans Herz gelegt. Literarische Notizen zu nwV 'd- Don Rabbiner Ir. Winkler in Kopenhagen. I. 1, 17: ,"nni »Sie ließen leben", erklärt Raschi nach Talm. Sota 11: Sie versorgten die Kinder mit Lebensmitteln. Das Targum übersetzt das erste p'nrn durch Röwp und das zweite durch im Hebr. haben eben die 2. und die 3. Person weiblich Mehrzahl die gleiche Form". Hierzu bemerkt Sisse Ehacbomim: „Raschi will damit folgendes sagen: Nach meiner Erklärung des Wortes pnm ..sie haben sie mit Nahrung versorgt", ist doch schwer, warum das Targum die beiden j'nm verschieden übersetzt. Ohne meine Erklärung wäre das wohl einzusehen, denn dann könnte man sagen, Jin»,,pl habe die Bedeutung „mit Nahrung versehen", und Onkelos eben deswegen das zweite pnni anders als das erste übersetze; nun aber, da 8»"v'i diese Bedeutung hat, warum übersetzt er die beiden von einander verschieden?" Der Israelit Und nun — im Geiste dieses nns rpnh non- Gedankens, erfüllt von dem Ernste des mnn sbi rw'i'V nmo o:m^ 'inx, das gerade an die Weihe des Kleides das höchste Ziel der K e d u s ch o knüpft, was füll man zu der furchtbaren Entartung sagen, zu der uns — ebenfalls in Ost und West, in thorafremden und thoratreuen Kreisen — die Damenmode der neuen Zeit geführt hat? Weil in den heißen Sommermonaten auf Straßen und Promenaden, in Familie und Gesellschaft, in Vortragssälen und Geschäftsbüros auch die gut bürgerliche Damenwelt allmählich ihre Jahrtausende alten Traditionen schamhaften Anstandes gedankenlos der eigenen Bequemlichkeit und der Willkür der Schneiderinnen zum Opfer bringt, so glauben auch jüdische Töchter und jüdische Mütter in ärmellosen Gewändern und sonstigen Toilette-Rückerinnerungen an das Paradies einherschreiten zu dürfen. Aber die Pforten des Paradieses haben sich längst geschlossen, und für den langen dornenvollen Weg der sittlichen Selbsterziehung hat der Vater der Menschheit selber dem Adam und der Chawa das Kleid gereicht — vi k rmns, „L i ch t g e w ä n d e r" nannte Rabbi Meir bedeutungsvoll das Menschenkleid als Führer zum Lichte —, gewiß nicht, damit auch die Töchter seines zizisgefchmückten Priestervolkes sich dieses Ehrenkleides mehr oder minder entledigen und das biblische Sittlichkeitsideal mit dem sinnentrunkenen hellenischen Schönheitsideal vertauschen. Und dennoch-können die sommerlichen Nacktheits-Orgien in den Straßen der Großstädte noch gewisse Entschuldigungsgründe für sich geltend machen im Vergleich mit dem, was der Winter auf dem Parkett der guten Gesellschaft zeitigt. Den Sieg des Makkabäergeistes über das griechische Gymnasium in Jerusalem, den Triumph des aus reiner Materie heraus leuchtenden Chanukalichtes über die syrische nrrviv zu. feiern und dabei jüdische Frauen und Mädchen in gedankenloser Nachäffung unjüdischer Mode eben jenem uralten Geiste des „griechischen Gymnasiums" mit seiner Nacktkultur erliegen zu sehen, ist ein Erlebnis von herzbrechender Tragik. Wenn aber selbst vor den Pforten des Gotteshauses die Assimilation an die gesetzeswidrige Mode nicht Halt macht, wenn jüdische Frauen, noch dazu solche, die ihr Haupthaar gewissenhaft verhüllen, sich nicht scheuen in dekolletierten Toiletten zum Gottesdienst zu erscheinen, dann ist es wahrlich auch der jüdischen Presse nicht mehr erlaubt, dieser Entwicklung schweigend zuzusehen. Ich staune, wie so etwas Merkwürdiges niedergefchrieoen und abgedruckt werden konnte! Der Talmud leitet die'Erklärung iitqi »■>» »nV mpso» daher, daß es nicht heißt jrmn kVi ..sie haben nicht umgebracht, sondern 7'mni -sie haben sogar am Leben erbalten". Welche 'Bewandtnis hat diese Auslegung mit der Tatsache, daß das erste rnnm die dritte und das andere die zweite Person bezeichnet? Wieso enthielte eher die Bedeutung von nipsvv slwi v'», als NB'»p? Und welche Möglichkeit hätte es geben können, die beiden gleichmäßig zu übersetzen? II. 2. 19: ns» 7"I»XN1 ..Sie sagten, ein ägyptischer Mann hat uns beigestanden". Hieraus, so bemerkt Tanchuma, nacb der Oxforder Handschrift, gehe hervor, daß Moses sich nicht als Hebräer zu erkennen gab. Als Strafe dafür kam er nicht nach Erez Jisroel. Als er nämlich vergebens um Einlaß dahin gebetet hatte, sagte er schließlich: Herr der Welt, ist es mir schon nicht vergönnt, bei Lebzeiten in das gelobte Land anzuziehen, so mögen doch wenigstens meine Gebeine, gleich Josefs, nach meinem Tode dort Ausnahme finden. Daraus erwiderte ihm Haschem boruch hu: Moses, du buchst nur die Eingänge, aber nicht die Ausgaben: Da Josef nach Aegypten kam, gab er sich nicht für etwas Anderes aus, als er war, ein Hebräer, denn so heißt es: „dort war bei uns ein hebräischer Jüngling (Gen. 41,12)", darum kamen seine Gebeine nach-Erez Israel. In dir dagegen, als du in Midjan eintrasst, vermutete man einen Nichthebräer, denn es heißt, „Ein ägyptischer Mann hat uns beigestanden", darum werden auch deine irdischen Reste nicht nach dem Lande Israels gebracht werden. — 18. Januar 1926 ' Unwissenheit und Gedankenlosigkeit sind im Verein mit einer gewissen Charakterschwäche die Quellen der furchtbaren Verirrungen, deren Zusammenhänge wir in den vorstehenden Ausführungen keineswegs erschöpfend dargestellt haben, vielmeher nur andeutungsweise vor Augen führen wollten. Die weibliche Jugend vor allem, und diejenige der Agudas Jisroel im besonderen ist es, an die wir den Appell zur entschlossenen Einbeziehung der Mode in das g e h e il i g t e G e b i e t dev jüdischen Lebensführung richten. Die Tochter vermag hier der Mutter zu helfen, oft gar zum Vorbild zu werden; denn der Bruch mit fchlechter Tradition, die Empörung gegen die Allmacht der Schneiderin und die Ethifierung der Eitelkeit fällt einer für das Gute entflammten Jugend leichter als dem Alter. Auf dem Zusammenwirken von Mann und Weib ruht aller sittliche Fortschritt, alle religiöse Vollendung. Der leichter reizbaren Sinnlichkeit des Mannes komme auch heute, wie in den Jahrtausenden der Vergangenheit, die höchste Entfaltung jener kostbarsten Blüte jüdischer Weiblichkeit zu Hilfe, d a s a l t j ü d i s che mrn , das sich zunächst und vor allem in der äußeren Erscheinung der Persönlichkeit ausprägt. Rettet es für Euch, jüdische Frauen, rettet es für die Jünglinge Eures Volkes! Nur dann kann das jüdische Volk seiner Erlösung und der Menschheitserlösung würdig werden. Wochenrundjchau. Widersprüche. Das jüdische Berlin hallt wider vom Lärm des Wahlkampfs, den die deutschen Zionisten mit dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger" um die Vorherrschaft im preußischen Gemeindeverband führen. Wenn man die C. V.-Zeitung, das Organ des Zentralvereins, liest, so glaubt man, daß diesen Kreisen in der Tat die ungeheure innenpolitische Gefahr der zionistischen Volksgemeinde-Poliuk in voller Klarheit aufgegangen fei. So hat zum Beispiel die Wies- Jn unseren Tanchuma-Ausgaben findet sich diese ganzeBem erkung nicht, dafür aber eine andere (nach na*i rn»ty), Erklärung für das ns» WN. aus welcher keinerlei Vorwurf gegen Mosche rabenu hergeleitet werden kann. Der Midrasch sagt nämlich: Als Isros Töchter sich bei Moses für seinen Beistand bedanken wollten, sagte er zu ihnen: „Euer Dank gebührt eigentlich jenem Aegypter, dessen Tötung meine Flucht nach Midjan veranlaßt hat". In diesem Sinne also berichteten sie ihrem Vater: „Ein ägyptischer Mann hat uns beigestanden". III. 2, 23: »ns» *]*?» N»'l Raschi nach Midrasch r Pharao war aussätzig geworden und badete im Blute jüdischer Kinder". — Seitdem suchen die Pharaonen aller Zeiten, ihre Fehler und häßlichen Ausschläge mit jüdischem Blute reinzuwaschen. — kleines Feuilleton. Zum Gebete Es heißt allgemein, so auch in Nr. 1 des „Israelit". der Verfasser des »»'p^ zu n'?'» n’*n nnsr fei unbekannt. Das beruht aus einem Irrtum: Die Anfangsbuchstaben der Worte (— ]T»s^ nöix-ai^tzn-nwi» ergeben den Namen ^rri»V> und weisen somit deutlich auf den Autor der »»'p^rr zu pmtw mw und nnw naw.

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