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Der Israelit · 1925-01-08 · Heft 2 (8.1.1925) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 2 (8.1.1925)
Date
1925-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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AuäWe f f atuf JLet>e llllusirieric Beilage zum„Osraelif ■' i i S i i! Amsterdamer Ghettobilder. Der in Amsterdam erscheinenden holländischen Familienzeitschrist „De Vrydagaoond" (Der Freitag-Abend) entnehmen wir zwei prächtige Bilde: des jungen jüdischen Malers Ellas Smalhout, der, noch wenig bekannt, die Beachtung der kunstliebenden jüdischen Kreise reichlich verdient. Smalhout ist der Sohn eines jüdischen Diamantschleifers, 1390 geboren, und hat in seiner Jugend alle Winkel und Stiegen, Keller und Treppen des Amsterdamer Ghettos gründlich kennen, gelernt. Tagsüber dem väterlichen Berufe nachgehend, widmete er die Abende der Ausbildung seines Zeichentalentes und beteiligte sich stark an der Illustration der verschiedenen sozialistischen Blätter und Blättchen. Nachdem er der Diamantarbeit Valet gesagt, gelang es ihm auf dem Wege über ein Architekturbüro eine höhere Ausbildung im Malen und Radieren zu erlangen. Seine Pastellden Satzungen nicht Mitglieder des B. I. A. ein können, mit ihren Körben, Säcken und Päcken wie die Heringstonnen angefüllt waren. Wir wurden noch zur Not mit verstaut und fuhren wirklich „standesgemäß", d. h. st e h e n d e n Fußes bis weit in den Norden hinein. Das verdarb unsere Stimmung keineswegs» und das Gespräch bewegte sich über den Knäuel vollgefüllter Körbe und weniger gut gefüllter Köpfe hinweg in reinster Geistigkeit. Man besprach die auf der Tagesordnung stehenden Themen. Auf Kisten und Koffern --breiteten jüngere Bundesbrüder ihre Gemoros aus, um mit Hilfe älterer in die für Sabbat angesagte Sugio des Hamburger Raws noch tiefer emzudringen. In einer Ecke faß ein rein „Geistiger" über seinen kleinen „Chauwaus Halwowaus" gebeugt, einen alten Druck, der die herrlichen Herzenspflichten ein paar Jahrhunderte schon in lederüberzogenen Holzdeckeln und unter Messingverschluß hütet, und teilte uns hie und so friedlich stimmte. Keiner stieg aus, ohne uns von Herzen „Gute Nacht" und „Gute Fahrt" zu wünschen. Halb aber schien es mir, als würden die Ausgestiegenen auf dem Perron, wenn sie sich bei den Beamten über den Ausgang erkundigten oder ihre Verwandten begrüßten, schon alle eifrig mit den Händen sprechen . . Hamburger G a st s r e u n d s ch a f t. In Hamburg hat nicht nur die Thora getagt, der Akademikerbund beraten, Gemeindebund und Erziehungskonferenz konferiert, auch die altjüdische Gastfreundschaft hat ihre höchsten Triumphe gefeiert. Wer privat einquartiert war, hatte ein Heim, das mit seiner Behaglichkeit, unterstützt von der Aufmerksamkeit und Herzlichkeit der Gastgeber, das eigene ersetzte. War man morgens zum Frühgottesdienste in der Synagoge, so war man, bevor noch das letzte Kadisch verklungen war, Kampfobjekt dreier oder vierer Freunde, die man früher im Leben nie gekannt, deren jeder aber jetzt M-M •*w*»*J Die Neue Gracht im Amsterdamer Ghetto. Federzeichnung von Elias Smalhout. Schabbosmorgen in Schul. Pastellzeichnung von Elias Smalhout. Zeichnung „Schabbosiuorgeu in Schul", die wir reproduzieren, zeigt alle Vorzüge seiner realistischen und doch von dem Schimmer des Ewigen verklärten Kunst, während die liebevolle Andacht zum Kleinen in dem düsteren Ausschnitt aus der „Nieuwe Grachtje", einer Federzeichnung, prachtvoll zum Ausdruck gelangt. Momentaufnahmen von der Hamburger B. I. A.-Tagung. Die Hinfahrt. Die Frankfurter Bundesbrüder hatten es sich in den Kopf gesetzt, in corpore und „standesgemäß" die Pilgerfahrt nach Hamburg anzutreten, zu welchem Zwecke ein „durchgehender" Wagen vierter Klasse von den jüngeren Pionieren früh am Morgen annektiert werden sollte. Die „jüngeren Pioniere" haben aber bekanntermaßen guten Schlaf, und so kamen sie noch gerade recht, als alle Vierteklaßroagen bereits von Bauern, Arbeitern, Marktfrauen und andere?. Leuten, die nach da einiges daraus mit; warf Perlen über Köpfe und > Körbe zu uns hinüber, die auch den Trägern dieser s Köpfe und Körbe zwischen ihm und uns nicht schaden i konnten . . . Durch die Reihen entwickelte sich ein interessantes Gespräch über Mussar und Chassidus. Die Braven von Hessen-Nassau und der Lüneburger Heide horchten gespannt, fast interessiert, auf . . . Ais wir gegen Abend über Hannover hinausfuhren, bestand einer darauf, daß wir uns in ein inzwischen leergewordenes Nebenkupee begeben und dort gemeinsam unsere Chauukälichter anzünden sollten. Wir sahen aber davon ab; wir hätten anders den zweiten Segensspruch „Scheosso Nissim" erst zuletzt sagen müssen, wenn die Sache durch ein Wunder gut und ohne Wagenbrand abgelaufen wäre . . . Wir waren übrigens gewiß, daß uns ein gemeinsames Entzünden bei der Ankunft in Hamburg, wenn auch in etwas späterer Stunde, bevorstand. Je nördlicher wir landeinwärts drangen und je mehr wir uns dem Zieleunserer Sehnsucht näherten, umso bequemer und wohliger wurde es in unserem Wagen. Vielleicht war es der Weihnachtsabend, der die Menschen Anspruch darauf machte — und diesen nach allen Grundsätzen der Logik begründete —, den Gast an seiner Kaffeetafel bewirten zu dürfen. Manche schickten ihre Kinder vor, die den Fremden festhielten und einfach nicht mehr sreigaben. So wurde man zuweilen zwangsweise zum Essen vorge-sührt und fand immer eine liebenswürdige Hausfrau und eine mit gutem nordischem Geschmacke schön und reich gedeckte Tafel. Für Freitagabend und Sabbat stürmten die Einladungen bis zum Erdrücken auf einen ein. Man war „überzeichnet" wie eine — — Aktie (Wie soll Berichterstatter einer jüdischen Zeitung wissen, welche von den Aktien er hier als „überzeichnet" zum Erempel neunen soll?) Im Logenheim. Bei all den Einladungen empfahl es sich doch, an Wochentagen, da die Arbeit fast ohne Rast und Ruhe den ganzen Tag vor sich ging, die Delegierten über jedes Zeit- und Hungergefühl hrnaushebend, im Logenh e l m zu bleiben und im guten und streng rituell geführten Restaurant im unteren Stock in einer sich gerade ergebenden Arbeitspause sein Mahl einzunehmen. Das war manchesmal leichter gesagt wie getan. Die i t

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