Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1925)
- Date
- 1925-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. Januar 1925 DerJsraeltt Nr. 2 Seite 5 Krieg und Inflation gänzlich aufgehört. Die slowakischen , Gemeinden, die fast alle kleinere Äeschiwaus für jüngere Bachurim unterhalten, haben mit der Erhaltung derselben genüg zu tun. Die Preßburger Gemeinde aber ist beim besten Willen nicht in der Lage, in ausreichender Weise für etwa 200 Bachurim zu sorgen. Die monatliche Unterstützung, die die Ieschiwoh.den mittellosen Bachurim — und mittellos sind fast alle derselben — gewähren kann, beträgt 50 c. Kronen, b. h. noch nicht 7 Mark. Die Folge davon ist drückendste Not unter den Bachurim, die oft nicht wissen, wo sie das trockene Brot hernehmen sollen. Der langjährige Plan, ein Internat für die Bachurim zu bauen, um der dringenden Wohnungsnot abzuhelfen,- scheiterte bisher infolge des Geldmangels, und die wahnsinnig hohen Preise, die man für Quartiere zahlen muß, machen den Bachurim den Aufenthalt in Preßburg fast unmöglich. Es ist geradezu erschütternd, mit anzusehen, wie die Bachurim die zur Erhaltung ihrer dringendsten Bedürfnisse einen Teil ihrer Zeit mit nicht sonderlich bezahlten Lektionen verbringen müssen, mit geschwächtem Körper Nächte und Pachte dem Thorastudium opfern. Und wenn der Poniwescher Raw ''"^ auf der Hamburger Tagung, als er von der erschütternden Lage der litauischen Jeschiwaus uns Kunde gab, der Versammlung zurief: „Kommt und sehet", so möchte ich auch, was Ungarn und die Slowakei und speziell die Preßburger Ieschiwoh betrifft, dem jüdischen Publikum zurufen: „Kommt und sehet diese wahren jüdischen Helden, die Hunger und Entbehrung ertragen und trotzdem sich nicht in ihrem intensiven Thorastudium beirren lassen." Es soll keineswegs die Absicht dieser Zeilen sein, etwa der Unterstützung der litauischen Jeschiwaus Abbruch zu tun. Aber jeder Iehudi, der sich dessen bewußt ist, was der große Chasam Sauser ^"2iund seine Ieschiwoh der Welt bedeutet, der sollte es sich angelegen sein lassen, die Preßburger Jsechiwoh, die noch heute unter der weisen Leitung ihres hochverehrten. Oberrabiners des Urenkel des großen Ehasam Sauser, das Gepräge dieses ^X1V'2 *711* trägt, bald und tatkräftig zu unterstützen und so die Erhaltung dieses für das Gesamtjedentum so hochwichtigen Institutes auch für die Zukunft zu gewährleisten. Personalien. Würzvurg, 21. Dez. Unmittelbar vor dem Anzünden des 1. Chanukkolichtes» wenige Tage vor der Vollendung seines 79. Lebensjahres ist Lwlomon Schiff hinübergeschlummert. Einer unserer Besten ist mit ihm von hinnen gegangen. Vor mehr denn einem Jahrzehnt war er von seinem Geburtsort Oberthulba zu seiner mit Herrn Moritz Rindskops verheirateten Tochter nach Würzburg übergesiedelt. Wegen seiner aufrichtigen Frömmigkeit, seiner Friedensliebe und seiner strengen Reellität. im Geschästsleben sahen ihn seine Mitbürger — ohne Unterschied der Konfession — nur ungerne scheiden. Auch in Würzburg erwarb sich Salomon Schiff schon nach kurzer Zeit allgemeine Beliebtheit und Verehrung. Bescheidenheit. Freundlichkeit gegen jedermann. Zuvorkommenheit, regelmäßiger pünktlicher Gottesdienstbesuch, bewundernswerte Vertiefung und Andacht im Gebet, Gastfreundschaft gegen Arme — fast täglich hatte er einen niltf am Tische — inan run», das waren die Grundzüge seines Wesens. Bei seinen Kindern und Enkeln, die ihn stets mit aufopfernder Liebe umgaben, verbrachte er einen glücklichen Lebensabend. Die fand auf seinen Wunsch auf dem rpa zu Pfaffenhausen bei Hammelburg an der Seite seiner bereits 11 Jahre hier ruhenden Gattin statt. Im Trauerhause schilderte Herr Rabbiner Dr. Hanover vor einem großen Zuhörerkreise die Solomon Schiff ewig unvergeßlich machenden Verdienste und betonte dabei, daß sein Name ihm mit Recht zugekommen sei, war er doch stets bestrebt, den Frieden zu fördern und ihn zu erhalten. Am Grabe widmete ihm fein Schwiegersohn. Herr Moritz Rind skop f, herzergreifende Abschiedsworte und dankte für seine unsagbar große Liebe und vortrefflichen Ratschläge, sowie ganz besonders für die liebevolle und erfolgreiche Unterweisung seiner Enkelkinder n«mi .1112p,ii ,.11171.1 *0112. ramn , ZSürzörrrg, 4. Jan. Don einem schweren Verluste wurde die Familie unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn Heinrich Mayer und die ganze hiesige Gemeinde betroffen. Frau Rosa Mayer geb. Carlebach entschlief nach kurzem Leiden am Montag, 29. Dezember. Sie entstammte einem altjüdischen Patrizierhause, sie war die Schwester des alten Lübecker Raws >'*T, dem sie nicht nur in auffallender Weife in ihrem Aeutzeren glich, dessen hervorragende Charaktereigenschaften auch ganz die ihren waren. Wer das Glück hatte, diese jugendliche Greisin näher zu kennen, wird wohl nie das gütige Auge, den Zauber ihres stets mildlächelnden Gesichtes vergessen, wird nie vergessen, welche Herzensgüte jedem ihrer Worte entströmte. Wer die Verklärte fast jeden Nachmittag am Arme ihres Gatten den Minchah-Gottesdienst aufsuchen sah, konnte kaum fassen, daß diese ehrwürdige Matrone schon die Schwelle des Greifenalters überschritten hatte. Still und vornehm, von unerschütterlichem Gottoertrauen beseelt, fand sie in jeder Lebenslage den rechten Weg, war sie jedem eine liebevolle Trösterin, eine aufopfernde Helferin. An ihrer Bahre stand die trauernde Familie, stand eine unübersehbare Menge Leidtragender. Mit beredten Worten gab Herr Dr. Hanover dem Schmerze der ganzen Gemeinde Ausdruck. Wehmütig gedachte er der Stammuttergestalt der Dahingeschiedenen ,i"ir, wehmütig aber auch des heutigen Judentumes, das solche Gestalten nur selten hervorzubringen vermag. Nach kurzen Abschiedsworten eines Neffen der Verklärten, des Herrn Josef Carlebach aus Frankfurt a. M., nahm die Erde auf, was an Frau Josef Mayer ,i"$r sterblich war; sie ruht an der Seite einer im blühenden Alter ihr vorausgegangenen Tochter. Möge der Allgütige den Hinterbliebenen, denen die gewohnte Trösterin jetzt genommen, Kraft verleihen, diesen schweren Verlust mit Gottoertrauen zu tragen. Im Herzen aller, die sie gekannt, wird das Andenken an diese edle Frau nie erlöschen. rmin Zruttde (Ostfr.), 28. Dez. Am 28. Dezember feierte Herr Moritz Ries hierselbst in seltener geistiger und körperlicher Frische im Kreise seiner Lieden den 80. Geburtstag. Erst vor zwei Jahren konnte er sein SOjähriges Jubiläm als Vorsteher der hiesigen Gemeinde feiern. Herr Ries, der streng gesetzestreuer Jude ist, erhielt anläßlich seines 70. Geburtstages vom damaligen Landrabbiner den Chower- Titel. Von der Beliebtheit und der Verehrung, welcher der ehrwürdige Greis sich in allen Kreisen der Bevölkerung erfreut, bewies auch schon die Feier des hundertjährigen Bestehens feines Geschäftes im September d. I. Damals wie heute war die Beteiligung aus allen Kreisen, Juden und Christen, sehr groß. — Mögen die vielen Wünsche, die Herrn Ries fo zahlreich zugingen, in Erfüllung gehen, und derselbe sich noch eines recht langen und ungetrübten Lebensabends erfreuen. Inventur- Ausverkauf Beachten Sie unsere staunend billigen Angebote erstklassiger KONFEKTION PrüfenSie zwanglos die Ausverkaufs- Serien an unseren Lägern RO BIN SOHN \ Zeil 127, neben der Katharinenkirche _j .. ._____ : » f; _