Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 1 Der Israelit Blätter 1. Januar 1925 rern und Schülern im Westen, trotz aller Versuche, nicht auf der Basis des gegenseitigen Vertrauens besteht. In sachlicher Beziehung ist nicht zu verkennen, daß die Mittelschulbildung in der Form, wie sie in Deutschland durchgeführt wird, allzuviel Kräfte absorbiert. Es mutz mit Fachleuten geprüft werden, in welcher Weise für eine andere Gestaltung der Lehrform und Lehrmethode das oorgeschriebene Matz des Profanen auf kürzerem Wege zu erreichen ist, damit die freigewordene Energie dem Limud zugewandt werden kann. Da damit zu rechnen ist, datz derartige schulpolitische Bemühungen nicht in allzu schneller Frist zum Ziel gelangen, sollen jetzt alle Kräfte dahin konzentriert werden, datz jedes Kind 2 Stunden täglich, oder mindestens 8 Stunden wöchentlich, zum Lernen angehalten wird. Nach Absolvierung der Schule soll das Ieschiwohjahr zur allgemeinen Einführung gelangen. Es sind schon Anfänge in Deutschland gemacht worden mit denkbar bestem Erfolg. Redner tritt nicht dafür ein, diese jungen Leute nach Ungarn oder Litauen auf eine grötzere Ieschiwoh zu schicken, sondern zunächst die in Deutschland gegründeten hierfür zu benutzen; das kommt diesen Anstalten ebenso wie den Schülern zugute. Erst nach dem Aufenthalt in der deutschen Ieschiwoh kann vom Rausch Ieschiwoh entschieden werden, ob und welche ausländischen Ieschiwohanstalten von dem Jüngling noch besucht werden sollen. Das Referat wird, auf Grund einer angenommenen Resolution, im Druck erscheinen. Um die aus dem Geschäftsbericht und aus dem vorerwähnten Referat sich ergebenden wichtigsten Fragen in Ausführlichkeit erörtern zu können, wurden folgende vier Kommissionen gebildet: 1. Kommission zur Besprechung der geistigen Not auf dem Lande. 2. Kommission zur Besprechung der geistigen Not im westfälischen Industriegebiet. 3. Kommission zur Besprechung von Organisationsangelegenheiten in den Grotzstädten. 4. Kommission zur weiteren Ausarbei.ung der aus dem Referat des' Rabb. Dr. Klein sich ergebenden Folgerungen.. Als Ergebnis dieser Kommissionsberatungen billigte das Plenum, datz 1. in der Frage der Behebung der geistigen Not auf dem Lande der deutsche Keren Hatorah die aus diesem Gebiet segensreich wirkende Freie Vereinigung und Agudas Iisroel Jugendorganisation weitgehendst unterstützt, datz aber darüber hinaus eine Statistik ausgestellt wird, welche jedes jüdische Kind in Deutschland, das ohne Religionsunterricht aufwächst, erfaßt. Unter Zugrundelegung dieser Statistik soll sich alsdann der deutsche Keren Hatorah an die weiteste jüdische Oeffenllichkeit wenden ,um große Mittel aufzubringen, damit die Frage des Religionsunterrichts in lehrerlosen Gemeinden in umfassendster Weise in die Hand genommen und geregelt werden kann. 2. in der Frage der geistigen Not im westfälischen Industriegebiet ein Mitglied des Landesdirektoriums gemeinsam mit Herrn Dr. Deutschländer die Organisierung des Limmud, sowohl für Knaben als für Mädchen, vornimmt, während 3. die Entschließungen der Kommission, welche sich' mit den Problemen der Erziehung beschäftigt, «4 zum Teil der pädagogischen Konferenz, welche -am 2. Teweth in Hamburg tagt, als Material überwiesen werden, zum TM an die gesetzestreuen Rabbinerverbände in Deutschland weitergelcitet werden-.- Sie befassen sich mit der Verjüdischung des .profanen Unterrichts und mit der Intensivierung des Mischen Unterrichts, und geben dem Wunsch Ausdruck, datz alle deutschen Rabbiner sich die Forderung, daß jeder jüdische junge Mann nach Absolvierung der Schule auf die Ieschiwoh gehe, zu eigen mache, und. in ihren Gemeinden wieder und immer wieder propagiere. 4. In der Frage der Organisierung des Keren 'Hätorah in den Grotzstädten wurden mit den Vertretern der Kommissariate entsprechende Abmachungen für den weiteren Ausbau getroffen. Während die Kommissionen tagten, wurde im Plenum die Generaldiskussion, über welche ein weiterer Bericht folgt, durchgeführt. H. Zu einem gewaltigen inneren Erlebnis wurde allen Teilnehmern der zweite Tag der Keren Hatorah- Tagung. Was der Agudas Iisroel, und insbesondere dem Keren Hatorah als höchstes Ideal vorschwebt, die Vereinigung all jener Koriphäen zu schaffen, die in ihrer besonderen Eigenart ihres geistigen Wesens den ganzen Reichtum von Taurossenu hakdauscho der Welt offenbaren, war in wahrlich nicht schwachem Abglanz auf dieser Tagung vertreten. An der Spitze der Hamburger Raw, als Vertreter der Schule des Chassam Säufer, ihm zur Seite anerkannte Eedaulim aus dem klassischen Land des Limmud, Litauen, neben dem Präsidenten der Sadagoraer Rebbe, als Vertreter jener Bewegung, die den Tauro.hgeist mit religiöser Gefühlskraft zu erfüllen weiß. Der Vorsitzende, der Hamburger Raw, erösfnete um 12.30 Uhr in Anwesenheit von Vertretern der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes. die Tagung, und führte in seiner Begrüßung aus: datz, wenn Keren Hatorah auch die Sorge für alle Thorabedürfnisse der ganzen Welt tragen will, die Leitung des deutschen Keren Hatorah jedoch die heutige Tagung insbesondere zu dem Zwecke zusammenberufen hat, um die anwesenden Führer der deutschen Iudenheit vertraut zu machen mit der unbeschreiblichen Not und Verschuldung der litauischen und polnisch-litauischen Jeschiwaus. Im Anschluß an die Worte, mit denen der' Vorsitzende die Tagung am ersten Tag eröffnet hatte: „Nicht mit Kraft, nicht mit Macht, sondern in Meinem Geist" verbreitete sich der Redner weiter über die Wesenheit des Geistes. „So wie die Muskelkraft der Ameise ihre Grütze bei weitem übexföreitet, so wie die Kraft des von Iisroel ausgehenden Geistes bei weitem das Maß seiner Zahl übertrifft, so stebt auch die von Litauen ausgehende geistige Wirkung in keinen! Verhältnis zur Zahl seiner Bevölkerung." Einzelne Ieschiwaus, einzelne Eedaulim üben einen geistigen Einfluß aus, der im Leben der jüdischen Gesamtheit zu ungeheurem Segen wird. Diese Führer wollen heute der deutschen Iudenheit berichten lassen von dem Leben und Treiben in ihren Ieschiwaus, und von der beispiellosen materiellen Not, unter der geradezu unvergleichliche geistige Werte geschaffen werden. Namens des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Iisroel begrüßte sodann Herr Jacob Rosenheim die Versammlung und führte etwa aus: Die Leitung der Agudas Iisroel ist glücklich, daß in Hamburg, das den Ruf nach Renaissance des deutschen Judentums freudig aufgenommen, diese,; Tagung stattfindet?- und daß gerade in Hamburg, wo man selbst unablässig für Limmud Hatauroh arbeitet;/ man das Verständnis fürdie großen Stätten der Thora im Osten wecken und vertiefen wolle. das kennzeichne den, Landesgrenzen nicht achtenden Geist von Keren Hatorah. In Anlehnung^ an eine Diskussion des Vortages, was unter einem „entpolitisierten" Keren Hatorah zu verstehen sei, führte Herr Rosenheim aus: Für uns ist Agudas Iisroel genau itt gleichem Sinne eine politische Organisation, wie es auch das jüdische Volk als Ganzes ist, in dem reinen Sinne nämlich, daß Politik die Verwirklichung der höchsten sittlichen und religiösen Ideen im öffentlichen Leben bedeutet. Aber weil für Agudas Iisroel aus diesem reinen Begriffe ihrer politischen Idee ein durchaus eindeutiges Organisationsprogramm folgt, das die Thora in den Mittelpunkt des öffenttichen jüdischen Lebens stellt, und weil andere jüdische Gruppen grade dieses Organisationsprinzip nicht - anerkennen und nach, anderen ihm widerstrebenden Grundsätzen den Aufbau der jüdischen Gemeinschaft vollziehen, darum sind harte Zusammenstöße in diesem Kampf um die Idee der Wahrheit unvermeidlich. Viel leichter dagegen wird es sein, und in diesem Sinne ist das Wort von der Entpolitisierung des Keren hatorah zu verstehen, bei dem Aufbau und der ganzen Arbeit des Keren hatorah allen in ihrem individuellen Leben auf dem Boden der/Thora stehenden religiösen Gesinnungsgenossen eine Plattform zu gemeinsamer Arbeit für die Gotteslehre und ihre Verbreitung im jüdischen Volke zu bieten. Ich glaube, daß diese Zusammenarbeit, obgleich der Keren hatorah ein Organ der Agudas Iisroel ist, sich ohne alle Reibungen vollziehen kann und daß sich das Wort OTtn» nnw -rinvn auch in dieser Zusammenarbeit zum besten aller Teile, zur Herbeiführung des wahren Friedens, des miflii bewähren wird. Alsdann begrüßte der Sadagoraer Rebbe die Versammlung mit Thoraworten und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Arbeit des deutschen Keren Hatorah, und insbesondere der heutigen Tagung, der Gesamtheit zum Segen gereichen möge, und ein neues Band der Einig- 19 keit um alle schlinge. Sodann ergriff der Poniwescher Raw, Rabb. Kahnemann, das Wort zu seinem Referat. über die Pflichten der Gesamtheit zur Rettung der Ieschiwaus. .Er sprach in seiner bekannten meisterhaften Wüse, eingekleidet in Thoraworte, von der unermüdlichen Arbeit, die in Litauen und polnisch - Litauen, unter größten Entbehrungen und Entsagungen, geleistet wird, verstand es, die Zuhörer mit dem Leben und Weben dieser Geistesstätten vertraut zu machen, schilderte die furchtbare Not, unter der diese Thorastätten leiden und den furchtbaren Kampf, den sie gegen die Kefiro zu führen haben. Immer wieder sagte er, daß alle diese Dinge in ihrer vollen Auswirkung gar nicht zu schildern sind, sondern datz es nur Eines gäbe: „Komm und sieht" Tatsächlich hat er aber allen Versammelten ein lebendiges Bild gezeichnet, sodaß es allen möglich war, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind. Nach ihm sollte Herr Dr. Deutschländer den Tätigkeitsbericht der Zentrale erstatten. Er erklärte jedoch, daß es in der Stimmung, in die das- Referat des Poniwescher Raw die Versammlung versetzt hatte, unangebracht sei, einen Tätigkeitsbericht zu verlesen, daß er diesen vielmehr dem Hämburger Direktorium überreiche, und daß erbsich darauf beschränken/wolle, in kurzen Strichen darzulegen, welcher;Ideen der Keren HatoM-Zentrale bei ihrerc Arbeit vorschweben. Escrgilt nicht nur, das Bestehende zu erhalten, sondern es sei nötig, datz y sich der Keren Hatoräh auswä'chse und die Kraft aufbringe. in umfassendster Weise die Fürsorge zu Gedenket der ütofcfi cfioudefcfi Spende ■ '* - r;? ... ,.ü5i .:<& fosffdMßonfo «lev Talastma- Zentrale dep Agudas Jisvoef 1U». 53900 Frankfurt & Hl