Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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<B (äffet* kevansgegeöen von dev fandesovganifation dev Agudar-Iisvoel in Deuffcfifand ll Jahrgang Frankfurt a. 2H., den ls. Januar 1925 / 5. Teweth 5685 Nummer 1 Der Monat Tewes und im übrigen heiligen Lande. Lest jene DeklainpTO Krrajwn hiäk Agudistisches Denken bedeutet, sich mit Klal Iisroel verbunden fühlen, und nicht nur mit dem - 511 al Iisroel, der heute lebt, sondern sich auch als Glied in der viertausendjährigen Kette zu fühlen, die von den um den Sinai Lagernden über die Wüstenwanderer, die Bethamikdoscherbauer, die babylonischen und römischen Erulanten hinweg bis zu unsern Tagen reicht. Wer Mo die Vergangenheit unseres Volkes nochmals in der Gegenwart durchlebt, dem wird der Monat Tewes Vieles und Bedeutsames zu sagen haben. Am ersten Tewes war es, als die rrach Erez Iisroel Zurückgekehrten unter Esras Führung eine Kommission einsetzten, die nach Erez Iisroel zurückgekehrte jüdische Faminen zu prüfen hatte, ob sie nicht mit nichtjüdischen Frauen verbunden, des Rechtes verlustig seien auf heiligem Boden zu wohnen, es sei denn, daß sie wieder in Reue zu Gott und seiner Thora Zurückkehrten. (Esra 10, 16.) Es war am achten Tewes, da zum ersten Male auf fremden Befehl die Thora ins Griechische übersetzt und nach dem Ausspruch unserer Weisen dadurch „die Welt verfinstert" wurde. Es war am neunten Tewes, als Esra durch den Tod von seinem Volt getrennt wurde, jener Esra, der von Babylonien nach Jerusalem gezogen war, und der eine Deklaration der persischen Negierung erhalten hatte, alle diejenigen nach Erez Iisroel, zu führen, die sich dazu angetrieben fühlten, mit dem Gesetze Gottes in der Hand, das Land und den Tempel wieder aufzubauen, das war jener Esra, welchen die Weisheit unsrer Weisen mit Mosche Rabbenu vergleicht. Es war am zehnten Tewes, da Nebukadnezar mit seinem babylonischen Heere zum ersten Mal Jerusalems Mauern belagerte und damit der Untergang unserer nationalen Selbständigkeit begann, und an dem selbigen Zehnten Tewes, da der Feind vor dem Tore stand und alles zum letzten Sturme bereit war, erging Gottes Befehl an Iirmejahu, der im Gefängnis schmachtete, Boden in Erez Iisroel zu kaufen, der in der Gegenwart wertlos war, dessen Erwerb aber durch den Propheten ganz Israel die Wahrheit nahelegen sollte, daß die bevorstehende Verödung des Landes wieder einstens aufhören würde. Das sind einige der wesentlichsten Daten des Monats Tewes. Laßt sie mehr für euch sein, als bloße Daten, helft derjenigen thoratreuen Organisation, die auch heute noch nur in Heiligkeit und Reinheit das heilige Land besiedeln möchte. Sorget dafür, daß nicht wiederum die Welt noch finsterer wird, dadurch daß fremde Ideale an jener Stätte gelehrt werden, von der die Thora ausgehen soll. Sorget für die Thorastätten in Jerusalem ration, die Gott einst Abraham gegeben hat, als er ihm Erez Iisroel als Erbe für seine Kinder' zusprach und unterstützt diejenigen in ihrem Kampfe, die im Geiste Esras nur ein solches Erez Iisroel kennen, dessen jüdische Bewohner durch den Willen zur Thora geeint sind. Und zögert Nicht und seid nicht gleichgültig und wisset, daß der zehnte Tewes als Fasttag dem jüdischen Volke bestimmt wurde, weil damals der Anfang seines Unterganges war, wartet nicht, bis es zu spät ist. Und endlich denket daran, daß am zehnten Tewes Gott gesprochen: „es werden noch Häuser und Felder und Weinberge in diesem Lande gekauft werden". Keiner lasse den zehnten Tewes Vorbeigehen, ohne daran zu denken, daß auch an ihn der Ruf ergeht, mitzuarbeiten, mit zu leisten an dem „Keren Erez Iisroel". Pakästinazentrale der Agudas Iisroel Frankfurt a. M. Postscheckkonto 53 90V. Die Keren Hatorah-Tagung in Hamburg. I. Die Tagung, zu welcher das Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland den Verwaltungsrat und die einzelnen Keren Hatorah-Kommissariate zum 27. und 28. Kislew geladen hatte, trug das Gepräge einer großartigen Kundgebung zu Ehren der Thora und ihrer Vertreter. Es nahmen an ihr teil von den großen Führern der jüdischen Gesamtheit, neben dem Mitglied des rabbinischen Rates für Deutschland, Herrn Oberrabbiner Dr. L e r n e r, Altona, der Sadagoraer Rebbe; die Führer des litauischen Judentums: der Po niwe scher Raw, der Kriniker Raw, der Ra ko wer Raw, der Kelmer Rosch Jeschiwa, sowie viele der bekanntesten deutschen Rabbiner und prominente Vertreter des Kaufmannsstandes. Insgesamt nahmen an der Tagung etwa 100 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands, vom äußersten Nordosten, Memel, bis zum Südwesten, Freiburg, teil. Alle Teilnehmer waren von dem Gefühl beseelt, daß eine der gewaltigsten Aufgaben, die der gesamten Judenheit obliegen, die Stärkung der Thora ist. Der Vorsitzende des deutschen Landesdirektoriums, Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer, eröffnete um 10 Uhr vormittags die Tagung und Ährte aus, daß die Tagung im Zeichen des alten Prophetenwortes, das den Sinn der Chanukohgeschichte kennzeichnet, stände: „Nicht mit Kraft, nicht mit Macht, sondern in Meinem Geist". So sehr wichtig die Sicherung der materiellen Voraussetzungen ist, so darf doch über diesen Aufgaben die andere Seite des Problems, die Durchdringung aller Kreise mit „Meinem Geist", dem Geist der Thora und des Talmuds, nicht vernachlässigt werden. Herr Oberrabbiner Dr. Lerner entbot die Iisroel. Herr Rabbiner Dr. Pinchas K o h n diejenigen der Agudaleitung in Wien. Der Sadagoraer Rebbe wies mit begeisternden Worten auf die hohe Aufgabe der Tagung, in Anlehnung eines Psalmverses, bin, und versicherte den deutschen Keren Hatorah der herzlichsten Sympathien der chassidischen Kreise. Der Rakower Raw überbrachte die Grüße und Wünsche des großen Führers unserer ganzen Bewegung, des Chofez Chalim, und die besonderen Wünsche des in letzter Minute am Erscheinen verhinderten Rabbi Cyasim Oser Grodzensky. Der Geschäftsbericht des Landrsdirektoriums, der alsdann verlesen wurde, ist zwischenzeitlich dem Druck übergeben worden. Die Resolution, in die er ausmündete, lautet: „Die Plenarversammlung des deutschen Keren Hatorah, welche am 27. Kislew 5685 zu Hamburg tagt, hält, nach Anhörung des vom Vorsitzenden erstatteten Tätigkeitsberichts, e'.ne Durchführung der dem deutschen Keren Hatorah obliegenden Aufgaben nur dann möglich, wenn sofort allerorts an die Gründung bezw. den Ausbau der Keren Hatorah-Kommissariate geschritten wird. Die anwesenden Rabbiner erklären sich bereit, in ihren Gemeinden den Gedanken des Keren Hatorah eifrig zu propagieren, und, wo angängig, selber an die Spitze der Keren Hatorah-Kommissariaie zu treten, während die Kaufleute sich verpflichten, praktische Arbeit in den einzelnen Keren Hatorah-Kommissariaten zu leisten. Die Mitglrederwerbung — auf Basis eines Tagesbeitrages von 10 Pfg. und des überall einzurichtenden wöchentlichen Inkassos — ist ausnahmslos sofort durchzuführen. Die Einführung des Spendcnbuches, die Einsetzung eines Keren Hatorah-Schabbos und das Schnobern für Keren Hatorah, die Organisierung der Varmizwoh-Ak.ion sind ohne Verzug vorzunehmen. Jeder einzelne Teilnehmer der Plenarversammlung verpflichtet sich durch Annahme dieser Entschließung ausdrücklich, seine Kraft für den Aufbau des deutschen Keren Hatorah einzusetzen. Alsdann erstattete das Mitglied des Landesdirektoriums, Herr Rabbiner Dr. Klein. Nürnberg, ein Referat über das Thema: „Wie erzieht der deutsche Jude sein Kind zn einem Ben Tauro?" Referent weist einleitend darauf hin, daß der Begriff des Ben Tauro naturgemäß kein feststehender ist, und je nach Lage der Verhältnisse näher zu bestimmen sei. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen in Deutschland kann und muß es durch systematische Erziehungsarbeit erreicht werden, daß die Mehrheit der orthodoxen Inden. in den Stand gesetzt werde, beispielsweise einer Droscho über ein mittelschweres Gemoroh-In'en mit Verständnis zu folgen, so daß die Vaale Battim nicht nur vereinzelt, wie es heute der Fall ist, sondern in ihrer Mehrheit mit Verständnis und Interesse an einer Gemorohdiskussion sich beteiligen können. Zur Erreichung dieses Zieles ist es durchaus nicht notwendig, von der /n. Deutschland, auf Grundlage von Thora und Derech Erez, geschaffenen Erziehungsform abzuweichen, trotz einer während der Kriegszeit bisweilen hervorgetretenen Tendenz, hierauf zu verzichten. Zu übernehmen wäre allerdings vom Osten der Gemeinschaftsgeist, der im Eheder zwischen Lehrern und Schülern herrscht. Bei keiner unwichtigen und bei keiner entscheidenden Lebensangelegenheit läßt der östliche Schüler seinen Melamed unbefragt, während bekanntlich das Verhältnis zwischen Leh-