Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1. Januar IMS Der Israelit Nr. 1 Sette S Die Konferenzen folgen aufeinander und greifen ineinander: Schon kommen neue „alte Herren" aus allen Gegenden und füllen die sich durch Abfahrt ergebenden Lücken; es find bewährte Schulmänner, welche zur Erziehungskonferenz, die morgen Montag tagt und der Hamburger Thorawoche die Krone aufsetzen soll, kommen. Vorher ist aber noch eine machtvolle Kundgebung des „Keren Hathora" M heute, Sonntag abend, geplant, bei der wiederum die Vertreter des Ostens das Wort haben werden. Mit dem Bund der gesetzestreuen Gemeinden singen die groben Hamburger Tage an und schließen mit der Erziehungskonferenz. Und dazwischen, wie ein roter, verbindender Faden, der Keren Hathora. Die Thora in der Mitte und von ihr gehen die Ausstrahlungen aus nach allen Seiten und Richtungen, nach der Gemeinde, der Trägerin des Mischen Gemeinwesens, nach dem Bunde der Akademiker, den Trägern der iüdifchen Kultur und Führern von morgen, nach der Schule, dem Bollwerk unserer Zukunft. Die Kundgebung am Sonntag abend. Zu einem Erlebnis gestaltete sich die machtvolle Kundgebung des Keren Haihora am achten Tage Chanuckoh, in der bedeutende Rabbinrn des Ostens zu den versammelten Massen sprachen. Schon lange vor Beginn der Versammlung war der ca. 1000 Menschen fassende Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Als erster Redner ergriff der Rakower Raw das Wort. In zündenden Worten schilderte er zunächst die materielle Rot unserer Brüder im. Osten, von der unzählige Familien infolge Entziehung wirtschaftlicher Konzessionen betroffen sind. Doch, so führte' er weiter aus, der schlimmste Feind des Judentums war und ist ü»Vn, und der heutige ist der russische Kommunismus. Er will wohl der jüdischen Minderheit gesicherte ökonomische und politische Verhältnisse gewähren, aber Chedarim und Ieschiwaüs dürfen nicht bestehen. Eindringlich wandte er sich gegen die Auffassung, man könne die Gefahr dieser Maßnahme durch Lernen in Privathäusern beseitigen: Keine Ieschiwaüs — das ist gleichbedeutend mit dem Aufhören des Nachwuchses an Rabbonim, an Führern. In fesselnden Bildern verglich er unsere geistigen Führer mit dem Motor, der ein großes Werk im Gange hält, das mit dem Versagen'der treibenden Kraft zum Stillstand kommt. Mit einem warmen Appell . an die Hamburger Kehilloh, die er als o*n va pries, schloß der Redner, dem durch stürmischen Beifall gedankt wurde. Als nächster Redner trat der Poniewescher Raw an das Rednerpult. In schlichten, zu Herzen gehenden Worten führte er seinen Zuhörern die Wichtigkeit des Taurohlernens vor Augen. Packte der Rakower Raw das Publikum durch die Fülle und Anschaulichkeit seiner geistreichen Bilder, so wirkte der „Poniewescher" durch die Innigkeit seiner Darlegung auf die Herzen der Hörer. Als letzter Redner nahm der Kriniker Raw das Wort. Am Beispiel Samson Raphael Hirschs V'ST wies er nach, von welch' überragendem Einfluß ein einzelner bedeutender Führer für das gesamte Judentum sein könne. Er schuf die erste wahrhaft orthodoxe Gemeinde der neuen Zeit, die erste höhere jüdische Schule Deutschlands, und fein Beispiel wirkte bahnbrechend für viele Gemeinden. Daraus ersehen wir, daß es auf jede einzelne Führerpersönlichkeit ankommt, daß daher die Erhaltung der Ieschiwaüs .eine' Lebensnotwendig^ für das gesamte Judentum ist. Reicher Beifall zeigte den Dank der Zuhörerschaft, der sich auch in ansehnlichen'Spenden für den Keren Hathora äußerte. :^vi» Zusammenkunft der Esraführe>r^ Anläßlich der großen Hamburger Tagungswoche trafen sich die in Hamburg anwesenden Esraführ er und Esräer amj^v 'Q zu einer zwanglosen Aussprache. Dr. Jos. I a c o b s e n, der die Erschienenen begrüßte, berichtete zuerst, Monnemenks-ZebLkren für das erste Quacfaf 1925. Wir ziehen ab 5. Januar die Avonnementsgebühren für das erste Vierteljahr (zuzüglich 18 Pfennigen Bestellgeld, die früher unmittelbar durch die Post beim Bezieher erhoben wurden) durch Nachnahme ein und bitten um prompte Einlösung. Frankfurt a. M.. 31. Dezember 1924 Verlag des „Israelit" G. m. b.H. kurz über die jetzige Tätigkeit der Hamburger Führerschaft, die sich abwechselnd alle 8 Tage je zu einem wichtige augenblickliche lokale Esrafragen behandelnden.Führerschaftsabend und zu einem Kufari-Schiur unter der Leitung des Herrn Dir. Dr. Car leb ach versammle. Sodann betonte Dr. Iacobsen, daß nach wie vor keine Beiträge zu dem „erwünschten" Esraliederbuch eingingen: nur die Gruppe München stehe jetzt im Begriff, unter Mitarbeit von Klibansky- Frankfurt a. M. und Iacobsen-Hamburg zwanglos Liederblätter herauszugeben. Diese Initiative findet die Billigung der Bundesleitung, als deren Vertreter Dr. I. Schnerb sodann über die geplante Neuherausgabe der „Iugendblätter" berichtete. Die Redaktion der Blätter, für deren Verbreitung in weiteste Kreise, besonders der Landgemeinden, gesorgt werden soll, liegt in den Länden von Dr. Jsaac Vamb e r g e r - Hamburg im Verein mit anderen Führern. Dr. Siegf. Landau begrüßte die Absicht der Bundesleitung, Führerschaftsblätter wieder herauszugeben: nach Mitteilung-von Arnold Wreschner -Frankfurt liege Material für 2 Blätter druckfertig vor. Herr Lehrer Gottschalk-Emden betonte, daß durch geeignete Iugendblätter viele gute Arbeit im Esrasinne gerade auf den kleinen Plätzen geleistet werden könne, wo eine Esragruppe noch nicht bestehe. Sodann sprach Dr. Schnerb über das kürzlich an alle Esräer über 15 Iahre ergangene Rundschreiben der Bundesleitung betreffs „Palästina". Die Mißverständnisse, die an einigen Orten durch dieses Rundschreiben hervorgerufen worden waren, berichtigten sich nun dahin, daß die Anfrage der Bundesleitung lediglich zur Orientierung diente, um zu erfahren, wieviele junge Esräer tatsächlich gewillt seien, im Einverständnis mit ihren Ellern zur landwirtschaftlichen Arbeit nach Erez Iisroel hinüberzugehen. Dieses Rundschreiben hat, nach dem Bericht von Dr. Schnerb, eine erfreuliche Fühlungnahme vieler junger Esräer mit der Bundesleitung ausgelöst. Manche Esräer erklärten sich bereit oder drückten wenigstens die ernstgemeinte Absicht aus, wenn auch nicht als Landwirtschaftler, so doch als. Lehrer, Handwerker und Kaufmann in recht kurzer Zeit nach Palästina überzusiedeln, so daß der EsraÜundesleitung nun manche neue Aufgaben erstanden sind, um diesen jungen Palästinafreunden, etwa 25 an der Zahl, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Während in der anschließenden Aussprache Herr Weilburg betonte, man müsse dafür Sorge tragen, daß der Esra zur Ausführung seiner Palästinaziele eine politische Organisation, wie etwa die Aguda, im Rücken habe, wurde von Herrn Salomon Adler- Frankfurt darauf eingewendet, daß gerade von Seitenlader Palästinazentrale der Aguda keine wesentliche Förderung und Stützung zu erwarten sei. (Hier muß irgend ein Mißverständnis vorliegen. Red.). ' - Zum Schluß wurde angeregt, daß das Programm des nächsten Esrabundestages rechtzeitiger als das des letzten bekanntgegeben werden möchte, und daß seine Organisation straffer und einheitlicher als früher gehandhabt werden möge. Die wenigen Stunden, die die Esraführer beisammen waren, bewiesen wiederum, wie notwendig und nützlich derartige Zusammenkünfte für die gemeinsame Arbeit im Bunde sind. ilomrponaelireii * Dacbricble«. Deutscher Reich. Das Abkommen zwischen der Sowjekregierung und dem Joint von Rykow unterzeichnet. Berlin, 30. Dezember. Der jetzt in Berlin weilende Leiter des landwirtschaftlichen Departements des Joint Distribution Committee in Rußland, Herr Dr. Josef Rosen, teilte dem I. T. A.-Bertreter mit, daß das Abkommen zwischen der zentralen ■ Sowjetregierung und dem Joint Distribution Committee bezüglich der Landansiedlung von Juden in Rußland am 16. Dezember von dem Präsidenten der 'Union der russischen Sowjetrepubliken. Rykow, persönlich unterzeichnet worden ist. Dr. Rosen teilte dem J. T. A.-Bertreter ferner mit, daß der Drang der unter schwerem materiellem Druck lebenden Juden in Rußland zur Ansiedlung auf dem Lande ein elementarer ist. 30 000 Hektar anbaufähigen Landes in der Nähe der alten jüdischen Kolonien der Gouvernements Cherson und Nikolaiew sowie 50 000 Hektar Boden in der Krim stehen der jüdischen Koloniätion zur Verfügung. Mit Hilfe des Joint wurden bereits 1500 jüdische Familien angesiedelt, weitere 1000 wird das Landwirtschaftskomitee des Joint im kommenden Frühjahr ansiedeln. Has ist aber nur ein Tropfen im Meer. Mindestens 10000 jüdische Familien ind für die sofortige Ansiedlung auf dem Lande vorbereitet. Es fehlt aber an Geld. Die Ansiedlung kostet pro Familie im ganzen 300 bis 400 Dollar, die größte Mehrzahl ber Siedler verfügt selbst über kleine Ersparnisse. Dr. Rosen hofft, daß die Erfolge der ersten Siedler derart sein werden, daß sich das amerikanische Judentum später veranlaßt sehen wird, die nötigen Kapitalien für die Ansiedlung einer größeren Zahl von Juden aufzubringen Seitens der Sowjetregierung und der Organe wird das weitgehendste Entgegenkommen gezeigt. Die russische Regierung sieht die Lösung der Frage als dringend an. Sie hat deshalb auf gesetzlichem Wege Maßnahmen getroffen, die den jüdischen Siedlern aus den Städten eine Vorzugsstellung einräumen. Nicht Kommunisten sind es. die zur Bodenbearbeitung drängen, sondern die breite Masse der notleidenden jüdischen Bevölkerung der Städte. Seelenzahl und Gemeindeverbände. Berlin, 30. Dezember. Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben: In Ihrer eindrucksvollen Wochenrundschau über die Beziehungen der beiden Landesverbände befindet sich ein sachlicher Irrtum. Es ist nicht richtig, daß, um Doppelsubventionen auszuschließen, sämtliche, beiden Bünden ungehörigen Gemeinden dem Berliner Bund zugezählt wurden. In der dem Ministerium von beiden Verbänden gemeinsam eingereichten Aufstellung vom Januar 1924 wurde der Regierung mitgeteilt, daß alle Gemeinden, die beiden Verbänden angehören, in den angegebenen Ziffern nicht mitberücksichtigt, sondern für die Berechnung der Verhältniszahl vorläufig gestrichen seien. Die entsprechend berichtigten Listen sollen nachgeliefert werden. Inzwischen wurden die diesbe-, züglichen Gemeinden von beiden Verbänden.ersucht, sich^ zu erklären, durch Vermittlung welches der.Heiden Verbände sie ihren Anteil an den Reichsges^n zu empfangen wünschen. Aus Grund der eingelaufenen Ant- - warten haben die beiden Verbände am 5- März 1924 dem Ministerium die berichtigten Listen nachgeliefert. Auf^ Grund der Entschließung eines großen Teiles der die Doppelmitgliedschaft besitzenden Gemeinden erhöht sich die ursprüngliche Ziffer des gesetzestreuen Landesverbandes um mehr als 25 Prozent; dazu kommt der in-