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Der Israelit · 1925-01-01 · Heft 1 (1.1.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 1 (1.1.1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 Nr. 1 Der Israelit 1. Januar 1925 anerkennen, unangenehme Dinge zu sagen; aber es schiene uns wohl an der Zeit, daß die verantantwortlichen Persönlichkeiten mit der gleichen Entschiedenheit und Furchtlosigkeit wie in der Frage der abgefallenen Arbeiter, das Problem der völligen Selbständigkeit des Misrachi unter gänzlicher organisatorischer Loslösung von der zionistischen Organisation einer erneuten ernsten inneren Prüfung unterzögen, bevor im Laufe der Jahre das religiöse Bewußtsein der Mitgliedermasse immer mehr abgeschliffen und damit die Möglichkeit dieses Selbständigwerdens gänzlich in die Ferne gerückt wird. Hamburger Thorafesttage. II. Der Freitag. Die Verhandlungen des B. T. am Freitag morgen stehen noch im Zeichen der Erziehungsfrage. Zunächst hält Bundesbruder Dr. H a lberstadt, Berlin, ein eingehendes Referat über den „Arbeitsunterricht in der jüdischen Schule", das, tief eingehend in die einschlägige Materie, Anlaß zu einer sehr ausgiebigen' Aussprache gibt, an der sich besonders die anwesenden Schulmänner eifrig beteiligen. Wir behalten uns eine Wiedergabe und eingehende Würdigung des Referates, das auch die Erziehungstonferenz ' beschäftigen wird, noch vor. Sowohl dieser Vortrag wie der darauf folgende für die Delegierten gedachte Vortrag des Bundesbruders Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., bilden sich unter der Hand zu öffentlichen Vorträgen aus. Der Zudrang aus allen Schichten der Hamburger jüdischen Bevölkerung ist trotz des Freitags groß. Der große Saal des Logenheims ist voll gefüllt. Schachnowitz streift kurz die verschiedenen Perioden in der hebräischen Literatur und entwirft in grotzen Zügen ein klares Bild von der Entwicklung der neuhebräischen und neujüdischen Literatur in den hundert Jahren, vom Einsetzen der Aufklärungsbewegung bis zur Gegenwart, wobei er folgende Dreiteilung vornimmt: 1. die klassische Haskalah zurzeit der „Measphim"; 2. die Blütezeit der Haskalah um die Mitte des 19. Jahrhunderts; 3. die neueste Entwicklung bis zur Gegenwart. Die klassische Haskalah gehörte zum Stamme derer, die „sterben, wenn sie.lieben"; sie lebte nicht länger, als bis sie ihre Jünger mit Ekel vor dem alten Geist erfüllt hatte und sich diese dadurch von der Thora und damit auch von der Sprache der Thora abgewandt hatten. Die Blütezeit des 19. Jahrhunderts zeigt Redner anhand einiger Namen, Daten und Werke, die diese Epoche mit allen ihren Vorzügen und Mängeln, ihrem Gewinne und ihren Gefahren deutlich veranschaulichen. Das Bild, das die hat. — Ebenso dürfte auch Tossaphot's Bemerkung, daß der Tamus-Monat die kürze sten Nächte, und nicht wie in Wirklichkeit der Monat Siwan habe, nach der gleichen Richtung erklären lassen, da die Tekupho (Sommeranfang) ebenfalls in den Monat Tamus fällt. Man wollte eben sinnfällig Winter- und Sommerzeit bezeichnen, und dies geschieht in der angegebenen Weise in prägnanterer Weise, umsomehr, als die Differenzen Mischen den angeführten Monaten nur unbedeutend sind. Frankfurt a. M. Joseph Bender. (In gleicher Weise ist die Frage des Herrn Rabbiner Dr. Kanter von einer großen Zahl anderer Einsender beantwortet worden, deren Namen wir noch veröffentlichen. Red.) lVochenkalender. 3.-10. Jan. bis 1925. / 7.-14. Teweth 5886. Samstag Jan. 3 «HW 7 7UV 'i Sonntag 4 r8 1 r.'o Montag 5 9 Dienstag 6 . ia nsipn moa mp? Mittwoch 7 li Donnerstag 8 12 Freitag! 9 13 Samstag H 'N'l 14 hebräische Literatur in der Gegenwart bietet, sei, abgesehen von Geist und Tendenz, rein künstlerisch bewertet, wenig erfreuliche Redner schließt mit einigen Thesen, in denen er den Bündesbrüdern die Pflege der hebräischen Sprache und Literatur wärmstens ans Herz legt und praktische Vorschläge zur Einführung von Sprachkursen macht. Nachdem sich der. starke Beifall gelegt hatte, setzte Diskussion ein, die neben Zustimmung auch manche Einwendung und Kritik brachte. Es beteiligten sich an der eingehenden Aussprache Rechtsanwalt Dr. Wiener, Dr. Meyer, Dr. H e ck s ch e r. Rabbiner Dr. B. Cohen bringt eine Resolution zur Schaffung einer guten jüdischen Volksliteratur ein. Es sprachen ferner Dr. G r ü n f e I d , Dr. W i e s e n f e l d, B. Rabinowitz und Mar Feuchtwanger, die alle in höchst anregender Weise Fragen stellten und zur Ergänzung und Vertiefung des Problems beitrugen. Direktor Dr. Carlebach stellt sich in einer wirksamen Ansprache ganz auf den Standpunkt des Referenten und empfiehlt auch seinerseits, den Anderen die Waffe aus der Hand zu reißen, da auf diese Weise eine gute jüdische Literatur in gut jüdischem Geiste zu erreichen ist. Indessen ging im Nebensaal die Redeschlacht über den Vortrag Halberstadt weiter, da man mit Rücksicht auf den kurzen Freitag und andererseits darauf, daß das Interesse an dem Referat Halberstadt noch nicht erschöpft war, die Diskussion auf zwei Räume verteilen mußte. So verging der in Hamburg noch kürzere Winterfreitag ohne Rast und Pause in unausgesetzter Arbeit, bis der nahende Sabbat zum Abbrechen mahnte. DerSabbat. In der großen Synagoge am Bornplatz, im Mittelpunkt des neuen Hamburger „Ghetto", das mit seinen breiten, schönen, hellen Straßen nicht das Geringste von der düsteren Schwere dieses Wortes hat, konzentrierte sich an diesem Sabbat das ganze jüdische Leben Hamburgs. Das schöne geräumige Gotteshaus prangt im Lichterglanze, und ist voll gefüllt mit Einheimischen und Gästen. Zu den üblichen Sabbatlichtern kommen neue, die des Chanukah. Ein neues sechsfaches Licht ist dem Sabbat aufgesetzt und es leuchtet aus der prächtigen Riesenmenorah vor dem heiligen Thoraschrein in den Raum, gleichsam ein Symbol neuer Kraft, neuen Lichtes, das wächst und wächst ... Hamburg überbot sich an diesen Tagen an Gastfreundschaft, eine Gastfreundschaft, die sich nicht allein in der Bewirtung kundgab, sondern in der ganzen Art, wie man den Gästen und Delegierten entgegenkam, ihnen die Tage zu verschönen, die Arbeit zu erleichtern suchte. Im Gotteshause waren ihnen besondere Ehrenplätze angewiesen, und was man auf dieser „Galerie der Unsterblichen" sah, lohnte schon allein die Reise nach der Hafenstadt. In der ersten Ehrenreihe die großen Rabbiner des Ostens in ihren riesigen Pelzmützen, daneben die ebenfalls rühmlichst bekannten Rabbinen und Führer der deutschen Judenheit, Delegierte der verschiedenen hier tagenden Organisationen und Gäste aus allen Gauen der deutschen Lande. Die Synagogenoerwaltung bot ihr Bestes auf, um die Gäste geistig zu bewirten, die ersten Kantoren, die besten „Alijos", die schönste^ Gesänge. An Chasonim hat Hamburg keinen Mangel; Hamburg ist die Stadt des klassischen Chasonus und ist heute noch' stolz darauf, eiftstmals Frankfurt einen Friesländer gegeben zu haben.. Hamburg hatte einen Ro senNatt, den man heufe,.in Europa nur ' noch im^Grammophon gleich nach Caruso hören' kann, und hat heute, neben anderen tüchtigen Kräften, den kleineren — nicht viel kleineren — Bruder dieses Wünderchasen, der zufällig ebenfalls Rosenblatt heißt und ein wirklicher Bruder des^großen Kantors jenseits des Atlantus ist. Sein Gesang am Freitag abends und am Sabbat war so, daß wer von dm Gästen den Anderen noch' nie gesehen und» gehört, ruhig glauben konnte, der sei es. Und auch die Predigt des Herrn Oberrabbiners Dr. Spitzer dürfte von den Delegierten als besondere Ehrung und Begrüßung entgegengenommen werden, denn , sie bewegte sich sehr bezüglich in den Eedankengängen, daß das jüdische Licht im Zunehmen begriffen sei und daß sich eine Zeit ankündige, die wie in den Tagen der. Männer der großen Synode, Gott in seine dreifachen Ehren wieder einsetzt und Ihn wieder „groß", „mächtig" und „furchtbar"' nennen darf ... Ganz ruhte die, Arbeit des Bundestages und der anderen Organisationen am Sabbat nichts Selbst am Freitag abend opferte man die Geselligkeit zugunsten eines tiefwissenschaftlichen Vortrages des Herrn Dr. Neubauer aus Würzburg über „Die Theorie des Rambam und Ramban über Dibre Sofrim", der anr Schabbos morgen gleich nach Schul vor einem wissenschaftlich besonders interessierten Kreise von Vundesbrüdern fortgesetzt wurde. Nachmittags fand eine Droscho des Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer statt. Der Bundesrabbat war ein „Schabbos hagodaul" für Hamburg und zu Schabbos hagodaul gehört eben einer Droscho des Naw, für die sich viele Vundesbrüder feit Wochen vorbereitet hatten. Im Laufe des Tages wurden . in verschiedenen Bethäusern halachische Vorträge abge- .halten. Und kaum war der Sabbat zu Ende, füllte schon eine große Menge die „Vereinigte Alte und Neue Klaus" in der Rutschbahn, wo drei wirkliche Größen, der Suwalker Naw, der „Krinkower Rabbiner" und der in der jüdischen Welt schon zur Berühmtheit gelangte „Poniewescher Raw", in herrlichen Worten das Publikum für die Thora und die Unterstützung der Jeschiwahs entflammten. Zu einem Bundestag der Akademiker darf natürlich auch der Kommers nicht fehlen. Er wuchs sich aber durch die starke Beteiligung dev Hamburger zu einer Art Kehillafest aus. Humoristische Reden leiteten das Fest ein, jüdische Lieder wurden im Chor gesungen und allerliebste Theaterspiele von „kleinen" und „großen Künstlern" vortrefflich gespielt. Ein gutes Essen wurde serviert, man schied zu einer Nachtstunde, in der man zu anderer Jahreszeit das Morgengebet hätte anstimmen können. Aber es gab keine Zeit und keine Muße zum längeren Ausruhm, denn schon morgens um 9 Uhr sammelten sich im Logenheim die Bundesbrüder zu der geschäftlichen Konferenz des Bundestages, die sich auf den ganzen Sonntag bis in die Nacht hinein ausdehnte. Dieser voran, ging, ein gründlich ausgearbeitetes Referat von Ph. B i b e r f e l d, Hamburg, über „Dino demalchusso". Ueber die internen Angelegenheiten die dann zur Sprache kamen, kann hier nicht berichtet werden. Es sei nur kurz gesagt, daß die gepflogene Aussprache und die angenommenen Beschlüsse den B. I. A. auf eine gesunde Basis stellen und ihm friedliche Entwicklung und eine Arbeitsfläche sichern, die dem gesamten Judentum nur zum Segen gereichen kann. Mit einer angenehmen Ueberraschung schloßder Vormittag. Der B. I. A. hatte für den Bundestag ein halachisches Preisausschreiben erlassm und es wurde nun das Resultat verkündet. Verfasser der preisgekrönten Arbeit ist, wie sich herausstellt, Vbr. Mar Feuchtwanger, Frankfurt a. M. In der Nachmittagssitzung wurde u. a. ein. Grundriß für die wissenschaftlichen vEinführungskurse beratey, verschiedene Beschlüs^ gefaßt und :die., Wahlem des Präsidiums und Bundesausschusses vorgenömmen. Sitz des Präsidiums bleibt B e r l in..,. Als Präsident des B. I. A. wird Dr. Jacob L e v y mit überwiegender Stimmenmehrzahl wiedergewählt. Weiter, sindins Präsidium gewählt Rabb. Dr. Esra MunA G a l e w s k i, Arthur Stern und Alfred- Cahn. ' Damit wurde die Bunde^tagung des B. I. Ä. bü‘ Stunde' geschlIssen.

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