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Der Israelit · 1925-01-01 · Heft 1 (1.1.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 1 (1.1.1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 1 DerJsraelit 1. Januar 1,925 daß diese Elemente zur Entwicklung des britischen Weltzwischen erfolgte Beitritt einer weiteren Reihe von Gemeinden, so daß die Ziffern der beiden Verbände nunmehr lauten: 530 948 und 22 886. Sie haben zur Verhütung einer täuschenden Auslegung der Ziffer bereits darauf hingewiesen, daß es zur Beurteilung der Situation, notwendig ist, den Nachdruck auf die verhältnismäßig große Zahl von Gemeindenzu legen, die sich dem Verband gesetzestreuer Synagogengemeinden angeschlossen haben. Demgemäß kann das bei dem anderen Verband vorhandene Uebergewicht an Seelen, von denen etwa 400 000 von vier Großgemeinden gestellt werden, nicht von entscheidender Bedeutung sein. Umso weniger, als die zu einem ganz bestimmten Zweck und darum nach bestimmten Grundsätzen erfolgte statistische Aufstellung eine sehr erhebliche Anzahl der Seelen, welche in religiöser Beziehung sich zu den dem gesetzestreuen Verbände angeschlossenen Gemeinden rechnen, ganz unberücksichtigt lassen mußte. Nicht Hunderte, sondern Tausende sind es, die, ohne gesetzmäßig Mitglieder von gesetzestreuen Verbandsgemeinden geworden zu sein, sich ihnen angeschlossen zu haben und dieses durch regelmäßige steuerliche Zahlungen bekunden. Nicht zu sprechen von den Taufenden in den Großgemeinden, die ohne diese formale Gegenleistung ihre ganze religiöse Lebensführung ausschließlich auf die Institutionen der gesetzestreuen Gemeinden stützen. Delegiertentag der deutschen Zionisten. Wiesbaden, 30. Dezember. Der am Sonntag eröffnete Delegiertentag der Deutschen Zionisten war vor über 150 Delegierten der Ortsgruppen besucht. Die Anwesenheit W e i z - manns hatte viele Gäste angezogen. De Vorsitzende, Dr. Landsbe.rg, .polemisierte in seiner Eröffnungsrede gegen die antizionistische Einstellung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und betonte die vaterländische Treue der deutschen Zionisten. Weizmann sprach etwa 1 Stunde über die gegenwärtige Lage des Zionismus und feine Beziehungen zur Mandatarmacht, zur katholischen Kirche und zur Jewish Agency. In der Nachmittagssitzung wurde der Tätigkeitsbericht erstattet und insbesondere auf die relativ große Zahl der deutschen Zionisten hingewiesen, die nach Palästina übergesiedelt sind. Die innere Arbeit in Deutschland insbesondere die Vorbereitung für die Pionierarbeit in Palästina habe sich gut entwickelt, lieber die geringe Aktivität der Londoner Zentrale wird geklagt. Pole« Proletarisierung von Zehnlausenden jüdischen Familien in Polen. Warschau, 28. Dezember. Der polnische Ministerrat beschloß in seiner letzten Sitzung, alle Konzessionserteilungen für den Verkauf von Monopolartikeln (Spirituosen, Tabake usw.) zu revidieren. Im Verlauf von zwei Jahren, angefangen vom 15. Dezember dieses Jahres, sollen die Konzessionen den bisherigen Konzessionären ohne jede Entschädigung entzogen und den Invaliden, Kriegswitwen und -waifen, sowie ehemaligen Kriegsteilnehmern, die im Weltkriege für Polens Befreiung gekämpft haben, ferner Kommunalbeamten, Berufsgenossenschaften, gesellschaftlichen Institutionen übergeben werden Die Verordnung wird nicht vor den Sejm kommen, die Regierung wird sie auf Grund der ihr erteilten außerordentlichen Vollmachten durchführen. Eine jüdische Erklärung im Senat. — „Ein System der Ausrottung". Warschau, 24. Dezember. In der letzten Sitzung des polnischen Senats verlas Senator Wenzel eine Erklärung des jüdischen Parlamentsklubs, in der es heißt: Die jüdische Bevölkerung steht auf dem Standpunkt, daß Polen ein demokratisch regierter Staat sei und sie deshalb das Recht hat zu fordern, daß die Prinzipien von Gleichheit und Gerechtigkeit zur Geltung kommen. Die jüdische Bevölkerung kann deshalb zu einer Regierung, die diese Prinzipien vergewaltigt, kein Vertrauen haben. Der jüdische Klub stellt fest, daß die Regierung nichts getan hat, um das frühere Unrecht gegen die Juden gutzumachen, sondern daß sie Unrecht auf Unrecht häuft. Das jüdische Schulwesen, sei es mit hebräischer, sei es mit jiddischer Unterrichtssprache, findet bei der Regierung nicht nur keine moralische und materielle Unterstützung, wie dies laut Verfassung und internationalen Abmachungen zu erwarten wäre, sondern das jüdische Schulwesen ist ungesetzlichen Verordnungen und Schikanen ausgesetzt. Das Recht der jüdischen Sprache wird mit Füßen getreten, sogar den Deputierten wird verboten, vor ihren Wählern in jüdischer Sprache zu referieren. Die jüdische Bevölkerung wird durch das Steuersystem zermürbt. Nun will man Zehntausenden Juden ihre Ernährungsquelle, die Monopolkonzessionen, entziehen. Die jüdische Bevölkerung weiß es, daß die Regierung gegen sie ein System der Ausrottung anwendet unddaß sie sich über die den Juden vefassungsmäßig gewährleisteten Rechte hinwegsetzt. Der Klub hat kein Zutrauen zu dieser Regierung und stimmt gegen das Ersatzbudget. Eine stürmische Protesterklärung des jüdischen Parlamentsklubs. W a r f ch a u, 22. Dezember. In der letzten Sitzung des polnischen Sejm ergriff der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs Dr. Leon Reich das Wort zu der Verlesung einer Erklärung des Parlamentsklubs, in welcher festgestellt wird, daß die Regierung mif den elementarsten Bedürfnissen, der jüdischen Bevölkerung nicht rechnen will. Das den Juden fortwährend angetane Unrecht wird aber übergipfelt von dem Beschluß des Ministerrats, den bisherigen Konzessionären die Konzessionen. für den Verkauf von Monopolartikeln zu entziehen. Dieser Beschluß, dem jede Gesetzmäßigkeit fehlt, entzieht 32 000 jüdischen Familien mit weit über 100 000 Seelen die einzige Ernährungsquelle. So etwas darf in einem zivilisierten Staate nicht geschehen. (Zurufe aus den Bänken der jüdischen Deputierten: „Nieder mit Grabski!", „Nieder mit der Regierung der Not und Verzweiflung!", „Bei den englischen Juden bettelt ihr um eine Anleihe und die einheimischen Juden rottet ihr aus!" Der Deputierte Farbstein wird zur Ordnung gerufen.) Dr. Reich schloß: „Wir erheben unsere Stimmen gegen die ungeheuerliche Handlung, wir wollen, daß der Sejm, daß uns die Judenheit der ganzen Welt hört." Nach Schluß der Rede Dr. Reichs verließen alle jüdischen Deputierten zum Zeichen des Protestes den Saal. In Abwesenheit der jüdischen Deputierten wurde dann der Antrag Schreiber, eine Subvention von 1500 000 Zloty für die jüdischen Schulen mit jüdischer und hebräischer Unterrichtsspache in das Budget einzustellen behandelt. Keine einzige Hand erhob sich für den Vorschlag, so daß der Vorsitzende denselben als abgelehnt erklärte. Wahrscheinliche Milderung der konzesfionsrevidierungen in Polen. W a r s ch a u, 29. Dezember. Der I. T. A.-Vertreter erfährt aus autoritativer Quelle, daß die Regierungsverordnung betreffend die Zurückziehung der Konzessionen für den Verkauf von Monopolartikeln eine.r Revision in dem Sinne unterzogen werden wird, daß die' Verordnung in Einklang mit den Forderungen der jüdischen Deputierten gebracht werden soll. Die Regierung bereitet jetzt ein Kommunique vor, das die neue Stellung der Regierung zu dieser Frage päzisieren wird. <£ng.Iau$« Der Feldzug gegen die „Fremden" in London. London, 19. Dezember. Die „Times" vom 16. Dezember veröffentlichen ein offenes Schreiben Lord Rothschilds, des Vizepräsidenten des Board of Deputies (Deputiertenrats der englischen Juden) als Antwort auf die in den „Times" unter dem Titel „Das fremde London" erschienen Artikelserie eines „besonderen Mitarbeiters". Lord Rothschild schreibt unter anderem: Im Kriege waren mehr als 12 000 britische Juden in den Wehrpflichtslisien als Freiwillige eingetragen. Mehr als 50 000 Juden dienten in der britischen Armee, von diesen sind 9000 gefallen oder verwundet oder vermißt. Mehr als die Hälfte dieser Kriegsopfer gehörten jener Schicht an, die Ihr Mitarbeiter als „Fremde" klassifiziert. Ihr Mitarbeiter gibt selbst zu, daß die seit 1881 eingewanderten Juden die britischen Arbeiter nicht verdrängt haben und eine wertvolle Tätigkeit im Handelswesen geleistet haben. Er verschweigt aber die Tatsache, Handels sehr viel beigetragen haben. Uebersüllung ist selbstverständlich eine Plage, die Ostbezirke Londons bilden aber hierin kein besonderes Beispiel. Seit 1890 haben sich die Wohnungsbedingungen in East End verbessert. Wenn wir nach sozialen Mißständen suchen, so haben wir genug andere Beispiele. Es ist nicht richtig, daß, wie ihr Mitarbeiter sagt, Dysenterie, Typhus und Malaria durch die Juden Ost-Londons verbreitet werden; die Einschleppung dieser Krankheiten geschah durch die heimkehrenden britischen Soldaten, die in den überseeischen Ländern Kriegsdienst geleistet haben. Nach vieljähriger näherer Bekanntschaft mit dem East End muß ich sagen, daß die Vorstellung, die Juden dieses Stadtteils stünden auf einer tieferen moralischen Stufe oder hätten ein minderes Reinlichkeitsbedürfnis, als dis Personen gleicher Klasse in anderen Teilen Londons oder in anderen Städten Englands, keineswegs zutrifft. .Es gibt keine Beweise dafür, daß die aus Osteuropa stammenden Juden unfähig wären, britische Traditionen anzunehmen. 43 Jahre sind seit der Zeit vergangen, da Juden aus Rußland, um den grausamen Verfolgungengen in ihrem Lande zu entgehen, begonnen haben, nach England einzuwandern. Wägt man die Vorteile und Nachteile ab, die diese Juden dem britischen Reich im Frieden wie im Kriege gebracht haben, so würden die Vorteile bei weitem überwiegen. Ihr Mitarbeiter behauptet, die Juden seien nicht fähig gewesen, sich zu assimilieren, indem sie zähe an ihrem Glauben festhalten. Wir aber sagen, das ist kein Beweis dafür, daß die Juden nicht trotzdem die besten britischen Traditionen in sich ausgenommen haben. Rabbiner Jakob Mase gestorben. M o s k a u, 23. Dezember. Der Rabbiner von Moskau, Jakob Mase, ist am 19. Dezember nachts 11.40 Uhr nach längerem Leiden verschieden. Er stand im 64. Lebensjahr. In seinen letzten Lebensjahren war Rabbiner Mase von verschie-- denen Leiden heimgesucht worden und war fast vollständig erblindet.. Rabbiner Mase war weit über Moskau hinaus unter der russischen Judenschast, die in ihm einen Führer des Volkes sah, populär. Seit 30 Jahren war er Rabbiner in Moskau. In Zeiten jüdischer Not setzte er seine ganze Persönlichkeit ein, um die Not lindern zu helfen. Denkwürdig ist die Rolle, die er in dem Kiewer Rtualmordprozeß Beilis gespielt hat, wo er mit großem moralischem Erfolg für die angegriffene Ehre des jüdischen Volkes gekämpft hat. Der vor kurzem angekündigten Herausgabe seiner Memoiren sah man mit großem Interesse entgegen. Rabbiner Mase beabsichtigte nach Berlin zu reisen, um dort ärztliche Hilfe in Anspuch zu nehmen. Sodann wollte er eine Reise nach Palästina unternehmen. Nun hat der Tod diesen Plänen ein Ende bereitet. Ern politisches Itlthntat? Jerusalem, 22. Dezember. Im Hofe der Jeschiwoh „O h e l Mosch e" fiel ein Trinkgefäß mit Wasser aus dem Oberstock herab, unglücklicherweise in dem Augenblick, als Rabbiner K u k vorüberging; Rabbiner Kuk wurde nur von einigen Wasserttopfen gestreift. Die „Affäre" ist natülich sofort zu einem politischen Attentat der „Agudas Iisroel" j aufgeputscht worden, zumal ein Sohn des den j Gegnern besonders verhaßten Agudisten Mosche Blau Zögling der Jeschiwa ist. Rabbiner Sonnenfeld sandte sofort einen Beauftragten zu Rabbiner Kuk, um eine Untersuchung durch ein unparteiisches Besdin anzu- 1 bieten. Doch wird die Klärung des Vorgangs durch die st a a t l i ch e n Gerichte erfolgen. Familiennachrichten. Geburten: Ein Sohn Lehrer A. Bick, Michelftadt. Barmizwo: Josef, Sohn des Herrn Siegfried Wetzler u. Frau, geb. Danziger,. Wilhelmshaven 10. Januar 1925.

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