Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1. Januar 1925 D e r Isr a e,t t t 4.) m. -stier singabe, der Jnthlllgenz und der ököno.rnischen kraft seiner jüdischen Bürger wahrlich, bitter jptig bedürfte, beginnt, wie die Meldungen aus Warschau beweisen, eine kurzsichtige Regierung wn systematischen Vernichtungskampf gegen eine .mdifche WirLschaftsposition nach der anderen und Iglaubt durch Verelendung und Proletarisierung leiner nach Millionen zählenden Minderheit der latioualen Mehrheit nützen zu können. Der Haß macht blind. Sonst müßten die polnischen ^Machthaber doch wenigstens aus den Erfahrungen der Nachkriegszeit gelernt haben, daß jselbft das internationale — um wieviel mehr öflS nationale — Wirtschaftsleben eine untrennbare Einheit bildet, und daß sich auf dem Ruin -des einen Teiles d a u e r n d keine wirtschaftliche Blüte des ganzen entfalten kann. Aber es scheint, als ob nur der Schaden selber, dem wie wir ernstlich fürchten, Hunderttausende wackerer jüdischer Familien bis zum völligen Untergange preisgegeben sein werden, den polnischen Judenfeinden den Star stechen kann. Das polnische Judentum wehrt sich, soweit es politisch urteilsfähig ist, seiner Haut mit dem Mute der Verzweiflung, leider, wie es scheint, ohne jeden greifbaren Erfolg. .. Je mehr die jüdischen Parlamentarier protestieren und demonstrieren, desto verbissener rennt sich die Mehrheit in ihrem antisemitischen Wirtschaftsprogramm fest und der gegenseitige Haß wird von Tag zu Tag größer. Tief bedauerlich im Interesse des Volksganzen ist dabei das völlige Fehlen einer selbständigen Politik der agudistischen Parlamentarier. Seidem der „Jud" anfangs Oktober aus finanziellen Nöten sein Erscheinen einstellen mußte, haben es die zionistischen und jiddischistischen Kreise verstanden, die Orthodoxie einschließlich ihrer Abgeordneten, denen jeder Resonanzboden fehlt, politisch völlig l a h m z u l e g e n und sämtliche Druckereien zu einem Boykott gegenüber der Orthodoxie zusammenzuschließen. /Damit aber .ist aus dem ..politischen Leben die einzige j ü di sch e. P a r t e i auf. g es galtet worden, dst, vermittelnd und ausgleichend zwischen Poren und'' WdM. wirken pflegte, wozu weder die jüdisch -Rgti^ nalen, noch die Assimilanten wegen ihrer einseitigen Einstellung befähigt sind. '' Diesem ' katastrophalen , Zustand müßte schleunigst ein Ende gemacht uyd die Sanierungsaktion Mr den „Jlld"^ von der die politische Aktionskraft der Orthodoxie abhängt, so rasch wie möglich erfolgreich abgeschlossen werden. Vielleicht ist es noch nicht ganz zu spät, dem furchtbaren Widereinander-Rennen des polnischen und des jüdischen politischen Rationalismus durch den Wiedereintritt der. national duldsameren Orthodoxie in die politische Arena ein Weniges von ihrer gefahrvollen Wucht zu nehmen. . * * * Ein in letzter Stunde (siehe den Nachrichtenteil) anlangende Nachricht läßt in der Tat hoffen, daß eine Verständigung noch gesucht und gefunden werden kann. Der Abfall der misrachistischen Arbeiter. Vor einigen Wochen brachten die zionistischen Blätter die Sensationsnachricht, daß die Organisation der misrachistischen Arbeiter in Erez Jisroel, H a p o e l H a m i s r o ch i, den Beschluß gefaßt habe, sich der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina, die gänzlich unter linksradikal-sozialistischem Einfluß steht, anzuschließen. Die „Jüdische Rundschau" begrüßte diesen Beschluß natürlich mit besonderer Genugtuung. ■ Sie erblickte torin eine logische' Fortentwicklung des Misrächigedanken's überhaupt, und es ist in der Tat nicht zu leugnen, Last die gleichen Gesichtspunkte, die' den „Misrachi" veranlassen, aller religiösen Bedenken ungeachtet/ sich als Fraktion in den Aufbau einer thoralöfen jüdischen. Gesamtorganisation einzuordnen) auch für die Zugehörigkeit orthodoxer Arbeitergruppen zur allgemeinen Arbeiterorganisation geltend gemacht werden, können. Hier wie dort kann man, solange man sich mit oberflächlicher Betrachtungsweise zufrieden gibt, zur Begründung' seines Standpunktes die Behauptung aufstellen, jene allgemeinen Organisationen hätten lediglich politische und wirtschaftliche Ausgaben ohne religiöse Tendenz, und es sei ferner, .gerade von religiösem Standpunkte aus Pflicht, aus Arewus die Fahne des Gottesgesetzes mitten in das Lager der halb und ganz abgefallenen Brüder hineinzupflanzen. . . . - - Wir sind nun außerordentlich angenehm überrascht, aus einer Veröffentlichung des Jerusalemer Misrachiorgaps „Hataur". zu entnehmen) daß die Leitung des Gesamtmisrachi 'in Berlin ebensowohl wie' die offiziellen. Misrach.wrganisationen in Erez Jisroel, der Abfallbewegung der Arbeiter gegenüber den Mut' der prinzipiellen Inkonsequenz zeigen und hier einmal aus dem Instinkte der religiösen Gewissenhaftigkeit heraus diejenigen Prinzipien vertreten, die sonst Nur durch die agudistische Organisation hochgehalten werden. Das Zentralkomitee des Misrachi erklärt, daß die sich der allgemeinen Arbeiterorganisation anschließenden orthodoxen reu Der ierm lde '1^ Die fa ■H: >“! :eit lls ixt. ist ld, lch N: t". ar sn liest Nfo er ch ite 1. >>8212» wns »Er gibt sich für abgesondert von den W einslascb en, vgl. B; 2. 82p» (vno) Hamm er. entsprechend also der aus Raschi zitierten Erklä ung zu •>wy) jparra (nsp»2. und . . . , 3. 82'2» »Niedrig", als die targurmfche Wiedergabe des hebr. rrnp'si (i"v- Kleines Feuilleton. Das Gebet Die Frage, weshalb in unserer a'mnv vermerkt iit,. daß nur an solchen mm® das Gebetstück gesagt wird,' an welchen ein ssirt im mnnv -Gebete vorangegangen ist, bildete schon von jeher Gegenstand des Nachdenkens, denn es sind auch für solche nina®, für welche-kein -svirr vorhanden ist, so Schabbos Chanukka imy ■psnp; ro® derartige -Gebete vorgesehen. Andererseits sind für solche rtma®, für welche ein ^virr nicht vorhanden ist, B. die nwia j/a-is unb nos1n//nmi? keine - vorgesehen. - Die Schwierigkeit löst S. Baer in seiner Tsilloh Mlv'N112V dahin, datz wahrscheinlich für alle diese Tage ein gedichtet war, denn er schreibt, daß in alten Machsorim Und Handschriften außer den bei uns gebräuchlichen aa'p^rr nrps eine Reihe anderer vorgefunden wurden. Man hat jedoch in Deutschland nur die mit ^niv® und rnirr '. als Verfasser gezeichneten (wahrscheinlich Vater und Sohn, da der letztere mit dem Namen nwnn stni»® ia--r>vnn rmr> 'i oft erwähnt wird) in unserer . -Liturgie akzeptiert. (Siehe auch Seite 210). In Frankfurt a. M. werden, .außer dem aa'p>rr für v'ia nav,' ,dessen Verfasser unbekannt . ist, nur die mit dem Namen mirv> gezeichneten, rezitiert. Es ist nämlich der oa’p^K zu nai®n Hat? in den Tagen des. Lügenpropheten Sabbatai Zwi 'in der Befürchtung miß-, bräuchlicher Anwendung gestrichen worden. Die .An-, fangsworte dieses Gebetes p.tx üqs? ' (Die Buchstaben X"® sind die gleichen Anfangsbuchstaben des Namens X"»), sowie die Schlußworte la-^jbn wurden nämlich von den irregeführten zahlreichen Anhängern des Sabbatai Zwi sinnwidrig auf ihren. Günstling angewendet. Da man also der verblendeten, fanatisierten Anhängerschaft auch nicht den kleinsten Anhaltspunkt für die Berechtigung der gefahrvollen Bewegung Hieten wollte, hat man es vorgezogen, das Gebetstück überhaupt aus unserer Liturgie zu entfernen. ..Der. Verfasser des. stoi'' pvirr, der ungefähr 50 Zähre vor dem 'Auftreten des Sabbatai Zwi lebte, erwähnt von demsa^n zunai®v na® nichts, woraus he^oorgeht, daß zu feiner Zeit der va'pbrr noch rezitiert würde. Frankfurt a. M. Joseph Bender. Antworten. . Zu den zwei Fragen des Herrn Rabb. Dr. Felix Lauter in Nr. 51 .Ihres gefch. Blattes, erlaube ich mir folgende Bemerkungen: ad. 1. Richtig ist, daß im Monat Kislew die längsten, im Monat Siwan die kürzesten Nächte sind.' Herr Dr.. Kanter hat jedoch die Mo nute Tewes und Tamus mit der Tekufah (Sonnenwende) verwechselt. An fast allen Stellen, wo Raschi und die Tossaphot von den kurzen, resp. langen Nachten des Tamus und Tewes handeln, sprechen sie ausdrücklich von der Tekufas Tewes resp. Tamus. (Zn der angeführten Stelle.zum Abschnitt mxn heißt es zwar nur mainrrn nav, daß Nr. 1 Seite 3 ---;_;- ArbeitÄ nicht stnehr und dqß ihnen auch im FaEe d^r HyrppeWMM das Recht aberkannt wird, den Namen „Htzpoök hämisrachi" zu Wren, DiestN NatNss,,,vexhleib^ vielmehr der dem Misrachi treügedlie^eEn, Gruppe von Arbeitern.. Der Beschluß. chiH bamM begründet, daß schon gleich bei GrüN'HNg. deS^ Hapoel hamisrochi den Mitgliedern öilefW Dr-' ganifation ftaLutarifch^verboteN wurdet her äuge-, meinen ArbeiterorgäNifätivn anzugehören.' Die^ Inge n d o r g a n i'fa t i o n des Misrachi' ist^ Erez Jisroel bezeichnet in ihrem gleichfalls veröffentlichten Gutachten zu Der Angelegenheit Üre' allgemeine jüdifche Arbeiterorganifätiön in Palästina als „den größten Fesnsi des'Misrachi im besonderen uNd ^detz 'religiösest' JudsNtmtts im allgemeinen" unlr-/-fügt nichtohneberechtigte Bitterkeit hinzu, Daß diese'^'sellle"allgemeine Arbeiterorganisation, die-'der schlimmste Feind des Misrachi und des religiösen Judentums -ist/ nichtsdestoweniger von den zum großen Teil durch den M i s r ach i - g e f a m - m e l t e n Keren Hajes sio d - G'e l d e r st gefördert' und. a u^f r e'ch-t e^r hallte st w i r d. ' * ' ' Der ganze innere Widerspruch, auf dem sich' Der Misrächigedänke' als solchergrundsätzlich .äüfbauf-und. die' -unlösbaren V'erw'icklüngtzn, 'zu jöenen - nach der halachifchest Serte^diefed Wideifprüchsstölle--Prinzip <führt,': -kömmen in ^dem an sich wenig bedeutungsvollen ^Zwischenfall -M außerordentlich markantem Ausdruck. Man spürt ordentlich, wie wenig wohl sich ein Teil dor jungen Misrachisten in der Rolle der ’T 'punv -»insr fühlen, zu der sie sich durch ihrtz -Organisation verurteilt sehen und es ist nicht minder interessant, ganz im gleichen Sinne zufällig in derselben Nummer des Jerusalemer Misrachiorganes - unter der Ueberfchrift NMN den Notschrei eines anderen Misrachisten zu finden, der die furchtbaren Konseqüenzen.-der finanziellem Abhängigkeit Des Misrachi vom-Keren Hajesf-od a.'llf kulturellem- Gebiete beklagt.' Der - Londoner Beschluß - von ^1930^HtKe lÄM ganzen geistigcht Allfbau' Erez rJissoÄs^ dew :Misrachi» .entzogest und in Die HtnÄ de-r- Mnistifchen .Gss(yntvrZanisation. gelegt. .7. Durchdiesen Beschluß habe sich der -Misrachi. so:-schreibt Der ' Verfasser iy „Hataur", „gegen sich selbst verssind i g t" und nur durch völlige /Unabhängigkeit des Misrachi in bezug,auf di.e ftnanziellen. Mittel für Kulturzweck^, könne diese Sünde wieder gut gemacht werden,; Es, liegt uns wirklich, nicht daran, dsm Misrachi unh.Knest'deutschen Führern, de^en ehsrttchen. guten Willen 'yyst' pnn!?' . wir wahrlich aber^'"®'-» auch hier' die vav nsip'v meint, 'ergibt' sich Et 'Klarheit' aus seinem Kommentar zur 'Stellein; Srbachim 11 b, wo er sagt: nav nsipn v-van.i^'®, pn> ^Die Tekufqh.-umfaßt je drei Monate. und. bie Dlffers)tz>dssr Nämtlänge'.-zwischen Anfang und "Ende jetzek Tekufph ist/ 'fW Obgleich nun die/ iürzsslem.M'Me r.-in das'^'Wl^ de?-ii-Tekufa^des NifWt in 'dvs' Ende'.der'. TelUah von TifchnfEir, -chat man doch mit. Recht die Tekufah des Taiüue al?''die Zeit der. kürzesten,'/Liedes Tewesals die' 'der lläygsten Nächte bezeichnet,'-'piK' g'erade - d.itzse TeküfaüL mit'den kurzen, resii5stäntze'n/--Vacksten beginyen^ --.' ' ad. 2. Die vierte Art der Pharisäer im 'n nrarr der 'naiav ®mv entspricht genau dem n'aii» ®iio in Sota. 22 b. Diesen 'charakkekisierk der Talmud mit den-Worten: naiava vs®»-7 wozu Raschi folgende Erklärung' gibi: i®xti napaa ’i®y sin® waia :nan»a ,t]isa *]^n d. h. er geht mit gekrümmtem Rücken, so daß er die Figur eines Stößels vom Mörser bildet, der wie ein Hammer üussieht. '1 Es liegt daher .nahe^ haß die Lesart ist Sota ®iiv rvsna und die des ''na»n'^i^ . dasselbe' B.ild bezeichnen pnd "einen MertsH^n^in-meri» det^E.'gÄ-ugkem Rücken -einhelgeht uüd dir Fiopst >'eines., .^Stößels'/oder Hammers gleicht. . Das aüf,M Makkabäer zu beziehen, ist durchaus, unnötig ustd/11m "1 ist vereinzelt mit dieser. Erklärung. . «r’,'"-'1,/'- ' Leipzig, 21. De^' 1Z24, " /// Jacob Lohn. .Die. Frage, 'die Hch-r /DQ/Mir Kanter <2 bezüglich ' Raschis' Beüierkuna'"s1Ät', .'daß die l ä.n gUje n Nächte der Mönat ^TMe.thstüstd nicht, wie in HirkM)- keit der/ Monat - Krslew^, hstbe^ dürste sich dabin Beantworten,' daß im Ä!ew.eth^ jeweils die Tekuptzp ..Mnteranfan'g) Zälltz .Md. sich dieser Termin/afß -Höhepunkt'^ches iWinfers rpdffer dem . BeMhst«m/Mriä^»!cfgt