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Der Israelit · 1924-12-25 · Heft 52 (25.12.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 52 (25.12.1924)
Date
1924-12-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 52 Der Israelit 25. Dezember 1824 gierung kein Vertrauen haben und wird gegen das Budget stimmen. Eine Rabdinerkonferenz in Bialystok. Warschau, 16. Dezember. In Bialystok fand dieser Tage eine Konferenz orthodoxer Rabbiner statt, die den Zweck hatte, Mittel für die Jeschiwoth aufzubringen. Der „Chofez Chajim", der zu diesem Zwecke nach Bialystok kam, wurde am Bahnhof von etwa 50 Rabbinern sowie von einer mehrtausendköpfigen Menge empfangen und stürmisch begrüßt. Die Konferenz dauerte einige Tage, eine begeisterte Zuhörerschaft folgte den Verhandlungen. Korrfkitmeruttg der deutschsprachigen Krrltnsgemeinden in der Tschechoslowakei. Prag, 17. Dezember. Dieser Tage fand in Teplitz unter dem Vorsitz des Präsidenten der Teplitzer Kultusgemeinde Dr. Kantor die konstituierende Generalversammlung des Verbandes der Kultusgemeinden mit deutscher Geschäftssprache statt. Dr. Emil Margulies erstattete ein ausführliches Referat über Ziele und Aufgaben des Gemeindebundes, welcher durch Zusammenschluß mit den anderen Verbänden zur Bildung einer Reichsoerbandes führen soll. Eine Judendedatle in der Prager SLadLoerwalLung. Prag, 16. Dezember. In der letzten Sitzung der Prager Stadtverordnetenversammlung führte der jüdische Stadtverordnete Dr Emil Kafka zu dem Budgetvoranschlag aus, daß die jüdischen sozialen Institutionen im Budget gegenüber den anderen sehr schlecht bedacht worden sind. Die jüdische Fürsorgezentrale in Prag erfüllt bedeutende soziale Aufgaben, die sonst die Gemeinde belasten würden. Die jüdische Gemeinde selbst erhält eine Reihe humanitärer Anstalten, wie Knabenwaisenhaus, Siechenhaus usw. Demgegenüber ist der Betrag von 250 000 Kc., der im Budget als Subvention für Vereine und Korporationen ausgesetzt ist,, viel zu gering. Eines der ältesten und bekanntesten Prager Denkmäler ist die Altneusynagoge. Diesem Denkmal droht der Zerfall und die jüdische Gemeinde sah sich gezwungen, zu einer kostspieligen Rekonstruktion zu schreiten. Die Kosten werden etwa 380 000 Kc. betragen. Das Gesuch, welches die jüdische Gemeinde an die Prager Gemeinde gerichtet hat, damit sie auch zu diesen Auslagen in irgendeiner Weise beisteuere, ist abgelehnt worden. Der Redner protestierte gegen das (vom religiösen Standpunkt aus höchst erfreuliche) Verbot des jüdischen Gymnasiums in Munkacz durch das tschechoslowakische Kultusministerium. ' Darauf ergriff der Deutschnationale, Pros. I ü t h n e r das Wort, und legte zunächst Verwahrung dagegen ein, daß man in dem Antisemitismus eine spezifisch deutsche Erscheinung sehe, er erging sich aber später selbst in antisemitischen Auslassungen. Ihm erwiderte Stadtrat Dr. Ludwig Singer, der sein Erstaunen darüber ausdrückte, dkß Prof. Iüthner seinen Antisemitismus nicht einbekennen will. (Prof. Iüthner: Ich bin Antisemit und bestreite es nicht!) Dr. Singer schloß: Es läßt sich nicht bestreiten, daß der moderne Antisemitismus deutschen Ursprunges ist, daß er in den 80 er Jahren in der Blütezeit der deutschen Nation von Deutschland nach Wien und von dyrt hierher verschleppt worden ist. Drückende Feemdengesetze in Rumänien. Bukarest, 16. Dezember. Hiesige Zeitungen teilen mit, die Regierung beabsichtige in der nächsten Zeit 70 000 Ausländer, deren Aufenthalt die politische Polizei als unerwünscht bezeichnet, des Landes zu verweisen. Ferner soll etwa 10 000 meist aus Rußland und der Ukraine stammenden Ausländern der Aufenthalt nur an gewissen Orten gestattet sein, aus denen sie sich nur mit Erlaubnis der Behörden werden entfernen dürfen. Man bringt diese beabsichtigten Maßnahmen in Zusammenhang mit der sogenannten „russischen Gefahr": hauptsächlich aber würden bei deren Verwirklichung die jüdischen Ausländer zu leiden haben. Weitere antisemitische Sludentendemonstrationen . in Rumänien. Bukarest, 16. Dezember. In Jassy und in Bukarest fanden in den letzten Tagen wiederum schwere Ausschreitungen der antisemitischen Studentenschaft statt. Die Behörden schreiten energisch ein. Das Jassyer Professorenkollegium beschloß, die Universität auf unbestimmte Zeit zu schließen. Die verhafteten Rädelsführer sollen vor ein ordentliches Gericht gestellt werden. Die.an der Bukarester Universität begonnenen Ausschreitungen wurden durch Militär unterdrückt. (I. T. A.) &ttgian6« Anfrage im Unterhaus über das Gemerndegeseh. London, 22. Dezember. Im Unterhaus fragte Abg. Jones den Kolonialstaatssekretär, ob die Vorstellungen der „Agudas I i s r o e l" und des „W aad hoir aschkenafi" vor der Bestätigung des palästinensischen Gemeindegesetzes in Betracht gezogen werden würden. Amery erwiderte persönlich, daß alle interessierten Teile der jüdischen Bevölkerung auf Würdigung ihrer Anträge rechnen könnten. Gesetz-Antrag zugunsten der Gestrandeten. Washington, 20. Dezember. Das jüdische Kongreßmitglied Perlmann brachte im Kongreß einen Gesetzentwurf ein, daß die in den europäischenHäfen gestrandeten Flüchtlinge, die im Besitze amerikanischer Visa sind, außer der Quote in das Land gelassen werden. Ferner beantragte er, die Frauen, Eltern, Brüder und Schwestern amerikanischer Bürger und Optanten außerhalb der Quote ins Land zu lassen. (I. T. A.) ..Palestine Investment Corporation". R e w y o r k, 15. Dezember. Der Prospektder amerikanisch-palästinensischen Jnvestitionskörperschaft, die nach den Gesetzen des Staates Delaware eingetragen werden soll, ist am 8. Dezember in Newyork ausgegeben worden. Die palästinensische ökonomische Körperschaft — so heißt es in dem Prospekt — ist gebildet worden, um ein Instrument zu schaffen, durch welches amerikanische Juden und alle anderen dazu beitragen können, auf geschäftlicher Basis Kapital und Kredit für prduktive palästinensische Handels-, Industrie- und Landwirtschaftsunternehmungen zu beschaffen, und so die ökonomische Entwicklung des Heiligen Landes und eine vermehrte Ansiedlung von Juden zu fördern. Die Korporation wird mit einem Grundkapital von 3 000 000 Dollar, das in 30 000 Aktien zu je 100 Dollar geteilt ist, gegründet. Davon werden 25 000 Aktien jetzt zur Subskription angeboten. Die Urkunde der Korporation enthält die Bestimmung, daß das Grundkapital, wenn nötig, vergrößert werden soll. Es werden Arrangements getroffen, daß die Korporation die Aktiva des Wiederaufbaukomitees des Joint Distribution Kommittee in Palästina in der Schätzung von 460 000 Dollar übernimmt, wofür Joint Aktien der Korporation in gleichem Werte erhält. Man erwartet, so heißt es in dem Prospekt, daß ähnliche Arrangements mit dem Palestine Development Council (Brandeis-Gruppe) und mit der American Palestine Company, deren Ziele denen der Korporation ähnlich sind, getroffen werden, um die Kräfte zu vereinigen. Es wird auch erwartet, daß die Korporation mit anderen Körperschaften in Palästina Zusammenarbeiten wird, um den dortigen Betrieb zu vereinheitlichen und gegenseitige Behinderungen zu vermeiden. Die Organisatoren. der Korporation nehmen an, daß 2% Millionen Dollar erforderlich sein werden, um die Korporation in die Lage zu versetzen, einen wirkungsvollen Anfang zu machen. Die Korporation wird sich ausschließlich der Aufgabe widmen, an dem Wiederaufbau Palästinas auf erprobter sozialer und ökonomischer Linie zu arbeiten. Dem Prospekt ist ein Rundschreiben beigefügt, das von den Herren Louis Marshall, Felix M. Marburg, Herbert Lehmann und Bernhard Flexner unterzeichnet ist. Aus aller Welt. Deutschland. Die Berliner Organisation „Ose" begann am 15. Dezember mit der systematischen Erforschung der sanitären und wirtschaftlichen Verhältnisse unter der ostjüdischen Bevölkerung Berlins, die sich über mehr als 500 Familien erstreckt. Die Untersuchung wird durch die statistische Kommission der Zentralverwaltung der „Ose" durchgeführt. — Seitdem Mussolini >eme bekannte Erklärung abgegeben hat, daß er den Mißbrauch des Faszismus durch ausländische Antisemiten nicht gutheißt, hat er bei den deutschen Antisemiten ausgespielt. Der Berliner „Reichsbote" entdeckt nun, daß Mussolini ganz, von Juden umgeben sei und versteigt sich dann zu der Behauptung, man könne den Faszismus als jüdisch-kapitalistisch-imperialistisch, den deutschen Nationalsozialismus als völkisch-sozial bezeichnen. England. Die Londoner Station der Britischen Nadio-Kompany (2. L. O.) wird in der kommenden Sylvesternacht auch hebräische Lieder verbreiten. Der bekannte Sänger, Herr Myre Glaß, wird einige klassische hebräische Gesänge, sowie ein vertontes Lied von Bjalik zum Vortrag bringen. — Auf eine Anfrage des JTA-Dertreters erklärte Hans Herzl, daß die Mitteilung der „Wiener Morgenzeitung", er werde demnächst nach Wien kommen, um sich dort der katholischen Mission unter den Juden zu widmen, den Tatsachen nicht entspreche. Rußland. Ein Drittel der Mitglieder des neugewählten Stadtrates von Kiew sind Juden. Ein Amtsgericht mit jiddischer Verhandlungssprache wurde in Kiew errichtet. Es hat bereits seine Tätigkeit ausgenommen. Palästina. In Palästina wird in kurzem eine Serie Brld-Postmarken herausgegeben werden, die mit Abbildungen von Ansichten des Landes und der Denkmäler, so u. a. des Davidtürms und der Stadt Tiberias geschmückt sein werden. Polen. Eine neue hebräische Tageszeitung unter dem Titel „Hayom" wird in Warschau zu Neujahr zu erscheinen beginnen. Ehefredakteur wird Herr Josef Heft mann, Herausgeberin die hebräische Kulturorganisation in Polen, „Tarbuth" sein. — Die Warschauer Esperantisten-Organisation hat auf dem Grabe des Dr. Ludwig Z amen, hoff, des Schöpfers des Esperanto, ein Denkmal aufstellen lassen, dessen feierliche Enthüllung am 14. Dezember stattsand. Die Inschrift ist in Esperanto gehalten. — In dem Städtchen Lub o s ch, Provinz Posen, stand eine Anzahl Juden vor Gericht, die angeklagt waren, die 200 Jahre alte Synagoge des Ortes niedergebrannt zu haben. Das Gericht sprach die Angeklagten wegen Mangels an Beweisen frei. Die jüdische Bevölkerung dieses Ortes war lange Zeit hindurch das Subjekt grausamster Verfolgungen seitens der nichtjüdischen Bevölkerung. Gegenwärtig wohnen nur noch 8 jüdische Familien in Lubosch, alle übrigen sind nach Deutschland abgewandert. — Dieser Tage weilte in Wilna der stellvertretende Ministerpräsident Polens, T h u g u t t und besuchte bei dieser Gelegenheit die ' höhere Geistlichkeit und auch den Rabbiner, Senator R u b r n st e i n. Ebenso empfing er eine Delegation des zentralen jüdischen Schulkomitees, die ihm. ein Memorandum überreichte, in welchem Autonomie für dis jüdischen Gemeinden und kulturelle Gleichberechtigung gefordert werden. Briefkasten. M. St. in Ludwigshafen. Nach Angaben Leschzinskis („Das jüdische Volk in Ziffern", Kelal-Verlag. Berlin) wohnten 1917 in Newyork 1 350000 Juden. Restaurant K. B. in St. Betrag eingegangen! Lehrer N. in B. K. Trotz Ihrem energischen „Ersuchen" behalten wir uns das Recht vor, durch die Raumoer hältniffe gebotene Kürzungen vorzunehmen. CH. B 15. Leider gibt es in Deutschland kein Gesetz, um diesem Unfug entgegenzusteuern. Personalien. Königshiittr (Oberschlesien), 16. Dez. Am Sonntag den 14. ds. fand hierselost eine Abschiedsfeier für den aus der Stadt scheidenden Rabbiner Dr. Golds ch m i d t statt. Nach 34.ähriger Tätigkeit verläßt Obengenannter die Stätte seiner bisherigen Wirksamkeit, um die Leitung des Religionsunterrichts an sämtlichen höheren Schulen Breslaus zu übernehmen. Eingeleitet wurde die Feier mit einem Festgottesdienste in der Synagoge, die eine in den letzten Jahren ungesehene Fülle aufwies. In eindrucksvollen, bewegten Worten verabschiedete sich Herr Dr. Goldschmidt von seiner Gemeinde. Ihm antwortete der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Sanitätsrat Dr. Kaiser, tiefempfundene Worte des Dankes und der Anerkennung aussprechend. Rach Beendigung des Gottesdienstes fand ein Abschiedsdiner im großen Saale des Hotels Graf Reden statt, an dem mehr als zweihundert Personen teilnahmen. Ansprachen hielten u. a. mehrere Vertreter der Gemeinde Königshütte, der Tochtergemeinden Laurahütte und Antonienhütte, der Leiter der jüdischen Volksschule, Herr Lehrer Plaut, sowie der evangelische und katholische Ortsgeistliche, die beide das Wirken des Scheidenden für den konfessionellen Frieden in der Stadt besonders heroorhoben. Bis in die späten Nachtstunden blieben die Teilnehmer dieser unvergeßlichen Abschiedsfeier beisammen.

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