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Der Israelit · 1924-12-25 · Heft 52 (25.12.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 52 (25.12.1924)
Date
1924-12-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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25. Dezember 1924 Korrespondenzen « nacbrlcbie» 9«utf4«« lldctj. Budgekberatungen der Synagogengemeinde „Adaß Jisroel-. Berlin, 21. Dezember. Am 14. und 21. d. Mts. fanden die Sitzungen der Repräsentanten der Adaß Jisroel statt, in denen der Etatvoranschlag für 1925 durchberaten wurde. Diese Sitzungen gestalteten sich zu erfreulichen Rück- und Ausblicken über das Werden und Wachsen der Adaß Jisroel. Schechita und Fleischerei-Aufsichten breiten sich zu einem die ganze Metropole versorgenden Verwaltungsnetz aus; sie blieben zwar ein wenig rentables Unternehmen, aber bei weitem nicht in dem Maße, wie es leider in anderen orthodoxen Großgemeinden zutrifft. Die Filialsynagoge Charlottenburg floriert dank der Opferwilligkeit ihrer Mitglieder. Die neuerbaute Synagoge Siegmundshos ist über alle Erwartungen schnell zu einem vornehm ausgestatteten, gutbesuchten Gotteshause und mit Hilfe ihres durch Rabbiner Dr. Biberfeld vor kurzem eingeweihten Lernraumes auch ein wahrer Mittelpunkt des jüdischen Lebens des Hansaviertels geworden. — Ueber die Einrichtung der Synagoge Artilleriestraße entspann sich eine lebhafte Debatte. Die Bildung eines Freiwilligenchors aus Schülern der Allgemeinschule wurde abgelehnt. — Die Religionsschule erstattet einen lebenvollen, garnicht nach Abbau aussehenden Bericht. Für die Allgemeinschule wurde das System der Schulpatenschaft vorgeschlagen. Genaueres über Schulfragen wird eine besondere Sitzung ergeben. — Alle Beamtengehälter wurden der Zeit entsprechend nach staatlichen Grundsätzen erhöht. Ein neuer Gottesdienst in Verlin-Schöneberg. Berlin, 21. Dezember. In Berlin-Schöneberg, das bis jetzt nur eine 1 Synagoge mit dem gemäßigt konservativen Ritus (jetzt auch in Verwaltung) der Berliner Jüdischen Gemeinde und ein chassidisch beemslußtes Privatminjan (Regensburger Straße) hatte, wird m. G. H. demnächst in bester Lage ein Minjan von Mitgliedern und Freunden der Adaß Jisroel eröffnet werden, das zugleich den Ansprüchen der strengsten Gesetzestreue und denen des hiesigen Minhag zu entsprechen hofft. Ruin der aus Bayern ausgewiesenen Ostjuden. München, 15. Dezeember. Gegenüber einem Reinigungsversuche bayerischer Kreise gehen dem I. T. A.-Vertreter die folgenden authentischen Nachrichten zu: Der antisemitische Charakter der Ausweisungen war in München öffentlich erörtert worden. Die Münchener Behörden verlangten aus den Provinzstädten Meldungen über die dort vorhandenen und auszuweisenden „lästigen Ostjuden" Die Ausweisungen selbst haben eine große Anzahl der Betroffenen völlig ruiniert. Die vorgeschriebene Realisierung des Besitzes der Ausgewiesenen hat im damaligen Höhepunkt der Jnflattonserscheinungen keinen nennenswerten Betrag ergeben; der Erlös war innerhalb weniger Tag« zur völligen Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Sämtliche Ausgewiesenen oder in Erwartung der Ausweisung aus Bayern Verzogenen, die in der denkbar ungeeignetsten Zeit sich eine neue Existenz in fremden Orten gründen sollten, gingen wirtschaftlich vollständig zugrunde^ So liegen von einer Gruppe von Familien, die nach Südamerika ausgewandert ist, die traurigsten Nachrichten vor. Äehnliche Mitteilungen treffen auch aus dem übrigen Auslande, sowie aus den außerbayerischen Städten in Deutschland ein. Ueberhaupt ist die ostjüdische Kolonie in München durch die Ausweisungsaktton wirtschaftlich ungeheuerlich geschädigt worden. Gegenwärtig leben in München annähernd 250 ostjüdische Familien. Zum kleineren Teil sind sie Inhaber kleiner und mittlerer Industriebetriebe, zum größeren Teil Angestellte. Behördliche Schikanen finden gegen- __Der I s raeill wärtig in München nicht statt, dagegen wird aus Nürnberg berichtet, daß in ganz offenbar schikanöser Weise Bestrafungen erfolgen. Immerhin besteht die Hoffnung, daß die durch die vorjährige Aktion o. Kahrs entstandenen Schäden allmählig heilen, wenn die sehr kleine ostjüdische Kolonie vor weiteren Verfolgungen verschont bleibt. Ein Bekenntnis zor Gesetzestreue. Hanau, 17. Dezember. Am Donnerstag, den 11. d. Mts., fand eine zahlreich besuchte Gemeindeversammlung statt, die zur Tagesordnung hatte: „Beratung und Beschlußfassung über den Beitritt der Israelitischen Gemeinde Hanau zum preußischen Landesverband (Sitz Berlin)." Zur Klärung und zum besseren Verständnis dieses Beratungsgegenstandes waen zwei Referenten bestimmt. Nach einer einführenden Ansprache des Versammlungsleiters, des Gemeindeältesten Natan Sichel, der mit befonderem Geschick die Versammlung leitete, erhielt der 1. Referent, Zahnarzt Dr. Robert Nußbaum, das Wort. Da durch dessen Initiative die Gemeindeversammlung einberufen war, indem er den schriftlichen Antrag zum Beitritt unserer Gemeinde, die bisher Mitglied des Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden Preußens war, zum preußischen Landesverband (Sitz Berlin) eingebracht hatte, glaubte der Referent in kurzen Ausführungen die Majorität der Versammlung auf seine Seite bringen zu können und erachtete es für überflüssig, sich des näheren über Ziele und Zweck des Preußischen Landesverbandes zu verbreiten. Schon die eine Tatsache, daß letzterer fast alle Mittel- und Großgemeinden Preußens, darunter auch viele gesetzestreuer Richtung, zufammenfchließe, spreche dafür auch für unsere Gemeinde die Zugehörigkeit zum Preußischen Landesverband zu erwirken. Nachdem sich die Gemeinde Hanau, hinsichtlich der religiösen Färbung als Einheitsgemeinde darstellt und für die „Trennungs- Orthodoxie", der feiner Meinung nach der Halberstädter Verband Vorschub leistet, hier kein Boden wäre, empfehle er umsomehr den Beitritt zum Preußischen Landesverband. Nun ergriff der zweite Referent, Prov.-Rabb. Dr. Gradenwitz das Wort zu feinem Referat. Von dem Gedanken ausgehend, daß er sich, um ein klares Bild über Ziel. Zweck und Bedeutung des Verbandes gesetzestreuer Gemeinden Preußens zu bekommen, nicht so kurz fassen könne wie. sein Vorredner, beleuchtete er in einer großangelegten Rede die Vorzüge des Halberstädter Verbandes. In klaren, markanten Zügen entwickelte er die geschichtliche Entstehung desselben, mit besonderem Nachdruck hervorhebend, daß der Zusammenschluß gesehestreuer Gemeinden in diesem Verbände aus , die provozierende Gleichgültigkeit zurückzuführen sei, mit der man der orthodoxen Minorität auf allen Tagungen begegnete, die eine Gesamtvereinigung aller preußischen Gemeinden zum Beratungsgegenstand hatten. Ein Zusammenarbeiten sei nicht zu erzielen gewesen. In überzeugungstreuer Beredtsamkeit entkräftete er die Anschuldigungen und Vorwürfe gegnerischer Seite. In der sich anschließenden regen Diskussion, an der sich die Herrn Rosenberg, B. Schwab, Dr. Slotef, Loschland, Dr. Steinhauer und andere beteiligten, kam die Forderung zum Ausdruck, dem Halberstädter Verbände treu zu bleiben dank seiner Loyalität und Toleranz gegenüber aller Gemeinden, gleichviel welcher religiösen Richtung. Es folgte hierauf Abstimmung über den ein« gebrachten Antrag, der mit überwiegender Stimmenmehrheit abgelehnt wurde. Somit verbleibt die Gemeinde Hanau beim Verband gesetzestreuer Gemeinden Preußens (Sitz Halberstadt). Gegr» die Naturalisierung der Ostjaden. Danzig, 18. Dezeember. Der Danziger Senat brachte im Volkstag einen Gesetzesvorschlag ein, daß das Recht von Ausländern gegen die Abweisung ihres Einbürgerungsgesuches zu appellieren, abgeschafft werde. Dar Appellattonsrecht abgewiesener Ausländer wurde seinerzeit auf Vorschlag des Komitees der jüdischen Delegationen beim Völkerbund eingeführt. Sollte der Antrag des Senats angenommen werden, fo würde dies bedeuten, daß kein Ostjude mehr als Danziger Staatsbürger ausgenommen wird, da der Senat des Freistaats aus Deutfchnationalen zusammengesetzt ist. ' Gegenüber diesem Vorschlag beantragte die sozialdemokratische Volkstagsfraktion, daß 1. schon ein dreijähriger (statt wie bisher fünfjähriger) Aufenthalt im Freistaat zur Aufnahme in den Staatsverband berechittr. 32 Sette s ttgen soll, und daß 2. den Ausländern das Recht verbleiben soll, für den Fall der Ablehnung ihres Bürgerschaftsgesuches qtt eine höhere Instanz zu appellieren. Die Sozialdemokraten begründeten ihre Forderung mtt den wirtschaftlichen Interessen des Freistaates. Gestehe« ich. Die Forderungen der »jüdischen Jugendan den neuen Huttusvorstand. Wien, 17. Dezember. Angesichts der bevorstehenden Konstituierung des neugewählten Kuttusvorstandes hat das Exekutivkomitee der Wiener zionistischen Jugendorganisationen eine Versammlung abgehalten, in der die Forderungen der jüdischen Jugendorganisationen an den neuen Kultusvorstand präzisiert werden. Vor allem werden die Schaffung eines Jugendamtes und Errichtung eines Sekretariats für Erziehungsarbeit bei der jüdischen Gemeinde verlangt. Ferner wird die Ausgestaltung des Religionsunterrichtes unter Berücksichtigung modernen hebräischen Sprachmethoden, sowie die Einrichtung von Bibliotheken und Sprechfälen. gefordert. Die Kultusgemeinde hätte auch auf dem Gebiete der Berufsumschichtung jener Jugendlichen, die sich für Palästina vorbereiten, Vorsorge zu treffen und der im Berufsleben stehenden Jugend besondere Aufmerksamkeit zu schenken, um vozabeugen, daß sie sich dem Judentum entfremde. —Viel wird - das Wiener Judentum von diesen rein national gedachten Neueinrichtungen auch nicht profitieren. Die gewählten Kultusvorstände der Misrachi beabsichtigen, noch vor Konstituierung des neuen Kultusvorstandes dem Klub der zionistischen Kultusmandatare beizutreten. Die diesbezüglichen Verhandlungen sind bereits im Gange. Die agudistifchen Kultusvorstande werden, wie im letzten Vorstande, dem Klub der österreichisch-israelitischen Union als Hospitanten angehören. p«Uti. Feierliche jüdische Erklärung im polnische» Sejm. , Warschau, 14. Dezember. In der Abendsitzung des polnischen Sejm von Mittwoch, den 10. Dezember, verlas der Deputierte Schreiber im Namen des jüdischen Klubs eine feierliche Erklärung, in der es u. a. heißt: Das ganze System der Regierungspolitik, sowie insbesondere die Verwaltungsmethoden gegenüber den Juden, die auf den wirtschaftlichen Ruin der jüdische« Massen in Polen hinausgehen, haben schon lange unter der jüdischen Bevölkerung den Glauben an eine Besserung der Lage unter der jetzigen Regierung untergraben. Da» jetzige System läßt auch ein Minimum an gutem Willen, die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger zu wahren, vermissen. Die jetzige Regierung hat nicht nur nicht die aus der Zarenzeit stammenden Judenbefchränkungen abgeschafft, sie hat auch die jüdischen nationalen Rechte, die in der Verfassung, sowie in den internationalen Ber° ttägen verankert sind, unverwirklicht gelassen. Auch die minimale Selbstverwaltung, die die Juden innerhalb ihrer national-religiösen Gemeinschaft von früher her hatten, wurde abgeschasft. Sie hindert die jüdischen Gemeinden, sich zu konstituieren. Die Regierung ignoriert und erstickt die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiete der Bildung, sie läßt di? Vernichtung des jüdischen Schulwesens zu. Auf dem Gebiete des höheren Schulwesens duldet die Regierung die verfassungswidrigen Beschränkungen gegen die Juden. Auf wirtschaftlichem Gebiete geht die Regierung darauf aus, durch ein grausames Steuersystem gerade den jüdschen Mittelstand und die breite jüdische Masse an den Bettelstab zu bringen. Die Verzweiflung unter der jüdischen Bevölkerung ist deshalb groß. In Regierungsinstitutionen, sowie Regierungsbetrieben werden Juden nicht ausgenommen. Aus den Betrieben, die die Regierung in ihr Monopol übernimmt, werden die jüdischen Arbeiter hinausgeworfen. Um auch den jüdischen Handel in den kleineren Orten zu ruinieren, hat die Regierung in zahlreichen Orten die Wochenmärkte auf den Sabbat verlegt.. Nunmehr hat die Regierung ein Projekt ausgearbeitet, die Konzession für den Verkauf von Monopolartikeln den jüdischen Inhabern zu entziehen. In den Randländern werden die jüdischen Massen durch die Behörden in einer unerhörten Weise unterdrückt. Der jüdische Parlamentsklub kann darum zu der jetzigen Re-

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