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Der Israelit · 1924-12-25 · Heft 52 (25.12.1924) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 52 (25.12.1924)
Date
1924-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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25. Dezember 1921 Der 3 St orni Nr. 52 Seite 7y Hiervörgehoben fei noch, Vc.ch Herr Rabbiner Dt. Goldschmidt, vom Hildesheimers^ |en Seminar , jtampienb, jederzeit, die streng gesetzeetreue -Richtung in Leh« und Leben betätigt hat. Allein seinem Wirken m <es zu danken, wenn in Kömgshütt e sämtliche Gmreindei-rstitutionen bis zum heutigen '.tage nach ultem, tradi- -tioneUem Ritus geführt werden.. Bad Kissingen, 13. DeZ.' Nach kurzem Krankenlager verstarb im 62. Lebensjahre Lehrer Liktor Gottilneb in Mellrich st ad t. Sein Tod bedeutet einen unersetzlichen Verlust; nicht nur fü: sei Lrenge urrd we.tere Fanrilie, sondern auch für das gesamte Judentum, und wie die zahlreichen Nachrufe bei seiner Bee.digung, sowie die überaus große Beteiligung an derselben ^wiesen haben, auch einen Verlust für stine Stadt. 3L Jahre, ein halbes Menschenalter wirkte Gottlieb als Lehrer, Vorheter und vnir? in Mellrichstadt, und darum lieg es sich d.ie dortige Kultusgemeinde nicht nehmen, dem treuen Führer ein würdiges, inrposantes Leichenbegängnis zu feiern. Die Synagoge, in derenBorramn die Lerche.aufgestellt wurde, und der Ernpr» jt-ik waren wert gsöfs'net und standen im Schn rucke der '-to an-' ,als wollten auch sie dem Diener Gottes die letzte Ehre bezeugen. Eine unübersehbare Menschenmenge, darunter die Schulen mit den Lehrkörpern, sowie die Beamten, Krieger- und Sängervereine — letztere mit Fahnen — Mellrichstadts sammelten sich lange vor der festgesetzten Stunde, damit bezerrgend, datz sie alle -einen guten Freund betrauern. Mit tiefempfundenen Worten zeichnete Herr Distr.- "Rabbiner Dr. Bamberger, Bad Kissingen, das herrliche Lebensbild feines jederzeit pflichtbewußten Be- .amten, der nicht nur lehrte, sondern auch lernte und Gestrebt war, sich immer mehr und mehr zu vervollkommnen und als Familienvater, wie auch als Jehudi umd Mensch sich die Hochachtung aller, die ihn kannten, ZU erwerben verstand. Herr Hauptlehrer Blumenthal-llnsleben sprach ckls Nachbarkollege und im Aufträge des Israelitischen Lrhrervereins dem allgemein beliebten Kollegen ehrende Worte; sodann dankte Herr Guido Prager als Vorstand und im eigenen Namen für die hingebungsvolle unermüdliche Arbeit im Dienste der Gemeinde. Sängerverein und Lehrerschaft Mellrichstadt brachten mit markanten Worten zum Ausdruck, welch großer Beliebtheit sich der Verstorbene erfreute und bewiesen, daß auch die politischen Strömungen der heutigen Tage anerkennen müssen.: Ehre, dem Ehre gebührt. Neustädter-Bad Lissingen sprach im Wanten der Lernkorrserenz Bad Lissingen, deren eifriges und förderndes Mitglied Lehrer Gottlieb gewesen. Zum Schlüsse dankte Lehrer Neuberger, Maßbach, im Namen aller ehemaligen Schüler und gelobten dem toten Lehrer ein dauerndes Andenken. Manche der übrigen anwesenden Kollegen und Freunde mußten sich der vorgerückten Abendstunde wegen eines Nachrufes enthalten. Möge uns sein Verdienst beistehen und 'n den Hinterbliebenen nana senden. Gelnhausen, 11. Dez. Am rnVw nsns y nni? ’nsim verschieb nach mehrwöchentlicher Krankheit im Alter von 67 Jahren Moses Halle. Einer gutjüdischen Familie -aus Hardheim (Baden) entsprossen, war derselbe allzeit bestrebt, die Traditionen des Elternhauses in seinem' Kreise zu hüten und zu pflegen. Er gehörte zu den regelmäßigen rnwmw und nur selten fehlte er beim GoÜesdienfte. Seine npix war weit über das Weichbild unserer Gemeinde bekannt. Mit v.ollen Händen spendete er, wenn es galt, Not und Elend zu lindern. Als die Inflationszeit allch fein Vermögen um einen wesentlichen Teil verringerte, bedauerte er lebhaft, seiner Wohltätigkeit Schranken ziehen zu müssen. Das Leichenbegängnis dieses iV'i an b’R gestaltete sich zu einer erhebenden Trüuerkundgebung. Am Eingang des Friedhofs widniete Herr Rechtsanwalt Dr. Koref, Hanau, namens des „Israelitischen Vorsteheramtes der Provinz Hanau" dem Heimgegangenen einige Worte des Abschiedes, für die vierundzwanzigjährige treue Arbeit als Mitglied des Kollegiums dankend. Herr Lehrer Marr schilderte in seiner Rede das Leben und Wirken des •waa als Familienvater, als Mitglied unserer Gemeinde, als Förderer der der Allgemeinheit dienenden Institutionen. Recklinghausen, 20. Dez. (Versehentlich verspätet.) Einen fast unersetzlichen Verlust hat die Gemeinde Recklinghausen und die Orthodoxie Westfalens erlitten. Der langjährige Lehrer und Führer der Gemeinde Recklinghausen, Lehrer Simon Tannenbaum ist nach schwerem Leiden von seiner hiesigen Wirksamkeit abberufen worden. Es wäre Undank der Lebensarbeit Tannenbaums gegenüber, wollten wir nicht in diesen Blättern ihm ein Wort der Verehrung und des Gedenkens Nachrufen! Zu Manusöach i. H. geboren, besuchte er das Fuldaer Gymnasium und legte gleichzeitig hier den Grundstock zu seiner -jüdischen Bildung. Bei dem Fuldaer na lernte er nicht nur, sondern nahm die Begeisterung für sein heiliges Amt mit ins Leben hinaus. Er besuchte alsdann das Jüdische Lehrerseminar zu Köln, an welchem er nach - Aussagen seiner damaligen Kollegen als der frömmste Schüler galt. Im Jahre 1685 kam er nach Recklinghausen, wo er fast 40 Jahre gewirkt hatte. Daß der Beruf des Lehrers der idealste ist, hat T. hier bewiesen. Mit wahrer Begeisterung ging er daran, den Idealen des Judentums eine Stätte zu schaffen, aus der hohen Auffassung seines Berufes heraus gewann er stets wieder die unversiegbare Kraft, die es ihm ermöglichte, sein Ziel zu erreichen. Man muß die Verhältnisse in Westfalen kennen, um die Arbeit Tannenbaums ganz zu würdigen. Seins tiefe Frömmigkeit brachte ihm selbst in den Kreisen Andersdenkender dis höchste Ächtung ein. Seit Jahren zehrte ein tückisches Leiden an seinem Körper, dennoch gönnte er sich keine Ruhe. Als ihn sein Leiden aufs Krankenlager zwang, ließ er es sich nicht nehmen — trotz des Verbotes des Arztes — seinen 'Schülern den jüdischen Unterricht zu erteilen. In seinen Re'.igionsstunden zeigte sich die Lehrerpersönlichkeit Tannenbaums in vollem Sinne des Wortes. Wie lauschten schon die Kleinen den Worten ihres Lehrers, der es verstand, mit feinem pädagogischem Takt Kindern aus religiös andersdenkenden Kreisen Achtung und Verständnis für zuflötzen. Aber nicht allem in der Schule lernten wir Tannenbaum als wahren Jehudi kennen, er stellte sich auch ganz -in den Dienst des bbs. Als es galt, den Verein zur Wahrung der Interessen des Judentums in Westfalen zu gründen, fand man in T. einen echten Freund des Vereines. Gerne lauschte man auf Vereinstagungen den Worten T/s, der es verstand, mit feiner hinreißenden Beredsamkeit die Herzen Aller zu erobern. Am 11. Marcheschwan fand seine mib statt. Der Oraun wurde in die Synagoge gebracht, wo 'Herr Rabbiner Dr. B r a d e r, Ansbach, der ans der Ferne herbeigeeilt war, in beredten Worten Abschied vom Verstorbenen nahm. Dann setzte sich ein Trauerzug ein, wie ihn Recklinghausen noch nicht gesehen hatte, und der einen erkennen ließ, welche Hochachtung T. überall genoß. Vertreter aller Behörden, die gesamte Lehrerschaft Recklinghausens und ein unübersehbarer Trauerzug folgte dem teuren Dahingegangenen. Auf dem vbw sprach Herr R. A. Bachrach namens des Vorstandes den Dank der ganzen Gemeinde aus, und gelobte durch eine „Simon Tannenbaum-Stiftung" das Andenken des Verstorbenen jederzeit hochzuhalten. Als Pachöarksllege und zugleich im Namen der Lehrerschaft rief Lehrer E in a n u e l -Herne T. ein Abschiedswort zu, und Rabb. Dr. David -Bochum faßte noch einmal in großangclegter Rede die Verdienste des Verstorbenen zusammen, der gerade an dem Tag, an dem sein ältester Sohn heiraten sollte, vom Allgütigen abberufen wurde. Keiner der vielen Anwesenden verließ trockenen Auges die Stätte, an der ihr langjähriges Führer zur Ruhe gebettet wurde. rrnxjx Spangenberg. 10. Dez. Wegen der geringen Schülerzahl ist die hier feit 1840 bestehende israelitische Volksschule zum 1.. Januar 1925 aufgelöst und der Lehrer Moses in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Cassel, 8. Dez. Als Lehrer und Kantor an der Synagoge Rosenstraße wurde Herr G o d l o w s k i, bisher an der rnw m» in Berlin, berufen. Er hat feinen hiesigen Dienst bereits angetreten. A H. OPPENHEIM Inhaber: BERNHARD RUBINSTEIN!«zsM,LMe-S»rsiW,kM!!is»-MW!ieii für alle hiesigen u. auswärtigen Zaitungsn speziell für die Frankfurter Zeitung \verr'e:i zu Origiml-Preisen prompt und ciskret ausgeführl., FRANKFURT AM MAIN Börsenplatz 1, gegenüber der Börse (Ecke SchlllerstraQe) TELEFON HANSA 2005 GEGRÜNDET 1864 Lager in passenden Barmizwoli- und Hebraica u. 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