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Der Israelit · 1924-12-25 · Heft 52 (25.12.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 52 (25.12.1924)
Date
1924-12-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Nr. 82 Der Israelit — wir verweisen auf den schönen, gründlichen -Vortrag Dr. M. Auerbachs in der letzten Nummer der Blätter — lugt das nach „Abfchüttelung des Thorajoches" lüsterne Auge des jungrussischen Palästina-Pioniers hervor, dessen Ge.st den „Waad leumi" (eine misrachiftische Körperschaft hat ihn jüngst "o^snsn 2S1. genannt) beherrscht. Offenbar trägt sich ein Teil der Gesetzestreuen, an ihrer Spitze der Oberrabbiner Kuck, noch immer mit der Hoffnung, nicht nur . formelle Verbesserungen des Entwurfes zu erlangen — was gewitz möglich ist —, sondern den Geist des Ganzen so grundstürzend zu ändern, daß man berechtigt wäre, die ganze Zukunft der Thora in Erez Jisroel, das Monopol unbeschränkter Alleinherrschaft über die Gemeinden dieser Waad leumi-Organisation ruhigen Gemütes anzuvertrauen. „Agudas Iisroel" kann diesen lebensgefährlichen Optimismus nicht teilen. Auch sie würde — wie der eingereichte agudistische Gegenentwurf beweist — eine Einheitsorganisation, sobald sie ehrlich auf vorbehaltloser Anerkennung der Autorität des Religionsgesetzes aufgebaut ist, begrüben — aber sie würde selbst dann unter keinen Umständen auf das elementare Lebensrecht der Gewissensfreiheit, auf das Recht selbständiger Gemeinde bildung im Falle de r Not verzichten können. Zuviel steht auf dem Spiel! Die Thora mub sich in den Kreis der aufrichtig, ungebrochen Treuen flüchten können, wenn die Gesamtheit — ob auch unter der Flagge einer offiziellen Frömmigkeit — den mit zwingender Notwendigkeit aus der Pseudokultur der Moderne heraus wirkenden Gefahren unterliegt. Ware Rabbiner Kuck nicht so schlecht beraten, würde ihm nicht von einer kritiklosen oder politische Zwecke verfolgenden Umgebung der gefährliche Irrglaube erzeugt, dab er allein durch den Zauber seines Wortes und seiner Persönlichkeit aus modern gebildeten Freigeistern lenksame n2lfff\ '^52 zu machen vermöge — er mühte selber als verantwortungsbewußter asn 2V1W fix nxvin der erste sein, der der englischen Regierung die unbedingte Notwendigkeit der Möglichkeit selbständiger Gemeindebildung neben dem „Waad leumi" erwiese. Man lese in Martin Bubers „Der Jude", Heft 11, vom November 1924 einen Aufsatz von Viktor Grünwald in En Ganim über bk „religiösen Gegensätze in Erez Jisroel". und man wird darin die beste Illustration für die absolute Unvermeidlichkeit einer selbständigen orthodoxen Gemeindeorganisalion finden. Der Verfasser, der offensichtlich auf der äubersten Linken steht, schreibt u. a.: En Ganim und Petach Tikwah! Zwei Dörfer, so nahe nebeneinander, daß sie ineinander fast übergehen, ein einzig großer Kranz von Fruchtgärten und Weinbergen hüllt sie beide ein — und doch: welch Abgrund liegt zwischen ihnen! Petach Tikwah, die frömmste Kolonie, durch die am Sabbat kein Wagen fahren darf, die streng auf die Heiligkeit der Festtage achtet, und En Ganim, das Dorf der Kwuzoth und anderer Arbeitnehmergruppen. Der Arbeiter spricht von den Kolonisten mit Haß und Verachtung, und für den Kolonisten ist ganz En Ganim „trefe". Der Kampf zwischen Orthodoxen und Arbeitern ist in Palästina noch nicht einmal recht entbrannt. Die Sorgen des Tages» find noch viel zu groß und gestatten nicht, den geistigen Fragen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wenn aber einmal der wichtigste Teil des Aufbaus vollendet sein wird, dann wird ganz gewiß der Kampf um die Religion oder um das Ideal beginnen, und es wird kein leichter Kampf sein. Viele hoffen, daß sich die Gegensätze im Lause von ein bis zwei Generationen abschleifen werden. Die Kinder der Frommen werden etwas weniger fanatisch sein und werden mehr Verständnis für die Forderungen der Arbeiter bekommen, und die Kinder dieser werden die Religiosität achten lernen. So gibt man gern kluge politische Ratschläge, wie die bestehenden Gegensätze auszugleichen wären, empfiehlt den Arbeitern Vorsicht und ersucht sie, den Sabbat wenigstens in der Oeffentlichkeit nicht zu entweihen ufrv. ohne zu erkennen, daß die Gegensätze tiefer liegen und daß der Haßbeide Parteien dazu treibt, die andere geradezu herauszufordern.Natürlich wäre es politisch,klug und geboten, durch gegenseitige Konzessionen ein Einvernehmen zuftandezubringen. In jedem anderen Volke wäre auch tatsächlich eine derartige allmähliche gegenseitige Anpassung zu erwarten, aber beiden I u d e n gibt es keinen faulenFrieden. Am ehesten noch bei dem Händler. Der wird sich, wie immer der Kampf ausgehen möge, mit 50 Prozent ausgleichen und fein Schäfchen ins Trockene bringen. Aber die Idealisten werden keine Kompromisse machen, und in diesem Falle um so weniger, als beide Partein sich im Rechte fühlen, und dies vielleicht einer jener schrecklichen Fälle ist, wo tatsächlich beide recht haben. Der Chaluz, der das Joch der Thora abgeworfen hat, hat ein nicht minder schweres auf sich genommen. Für jedes der 613 herkömmlichen Gebote und Verbote hat er ein anderes sich auferlegt, er fühlt, daß das Ideal, das er verwirklichen will, der jüdischen Geschichte nicht fremd, sondern die Forderung unserer Propheten ist. Der Fromme dagegen steht fest in unserer Tradition, er hält sich an das göttliche Wort und an die Auslegung vieler Generationen, er kennt keinen Zweifel, er fühlt sich als Wächter der Heiligkeit, will das Ende nicht erzwingen, sondern wartet mit Geduld auf den Meschiach, der kommen wird. Zwischen diesen beiden Richtungen gibt es kein Kompromiß und keinen Ausgleich. Beide Ströme haben ihren Ursprung im jüdischen Wesen, das eben selbst zwiefältig ist. Es sind hier zwei echtbürtige Söhne unserer Geschichte und Tradition, feindliche Brüder, die um die Erstgeburt kämpfen. Dieser Kampf ist unvermeidlich, und niemand kann sein Ende abfehen. Vielleicht ist dieser Kampf zur Vollendung nötig. Vielleicht sind beide Ideale unvollständig, vielleicht muß „Awodah" Gottesdienst und Abeit gleichzeitig bedeuten. Nicht ein Ausgleich oder Kompromiß kann Hilfe bringen, sondern eine Synthese. Aus der Spannung des Kampfes wird der Funke entspingen, der unser Volk in Wahrheit erglühen machen wird. Es ist beste Tttldition in unserem Volke, sich die Last nicht zu erleichtern, sondern zu erschweren und einen Zaun um die Lehre zu machen. Wir können nur warten, hoffen und bescheiden vorbereiten. Unser Zionismus ist nur das fahle Dämmern des großen Tages, der kommen wird. Wir fragen jeden nicht in Parteihatz befangenen indischen und jeden vorurteilslosen nichljüdischen Politiker-. Kann man es angesichts der hier von einem Gegner richtig geschilderten Sachlage einer ihrer Prinzipien bewußten orthodoxen Gemeinschaft von 1600 Familienvätern '"2wie sie die Sonnenfeld'sche Gemeinde in Jerusalem darstellt, verübeln, wenn sie ihre heiligsten Institutionen völlig frei wissen will von dem Einfluß jener „Ehaluzim, die das Joch der Thora abgeworfen haben", wenn sie ihr Geschick auch nicht einem Oberrabbinat anvertrauen mag. das die Schwierigkeit der Bekehrung dieser Ehaluzim zum Judentum oder der Unterdrückung ihres politischen Machteinflusses offensichtlich gewaltig unterschätzt? Selbst diejenigen, die bei uns im Westen'' sogenannte Austrittsgegner sind, weil sie mit unsren Liberalen — wohlgemerkt jetzt, nachdem die selbständige Orthodoxie ihre historische Mission auch für ihre gesetzestreuen Gegner teilweise vollbracht hat — auch ohne Austritt fertig zu werden hoffen, auch sie müßten zugeben und sollten von Grünwald lernen, daß in Erez Jisroel ganz andere, weit machtvollere Kräfte die Gemeinschaft nach links treiben. Daß es daher sinnlos ist, religiöse Gegensätze, wie sie Grünwald zutreffend schildert, mit Geroalr in eine und dieselbe Gemeindeorganisation zusammenzuzwängen, die beiden die schlimmste Vergewaltigung der Gewissen bedeuten mütz. Nur Freiheit kann hier helfen. Die frei organisierten religiösen Gemeinschaften werden sich dann unschwer zur einheitlichen Vertretung politischer Interessen nach autzen und wirtschaftlicher Ziele nach innen zusammensch.ießen lassen, bis am Ziele der Tage die wahre Einheit Äintt, die das inx '13 dem-mxiaffi2nx ".2 entgegenführt. Von unserer Kraft. Von Dr. 2R. Lewin in Hamburg. Wie einen Freudenbringer und Heilsboten grüßen wir alljährlich das liebliche Fest, das mit seinem Lichterglanze unsere Häuser und Herzen erfüllt. Es kündet uns mit der von Tag zu Tag steigerten Lichterzahl den fortschreitend^ Sieg ■ ~_25. Dezember 1924 der Wahrheit und stärkt den Glauben an den endgültigen Triumph unseres Judentums, das die höchste Wahrheit in sich birgt, äff fj? Aller Finsternis wird durch G 0 ttes liebevolle Bat er Hand ein Ende bereitet, so tönt es aus dem Leben des Patriarchensohnes Joseph uns entgegen und ebenso verkündet es mit Macht die Geschichte des N213M Das ist die Lösung des Rätsels, das Israels Bestand trotz seines gewattigen, von Kot, Druck und Verfolgung erfüllten Schicksals bietet. ff'X 223' ^VT2 xV „Nicht durch Kraft siegt der Mann." Das wollen die Helden der rohen Gewalt und des übermütigen Wortes nicht , wahr haben. Israels Vergangenheit predigt es mit Macht durch die Jahrtausende seines Golus —, mit überlegenem Lächeln nahm man diese Wahrheit entgegen und sprach von uns ganz ebenso wie Josefs Brüder von ihm redeten:?jra nsn X2 mbn fna^rr .Siehe da. dieser Träumer kommt". Schließlich hat doch das Weltschicksal, das Throne zum Wanken brachte und die verheerenden Wirkungen der ungebahnten Gewalt auswies, die Menschheit aufgerüttelt und das Ohr geschärft für die Mahnungen derer, die eine Umwertung der Werte fordern und — vielleicht unbewußt — das Prophetenwort in allen Tönen preisen: mX2X '2 2QX 'N122 DX '2 N22 xbl b'N2 XS Nicht durch Heeresmacht und nilht durch Kraft, sondern durch meinen Geist spricht der Herr. — Für uns wird diese Erkenntnis zu einer Verpflichtung. Wollen wir weiter bleiben das „dienende Licht" am Leuchter der- Menschheit, jemehr wir den Sieg der Thorawahrheiten erleben, auch wenn die anderen die Erlebnisse des Tages nicht so deuten wollen, desto mehr ist es unsere Pflicht, die Menvrah unseres Lebens mit dem Oel unserer Lehre zu füllen, — daß all unser Sein und Schaffen von der Erhabenheit unseres Bekenntnisses zeuge und für dasselbe werbe, auf daß ihm Herzen und Seelen sich öffnen. — Mitten in den Auseinandersetzungen über Sinn und Bedeutung des N213N wie über das Lichterzünden an. seinen Abenden lesen wir folgende hagadische Bemerkung, die scheinbar in den Rahmen des Ganzen nicht hineinpaßt. p2 212m J'Xff V21' ’3'X j?2 212,21 2»XJff yöffää Ö’ä 12 ]’X?2X 12 |'X ö’ö -ä'ö in ]’x *?"n na x^>x?v'a 12 -12 ff' B'22fnn D’ffni Wenn die Schrift sagt: „Die Grube war leer, — es war in ihr kein Wasser", — so muß dieser Zusatz, „es war kein Wasser" da noch etwas besonders besagen wollen,' — es ist damit angedeutet, — daß die Grube wohl kein Wasser hatte, dafür aber gefährliche Schlangen barg. War es denn so schlimm, was da Israels Gegner in der Syrerzeit planten? Es ging doch nicht um den Bestand Israels als Volk!. Dennoch bleibt es für unser Volk die ewige Wahrheit: Wir sind allen Verheerungen preisgegeben, wir sind unrettbar verloren, wenn uns der Segensborn, das D'a unserer Thora entzogen wird. Saft- und kraftlos schwinden wir dahin ohne die belebenden Quellen der Lehre. Das will vielleicht jene hagadische Deutung uns in bilderreicher Sprache einschärfen — Joseph ist heil und unversehrt auch aus der Grube voller Schlangen und Skorpione hervorgegangen, weil er einen Talismann mit sich führte: sein unentwegtes Gottvertrauen — und auch Israel blieb schließlich in den syrischen Kämpfen und Verfolgungen siegreich, weil seine Bekenntnistreue und Thoraliebe es wappneten. Das ist uns nun die Weisung, mit aller Kraft «alben das Thoralicht zu entzünden. Wie ückliche Vorbedeutung werten wir es, daß an diesem nstm sich bedeutsame Organisationen zu ernster Arbeit im Geiste unserer Tradition vereinigen. Wir grüßen den Keren Hathora in seinen würdigen Organen und preisen den BIA., Deutschlands thoratreue Akademiker, — sie wollen beide zum Segen des thorätreuen Israels ihre Beratungen pflegen. nxaV 23 2nx^ 23. Möge sich das Licht ihrer Begeisterung fortpflanzen und allenthalben neues Licht erzeugen, N2wn N213N oxr« 7 Das ist die würdigste 8Veihe, die unser Fest ausströmt-

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