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Der Israelit · 1924-12-25 · Heft 52 (25.12.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 52 (25.12.1924)
Date
1924-12-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. W Seite 3 25. Dezember 1924 _'_.__ Die Propagation , und Vervolkstümlichung vÄrh'ändE' äpölögetrscher Schriften dar Genannten und die Aneiferung zum Nachähmen derselben auf neuen Gebietest waren also diejenigen Aufgaben, denen sich die im Bunde vereinigten Akademiker in der nächsten Zeit zu röidmen hätten. Im Bundesorgane wären zuweilen die, Leser auf neue Schriften dieser Art aufmerksam zu machen. In den übrigen jüdischen Zeitschriften wären die jeweils im Bunde aktuellen Themata populär zu behandeln. Schwinden muß der Typ des für gewisse Tagesfragen zu stolzen Akademikers. Auf gründliche wissen- Haftliche Durchsprechung jedes Referates der regelmäßigen Zusammenkünfte ist zu achten. . 7. In diesen Blättern und nicht im Bundesorgane äußere ich diese Wünsche, um damit anzudeuten, daß die Augen des ganzen. Judentums auf den B. I. A. gerichtet sind. Der jüdische junge Kaufmann und sonstige Nichtakademiker, ist, von der alten, gewissermaßen medizinischen IrrmZnung geheilt, eimechter, junger Iäkobssproß in seinem- Strebensernste geworden. Dom jüdischen Akademiker, dem ein Höheres zum Berufe geworden, erwartet .er Lossagung von allen Irrmeinungen der Borzeit. „Biel Wissen führt zu Gott heim" und befähigt zum Heimführen Anderer. Noch ist es eine traurige Tatsache. daW die jüdische Welt gespalten dastehl. zerteilt in eine zu Gott heimfindende Hälfte, —- die Denkenden.—. und eine größere, durch . Betrug bei überholten Tagesmeinungen festgehaltene, blinde Volksmenge. Wer kann die Macht derer, die einen Gemeindekultus nach Hofgeschmack der Biedermeierzeit ihrem Volke aufschwatzen, brechen? Wer kann das Dunkel erhellen. mit dem die das Volk umnebeln, die noch heute auf den nationalen. Wahn schwören, der sich so blutig überschlagen hat? Wer kann die philiströse Europazufriedenheit all Jener, deren Thora das bürgerliche Strafgesetzbuch geworden, heilsam zerpflücken, damit sie sich nach dem Gottesstaate sehnen? Alles das, liebe Akademiker, ist unser Anteil, wird von uns erwartet! Gewiß mag es einen schweren Kampf manchem kosten, in dieser siegessicheren Weise der Meinung seiner Universitätslehrer sich widersetzen zu müssen. Zumal religiöse Sicherheit gewissen Bekenntnissen odiös ist. Wenn man aber die Flucht der widerlegten Gottesleugner zu pantheistischer Mystik und ihre übrigen Unaufrichtigkeiten täglich beobachtet, kann es niemandem schwer fallen, sich aus dieser Atmosphäre loszureißen und ihr zum Trotze den Samen der Wahrheit und Aufrichtigkeit ins Volk zu säen. wieder einsetzen? Dann hätte auch jener Jude ganz recht gehabt, wenn er sagte: „Ich hob einen sehr schönen Terez — wenn ich bloß eine Kaschje dazu haben könnte!" — Die Herren weisen auf Rabbiner Hirschs Erklärung hin. Ich zweifle nicht daran, daß wenn man Rabbiner Hirsch darauf aufmerksam gemacht hätte, daß es eine andere, keinerlei Schwierigkeiten bietende Lesart gebe, er gern auf seine geistreiche Auslegung zugunsten der textlichen Richtigstellung verzichtet haben würde. Schließlich ist es mir unbegreiflich,- wie mir Herr R. B. etwas unterschieben will, was ich gar nicht gesagt?>abe: Daß der Zusatz >21 n«vn sb 'a na na zu streichen ei, habe ich gar nicht gesagt, sondern daß er richtig lauten müsse: qs nahjpk -nne? n«vn «!> 'r na na •«an xVa 'a na Meinem Feuilleton. (Ein „Gerer Ehaffid" Sohn kakholicher Ettern.) In Warschau bildet die folgende sensationelle Geschichte das Tagesgespräch: In der Franziskanergasse wohnt seit Jahrzehnten ein angesehener Kaufmann und Fabrikant, einer der führenden Anhänger des berühmten „Gerer Rebbe" (Rabbi von Gora Kalvaria). Seine vermeintlichen Eltern waren Pächtersleute in einem entfernten Dorf. Vor kurzem erschien bei ihm eine katholische barmherzige Schwester, eine Greisin, und stellte sich ihm als seine Mutter vor. Sie habe ihn gleich nach der Geburt dem jüdischen Pächterehepaar an Kindesstatt übergeben. Nun fei sie alt, habe ein ansehnliches Vermögen und wolle nicht, daß dieses in fremde Hände übergeht. Der Pflegevater des Fabrikanten, der frühere Pächter, bestätigte die Aussage der Greisin. Der Fabrikant reiste mit seiner neugefundenen Mutter fort, Apologetische Selbstbelehrung und Dolksaufkjärung sind unsere wichtigsten Daseinszwecke. Möge die bevorstehende Tagung, und möge die weitere Tätigkeit des V. I. A. die Hoffnung rechtfertigen, die wir auf unsere verjüngte Forscherwelt setzen. Wokyeurunvschau. „Rage du nombre.“ Das Wort von der du nrnnbre“, des ^Mißbrauchs der mathematischen Ziffer zur Herstellung sittlicher Bewertungsmaßstäbe, sollte man dem „Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden", der seinen Machtgelüsten so gerne den gesetzestreuen Bruderverband zum Opfer fallen sehen Möchte, ins Stammbuch schreiben. Der Berliner Verband versendet an die jüdische Presse einige Reklamenotizen, so z. B. die welterschütternde Nachricht, daß er dem Würzburger Lehrerseminar eine Subvention von 3000 Mark bewilligt habe, und läßt sich dabei also vernehmen: Auf Verlangen des Kultusministeriums wurde diesem im Januar v. Js. von dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und dem Halberstädter Verband gesetzestreuer Gemeinden gemeinsam eine Aufstellung über die Seelenzahl der ihnen angeschlossenen Gemeinden eingereicht. Danach ergeben sich für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden 524 306, für den Halberstädter Verband 17 004 Seelen. In der Zwischenzeit haben sich weitere rund 100 Gemeinden dem Landesverband angeschlossen. Bewußt verschwiegen wird hierbei, daß es sich bei der seinerzeitigen Regierungsfrage um die Verteilung von Geldern handelte, wobei natürlich, um Doppelsubventionen auszuschließen, sämtliche beiden Bünden ungehörigen Gemeinden dem Berliner Bund zugezählt wurden. Abgesehen aber von dieser Unstimmigkeit — was soll mit dieser unfairen Kampfesweise eigentlich bewiesen werden? Von den 500000 Seelen, mit denen sich der Berliner Verband brüstet, entfallen 400 000 auf die vier Großgemeinden, 300000 allein auf Berlin! Es ist ja nichts Neues, daß die in den religiös neutralen Großgemeinden korporierten gesetzestreuen Kreise für die Vertretung n ach außen völlig verschwinden, daß sie lediglich um sein zukünftiges Erbe in Verwaltung zu übernehmen. Wie es mit seinem fernerem Judentum ausfehen soll, darüber werden die Rabbiner zu bestimmen haben. (Hochzeit im Hofe des Rebben.) Eine erhebende Feier veranstaltete am 8. d. a. c. eine große Zahl Glaubensgenossen im Hotel Schey in Baden bei Wien. Es fand dortselbst die Trauung der Enkelin des hochgeschätzten Czortkower Rabbiners statt. Noch lange ehe die Feier begann, die Trauung war für fünf Uhr abend anberaumt, fand sich nebst den vielen Gästen und Gönnern des Rabbi eine große Menge Neugieriger ein, die gespannt warteten, bis der Trauungsakt vollzogen ward. Die Unannehmlichkeit des feuchten Bodens im Hotelhofe, und die guten angenehmen Gerüche, die aus der Küche in den Hof hinausdufteten, resp. der Gaumenkitzel derselben wurden überwunden von den angenehmen Erwartungen des Kommenden, das alle in Spannung hielt. Endlich um 7.30 Uhr setzte sich der Zug zum Trauhimmel, unter den Klängen der Musikkapelle, die ein wohlbekanntes chastidisches Stück intonierte, in Bewegung, an der Spitze der Bräutigam in der üblichen chafsidischen Uniform, umgeben von der ehrwürdigen engelgleichen Gestalt des Czortkower Rabbis und denen der vielen anderen weltberühmten Rabbis und Wunderrabbis. Titelblatt und Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs 1924 steht denjenigen Abonnenten, die den „Israelit" aufbewahren und binden lasten, auf schriftliche Bestellung unentgeltlich zur Verfügung. passiv, zum höheren Ruhme eines inhaltleeren, bekenntnislosen „Judentums" als anonyme Seelen mitgezählt werden, sobald man der Welt und dem Staat die Ohnmacht des eindeutig orthodoxen, historischen Judentums Vortäuschen will. In Wirklichkeit gehören dem gesetzestreuen Bund 140 Gemeinden an, 430 dem Berliner Verband. 25 Prozent der Gesamtzahl haben also den Mut gefunden — allen Einschüchterungen und aller finanziellen Verführung zum Trotz — sich stolz zur alten Thora zu bekennen. Das.ist ein Ehrenzeugnis für diese Gemeinden,' die damit zugleich die Sache jener Hundertlausende von religiösen Gesinnungsgenossen retten, die kurzsichtig genug sind, die politisch und religiös gleich unheilvollen Konsequenzen einer liberal-zionistisch-orthodoren, d. h. im Grunde bekenntnislosen jüdischen Gemeinschaft in Deutschland nicht zu durchschauen. Der Zufall will es, daß grade heute im Nachrichtenteil von dem in der Gemeinde Hanau unternommenen Versuche berichtet wird, diese Gemeinde, die als Mittelpunkt zahlreicher orthodoxer Landgemeinden besondere Bedeutung besitzt und die von altersher auf die Erhaltung ihres gesetzestreuen Charakters Wert legte, dem gesetzestreuen Bunde zu entfremden und sie in das Lager des bekenntnislosen Stammesjudentums Hinüberzulolsen. Der Verführungsversuch ist dank der mannhaften Aufklärungsarbeit des Rabbiners mißlungen — aber er. zeigt, mit welch unermüdlicher Konsequenz an der Unterhöhlung und Vernichtung der gesetzestreuen Organisation von ihren erbitterten Feinden gearbeitet wird. Wir fragen vor aller Welt: mit welcher fadenscheinigsten Ausrede kann diese Wühlarbeit moralisch gerechtfertigt, ja auch nur entschuldigt werden? Wie können es Männer, in deren Herzen auch nur ein Funke von trau? nur lebt, verantworten, zwar der Neologie gegenüber den Standpunkt der gefährlichsten Duldsamkeit zu vertreten, dabei aber ruhig mit anzusehen, wie man der Orthodoxie das elementarste Lebensrecht streitig zu machen versucht? Der „Bund" aber möge aus dem Ansturm seiner Gegner lernen, welch unermeßliche Bedeutung seiner Existenz — wie klein auch die Zahl seiner Getreuen sein möge — für die Zukunft des jüdischen Gedankens, der jüdischen Lehre innewohnl.a'»^ njntt nmqnK bvt dieses zeitgemäße Wort läßt sich ohne alle homiletische llebertreibung auf ihn anwenden. Und es ist ein Glück, daß auch die preußische Regierung, soweit an der Entscheidung der innerjüdischen Organisationsfragen vorurteilsfreie, an gründliches Durchdenken religiös-kirchenrechtlicher Fragen gewöhnte Nichtjuden Mitwirken, diese grundsätzliche, von aller Ziffer unabhängige Bedeutung des „Bundes" von jeher erkannt hat und gewiß auch in Zukunft begreifen wird. Ein unverdächtiger Wahrheitszeuge. Der Kampf um das Gemeindegesetz in Erez Iisroel geht mit unverminderter Schärfe weiter. Für den „Waad leumi" handelt es sich keineswegs um einen reinen Machtkampf, wenn auch der politische Ehrgeiz hier wie überall eine gewisse Rolle spielen mag; vielmehr darf man annehmen, daß sich die führenden Persönlichkeiten, die zumeist ai;,? Arbeiterkreisen stammen oder alte Kämpen der nationalisierten Halb- oder Ganz-Haskala sind, ihrer religiösreformatorischen Aufgabe durchaus bewußt sind. Man will den alten „theokratischen" Charakter des jüdischen Volkes endlich ausrotten. will endlich einmal zum modernen Volke werden, das es versteht, im Geiste Herzls die „Rabbiner in den Synagogen" zu internieren wie die Soldaten in den Kasernen. Widerwillig hat man dem Entwurf eine recht unorganisch wirkende „religiöse Abteilung", sogar ein dekoratives Oberrabbinat aufgepropft, weil man der englischen Regierung gegenüber und auch' um der jüdischen Massen willen das Gesicht wahren mutz. Aber überall

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