Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1924)
- Date
- 1924-12-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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18 Dezember 1824 Nr. 61 Sette 6 Der Israelit und wirft mir Irreführung vor. Nun, ich habe allerdings von früher Kindheit an immer gemeint, daß die Führer dafür zu sorgen haben, daß das Volk zwischen erlaubt und unerlaubt, der Thora entsprechend und ihr widersprechend unterscheiden könne. Was bedeutet denn nx mmn^ -rr-lV' '12 oder 'toi mij? p ttp uw nur Haben diejenigen recht, die die Thoralehrer als „Kauscherwächter" denunziert haben? Wie erklären unsere Weisen das Wort BS'VX-n D»w»? Raschi zitiert Vt? omnwx ortf» '-»mb uwna ^xw» mra TnV ümx . pia^i mn»^ „Die Sünden Israels belasten ihre Richter, denn diese sollten wehren und sie auf den rechten Weg leiten." Und das Wort Jesaias i'-wx» ■’ö» „Mein Volk, die dein Heil zu fördern vorgeben, führen dich irre", ist ja auch nur eine Anklage gegen Fälschung der öffentlichen Meinung. Ich hatte ferner nachgewiesen, daß auch bei Annahme der Ansicht des p>NL'pV der maa§-Pflicht vollkommen genügt wird, wenn allen zugängliche gesetzestreue Institutionen geschaffen sind; daß dagegen nach Ansicht der mpvis dem Verlangen von Personen, die Kaschrus-Jnstitutionen nur in Verbindung mit der Reform annehmen wollen, nicht entsprochen werden darf. Auf diesen entscheidenden Punkt geht Herr Dr. U. nicht ein. Aus dem pns1» pv kann das Doppelsystem nicht gerechtfertigt werden. Noch ein Wort über meine „vorsichtige Anzweiflung" des pvs des pnL'pV. Rabbiner Unna meint, der Versuch sei bedeutungslos, bezüglich des Rambam ein Mißverständnis. Herr Rabb. Unna, der von anderen, auch von einer Autorität, in unangenehm berührenden scharfen Worten Begründung für jede Behauptung verlangt, wird es verstehen, wenn ich ihn an seine Worte erinnere. Wo ist der Nachweis? Es ist, wie jeder nachprüfen kann, kein Mißverständnis. In einem sind wir alle einig, in dem Wunsch »iviva am nx- Vielleicht begründet der Wunsch auch das Recht auf die H o f f n u n g. , Heilige Lichtlein. Betrachtung zum Chaimkafefte. Von Oberrabbiner Dr. Altmann in Trier. „Diese Lichtlein sind heilig. Wir dürfen uns ihrer nicht bedienen. Nur anschauen dürfen wir sie, um zu danken und zu lobsingen Deinem Namen für Deine Wunder, für Deine erstaunlichen 'Daten und für Deine Hilfe." So sprechen wir betend vor Gott, wenn wir die Lichtlein anzünden. Vielleicht darf man dieser Formel die halachische Norm zu Grunde legen: um ms» Die Gebote sind nicht verliehen, uns im profanen Leben ihrer zu unserem Nutzen zu bedienen. Man darf sich deshalb der Chanukalichter nicht bedienen, um z. B. bei ihrem Scheine den häuslichen Verrichtungen nachzugehen oder gar gefchäft.iche E.ledigungen vorzunehmen, wie Geldzählen oder Rechnungen schreiben und dergleichen mehr. Bedarf das selbst schon einer näheren ethischen Begründung, so müssen wir auch noch fragen, warum gilt das nur bei den Chanukalichtern, warum hören wir das nicht auch von unseren Weisen für die Sabbat- und Festtagslichter anordnen und bestimmen, auch beim Anzünden dieser Lichter die erwähnte Formel zu sprechen? Betrachten wir einen Augenblick den inneren Grund der zitierten Bestimmung: um nunV irrt? msa „Gottes Gebote sind nicht unserer Nutznießung anheimgegeben." Warum? Was uns Menschen von Gott wegführt, uns allem Hochzieligen entfremdet, ist der teils eingeborene,, teils anerzogene Trieb zur Selbstsucht. Das Nützlichkeitsstreben beherrscht zu sehr unser Denken und Sinnen. Selbst das Gute üben wir leider nur zu oft aus Berechnung, oder wir tun es nicht, ebenfalls aus Berechnung. Was wird es nützen, was wird es bringen; was könnt. es schaden, was dürft es stören? So find wir gewohnt dei allem und jedem in Erwägung zu ziehen. Wo für uns nichts herausschaut, greifen wir nicht oder nur ungerne ein; das läßt uns teilnahmslos und kalt. Die Feinde des Judentums sagen, das sei typisch jüdisch. Es ist aber gerade umgekehrt typisch unlüdisch. Dem Judentume hat Gott Gebote gegeben, deren innerste Bestimmung es ist, uns aus dieser Utililat des übrigen Menschentums, aus dieser Nützlichkeitseinordnung der menschlichen Handlungen herauszuheben und uns in die reine Sphäre des Selbstlosen hineinzuversetzen; uns zur bedingungslosen Hingabe für das Hohe und Heilige, für das Schöne und Gute zu erziehen. Mizwaus law lehenaus nitnu. Gottes Gebote sollen dir, Jude, Mittel sein, aus der menfchmgewohnten Zwecks.tzung herauszukommen und nicht umgekehrt Mittel, in die Zwecksetzung deiner Interessen.. hineinzugeraten. Du hast die Mizwaus ihrer selbst wegen auszuüben in dem beseligenden Gefühle, dadurch allein schon, daß du sie ausüben kannst und darfst, belohnt genug zu fein. ms» nix», w „Der Lohn der Mizwo ist die Mizwo". Deshalb spricht man ja auch über die Mizwaus, wenn man sie ausübt, genau so einen Segensspruch wie bei den Genüssen des Lebens. Eine Mizwo tun ist eben ein höchster Wohlgenutz des Lebens. Je mehr nun die äußeren Umstände und Verhältnisse an das Selbstische, Zwecksetzende, Profane gemahnen, desto mehr muß uns die Mizwoh an den Gegensatz davon erinnern. Sind die äußeren Umstände und Verhältnisse jedoch selbst schon in eine gehobene Sphäre gerückt, desto weniger braucht die Mizwoh uns mit Eindringlichkeit daran zu erinnern. Am Schabbos und Jom-tauw ist selbst unser physisches Leben geweiht und gehoben und das Menschlichste, das wir verrichten, wie Essen und Trinken, ist geheiligt und auch schon zur Mizwoh geworden. Wenn wir darum die Sabbatlichter wohl in den Dienst unserer Verrichtungen stellen dürfen, haben wir sie nicht ihres Mlzwohcharakters entkleidet und ihnen den Sinn der Ablenkung vom Zwecknützlichen nicht genommen. Anders aber am Chanuka. Wir zünden die Mizwohlichter an mitten im profanen Leben drin, denn keine Ruhe von unserer WerMtigkeit ist uns am Ghanuka geboten. Unser Sinnen und Tun ist nicht genügend abgelenkt vom selbstischen, zwecksetzenden Getriebe des Geschäftes und der Arbeit. Da soll der Reinheitsmaßregel des Mizwohgedankens: Mizwaus law lehenaus nitnu, volle Geltung werden. Damit uns die Erfüllung des Gebotes umso eher hinanzuziehen vermag die Stufenleiter der Lebensheiligung. Die ruhmreiche Vorgeschichte des Chanuka- Lichtgebotes bestätigt diese Auffassung vollauf. Hellenisten und Gesetzestreue standen sich in Judäa gegenüber, wie Zweckmenschen und Idealisten. Die einen sahen auf des Lebens äußere Nützlichkeit, die anderen auf des Lebens inneren Sinn. Die ersteren forderten: Laßt euch von der Religion nicht rauben, was euren eigenen Zwecken dient im Leben. Stellet, wegen religiöser Bedenken nicht zurück die Genüsse und die Freuden, die die griechische Lebensart euch beut. Nützet nicht das Leben für die Religion, nützet vielmehr umgekehrt selbst die Religion für das Leben. Was die letzteren aber forderten, war freilich schwerer, härter, und so strömten die verblendeten Massen im aufgestachelten Nützllchkeitstaumel den Hellenisten zu. Wer griechisch lebt — sagten sich alle — genießt das Leben, wird reich und angesehen, wer aber jüdisch bleibt, mutz vieles en'behren, manchem entsagen und Opfer der Selbstlosigkeit bringen. Darum lieber unjüdisch. Da stand Matisjahu auf, und was er tat, durch Wort und Tat vollbrachte, war nichts anderes als die Glorifizierung, die Verherrlichung des jüdischen Grundsatzes: Mizwaus law lehenaus nitnu. Er bewies und lehrte das seine Binder beweisen, daß Jude sein nicht heißt, das Leben zu suchen, wo es am leichtesten ist, sondern dort, wo es am schwersten scheint. Gottes Gebot zu halten, hat nichts mit Nützlichkeit zu tun, und doch wohnt ihm allein nur der Segen inne, die nana. Denn Jude sein heißt selbstlos sein, und . selbstlos sein heißt glücklich sein für sich und für alle. Jude sein heißt nicht, bei jeder Angst vor Nachteil und vor Schaden das Heiligste von sich zu werfen, sondem für das Heilige selbst das Leben gerne in die Schanze zu schlagen. Jude sein heißt nicht berechnen, was könnte es mir nützen, sondern erwägen, was könnte es den andern schaden. Möge Hellenentum auch Trumpf sein bei allen, ich und mein Haus — sprach der Heldengreis — bleiben der Mizwoh treu. Wer aber noch so bleiben will, in wem noch ein Fünkchen, glimmt, Gott und nur Gott anzugehören, der komme zu mir. Und sie kamen, sie ließen ihn nicht schnöde im Stiche, sie sammelten sich um ihn, sie schauten auf zu ihm. Denn nichts wollte er. für sich, für sie wollte er ja alles, und sie begriffen, wenn er alles für sie tun sollte, mußten sie für ihn alles geben, ihr Herz, ihre Seele, ihr Können "und ihr Wollen. Spärlich rpar ihr Häuflein, aber fest und beherzt. Und weil es klein war, aber-rein, vollzog sich an dem Kleinen das große Wunder. Das Häuflein ward zur Menge, wie das kleine Krügleiu zum vollen Leuchter, und vollbracht hat dann die Menge, was die Wenigen begonnen. Wie die vielen Lichter im Verlaufe des Chanuka erhellen, was das eine am ersten Tage nur beginnt. Darum laßt uns, wenn wir die Lampen Gottes im Hsiligiume unserer jüdischen Pflicht anzünden wollen, den Spruch des Dienerlichtleins der Chanukamizwoh in Anwendung bringen und sprechen: Gottes Lichter sind uns-heilig, und nicht steht es uns zu, uns ihrer zu bedienen, nur ansehen dürfen wir sie. um zu danken und Lob zu spenden Deinem großen Namen für Deine Wunder, Deine erstaunlichen Taten und Deine Hilfe. Korrespondenzen * Dacbricbten. Deutscher Reich. Reform redwivus! Berlin, 5. Dezember. Das Mitteilungsblatt des Verbandes 0lational* deutscher Juden stellt den Vorschlag eines ungenannt sein wollenden deutschen Juden zur Diskussion, der vorschlägt, den Gottesdienst in der Synagoge durch eine kurze „Weihestunde" zu ersetzen. Der Verband identifiziert sich nicht in allen Punkten mit dem Vorschlag, glaubt aber, daß der Aufsatz möglicherweise den Ausgangspunkt einer interessanten Debatte bilden kann. Der Artikelschreiber meint, daß heute nicht viele Juden in Deutschland imstande sind, die z. B. für Jom Kippur vorgeschriebenen 10- bis 12 stündigen Andachten zu erledigen und kritisiert abfällig das äußere und innere Bild der Gottesdienste in den Synagogen, die die Ursachen find, daß „hunderte von kultivierten Juden die Synagogen meiden". Er schreibt u. a.: „Den Wettbewerb mit tibetanischen Gebetmühlen können sie (die kultivierten Juden) nicht aufnehmen, und die stereotype Predigt des Rabbiners, der ihnen immer wieder versichert, der Glaubensbruder aus dem Osten müsse liebevoller behandelt werden, reizt sie auch nicht besonders." Wochenkalender. 80.-27. Dez. 1924 / 28.-30. Kitzler» 5685. Samstag Dez. 20 asm 23 Sonntag 21 24 Montag 22 25 Dienstag 23 26 Mittwoch 24 27 Donnerstag 25 28 Freitag 26 129 Samstag 27 Tpn 30 Hm Nausch-Thaudefch Lexfche« Mauled: Freitoa vor«.»- > Lhanukah raun rav . 1. Lg. «ausch-Thaudesch;f j l rjfi i S i 41