Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1924)
- Date
- 1924-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 51 dem Vereine an. Das gab wohl den Ausschlag. Unter 2000 Stimmen gab es kaum 200, die eine Vermischung von Sport und Antisemitismus für ihre Person ablehnten. Mit 1663 gegen 190 Stimmen wurde der Ausschluß beschlossen und durchgeführt. Das ganze wäre für uns nicht gar so tragisch, wenn es nicht die Atmosphäre anzeigte, die bis zur reinen Alpenluft zu vergiften den Demagogen hüben und drüben möglich werden konnte. In jahrzehntelanger Bundestreue hielten Deutschland und Oesterreich zusammen, gingen Hand in Hand durch einen blutigen Völkerkrieg in das Elend der Nachkriegszeit. Ein politisches Zusammenschmelzen von Deutschösterreich mit dem Reiche wurde von den» Alliierten verhindert. Aber die eine Allianz, der Beschluß des Deutsch-österreichischen Alpenverein zeigt es vor aller Welt, ist geblieben, die Allianz des Hasses. Unsterblichkeit. ■tfaan matfri- Von Rabbiner Löwy in Hamburg. „Bis du zurückgekehrt bist zur Erde, von der du genommen, denn Staub bist du, und zum Staube kehrst du zurück." Dieses Wort des Allerbarmenden an den ersten Menschen, Werden und Vergehen kennzeichnend, ist im tiefsten Sinne Bürge der Unsterblichkeit. „Zum Staube kehrst du zurück." — Aus der Zelle geschaffen, löst sich der Stoff in der Zusammensetzung auf, die uns als Körper sichtbar war und geht in andere Verbindungen ein. Tod und Leben, Werden und Vergehen find, soweit sie den Körper betreffen, nicht so sehr getrennt, wie sie unseren Sinnen scheinen. Sie sind alle Glieder einer stetigen Reihe von Veränderungen, die durch Uebergänge miteinander verbunden sind. Dem menschlichen Auge sind diese Veränderungen^ nur nach einer gewisien Zeir bemerkbar, in ihrem Wesen jedoch waren sie da, noch bevor die Sinne sie wahrnehmen konnten. Können wir denn mit Bestimmtheit den genauen Zeitpunkt angeben, in dem der Körper krank geworden ist? (Nicht, wann wir die Krankheit erkannt haben.) Oder — auf die Eindrücke der Zeit übertragen —: wann es Abend, Mittag, Morgen oder Nacht wird? Die verschiedenen Zeiten erkennen wir wohl genau, aber ihr allmähliches Entstehen und Werden läßt sich nicht in Zeiten und Formen pressen. Es ist ja auf der Erde gleichzeitig Morgen und Abend, Tag und Nacht — ein ewiger Wechsel und ein ewiges Vergehen und Werden — ineinander greifend und aufeinander aufbauend. So ist auch das, was wir „Tod" nennen, nicht Absterben oder Vernichtung, sondern ein Uebergang in andere Formen des Lebens. Teilung des Zellgefüges in seine Bestandteile ist das „Sterben". verschwunden ist und ob überhaupt ein zu s"anin na# bekannt ist. Samuel Jeselsohn. Reckarbischossheim. (Wie lang« wohnen die Juden in Deutschland?) Herr Dr. Julius Rotholz hat eine Karte der ältesten Niederlassungen in Deutschland gezeichnet. Seinen Erläuterungen zu dieser Ä^rte ist zu entnehmen: Wahrscheinlich sind die ersten Juden nach Deutschland mit den römischen Legionen gekommen, als dieses noch mit Urwald und Sümpfen bedeckt war. Aber streng wissenschaftlich haben deutsche und jüdische Forscher nach Urkunden sestgestellt, daß Juden sich am Rhein und der Donau in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung niedergelassen haben. Köln wird als älteste Kolonie angesehen. Sie bestand lange, ehe das Christentum zur Macht gelangte. Am Rhein befanden sich schon Juden in den ersten Jahrhunderten! nach Christi Geburt, aus dem 10. und 11. Jahrhundert sind jüdische Gemeinden in Süddeutschland und der Provinz Sachsen nachweisbar. Die Juden lebten mit der anderen Bevölkerung jahrhundertelang im besten Einvernehmen, bis fanatischer Religionshatz sie zwang, ihre Bodenständigkeit austugeben und ihre Zuflucht nach dem Osten zu nehmen, wo sie aber ihre deutsche. Muttersprache beibehielten. Der Israelit Solange der Körper gesund ist, besitzt die Seele ihre völlige Kraft, denkt, will und begreift: das heißt: sie kann ihren Willen deutlich durch die Organe des Körpers zum Ausdruck bringen. Wenn der Körper nun „stirbt", so zielt das Leben der im Körper zu einem organischen Ganzen verbundenen Einzelteile nicht mehr auf die Erhaltung der bisherigen Form hm. Die Natur fordert die Teile, die sie in diesem Körper für einen bestimmten Zweck in einer gewissen Zeit gebraucht hat, für etwas arideres. Das Ganze hat in seiner bisherigen Form feine Daseinsberechtigung eingebüßt. Der Aufbau anderer Körper bedarf der Kräfte und Zellen, die der nun erscheinende leblose Körper (als Ganzes leblos) abgibt*). Und die Seele? Sollte sie sich mit dem Zerfall der Organe, durch welche sie sich äußerte, auch auflösen? Wenn das Gefäß, dessen sie sich bediente, um ihr Dasein in der sinnlich wahrnehmbaren Welt zu dokumentieren, zerfallen, sollte sieselbst, sollte aller Höhenflug, alles Sehnen nach Schönem, Gutem und Wahrem aufhören? Dies wäre doch völlige Vernichtung und die Natur kennt eine solche nicht, denn nichts kann spurlos verschwinden. Die Seele — dieser o«n nn natw, der Glanz der hehren göttlichen Welt, dieser toa ll'xhx p^n sollte untergehen? Wie ihr Ursprung in jenen Welten ist, die nicht Raum und Zeit kennen, die nicht mit Maß und Zirkel gemessen werden können, so muß auch sie fortdauern und ewig vorhanden sein, da sie die Aeußerung zeitloser Kraft ist, also von Zeit nicht überwunden werden kann. Sie kehrt heim zu ihrem Quell. Wie innig und schön spricht die Thora vom Tode wie von einer Heimkehr, als von einem Heimfinden: n’nmaa) vibva 'pniarr.brr «an nnm (ra bw) Mia« ay ’naasn Gott spricht zu Abraham: „Du kommst heim zu Deinen Vätern in Frieden" — oder Jaakob spricht von seinem Tode: „Ich werde mich hinlegen zu meinen Vätern". Diese zwei Stellen allein genügen, den Anwurf, als kenne die Thora nicht den Begriff der Unsterblichkeit, zu widerlegen. Der Jude, wenn er die ersten blühenden Bäume im Jahre sieht, spricht den Dank an seinen Schöpfer: „Verherrlicht bist Du Gott, Herr der Welt, der seiner Welt nichts mangeln läßt, der Geschöpfe und Pflanzen geschaffen hat, damit der Mensch genieße" — er betont mit Bedacht, daß das Wiederaufleben der Pflanzen, die starr und tot den Winter überdauerten, daß das Neuregen der Säfte, jede Blüte, jedes Blatt hinweist auf die Erneuerung des Lebens, auf Ewigkeit und Unsterblichkeit2). Das Bewußtsein, daß unserer Seele Leben und Ewigkeit gegeben ist, daß unser Wesen nicht vergehen und spurlos untergehen kann, ist so fest verankert in unserem Herzen, daß unsere Handlungen unbewußt davon beeinflußt werden. Der erste Atemzug des Kindes zeigt „Leben" an, weist aber auch darauf hin, daß der „Tod" es überwinden wird. Trotzdem leben wir freudig und fassen Pläne für die späteste Zukunst, als ob wir ewig leben würden. Wir empfinden — d. h. der Träger unserer Empfindungen, die Seele, fühlt instinktiv die ewige Dauer des Seins.3) „Was Staub war, kehrt zur Erde, wie es vordem war — der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben", spricht Koheleth (Kap. 12). Ueber Not und Pein ist uns dies ewige Wahrwort, Bürge für Unendlichkeit des Körpers und Zeugnis für die Unsterblichkeit der Seele. 1) C. L. Schleich „Das Problem des Todes" Verfasser folgert daraus die Naturwidrigkeit der Leichenöerbrennung, da durch das Feuer die Zellen zerstört werden. 2) Siehe: Or hachajim des m«£>n n"r», Ende Vp'tj -nes) Wenn die Natur keine Vernichtung kennt, so sind auch die seelischen Energien und Verstandsbetätigungen unsterblich — ewig dauernd. Vielleicht liegt hier die Forderung der mis, der Reinheit der Gedanken, nsvnvn ninv begründet. Seelische Energien sind ewig, . ._ 16. Dezember 1924 Mit dieses Erkenntnis tritt die Pflicht oi unser diesseitiges, tätiges Leben heran. Es M „die Seele nicht von ihrem Urquell abzuleiten' die Sehnsucht nach der Heimat lebendig zu er halten, ihr die Schwingen zu stärken, damit ss — wenn ihr diesseitiger Träger, der Körper zerfällt — hinaufzieht. in jene zeit- und körper lose Welt, aus der sie gekommen. j Wenn die Stunde jedes Menschen kommt heimzukehren, feine Hülle zu verlassen und da erborgte Kleid zurückzugeben der Erde — Stof dem Stoffe — da er, sein ureigenstes Wese, zurückgekehrt zum Vater des Alls, zu feinen Vater, da fühlt die Seele den nahen Glanz de, Heimat, und göttliche Majestät wird von brechenden Auge erblickt. Jubelnd kehrt bi, Tochter heim in die Arme des Vaters, die Seel, zum Urquell, zu Gott, jauchzend: 'iparm iran ’wrt nnr, ^»avr Um die Selbständigkeit der Orthodoxie. Gegenbemerkungen. Von Gabiha den Pesisa. (Schluß.) Zum Beweis dafür, daß man sich von eine, Verbindung mit Uebertretern fernhalten muß wenn diese dadurch in ihrem ungesetzlichen Tun bestärkt werden, habe ich ’izrn aus ry angeführt: ana psniD „man sondert sich von ihnen ab, um sie nicht zu gewöhnen". Herr Rabbiner Unna nennt diesen Beweis aus „harmlosen" Raschiworten das Produkt einer ausschweifenden Phantasie. Daß Raschiworte „harmlos" fein können, ist für mich und wohl für alle, die gewöhnt worden sind, unter dem von, Wilnaer Gaon — wenn ich nicht irre — geprägten Wortspiel zu betrachten: bv i'i nsv v"p2 'T *ps 'v"", „Jeder Tintentropfen Raschis muß eindringend erfaßt werden" — eine große Ueberrafchung. Indessen ist durch solche Bemerkungen mein Beweis nicht erschüttert Herr Rabbiner U. gibt ja auch zu, daß es eine sry ’T> npmn, eine moralische Stärkung von Uebertretern ist, wenn man sich zu ihrem unerlaubten Gastmahl setzt, auch wenn man. selbst nur Erlaubtes genießt. Was ist aber der Unterschied, ob man beim weißen Tisch durch seine Anwesenheit den Schein der Billigung von Trefoessen, oder beim grünen Tisch durch Mitberaten und Mitbeschließen den Schein der Billigung des Abfalls erweckt? Warum tadelt Herr Rabb. U. das eine, sehr mit Recht, warum lobt er dar andere? Herr Rabb. Unna geht sogar soweit, daß er die protestlose Annahme des Gemeindebudgets mit allen liberalen Institutionen gutheißt. Aus dem pi des Zwangsverkaufs '»ito, pan habe ich bewiesen, daß selbst unter Zwang erfolgte Handlung ohne Gegenerklärung rechtsgültig bleibt. Herr Dr. U. führt dagegen an, daß Zwangs fchenkung auch ohne Protest ungültig ist. Offenbar will er die protestlose Hinnahme des Etats verteidigen. Er zitiert aber unvollkommen. Denn Zwangsschenkungen sind gültig, wenn nicht B'iy ’jrp , wenn seine Zwangslage nicht offenkundig ist. Run. geht die Gemeindeorthodoxie freiwillig in die Einheitsgemeinden. Eben deswegen müßte sie, von ihrem Standpunkte aus, protestieren gegen jede Gesetzesverletzung. Das „kluge" Schweigen in der Gemeindekörperschaft wird unweigerlich als stille Anerkennung wirken und wird auch als Toleranz gepriesen. ° Run zu niaay . Ich habe aus rravr nachgewiesen, daß es in erster Linie Verwahrung gegen und Verwehrung von Wiv'« bedeutet. Daß eine das Rechte kennende jüdische öffentliche Meinung von den Führern zu schaffen ist, habe ich als selbstverständlich vorausgesetzt und zur Erklärung einer Stelle verwertet. Neu daran war lediglich der Nachweis, daß das mit inaiy zusmii^nhmiM Wrr MchbWr U. nennt die WzWhnett UöWMnH WMe Wene Entdeckung