Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1924)
- Date
- 1924-12-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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11. Dezember 1924 _ Antwort. Herr Rabb. U. hat jüngst in einem Zeitungsartikel in dankenswerter Weise der liberalen Seite die Warnung zugerufen, man solle nicht religionsgesetzlich verbotene Ehen — ohne ns^n — vornehmen. Wie aber, wenn die NL'bn nun von liberaler Seite vorgenommen wird? (Schluß folgt.) llmerponaenre« * nacbricbte«. Mazzothversorgrura. Frankfurt a. M., 8. Dezember. Aus dem Büro der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums wird uns mitgeteilt, daß der Vorstand beschlossen hat, wie im Vorjahre den weniger begüterten Kreisen, Mazzoth zu ermäßigten Preisen zur Verfügung zu stellen. Die Einzelheiten werden demnächst bekanntgegeben. Verein zur Abwehr des AntifemitiSMus. Berlin, 29. Nov. Nachdem in der letzten Hauptversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus der Reichskanzler a. D. Fehrenbach in den Vorstand des Vereins gewählt worden ist, hat der Borstand die Aemter nun» meher folgendermaßen verteilt: Vorsitzender: Reichs- Minister a. D. Dr. ing. Georg Gothein; Stellvertretender Vorsitzender: Reichskanzler a. D. Constantin Fehrenbach; Schatzmeister: Rechtanwalt und Notar Dr. Fischer, Berlin: Stellvertretender Schatzmeister: Rechtsanwalt Willy Braubach, Berlin; Beisitzer: Geh. Justizrat Dr. Dove, Berlin: Iustizrat und Notar Dr. EduardBaerwald, Frankfurt a. M.; Justizrat Dr. Gehrke, Frankfurt a. M.,; Dr. Paul Nathan, Berlin; Staatsminister a. D. Dr. Südekum, Zehlendorf; Bankier Aby S. Marburg, Hamburg: Univeesitätsprofessor Dr. Ziegler, Greifswald. Die amerikanische Rabbineraktion. Berlin, 4. Dezember. Herr Oberrabbiner M. M. Epstein aus Slobodka hielt sich auf der Rückreise von Amerika einige Stunden hier auf. Der tatsächliche Reinertrag der Rabbineraktion in Amerika für die Jeschiwoth dürste nur aus etwa eine Viertelmillion Dollar zu schätzen sein. Ein Drittel der Summe ist für Palästina, zwei Drittel für Litauen und Polen bestimmt. — In etwa fünf Wochen denkt Herr Oberrabbiner Epstein für einige Zeit nach Palästina zu reisen, um dort eine Hebroner Abteilung der Slobodkaer Jeschiwo einzurichten. Im ganzen sollen hundert Bachurim nach Hebron übersiedeln; 25 sind bereits in Erez Jisroel. Der Hauptsitz der Jeschiwo bleibt fürs erste in Slobodka. 6«t$f <«**$. Oberrabdiner ftoof beim Colonial Office. London, 4. Dezember. LXrberrabbiner Kook wurde auf der Rückreise von Amerika von Mr. Amery, dem Staatssekretär des Colonial Office, empfangen, um seine Stellungnahme gegenüber dem Gemeindegesetzentwurf des „Waad leumi" und den Anträgen der „Agudas Jis roel" zu präzisieren. Wie die „Seit" und «Jewish Chromcle" milteilen, will das Ministerium der Sonnenfeldfchen Gemeinde das Recht auf eigene Schechita einräumen und hält es für geboten, der Jerusalemer Orthodoxie auch in anderen Punkten Konzessionen zu machen. Es scheint, daß der Oberkommissar diesen Konzessionen widerstrebt. Der Israel it Erleichterung des Sonntaasruhegesetzes in Griechenland. Saloniki, 8. Dezember. Die griechische Regierung hat das Versprechen abgegeben, das Sonntagsruhegesetz für alle diejenigen zu erleichtern, welche den Sabbat feiern. Der Cheder in der Ukraine offiziell verboten. Riga, 3. Dezember. Ungeachtet der Verfolgungen, denen die jüdischen religiösen Schulen in Rußland (Chedarim) ausgesetzt waren» bestand ein gesetzliches Verbot des Cheder eigentlich nicht. Erft vor ganz kurzer Zeit wurde ein Dekret herausgegeben, laut welchem der Gruppenunterricht in der Religion verboten ist. Auch für den Einzelunterricht müssen die jüdischen religiösen Lehrer (Melamdim) eine besondere Erlaubnis einholen. Itolaftfwa. Kampf Zwischen Juden und Arabern. Jerusalem, 1. Dezember. Am 28. November hat ein Kampf zwischen Juden und Araben in Afuleth, im Tal Jezrael, einige Meilen von Nazareth entfernt, stattgefunden. Ein Araber wurde durch einen Schuß getötet, zwei Araber und einige Juden trugen Verletzungen davon. Der Kamps entstand als Folge einer Auseninandersetzung zwischen Juden und Arabern über das Eigentumsrecht auf ein Stück Land, das von Juden bearbeitet worden ist. Die Araber versuchten mit Gewalt, die Juden daran zu hindern, das Land zu pflügen. Sie eröffneten ein Steinbombardement gegen die jüdischen Pflüger, wodurch diese in eine gefahrvolle Lage gerieten und zur Waffe greifen mußten. Jerusalem, 4. Dezember. Die Regierung von Palästina hat nach einer genauen Untersuchung der Schießaffäre zwischen Arabern und Juden, die sich vor einigen Tagen bei Afuleh ereignet hat, «bekannt gegeben, daß das Land, welches die Juden pflügen wollten, jüdischer Besitz ist und dem amerikanischen Zion Commonwealth gehört. Die Regierung hat Schritte unternommen, um die Rechte der Juden auf dieses Land zu schützen. Die durch den Zwischenfall mit den Arabern unterbrochene Pflugarbeit soll sofort wieder ausgenommen werden. Die Untersuchung über die Schiehaffäre bei Afuleh am Freitag, den 28. November, wird fortgeführt. Cs stehet fest, daß nur ein Schuß abgegeben wurde, doch konnte der Täter nicht festgestellt werden. Von den neun im Zusammenhang mit dieser Affäre verhafteten Juden wurden am 30. November acht wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Urteil im Prozeß gegen „Doar Hayom", Jerusalem, 7. Dezember. Das Urteil im Gotteslästerungsprozeß gegen „Doar Hayom" wurde am 4. Dezember bekannt gegeben. Herr Ben-Avi, der verantwortliche Redakteur der Zeitung „Doar Hayom" wurde zu euer Geldstrafe von 5. Pfund verurteilt. Der Verfasser des nkrüninierten Artikels, Herr Karniel, wurde zu 25 Pfund Geldstrafe verurteilt. Uebersiedlung der Lomzaer Jefchiwa nach Erez Iisroel. Pethach-Tikwah, 26. November. In einer Sitzung der hiesigen Daad wurde beschlossen, für die von Lomza nach Pethach-Titw zja überführende Lomzaer Jefchiwa ein würdiges Gebäude zu errichten. Aus aller Wett. Deutschland. Am Sonntag, den 23. Nov. 1924 fand in Magdeburg auf Anregung der Zentralwohlsahrlsstelle der deutschen Juden die Gründungsversammluny eines Pr ovinzialv erb and es für jüdische Wohlfahrtspflege Sachsen-Anhalt statt. Fast alle jüdischen Gemeinden der Provinz hatten Vertreter entsandt, desgleichen die Logen, Vereine und Anstalten. — Ein Beleidigungsprozetz, den der bekannte Hamburger Bankier Mar M. W a rburg gegen Theodor Frietsch angestrengt hat, führte zur Verurteilung des Theodor Frietsch zu drei Monaten Gefängnis. Frietsch hatte kn seinem vtr. 60 Sette 5 „Hammer" behauptet, das Bankhaus Marburg handle mtt seinen geschäftlichen Unternehmungen gegen die Interessen Deutschlands. — Wie uns die „Freie jüdische Hochschule" in Berlin mitteilt, richtet sie 'Fortbildungskurse für jüdische Lehrer und Lehrerinnen nt den Tagen vom 28. Dezember bis zum Beginn des neuen Jahres ein. — Die „Volksmacht" berichtet, daß ein im Breslauer Stadtparlament von der Nationalsozialistischen Fraktion eingebrachter Antrag zur Registrierung der sremdstämmigen Geschäftsleute auch - die Billigung der Deutschen Volkspartet gefunden hätte. — Im Stadtrat zu München wurde von der Bayrischen Volkspartet dagegen Protest erhoben, daß in den städtischen Horten auch j ü d i s ch e Leiterinnen tätig wären. Ein Stadtrat gab Auskunft, daß es sich nur um eine Leiterin handle, die vor fünf Jahren angeftellt wurde, weil sie von allen Bewerberinnen die beste Prüfung gemacht und die beste Eignung hatte. Die Debatte gestaltete sich sehr lebhaft. — Die „Dresdener Neuesten. Nachrichten" stellen fest, daß der deutfchnationale Spitzenkandidat in Dresden, Dr. Q u a a tz, dessen Wahlparole: „Gegen die jüdische Herrschaft" lautet, mütterlicherseits von jüdischer Abstammung ist. Wir überlassen ihn neidlos der anderen Seite. — Der Bund jüdischer Frontsoldaten hielt am 1. Dezember in Berlin eine große öffentliche Versammlung ab, in der Moritz Goldstetn, Eheftedatteur N u s ch k o und Reichstagsabgeordneter Dr. Julius Moses zur Wahrung der Staatsbürgerrechte der Juden sprachen. — Vor kurzem hat sich in Berlin ein „Komitee für die jüdische Schule" gebildet, das den Zweck verfolgt, die allgemeine und die jüdische Oeffentlichkeit in Westeuropa mit den Zielen und der Arbeit der Schulbewegung in Polen, Litauen, Lettland, Rumänien usw. bekannt zu machen, ferner für die Rechte der jüdischen Schulen in den neuen Staaten einzutreten. Ehrenvorsitzender des Komitees ist der jüdische Historiker Prof. Sch. D u b n o w. Oesterreich. Der vor kurzem in Wien verstorbene Fabrikant Albert Kätscher hat sein gesamtes Vermögen, das über eine viertel Million Dollar bettagen soll, jüdischen Wohltätigkeitsinstitutionen in Wien vermacht. — Der Herausgeber der Brünner „Jüdischen Volksstimme", Mar Hickl, ist während seines Besuches in Wien plötzlich erkrankt und am vergangenen Montag im Wiener allgemeinen Krankenhaus verschieden. Er stand im 51. Lebensjahre. Polen. Auf das Redattionslokal des feit einigen Wochen in Posen erscheinenden Blattes „Glos Posnansky" wurde ein antisemitischer Ueberfall verübt. Der Herausgeber und der Redakteur wurden schwer mißhandelt. Die Zeitung ist von Juden mit dem Zwecke gegründet, die Wahrheit über die Juden in die polnischen Kreise hineinzutragen. Diese Wahrheit wollen aber die polnischen Hooligans mit Knüppel und Messer totschlagen. — Wie bekannt, wurden tn Lemberg die im Jum stattgehabten Wahlen in die Kultusgemeinde auf Betteiben der unterlegenen Assimilanten von der Regierung annulliert. Es sind nun Neuwahlen für den kommenden Januar ausgeschrieben. Litauen. Das zionistische Blatt „Die jüdische Stimme" wurde wegen des Aufrufes zum Protest und zum Trauergottesdienst aus Anlaß der Annahme des Sonntagsruhegesetzes zu einer Geldstrafe von 3000 Lit verurteilt. Tschecho-Slovakei. Das Hebräische Gymnasium in Munkacz wurde von der tschecho-slovakischen Regierung verboten, wogegen eine jüdische Studentenoersammlung in Prag scharfen Protest erhoben hat. England. Wie der katholische „Herald" berichtet, hält die „katholische Gilde von Israel" in dem meist von Juden bewohnten Whitechapel sehr häufig Versammlungen ab, in denen das von der katholischen Presse veröffentlichte Bekenntnis Hans Herzls zu Propagandazwecken verlesen wttd. — Der frühere englische Premier A s q u i t h, der zur Zeit in Palästina weilt, sprach sich sehr lobend über die jüdischen Kolonien aus, die er fast alle besucht hat. Holland. In Amsterdam verstarb am 1. Dezember Dr. Hermann Louis Israels, ein Reffe des berühmten Malers Josef Israels, iw Mter von 63 Jahren. Der Verstorbene war ein gesuchter Rechtsanwalt und als Freiheitskämpfer auch in der Politik bekannt. Schweiz. Die Feststellungen deutscher Zeitungen, daß die Hitlerkampagne mit schweizerischem Gelde finanziert werde, hat hier begreifliche Aufregung nicht nur in den jüdischen Kreisen hervorgerufen. Die Bundesregierung in Bern gibt eine offizielle Erllärung ab, daß die Angaben des „Vorwärts", schweizerische hohe Offiziere seien an der Sache beteiligt, nicht zutteffen. Welche Bewandtnis es mit dem schweizerischen Gelde hat, ist in der Erklärung nicht gesagt. Frankreich. Am 15. Januar 1925 erscheint m Paris die erste Nummer der neuen jüdischen Zeitschrift „Revue Juive". Ste wird sechsmal im Jahre unter der engen Mitarbeiterschaft von Prof. Dr. Georg Brandes, Prof. Albert Einstein und Prof. Sigmund Freud erscheinen. — Zu einer Gedenkfeier für die Kriegsgesallenen im großen Tempel zu Parts hatten sowohl der Präsident der Republik wie der Ministerpräsident Vertreter o». schickt. Rußland. Die jüdischen Kommunisten der Stadt S ch m e r i n k y in der Provinz Podolien haben im Zusammenhang mit einem Konflitte mit dem Ortsrabbiner den jüdischen Friedhof verstaatlicht. Sie weigern sich nun, Mitglieder der „jüdisch«