Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1924)
- Date
- 1924-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450334--71747-2529067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
Sette 2 Nr. 50 Der Israelit 11. Dezember 1924 fpruch, in den Annalen der Geschichte verewigt zu werden. Der höchste Gewinn, den die Geschichte gewährt, ist (nach eines Weltweisen Wort) der Enthusiasmus, den sie erregt. In diesem Sinn soll die geschichtliche Erforschung des Lebens unserer Jeschiwoth im ganzen jüdischen Volke den Willen und die Kraft stählen an der Erhaltung und Förderung dieser Stätten beizutragen, da von ihnen der wahre Bestand des Jundentums und der Judenheit abhängig ist. mmfiz Wochenrundschau. Nach den Rerchstagsrvahlen. Der Wahlsonntag, von dem man auf der linken Seite eine gründliche Korrektur des Voltsmischeides vom 4. Mai erwartet hatte, hat zwar nicht enttäuscht, aber die Korrekturarbeit nicht so gründlich geleistet, wie man es vielleicht nach manchen Vorzeichen hoffen und erwarten durfte. Einzelheiten sind unseren Lesern aus der politischen Tagespresse schon bekannt. Es ist erfreulich, daß die bürgerliche Mitte und Linke, vom Zentrum bis einschließlich der Sozialdemokratie, gestärkt als fester Schutzwall für Recht und Freiheit, für Republik und Verfassung in "dm neuen Reichstag einziehen. Als Iudm und Deutsche begrüßm wir freudig die fast absolute Erledigung der auf den Namen „Völkische" hörmden Radauantisemiten wie die durchgreifende Niederlage der Linksradikalen als ein Erwachen des Willens zu Ordnung, Frieden und Aufbau. Das politische Barometer in Deutschland zeigt mit dem Abwirtschaften der Radauparteien, die seit dem Kriege den Fieberzustand des deutschen Volkes vor aller Welt dartaten, die sichersten Symptome des nun einsetzenden Gesundungsprozesses an. Darüber dürfen wir uns ehrlich freuen. Freilich kehrt die Deutschnationale Partei ,ungeschwächt zurück, sodaß sie auf ihre politischen und parlammtarischen Aspirationen keineswegs verzichten muß, zumal wmn sie nach wie vor Rückendeckung bei der wenig geschwächten Deutschen Volkspartei finden sollte. Man darf indes hoffen, daß auch diese Parteien etwas vom 7. Mai gelernt haben, das ihnen, uns, dem deutschen W/imWAi k Bemerkungen zu nVori 's- Von Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. 32, 8: ft IL'I tikö apsp KT'n ..Da fürchtete sich Jakob sehr und ihm war angst". — Allgemein wird gefragt, warum fürchtete er, nachdem ihm doch Gott Seinen Schutz zugesichert hatte? Die Antwort am Xünn DVU’, eine etwaige Versündigung könnte die göttliche Verheißung vereiteln, befriedigt nicht ganz (vgl. auch ip, ft? z. St.). Uns scheint die Lösung eine andere zu sein: Nicht davor war ihm angst, datz Gottes Verheißung sich nicht erfüllen werde, sondern daß bei der Erfüllung er gleichwohl einen Schaden erleiden könnte. Seine Person selbst werde schon die Vorsehung, der Zusage gemäß, beschützen; feine Nachkommen werden ebenfalls, wie verheißen, sich zahlreich vermehren; aber erne der vier Frauen mit ihren Kindern könnten vielleicht Esaus Angriff zum Opfer fallen. Dies kommt deutlich in den Worten zum Ausdruck Q'jn öx ’aani X12' )S Daterlande und der Welt zum Nutzen gereichen würde. Was die Deutschnationale Dolkspartei auf ihrer bisherigen Höhe erhielt, das ist die Erbschaft, die ihr von den Völkischen zugefallen ist. Die sich von den rechtsradikalen Parteien mit Ekel abwandten, wagten natürlich den Sprung nicht weiter als bis zur nächsten Station, zu den Deutschnationalen. Davon profitierten diese und damit konnten sie ihre ansehnlichen Verluste an Mitte und Links einigermaßen ausgleichen. Es ist Gesetz im politifdfen Leben, aus ben Verlusten zu lernen. Die konservativen Parteien in Deutschland werden aber diesmal noch mehr aus ihren Gewinnen an der rechten Grenze zu lernen haben. Die neugewonnenen Stimmen besagen: Wir wollen eine im Positiven wurzelnde Politik, die uns Ruhe, Ordnung und Sicherheit durch eine straffe Staatsform verbürgt. Mer wir wollen nicht den Radau, wir wollen nicht den Haß um jeden Preis, wir wollen nicht das Feuer eines vierjährigen mörderischen Krieges weiter schüren. Wir wollen, mit einem Worte, keine Reiterattacken abgedankter Generäle und keine Ideologie unheilbarer Psychopaten von der Sorte eines Hitler und Dinier als die Grundmarimen der Innen- und Außenpolitik. Sonst wären wir da geblieben, wo wir waren: bei den Völkischen. Werden die Konservativen die Sprache des gewonnenen Grenzlandes und deren Sinn endlich begreifen? Muß es so sein, daß „national" und „konservativ" so viel bedeute wie intolerant, exklusiv, engherzig und gehässig? Warum tonnten in England die Juden und auch andere religiöse Minderheiten am Wahlsieg der Konservativen, sofern ihre politische Einstellung danach war. eine reine Freude empfinden? Warum ist es in Italien möglich, datz selbst die Faszisten, bei uns der Inbegriff alles Rassenhasses, nicht die Spur vom Judenhaß haben und ein Mussolini sogar öffentlich' den deutschen Antisemiten das Recht bestreitet, sich auf ihn zu berufen? Nicht etwa, daß wir damit dem Faszismus in irgend einer Form das Wort reden wollten. Mer warum soll es bei uns nicht möglich sein, was anderswo in Europa selbstverständlich ist: nämlich, daß Rechts Politik im Sinne des Rechtes und nicht des 'Hasses verstanden und betätigt wird? Wir erinnern uns, daß sich schon gelegentlich lange vor dem Kriege solche Bestrebungen innerhalb der Konservativen geltend machten, aber nicht durchsetzten. Zu Liebe zwingen, wie es die Naumann-Partei in reichlich wider- „datz Csau nicht komme und mich einer Mutter nebst deren Kinder beraube nx - max nnxi v'.i nsff b* ivx ^ina 151t. »Du hast ja gesagt. Ich werde deine Nachkommen machen wie Sand des Meeres", darum fürchte ich auch nicht, daß alle meine Kinder, aber wohl datz eine Mutter mit ihren Kindern umkommen könnten! n. 32. 17: -ny ,'21 115 pn iv'em niii »Und lasset Raum zwischen Herde und Herde". —..Jakob sprach: Herr der Welt» Wenn Du einmal Leiden über meine Nachkommen verhängst, laß sie, doch nicht ohne Unterbrechung aus einanoerfolgen, sondern befiehl den Bedrängern, daß ste meinen Kindern Ruhepausen gönnen zwischen der einen Heimsuchung und der anderen". Midrasch rabbo. in. 32, 25; rnb apsp imi „Jakob blieb allein zurück". — „Er hatte nämlich, so bemerkt Raschi nach Talmud Chulin 91a, „kleine Krüglein vergessen und kehrte zurück, um sie zu holen". — Welchen Anhalt gibt es dafür, und warum gerade kleine Krüglein? — Ich glaube, unsere Lehrer wollen damit folgendes sagen: Der erste Kampf zwischen dem Vater des jüdischen Volkes und dem Genius Esaus war das Vorzeichen für das spätere große Ringen zwischen Israel und Edom im Zeitalter der Makkäbäer. Wie hier Jakob, so waren auch dort die wenigen würdigen Träger seines Namens allein zurückgeblieben, — verlassen und verraten, auch von den eigenen Volksgenossen, und wie hier, so Ivar auch dort schließlich der Sieg aus Israels Seite. Doch das Geheimnis dieses Sieges lag allein darin, daß sie, gleich ihrem Stammvater, zurückgekehrt n licher Weise getan, kann man keinen. Mer nun hat am 7. Dezember das Dolkgesp^ochen. Wäre zu hoffen, daß die heute „Deutschnationale" sich nennenden Konservativen diese Sprache verstehen würden, so könnte für die Folge dem politischen Kampf viel von seiner Härte und Schärfe genommen werden, und der Weg zu einer Gesundung nicht nur unseres schwerkranken Parteiwesens, sondern auch Deutschlands überhaupt gebahnt werden. Der Jüdische Sonntagsgottesdienst im Radio. Aeber unsere Bewertung der „Jüdischen Feierstunde" im Radio, wie wir sie vor kurzem an einem schönen Sonntagmorgen in Frankfurt am Main erlebt haben, ist der Prediger dieser Radioveranstaltung, Dr. Cäsar Seligmann, tief gekränkt, und gleichsam zu seiner Rehabilitierung veröffentlicht er in Nr. 43 der „Jüdischliberalen Zeitung" vom 5. Dezember den ganzen Wortlaut der Predigt unter dem Titel „Der Sonnenaufgang der Gotteserkenntnis auf der Höhe des Moria." Dem Artikel gehen ein paar Bemerkungen voraus, in denen sich die Redaktion — oder der Verfasser — über den bösen „Israelit" gar sehr beschwert, der „kurzsichtig und reaktionär", wie er nun einmal ist, nicht einzusehen vermag, wieviel Segen und religiöse Erbauung diese von der „Südwestdeutschen Rundfunk A.-G." veranstalteten religiösen Morgenfeiern kranken und schwächlichen Glaubensbrüdern, die die Synagoge nicht besuchen können, ins Haus bringen. Wir hätten die „religiösen Führer des Judentums" verunglimpft und sie wie die Rundfunkgesellschaft von dem Versuch abzubringen gesucht, die „Milderung der Gegensätze in unserem Vaterlande durch Verbreitung jüdischer Ideen" zu erreichen. Nach einigen ähnlichen liebenswürdigen Worten an die Adresse der I. T. Ä. und einiger jüdischer Zeitungen, die den Inhalt unserer Kritik weiter gegeben haben, dient uns noch die Vorbemerkung mit der weisen Feststellung, daß sich vor hundert Jahren die Orthodoxie gegen die deutsche Predigt in der Synagoge gesträubt hätte, während sie sie heute selbst als Bestandteil des Gottesdienstes hat, woraus hervorgehe, daß in weiteren hundert Jahren die Orthodoxie sich' auch des Radio bemächtigen und den Radiogottesdienst sogar als ihr Verdienst buchen würde. lleber die Kritik, die wir an der Predigt selbst geübt haben und die den allergrößten Teil unseres Artikels einnahm — die Veranstaltung als solche streiften wir nur mit einigen einwaren, das kleine, von der Menge vergessene heilige Krüglein wieder zu holen» um daraus das wunderbare Licht des Iudentnms aufs neu erstrahlen zu lassen! Bon der Schönheit und Sündenreinheit Sarahs. Herr Rabb. Dr. Winkler hält die Lesart >p na ’sift 't naa 'D na xorr^/a naa in Raschi zu ^Anfang mtfr "N und in Midrasch Rabbo z. St. für fehlerhaft. Er komistt zu diesem Urteil auf Grund der rrnvIZ im Midrasch Tillim Nr. 37 und in dem sogenannten Raschikommentar auf unfern Midrasch Rabbo. die lautet : 't naa o na ’aift 'a naa 'p na ♦x»rft Dieser Lesart gibt er auch deshalb den Vorzug, weil er sich von „im Auge fallenden Schwierigkeiten in unserer Raschi" leiten läßt. Seine Beweisführung will uns aber nicht einleuchten. Wenn eine von beiden Lesarten als Schreib- oder Druckfehler auszuscheiden hat, so scheinet man sich dem Kommentar auf den Midrasch imia rimna anschließen zu müssen. Dieser schreibt: p'vii xvtft v'i^5 naa. Einen unwiderleglichen Beweis zugunsten der uns vorliegenden xnvii in Rüschi auf ffain erblicken wir im Zusatz in Raschi: rfta 'p na ix pwi5 na .ii'x 'inv nxvn rft o na ,i» Xvn. Dieser Zusatz patzt nur zu unserer Lesart. Einen derartigen Zusatz auf Grund einer Annahme zu streichen, scheint doch sehr gewagt. Daher ist eher anzunehmen, datz die xvl'A in dem sogenannten Raschikommentar aus den Midrasch nicht von '*tm herrührt, wenn überhaupt dieser Kommentar von