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Der Israelit · 1924-12-04 · Heft 49 (4.12.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 49 (4.12.1924)
Date
1924-12-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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r i s . | H;| 14?i \ ■, y WM^MWWWWWWWW»WWWWWM>MMMst^WWW»M»»W^ Der Israelit 4. Dezember 1924 Seite 4 Nr. 49 tragen. Neben einer Droschoh Sr. Ehrro. des Hamburger Oberrabbiners sollen durch eine Reihe von Referaten, teils in allgemeinen Plenarsitzungen, teils im engeren Rahmen von Fachgruppen, wichtige jüdisch-wissenschaftliche Probleme zur Erörterung gebracht werden. Eine Zusammenstellung der Themata dürfte am besten eine Vorstellung von der geplanten Arbeit geben: I. Thorawissenschaft: a) Die Theorieen des Rambam und Ramban über Dibre Sofrim. b) Dino d'malchuso dino. H. Geschichte: Ueber den Sinn der jüdischen Geschichte. IH. Literatur: Die neuhebräische und jüdische Literatur in ihrer Bedeutung für das thoratreue Judentum. IV. Erziehung: a) Moderne pädagogische Bestrebungen in ihren Beziehungen zum Judentum. b) „Arbeitsunterrichi" für das jüdische Kind. V. Rechtswissenschaft: Jüdisches Notrecht. VI. Medizin und Naturwissenschaft: Untersuchungen zur Klärung des Bewutztseinszustandes nach dem Schächtschnitt. VII. Allgemeines: a) Das thoratreue Judentum der Gegenwart in politisch-sozialer Beziehung. b) Das thoratreue Judentum der Gegenwart in wissenschaftlicher und kultureller Beziehung. Die Bedeutsamkeit mancher Probleme hat über den Rahmen des Bundes hinaus Interesse geweckt, und so hat das Bundespräsidium sich entschlossen, einen Teil der Referäte in größerer Oeffentlichteit zu veranstalten und auch für die Gebiete von weniger allgemeiner Bedeutung einer beschränkten Anzahl von Interessenten die Teilnahme zu ermöglichen. Das Hamburger Lokalkomitee (Adresse cand. phil. Hermann Ullmamr, Bornstr. 2) ist auch gerne bereit, auswärtigen Gästen, die nicht Bundesbrüder sind, bei ihrer Unterkunft in Hamburg behilflich zu sein. In diesen Wochen werden die 'Bundesvereinigungen durch vorbereitende Referate die einzelnen Verhandlungsgegenstände in ihrer Mitte zu klären suchen, und so befruchtet schon jetzt der bevorstehende Bundestag die wissenschaftliche V. I. A.-Tätigkeit. Wenn man von dem Schatten, den ein Ereignis vorauswirft, auf dessen, Bedeutsamkeit schließen darf, so kann man erwarten, daß der Bundestags des B. I. A. innerhalb der Orthodoxie sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestalten wird, der die Beachtung auch der weiteren jüdischen Oeffentlichkeit verdient. HomrponSenren * nacbricbten Deutscher Reieh. Juden- und Aranzosenherrschaft. Berlin, 26. November. Am 24. November, abends fand in den Spichernsälen im Berliner Westen eine vom „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" veranstaltete öffentliche Versammlung statt, die als Kundgebung gegen das Schlagwort der Deutschnationalen zu den bevorstehenden Wahlen: „Gegen Juden und Franzosenherrschaft" gedacht war. Der große Saal mit seinen Galerien war lange vor Beginn vollständig überfüllt, so daß zur weiteren Absperrung Schutzpolizei herangezogen und eine Parallelversammlung veranstaltet werden mußte. Als erster Redner sprach Justizrat Dr. B r o d n i tz. Syndikus Dr. Wiener erinnerte in längerer Rede an die Verdienste zahlreicher Juden auf allen Gebieten der Wissenschaft und Technik. Von stürmischem Jubel begrüßt, betrat der Vizepräsident des braunschweigischen Landtages, Abgeordneter Dr. Regensburger die Tribüne. Er führte aus: „Die Zusammenstellung von Juden und Franzosen ist unerhört gemein. Sie dient den Instinkten der niederen Massen. Diesen wirddie Parole der Judenhetze in den Rachen geworfen. Wir klagen diese Deutschnationalen der Vergiftung des politischen Kampfes an. Richter soll fein die Phalanx aller anständigen Menschen in Deutschland. Wir lassen uns nicht gefallen, daß dieser Haß in das hehre Andenken der 12 000 Gefallenen hineingetragen wird von einer Partei, die sich „deutsch" und „national" schimpft. Sie befleckt den deutschen Ehrenfchild mit dem Schmutze der Pogromstimmung. Rathenau haben sie gemordet, den Staatsmann, der als erster eine Politik der Verständigung mit Erfolg einleitete. Jetzt schänden sie unsere Heiligtümer, Kirchhöfe und Synagogen — dafür aber bleibt ihnen die Verantwortung vor. der Geschichte." kieren. Die Petersburger, von jeher große Freunde des Gesanges, wollen aber, soweit sie mit der Zeit fortgeschritten sind, auf die Alt- und Sopranstimmen nicht verzichten und setzten allen Protesten von seiten des Rabbinats und der gesetzestreuen Kreise zum Trotze die Einführung des aus Herren und Damen bestehenden „gemischten Chores" durch. Der greise Rabbi Katzenellenbogen, der mit seinen achtzig Jahren noch wie ein Jüngling für die „Jüdischkeit" kämpft, erklärte an der Spitze des Rabbinates, daß es jedem religiösen Juden strengstens verboten sei, die große Synagoge zu betreten, solange der gemischte Chor bestehe. So mußten sich die Treugebliebenen in kleinere Synagogen flüchten. Wer die Bresche in den bisherigen Einheitsbau der Petersburger Judenheit gelegt hat, ist klar, und die Nachahmung in den großen Provinzstädten steht sehr zu befürchten. Leider ist auch ein offener Konflikt in den Kreisen der Gesetzestreuen zum Ausbruch gekommen. Bekanntlich weilt in Petersburg seit den Kriegswirren der als Gaon weltberühmte chassidische Raw aus Dwinsk, der sogenannte „Rogotschower". Die auf viele Bethäuser der Stadt verteilten Chassidim beschlossen, im Interesse ihrer Sammlung den „Rogotschower" in aller Form als religiöses Oberhaupt aller chassidischen Schulen in Petersburg zu ernennen. Dagegen sträubt fich aber Rabbi Tewle Katzenellenbogen, bei all seiner Hochachtung für den Dwinsker Kollegen, entschieden, und zwar mit der Begründung, daß er Katzenellenbogen ein halbes Jahrhundert der alleinige, geistige Führer der ganzen Gemeinde, auch der Chassidim, war, und er diese Absplitterung als tiefe Verletzung empfinden müßte. Man darf hoffen, daß sich auch eine Einigungsformel bald findet, da heute wie kaum zuvor das Zusammengehen dieser beiden anerkannten und bewährten Führer gegen alle Anstürme von Außen und Innen dringend nötig ist. Petersburg besitzt überdies noch eine große Anzahl von Rabbinern, deren jeder seine Synagoge oder sein Beth Hamedrasch hat, wo er wirkt, lernt, und vor einem mehr oder weniger großen Kreis auch lehrt. Das jüdische Leben hat hier eher zu als abgenommen, trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Knebelung aller religiösen Betätigung von seiten der sogenannten „Jüdischen Sektion". Wochenkalender. 8—13. Dez. 1924 / 8.—16. Kißlew 5685. Reichskanzler Marx gegen die neue «Juda- und Rom"-Hetze. K ö l n, 26. November. Am Sonntag, den 23. November, hat Reichskanzler Marx in der Messehalle vor mehr als 5000 Zuhörern eine Rede über die politische Lage gehalten. Er sagte, eine Regierung des Bürgerblocks von den Deutschnationalen bis zum Zentrum würde zwangsläufig nach der völkischen Seite tendieren. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie Graf Westarp zu der Ansicht kommen konnte, das Zentrum würde mit der Partei des Herrn Ludendorff gemeinsame Politik machen. Einen solchen Vürgerblock, in dem wir nur den Steigbügelhalter für den völkischen Block abgeben, lehne ich unter allen Umstünden ab. . . . Mit dem Gedanken der Volksgemeinschaft verträgt sich auch nicht die Hetze, die unter dem Schlagwort „Gegen Juda und Rom" neuerdings wieder gegen Juden und Katholiken einsetzt." Der Reichskanzler schloß mit der Erklärung) die Weimarer Verfassung sei kein Produkt der Revolution, sie ist höchstes Recht. Die Verfassung ist und bleibt das Grundgesetz. Itnijatn. Der Vombenprozetz. Budapest, 26. November. In dem Prozeß gegen die Bombeüattentäter auf den Elisabethstädter Klub wurde am 20.'November der Direktor des Klubs, Hugo Fleck, ein 74 jähriger Greis, der nach dem Attentat 6 Monate das Bett hüten mußte, als Zeuge vernommen. Elek erkannte in Marffy denjenigen, der einige Stunden vor dem Attentat im Kasino erschienen war und sich erkundigte, ob an diesem Tage das Festmahl der liberalen Politiker stattfinden wird. Erschütternd gestaltete sich die Einvernahme der übrigen Ueberlebenden der Mordnacht, die alle schwere Verletzungen davontrugen. Sie berichteten einer nach dem anderen von den mehr oder minder schweren Verletzungen, die sie an jenem verhängnisvollen Abend erlitten haben. Dr. Moritz Maros, der, auf einen Krückstock gestützt, vor den Richtern erscheint, antwortet auf die Frage des Präsidenten, daß er in seiner Berufstätigkeit durch seine Krüppelhaftigkeit stark gehindert sei, von den Angeklagten jedoch keinen Schadenersatz verlange. Auch alle anderen vernommenen Geschädigten verzichten auf jeglichen Schadenersatz. (I. T. A.) Litauen. Der Prozeß gegen die Rabbiner in Litauen. K o w n o , 26. November. In Verbindung mit dem Taanis als Protest gegen das Sonntags-Ruhegesetz führt jetzt die Polizei eine energische Untersuchung gegen die Rabbiner, die die Aufforderung zur Andacht unterschrieben haben, durch. Der Polizenchef Januschonis führte persönlich die Untersuchung im Büro des Rabbinats und unterzog, sämtliche Kownoer Rabbiner einem peinlichen Verhör. Der Senior der nrrna '->iv Rabbiner Kark, antwortete dem Polizeichef, er habe an der Organisierung des Protestes tätigen Anteil genommen, er wurde hierzu durch die schwere Lage, in welche die Juden durch das neue Gesetz geraten, veranlaßt. Als der Polizeichef fragte, ob er wisse, daß dies verboten sei, antwortete der greise Rabbi: „Sogar in den Zarenzeiten durfte man die Gemeinde zum Gebet auffordern, wie soll man das nicht in dem demokratischen Litauen dürfen?" Rabbi Kark erklärte, er sei in Abwesenheit des Oberrabbiner Schapiro der Anreger der gesamten Protestaktion gervesen und übernehme die volle Verantwortung. Samstag Dez. 6 9 ibv2 Sonntag 7 10 Montag 8 n Dienstag 4 12 Mittwoch ICH 13 Donnerstag 11 14 Freitag 12 15 Samstag 13 nton 16 Freitag den 8. Kislero (5. Dez.) beginnt man -,um jm »»sagen- Jtoläftina. Brief aus Palästina. (Tanzkult. — Gute Berichte. — Der Gouverneur in der Sukoh-Sefardische Sammlung.) Jerusalem, 15. November. In einem umfangreichen Artikel des „Doar Hajom" wird wehmütig darüber geklagt, daß die Bedeutung des Tanzes vom jüdischen Publikum noch so wenig begriffen wurde. Der Artikelschreiber spricht von einer nip'in ju'sv und fragt, wann diese wiederkehren würde. Wir müssen sagen, daß wir auf eine solche blasphemische Deutung der „Galuth Haschechinah" im „Doar Hajom" des Jtamar Ben Jehuda, der zuweilen auch religiöse Anwandlungen hat, nicht gefaßt waren. Hat es aber mtt L

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