Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1924)
- Date
- 1924-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4 Dezember 1824 ytr. 49 Seite 5 den Ausführungen in diesem Artikel seine Richtigkeit, dann wollen wir ihm doch für die für uns erfreuliche Feststellung dankbar sein. - Dr. CH. Keller, der bekannte amerikanische Spezialist aus dem Gebiete der Orthopädie, der sich die Organisierung des Gesundheitswesens in Palästina sehr angelegen sein läßt und zu diesem Zwecke jetzt längere Zeit in Palästina geweilt hat, spricht sich in verschiedenen Zeitungen sehr befriedigt über die Besserung der religiösen Verhältnisse im Lande aus. Er freute sich zu sehen, daß selbst im vielverschrienen „Tel Awiw" alle Läden am Sabbat geschlossen waren und Handel und Wandel vollkommen ruhten, was vor fünf Jahren noch keineswegs der Fall war. Eine noch stärkere Beeinflussung der schwankenden Jugend wäre zu erwarten, wenn noch mehr Gesetzestreue mit europäischer Bildung ins Land kämen. Auch das Sammelwerk der Zionisten, so schreibt Keller, leidet stark darunter, daß die Sendboten zumeist gleichgültig, ja sogar sich feindselig zu der jüdischen Religion verhalten. Der Gouverneur von Jerusalem-Jaffa, Sir S t o r r e s, der in der Sukkothwoche den Kreis bereiste, legte Wert darauf, in Petach Tikwa wie in den anderen jüdischen Kolonien sein Mahl in einer jüdischenLaubhütte einzunehmen. In Petach Tikwa wurde ihm ein feierlicher Empfang bereitet. In seiner Ansprache sagte er u. a.: „Ich bin glücklich, das Sukkoth-Fest, von dem ich so viel in der Bibel las, bei Euch zu verleben und es mit eigenen Augen zu sehen, wie die Vorschriften dieses Festees in der Praxis durchgeführt werden." In „Tel Awiw" wurde unter großen Feierlichkeiten der Grundstein zu einer großen sephardischen Synagoge gelegt. In einer schönen Festrede des Chacham Rabbi Usiel wurde aus die erfreuliche Entwicklung des sephardischen Gemeinwesens und aus das Zusammenarbeiten von Sephardim und Aschkenasim in dieser neuen jüdischen Stadt für das Aufblühen des jüdischen Jischuw hingewiesen. Eine Urkunde in diesem Sinne wurde in. die Grundmauer eingegraben. Im Zusammenhänge mit dieser Einweihung wurde in einer Delegiertensitzung die Frage der Einberufung eines sephardischen Weltkongresses in Palästina besprochen. Es wurden Meinungen für und wider laut und nach Reden von RabbiUsiel, Rabbi Mejuches, Almaliah u. v. a. beschlossen, das Organisationskomitee zur Einberufung des sephardischen Weltkongresses in Palästina anzuerkennen und zu unterstützen. Die sephardische Gemeinde in Jaffa delegiert fünf Vertreter in das Komitee und erwartet, daß die anderen sephardiischen Gemeinden ebenfalls für eine entsprechende Vertretung sorgen werden. Aus aller Welt. Deutschland. Vor dem Göttinger Schöffengericht fand die Verufungsverhandlung gegen den Denkmalschänder des Gefallenendenkmals des Res.-Jnf.-Regts. 91, den Heizer Kraft aus Göttingen statt, der 1924 zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er in der Nacht des 11. August 1924 von einem am Denkmal niedergelegten Kranz des „Reichsbundes jüdischer Frontsodaten" aus gemeinste Weise beschmutzt hat. Das Berufungsgericht verurteilte Kraft zu einem Monat Gefängnis mit der Begründung, daß die Tat derartig gemein sei, daß eine Geldstrafe ausgeschlossen fei. — Wie aus Kassel telegraphiert wird, wurden die Mitglieder des Jungdeutschen Ordens, die vor einigen Tagen in die Synagoge von Hersfeld eingebrochen waren, die Bundeslade beschädigt und beschmutzt, sowie den Vorhang der Bundeslade gestohlen und in den Fluß geworfen haben, aus der Haft entlassen. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Unfugs und Sachbeschädigung, aber nicht wegen Kirchenraubs und Schändung der Heilgen Geräte. Oesterreich. Der Apotheker Rafael L i n s k e r, der zu 6 Monaten Gefängnis und zum Verlust des Magister- Diploms verurteilt wurde und dann Selbstmord beging, hat Briefe hinterlassen, in denen er seine Unschuld beteuert und behauptet, die Proben, die den Sachverständigen Vorgelegen hatten, seien von seinem Todfeind, dem Inspektor Hoyer, gefälscht worden. — Der Verband jüdischer Ingenieure und Techniker für den Ausbau Palästinas in Wien veranstaltet im Februar 1925 eine Studienreise nach Palästina, Aegypten und Syrien. Die Abreise von Wien wird am 5. Februar 1925 erfolgen, die Reisedauer wird 34 Tage umfassen. Schriftliche Anmeldungen ergehen an Architekt Ing. H. Sebelsohn, Wien 3, Rechte Bahngasse 12, der auch alle anderen näheren Auskünfte erteilt. — Wie erinnerlich, haben drei jugendliche Hakenkreuzler in der Nacht vom 19. zum 20. September einen Angriff auf ein Heim der A g u d a h in der Südbahn- Schreoergartenkolonie in Meidling unternommen. Sie waren teilweise geständig. Akamphuber und Jnfeld wurden zu je zwei Monaten, Jakl Lu vier Monaten Der Israelit Arrest mit dreijähriger Bewährungsfrist bedingt verurteilt. Rußland. In Bobruisk sind wieder mehrere!Zionisten verhaftet worden. Die zionistische Arbeitspartei „Hitachduth" hat einen neuen Aufruf herausgeeben, der jetzt in Rußland zirkuliert und in welchem gegen das Unterdrückungssystem der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei gegenüber den zionistischen Körperschaften protestiert wird. Mexiko. Der älteste und angesehenste Jude in Mexiko, Don Francisco Rivas Puigcerver, ist dieser Tage gestorben. Er war Schriftsteller, Leherer, Soldat und Gelehrter in einer Person. Er ist ein Nachkomme des A b a r b a n e l, der zur Zeit der Inquisition in Spanien starb. Ägypten. Senator Joseph Pascha Aslan C a t t a u i, Vizepräsident der jüdischen Gemeinde in Kairo, wurde zum Finanzminister der vom Ziwar Pasha gebildeten neuen ägyptischen Regierung berufen. Senator Cattaui ist der Sohn des Moses Cattaui Pasha, der seit 41 Jahren Präsident der jüdischen Gemeinde in Kairo war und im vergangenen März starb. Personalien. Berlin, 28. Nov. In Berlin verstarb Heinrich Reuß,'ein verdienter Pädagoge und durch seine Artikel auch unseren Lesern wohl bekannt. Reuß ist in Oberlauringen geboren, von wo er mit 12 Jahren nach Burgpreppach (Präparandie) und dann nach Würzburg ins Lehrerseminar kam. Er war zuerst Religionslehrer in Herborn und dann 12 Jahre Bolksfchullehrer und Prediger in Neustadt-Goedens. Bon dort kam er nach Aurich, wo er 14 Jahre als Hauptlehrer, Prediger und Chafen segensreich wirkte. Seit 1908 lebte er in Berlin, wo er 14 Jahre lang als Religionslehrer der Adaß und als Lehrer an der Talmud-Thora Knesseth-Jisroel wirkte. Cr starb im Alter von 62 Jahren, wovon er 43 Jahre als Lehrer eine Generation nvan^i min*! erzog. Eine große Reihe pädagogischer, religionsphilosophischer und belletristischer Schriften sichert sein Andenken für alle Zeiten rrasan Mansbach, 1. Dez. Heute verläßt uns d er feit zwei Jahren hier tätige Lehrer B e r l i n g e r, der aus Berlichingen stammt und von der Regierung nach Burgbaun versetzt wurde. Die Gemeinde sieht diesen tüchtigen und vorbildlichen Lehrer nur mit großem Bedauern scheiden und hofft, nachdem das Ministerium, trotz des ursprünglich ins Auge gefaßten Abbaus der Stelle, verfügt hat, daß dieselbe weiter erhalten werden soll, wieder einen so tüchtigen Lehrer und guten Jehudi zu finden. Eiterfelh 1. Dez. Durch die Regierung ist Herr Lehrer Oppenheim von Lichenrod nach hier versetzt worden. Die Gemeinde hofft in ihm einen würdigen Nachfolger für Herrn Lehrer Schuster, der nach Groß- Krotzenburg versetzt wurde, gefunden zu haben. Tann. Durch ministerielle Verfügung wird unsere Volksschulstelle, die in Abbaugefahr schwebte, aufrechterhalten. Flieden. 1. Dez. Am verflossenen nnw "n na«? hatten wir hier eine seltene Feier. Galt es doch die goldene Hochzeit eines würdigen Ehepaares, Herrn Löb Star und Malchen Stein geb. Herzberger in würdiger Weise zu feiern. Nachdem der Synagogenchor einige Psalmen vorgetragen hatte, hielt Herr Lehrer Freudenberger eine Ansprache an die beiden Jubilare und verglich deren Lebenslauf mit dem Abrahams und Saras. Die Gemeinde Hintersteinar, in der die Jubilare früher gewohnt, ließ ein herrliches Bukett mit entsprechender Widmung überreichen. Der hiesige israelitische Männeroerein überreichte den Jubilaren ein künstlerisch ausgearbeitetes Diplom. Der Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda sandte ebenfalls einen Glückwunsch und bedauerte, durch eine Familienfeier am Erscheinen verhindert zu sein. Möge den beiden Jubilaren noch ein langer, glücklicher Lebensabend beschieden sein. München, 30. Nov. Durch das Hinscheiden des Lehrers Raphael Adler V"xt hat die Israelitische Volksschule in München einen schweren Verlust erlitten. Obwohl nur wenige Wochen im Amt, hat es der Verstorbene verstanden, sich die Liebe und Zuneigung der Kinder und das Vertrauen der Eltern zu erwerben. Adler war ein Opfer des Krieges, das achtzehnte unter den 65 bayerischen Lehrern, welche ihre Pflicht gegen das Vaterland erfüllten. Nach schwerer Verwundung 1920 aus vierjähriger Gefangenschaft zurückgekehrt, gab er sich mit neuer Begeisterung dem Lehrerberufe hin, aus dem ihn eine in Feindesland erworbene tückische Krankheit nunmehr gerissen hat. n*'axan * * Aus dem Kreise der Familie wird uns noch geschrieben: Am 1. Tag 1^-02 vm pm -haben wir einen Mann zur letzten Ruhe gebettet, der es verdient, in diesen Blättern erwähnt zu werden. Unser erst vor wenigen Wochen von Mittelsinn hieher übersiedelter Lehrer Raphael Adler ist nicht mehr. Lehrer Adler kam nach München, an der Ohel Jakob-Schule sich ein größeres Arbeitsfeld suchend. Die Tragik des Schicksals wollte es, daß er nur eine einzige Nacht in seiner neuen Wohnung weilte, da — tnpna »an — traf ihn die Hand Gottes, den erst 33 jährigen, vvvn na ’a, denn die Sonne ging für ihn auf immer unter, die junge Witwe und fein einziges kleines Töchterchen zurücklasiend. 1 Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu nahm Abschied im Namen der Gemeinde, dem tüchtigen Schulmanne Dank sagend und Herr Dingfelder sprach für den bayerischen Lehrerverein, dessen eifriges Mitglied der Verblichene nach der Rückkehr aus 5 jähriger französischer Gefangenschaft gewesen. Möge n.apn, der nuvbx p'n v'vin' arr seiner Frau und seinem Kinde ein Helfer sein und seinen alten Eltern nvna bringen. p«. Vermischtes. Worms a. Rh., 23 Nov. Am vergangenen Sonntag wurde in Anwesenheit des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, der Beamten und der Vorstände sämtlicher jüdischer Vereine ein „Jüdisches Museum" eröffnet. — Zur Erinnerung an die vor 300 Jahren von David Oppenheim erbauten Raschikapelle fand am gestrigen Sabbate eine gottesdienstliche Feier statt. Aus diesem Anlasse ist auch bei Christian Herbst hier eine Schrift „Raschi" von S. Rothschild erschienen, die ein Lebensbild des großen Mannes gibt und mit 5 Bildern geziert ist. (Preis 1.50 Mark.) Dürzburg, 26. Nov. Am Sonntag, den 16. November, pVnn» v"' fand hier eine kleine, aber in der jetzigen Zeit gewiß seltene Feier statt. Galt es doch, die Einweihung unserer neuhergerichteten kleinen Synagoge festlich zu begehen. In dem Raume der ehemaligen „Mazzostube" — die allen Würzburger werden sich der Zeit noch erinnern, da diese ihrem eigentlichen Berufe, dem Mazzebacken für die Gemeinde diente — erstand durch Umbau und Erweiterung, der Gemeinde diese „Winterschul für den Wochentagsgottesdienst". Die hiesige Familie Seligsberger stiftete aus Familienbesitz, zum Andenken an ihren früh verstorbenen Neffen Otto Hirsch s. A. aus München die hauptsächlichsten Teile der Inneneinrichtung, die aus einer alten unterfränkischen Synagoge stammen. Viele hiesige Gemeindemitglieder ergänzten die fehlenden Stücke und so entstand ein »y» vnpv ein wahres Schmuckkästchen, wie es wohl stilvoller und schöner kaum erstellt werden kann. Die Synagoge, faßt 70 Sperren* unb 20 Frauenplätze. Zur Feier der Einweihung waren neben den Spendern und den Mitgliedern der Verwaltung aus Mangel an Platz nur die Vertreter der hiesigen Vereine geladen. Nach Verbringung der min 'nsv und dem einleitenden Gesänge iaiv n» übernahm der Vorsitzende der Kultusverwaltung, Herr Justizrat Dr. Haas die Synagoge seitens der Gemeinde. Er dankte den Spendern, vor allem der Familie Seligsberger und dem Mitglieds der Verwaltung Herrn Samuel Pfeuffer, der den lange projektierten Plan des Umbaues der Mazzestube verwirklicht und mit unermüdlicher Tatkraft die Erstellung geleitet hat, den Architekten Stadtbaurat Kreuter und Sonnen, sowie dem Baumeister Lehritter, für ihre Arbeit. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß diese schöne, heizbare Wintersynagoge ein Ansporn für den täglichen Besuch des Gottesdienstes sein möge. Nach einem man für Herrn Otto Hirsch fanden die niapn statt und unter dem Gesänge von nvw rmiaai wurden die min ’nso in den snipn ]i*ik verbracht. Aknnüpfend an den Vers ms nnwa w na entzündete Herr Rabbiner Dr. Hanooer mit der imnir nana das n’an na und würdigte in meisterhafter Rede die Bedeutung dieser Stunde. Mit Gesang von Psalm 150 und dem Minchoh- Gebet schloß diese erhebende Feier, allen Teilnehmern wird sie noch lange in Erinnerung bleiben. Schweinsberg, 24. Nov. Am vorigen mv "n 's fand in der kleinen prächtig geschmückten Synagoge Schweinsberg, im Beisein der öffentlichen Behörden, die 50 jährige Jubiläumsfeier der 1874 für die abgebrannte neu erbauten Synagoge statt. In feierlichem Gottesdienst verrichtete der in hohem Alter noch mit melodisch jugendlicher Stimme begabte Herr GersonS i m o n die Schabbosgebete und ein Schweinsberger Kind — Herr Lehrer Samuel Schaumberg — zurzeit in Neukirchen (Bez. Cassel) verstand es in schöner Predigt die Herzen aller Zuhörek zu rühren. Noch 4 Balbatim aus damaliger Zeit hatten die Sechio, durch ihre Anwesenheit gefeiert zu werden. Rühmend soll hierbei noch der echt jüdischen Gastfreundschaft gedacht werden und eine Abendveranstaltung hielt die Teilnehmer noch bis in die tiefe Nacht in schönster Gemütlichkeit beisammen. Briefkasten. D. Bob. in Z. Betrag eingeMvaen. Die Adreffe des Ieschurun ist Pionier-Verlag, Berlin» Potsdamerstraße 121 H. Nummer 16 von 1922 ist vergriffen. Das Abonnement kostet Zl. 5.— vierteljährl. Bremen. Sie fragen: »Dürfen Mazzos von diesem Jahre, welche noch in plombierten Paketen trocken gelagert, so frisch wie heute gebacken, am kommenden Pessach gegessen werden"? Ja, vorausgesetzt, daß die Mazzos rituell zuverlässig hergestellt sind und vor dem Gebrauch noch einmal gründlich nachgesehen werden, ob sich keine Milben in den Paketen befinden. Herrn B. in S. Das Vorgehen des Gemeindevorstands in L. ist, wenn sich die Sache so verhält, wie Sie sie schildern, ebenso ungesetzlich wie unjüdiich. Wir raten Ihnen, sich mrt dem zuständigen Prooinzialrabbiner in Verbindung zu setzen. L. F. Hamburg. Bettag emgegangen und Bestimmungen zugeführt.