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Der Israelit · 1924-11-27 · Heft 48 (27.11.1924) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 48 (27.11.1924)
Date
1924-11-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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27. November 1924 Der Israelit B 1 ü t t e r Nr. 20 Seite 3 Bisher ist jedoch von irgendeiner Aktion des „Misrächi" gegen den Zwangsgesetzentwurf mehr bekannt geworden. Nehmen wir aber an, daß es mit Gottes Hilfe gelingen werde, diese unmittelbare Lebensgefahr zu beseitigen, so müssen wir sagen, daß der Fischmannsche Artikel jeder Gegenständlichkeit ermangelt. Wir wollen also kurz Folgendes feststellen. Einem organisierten Zusammenwirken von Aguda und Misrächi stehen die bekannten prinzipiell-religiösen Bedenken entgegen, über die man in Polen, in der Tschecho- Slowakei, in weiten Kreisen der deutschen Orthodoxie sicherlich nicht hinwegkommen wird, solange „Misrächi" ein Bestandteil der areligiösen zionistischen Organisation bleibt. Dagegen haben maßgebende agudistische Führer zu wiederholten Malen, zuletzt im Jahre 1921 in eingehender Aussprache mit 2r. Schönfeld, vorgeschlagen, losgelöst von Misrächi und Aguda, einen orthodoxen Crziehungsverein für Erez Jisroel ins Leben zu rufen, dessen religiöse Grundlage durch besondere Vereinbarungen zu sichern wäre. Dieser Vorschlag wurde zuerst beifällig begrüßt und alsdann von Misrächi abgelehnt, weil er durch das Londoner Abkommen mit der Kasse des „Waad hachinuch" für den Misrächi in der Tat finanziell überflüssig und organisatorisch unmöglich geworden war. Inwiefern der Vorschlag heute eher Aussicht hätte, darüber müßte sich Herr Rabbiner Fischmann äußern. Zum 1. Kislew. Warum zahlst Du Deine Rosch Chaudesch-Spende nicht? etwa weil Du nur über beschränkte Mittel verfügst; Die Rosch Chaudesch-Spende verlangt 5 Pfennig von Dir. Etwa weil die Aguda zu wenig leistet; Zahle Deine Rosch Ehaudesch-Spende und sie wird mehr leisten. Etwa weil Dir die „Politik" der Aguda nicht gefällt; Die Rosch Chaudesch-Spende hat nichts mal „Politik" zu tun; sie dient ausschließlich l»em palästinensischen Schulwerk. Etwa weil Du in Deinem Orte zunächst die lokalen Aufgaben fördern willst; Das jüdische Religionsgesetz stellt die Bedürfnisse von Erez Jisroel denen des eigenen Ortes gleich. Etwa weil Du schon Boden in Erez Jisroel gekauft hast; Der jüdische Boden nützt nichts, wenn dort keine jüdischen Menschen erzogen werden. Etwa weil die Rosch Chaudesch-Spende bei Dir nicht eingezogen wurde; Dann sende sie direkt aus das Konto der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. ""Postscheckkonto Nr. 53 900. Etwa weil Dir der Betrag zu geringfügig ist, um jeden Monat ein Postscheckformular auszusüllen; - Dann sende ihn für Tischri, Cheschwan und Kislew zusammen ein. Vakanzliste der Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel- Jugendorganisation Frankfurt a. M., Rothschildallee 36. Ausgegeben: 24. November 1924. 1. Jüdischer Verlag Frankfurt: Vertreter an allen Plätzen: 3. Agudistische Zeitung: Annoncen und Abonnentensammler an allen Plätzen. 3. Bankhaus Frankfurt: Lehrling mit Obersekundareife per 1. April 1925. 4. Organisation Frankfurt sucht Büroleiter. 5. Eisen und Holz, Kleinstadt Hessen: Hilfe für Kontorarbeiten (Dame, die Handelsschule besucht hat). S. Manusakturwaren bayr. Kleinstadt (Aschafsenburger Gegend): Commis für Lager und Reise en detail. 7. Rohwolle engros Frankfurt: Fremdsprachige Korrespondent(-in). 8. Papier engros Frankfurt: Reisenden, branchekundig. S. Cellulöidwaren Frankfurt: Lehrling. 10. Fabrik bürotechn. Bedarfsartikel Frankfurt: Lehrling. 11. dto.: Stenotypistin mit Sprachkenntnissen. 12. Kurz- und Weißwaren engros Frankfurt: Stenotypistin. 13. TabE' engros Frankfurt: perfekter Buchhalter(-in). 14. Portefeuiller Frankfurt: perfekter Buchhalter(-in). 15. Abzaylungsgeschäft. Frankfurts Buchhalterin. -. IS. «seü Gulda: BuchhoÄÄ; ' 17. dto.: Lehrling. 13. dto.: Kontoristin (Anfängerin). 19. Metalle Berlin: Geschäftsführer, firm tm Rückständegeschäft. 20. Lyzeum Berlin: Handarbeitslehrerin (Examen, keine Kunstgewerblerin). 21. Chemikalien Köln: Stenotypistin (pers. Französisch, möglichst auch etwas Englisch). 22. Handschuhfabrik Luxemburg: Handschuhzuschneider. 23. Metalle Berlin: tüchtzen, erfahrenen Geschäftsführer. 24. Amerik. Einkäufer Berlin: perf. englischen Korrespondenten (absolut perf. Aussicht auf Ilebernahme der Berliner Vertretung des amerikanischen Hauses. 25. Graph. Kunstanstalt Nürnberg: seriöse Vertreter für Breslau, Frankfurt, Köln, Stuttgart. 26. Metalle Berlin: Stenotypistin, perf. in Französisch und Englisch. 27. Orthodoxes Hotel Thüringen: Schäumer od. Schaumreuse. 23. Weinhandlung Würzburg: Kontoristen. 29. Manufakturwaren Bürstadt (Worms): Verkäuferin (Kost und Logis im Hause). 30. Schokolade und Konfitüren Frankfurt: Reisenden. 31. Getreide Frankfurt: Buchhalter (bilanzsicher). 32. dto.: Lehrling. 33. Gut in der Mark: Landwirtschaftliche Lehrlinge. 34. Lack engros Frankfurt:" Lehrling. Bewerber senden. Bewerbungsschreiben nebst Zeugnisabschriften an Stellenvermittlungszentrale der A. I. I. O. Frankfurt a. M., Rothschild-Allee 33. Berichtigung. In dem Aufsatz: Das agudistische Gemeindegesetz usw., zweite Spalte, vorletzter Absatz, sollte es heißen: In dem gesehestreuen Statut der Aguda gibt es auch keinen Platz für die Friedensgerichte. Für Appellationsinstanzen wird auch innerhalb der rabbinischen Gerichtsbarkeit kein Platz eingeränmt. Ans der Bewegung. Wien. Nach den Feiertagen fand Sonntag, den 9. November, — 11. Cheschwan — die erste größere Sitzung^ der Keren Hathora-Zentrale statt, an welcher sich die Herren Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Rabbiner BaerFriedmann, Rabbiner Dr. Pollak, Rabbiner Tobias Herowitz, die Herren Wolf Pappenheim und Dr. Deutschländer beteiligten. Als Gäste nahmen an der Sitzung Großrabbiner Markus Friedmann aus Sadagora und Dr. Nathan Birnbaum teil. Herr Dr. Deutschländer referierte über die Arbeit in Rumänien, Polen und Deutschland und hob besonders die großzügige und systematische Arbeit des deutschen Landesdirektoriums hervor. Ferner wurde über die in Krakau besprochene 100 000-Dollaraktion eingehend beraten. An der Plenarsitzung des Direktoriums und Verwaltungsrates für Deutschland zu Chanukah wird sich die Wiener Zentrale beteiligen; sie hat ferner Einladungen an die hervorragenden rabbinischen Autoritäten ergehen lassen. Auf Wunsch des Sadagorer Rabbi, der sein Erscheinen auf der Hamburger Tagung in Aussicht gestellt hat, wird die Zentrale auch in Galizien die Organisation des Keren Hathora in die Wege leiten. Herr Rabbiner Dr. Pollak erklärte fich bereit, eine persönliche Wirksamkeit dort zu entfalten. Die Versammlung erledigte schließlich eine grüße Anzahl von Subventionsgesuchen. Der „Mossiwtah" in Warschau wurde ein größerer Betrag bewilligt, ebenso der Landeskanzlei in Budapest für einige besonders schwer notleidende Ieschiwoth. Wie». Herr A. I. Hornstein, der die Mikwah-Aktion der Agudas Jisroel leitet, erstattete dem gefchäftsführendenAusfchuß einen Bericht über die Lage in Rußland. Das in Rußland eingesetzte Komitee weist auf drei Richtungen hin, nach welchen die Aktion geführt werden müßte. Neue Mikwoaus statt der gänzlich zerstörten seien notwendig, ferner Ausbesserung der schadhaft gewordenen, drittens Beschaffung von Heizmöglichkeiten für die Bestehenden. Der Referent betont indes, daß die Herstellung neuer Mikwoaus gewaltige Summen erfordert, so daß er diesen Weg zunächst nicht empfehlen kann. Mit Rücksicht auf die große Kälte kann ferner die Ausbesserung zurzeit nicht durchgeführt werden. Der Referent empfiehlt daher momentan bloß den dritten Weg zu beschreiten. und die bestehenden Mikwoaus mit entsprechenden Heizmöglichkeiten zu versehen, so daß sie zumindest dreimal in der Woche benützt werden können. Nach vorsichtiger Rechnung sind ln der Ukraine 200 Mikwoaus, die unversehrt sind und nur infolge technischer Unzulänglichkeiten und Mangels an Heizmaterial, in der kälten '^Minterperiode nicht ^betriebsfähig stizh^. Die Aktion möge sich einstweilen bloß auf diesen Punkt beschränken. Zu ihrer Durchführung sind 1000 Dollar monatlich, d. i. für jede Mikwah 5 Dollar, notwendig. Auf Grund dieses Referates hat der gefchäftsführende Ausschuß beschlossen, sich neuerdings an die einzelnen Landesorganif. tonen zu wenden, um die Durchführung dieses Plc zu beschleunigen. Ludwigshafen a. Rh. In unseren neugegründeten Gruppen sprach am 9. November vor einer überaus zahlreichen Versammlung, die den Saal bis auf den letzten Platz füllte, Herr Rabinowitz, Frankfurt a. M., über das Thema: Jüdische Gegenwartsprobleme. Redner verzichtete auf eine Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen politischen Parteien des gesetzestreuen Judentums, da sich solche Fragen nicht in Versammlungen lößen ließen, sondern nur in einer Aussprache im kleinen Kreise. Er betonte die Wichtigkeit der Organisierung: da ein großer Teil unseres jüdischen Psllchtenlebens nicht vom einzelnen, sondern nur von der Gesamtheit gelebt werden könne. Referent verbreitete sich ausführlich über das Erziehungsproblem, das gerade vor seinem Hörerkreis, der größtenteils aus Ostjuden bestand, von besonderer Wichtigkeit sei. Prinzipiell steht Herr Rabinowitz . auf dem Standpunkt, daß die Taurohkenntnis den Mittelpunkt der Erziehung bilden solle und erst später mit der profanen Bildung begonnen werden solle, die < dann der reife Mensch fich in sehr kurzer Zeit aneignen könne. Da dies unter den heutigen Verhältnissen nicht gangbar sei, solle doch wenigstens Tauroh und profane Bildung parallel nebeneinanderlausen und ersterer. ein möglichst weiter Raum zugewiesen werden. Weiter gab er Winke, wie man seine Ideen in die Praxis umsetzen könne. Man solle nicht planlos lernen, sondern bei der Gründung einer Talmud Tauroh ein festes Ziel im Auge haben. In der Mädchenfrage bekämpfte er die vielfach verbreitete falsche Ansicht, daß die Frau im jüdischen Leben mit Geringschätzung behandelt werde, indem bei der Frau mehr das Gefühlsleben und bei dem Mann der kühle Verstand vorherrsche; hiernach richte sich die Stellung der Frau im jüdischen Pflichten leben. Dem Antisemitismus messe er eine untergeordnete Bedeutung für einen Jehudi zu und begründete dies mit einem Gleichnis von der göttlichen nruwn, in deren Plan die Verfolgung der Juden zu allen Zeiten zu liegen scheine. Redner verstand es durch seine von glänzendem Wissen zeugenden Ausführungen, die Versammelten zu fesseln, sodaß ihm ant Schluß reicher Beifall zuteil wurde. — An die Diskussion, an der sich 'S. Ehrwürden Herr Rabb. Dr. Unna und der Bezirkssekretär der A. I. I. O. für Württ.-Baden, Herr Posen, beteiligten, schloß sich die definitive Vorstandswahl an. Nürnberg. Von den Agudagruppen aus fand heute ein Lichtbilderabend statt. Herr Rudolf Heller-Nürnberg führte an Hand reizender Landschaftsausnahmen sein Auditorium von Etappe zu Etappe seiner im vergangenen Frühjahr unternommenen Palästinareise. Ausolühende Siedlungen, altehrwürdige Bauten, Jeruscholajims heiliges Gemäuer, dazwischen „lernende" Jugend auch, freudig begrüßt, das Bild des greisen Rabbi Chajim Sonnenseld u. v. a. m. zogen am Auge vorüber. Besondere Anerkennung verdienen die interessanten, stilgemäß knappen Begleitworte des Vorsührenden. Als zweiter Redner sprach Herr Rabb. Dr. Klein über die Einstellung der in Agudas Jisroel organisierten Kreise zu Crez Jisroel. Die Landfragesei für Agudas Jisroel in erster Linie eine religiöse Frage, da nur auf jenem Boden der 'Thora in all ihren Einzelheiten Erfüllung werden kann. Redner beleuchtete sodann in gewohnt klarer, schlüssiger Weise die Bedeutung eigenen Bodenbesitzes in Erez Jisroel von halachischer Seite aus und ries zu ausgiebiger Betätigung von Bodenankäusen aus. Die Veranstlatung brachte der Erez Jisroel-Sache schönen finanziellen Erfolg. Der Saal war überfüllt. Emden. Am Sonntag den 9. November sprach Herr Landrabbiner Dr. de Haas-Oldenburg über das Thema: Dringende Gegenwartsarbeit. Rückblickend -auf unfern großen Stammvater Abraham und seine Zeitforderte er jeden einzelnen auf, mitzuarbeiten an dem großen Problem der Wkederaufrichtung des zerfallenen Judentums. Als erste grundlegende Bedingung hierfür gilt, zurück zur Thora, zurück zu dem, was unfern Vätern in aller Rot.— viel größer als unsere heutige — stets heilig war und wofür Sie freudig ihr Leben Hingaben. Cm Judentum der Thora muß wieder auferstehen, das treu zu ihr hält und der Baustein für kommende Generationen sein soll. Um nun ein solches Judentum wiederaufzurichten, ist zunächst das jüdische Haus, die Anfangsschule des Juden, verpflichtet, hier mitzuhelfen, unfern jüdischen Kindern den Sabbat zu erhalten, oder da, wo er etwa schon verloren sein sollte, ihn wieder zu bringen. Der Redner erinnert an den jüdischen Freitagabend, jenen jüdischen Familienabend, der ganz der Familie gehört. Hier muß man wieder anfangen, das neue Geschlecht für die Thora zurückzugewinnen. Sabbatfreie Stellen zu schaffen mutz weiterhin Aufgabe des Judentums sein, und hier kann nicht allein eine Organisation wie die der Agudas Jisroel wirksam eingreifen, hierzu braucht das Judentum jeden einzelnen — und wenn der Sabbat wieder eingekehrt ist in unseren Häusern, dann ersteht von selbst das ideale jüdische Haus. — Großer Beifall der!lim. 150 Personen zählenden Versammlung folgte heniLYsÄen unseres verehrten Redners.. Leipzig. Auf Veranlassung von Wälf'^S. Jacobson-Hamburg wurde hier ein Keren Hatvrah-

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