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Der Israelit · 1924-11-27 · Heft 48 (27.11.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 48 (27.11.1924)
Date
1924-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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'fmniwiVMii wKffllPgragg seite 4 Nr. 48 Der Israelit 27. November 1924 ficherheit für die Einen; im StadLlärme des Elends, Hastens und Erwerbes für die Anderen; für die Edelsten auch, denn sie betäubt der Liebespflichten tägliche Schar. Alle aber bleiben auch dieses Getöses unbewußt, denn sie leben und atmen in ihm; und so hört auch niemand, wie am Firmamente sich der Sonnenball entlang sägt und sieht niemand, wie als ihre Hobelspäne fallen: Werden und Vergehen von Menschen und ihrem Glück. — Gibt es einen Ausweg äus diesem Gewirrs unhörbarer Stimmen? Sollen wir Erdbewohner ewig dazu verurteilt sein, uns zu Siedlungen zu ballen, in denen alle Klänge des Lebens der Seele und der Schöpfung im Sonnen- und Stadtlärme verrauschen, in denen Ziegel und Marmor liebendere Pflege finden als Menschen von Fleisch und Blut? Wir wissen nicht, welche Antwort die Thora den Völkern der Welt auf diese gerade in unseren Tagen brennende Frage erteilt. Wohl aber wissen wir, wie nach der Thora eine Siedlung für uns Aussehen soll. Uns hatte der Allgütige ausersehen, durch Schemitta und Jobeloth, durch Zinsverbot und Schemittath keszafim ein Volk von Brüdern selbst bei gesegnetster Ausbreitung zu bleiben. Bleiben sollte uns durch Maaßer und Teruma, durch Taharath Ochlim und Bikkurim auch das Verbundensein mit der Schöpferwelt in bewußter, dankbarer, sorgender Art. So sollte es sein; wir aber zeigten uns dessen unwürdig, und so wurden wir zerstreut — in die Großstädte der Gewalt st aaten der Welt Doch auch hier haben wir die Heimat nicht vergessen. Wir beten um „Tau und Regen" von demjenigen Tage an, der in unserer Väter und unserer Seele Heimat den Beginn der feuchten Jahreszeit bedeutet. Wir verschmähen es, unser Leben hierüber im ganzen Jahre aus- -ugleichen, als gehörten wir mit Leib und Seele allein dem regenzeitlosen Lande unseres Aufenthalts. Doch nicht gewaltsam träumen wir uns in das Paradies des Gottesstaates zurück. Sondern nach Babel, dem Lande der Ströme, an deren Ufern unsere erstenExilierten weinten, ßchweist unser Dinn; nach Babels, der Talmudyeimat Regenzeitbeginn ordnen wir den Anfang unserer Scheelath Tal umatar. Denn dort war uns durch des Propheten Wort bestimmt, aus eigener Kraft, nachdem wir des Gotteslandes unwert geworden, „Häuser zu bauen und Weinberge zu pflanzen" und das „Wohl der Stadt zu fördern", die wir zu Ehren des Allgütigen nach den Gesetzen Seines Rechtes errichten sollten an derselben Stelle, wo dereinst der Städtebau der Gewaltstaaten begonnen hatte. kiothek erwarb sich der Conde de Cediiio, der Mitglied der Akademie der Geschichte und ein bedeutender Chronist der Stadt Toledo ist. In einem in Vorbereitung befindlichen Werke über die Judenstädte in Spanien, welches Prof. 2)ahuda demnächst erscheinen lassen wird, wird ein besonderes Kapitel über die oben erwähnte Synagoge und deren Inschristen enthalten fein. Tausend jüdische Famlien wohnen gegenwärtig dauernd in der Hauptstadt Spaniens. Madrid. Sie find meist Kaufleute. Bankiers und Handwerker. Sie bilden eine ansehnliche jüdische Gemeinde, die eine Synagoge im Zentrum der Stadt besitzt. Der Gemeinderat von Madrid hat unlängst der jüdischen Gemeinde ein Grundstück für einen jüdischen Friedhof zur Verfügung gestellt. (Eine aufsehenerregende Ausgrabung in Palästina). Der Mitarbeiter Professor Macalisters bei den Ausgrabungen in Palästina. Rabbiner I. Garrow Duncan, hat. als er die Ausgrabnngen bei der Davidstadt am BerrL Ophel fortsetzte, einen „Salomonischen Turm" von 4V Fuß Höhe entdeckt. Der Turm, der zwei Basttone hat, gewährt einen überraschend schönen Anblick. Er ist mit Plastiken im davidischen Sttl, mit salomonischem Einschlag verziert. Die Entdeckung hat in ganz Palästtna großes Aufsehen erregt. Touristen aus allen Teilen Palästinas eilen herbei, um den Turm zu betrachten. Die Regierung hat sofort Maßnahmen ergriffen, den Turm als nationales Denkmal zu erhalten. Famittennachrichten. Silberne Hochzeit: Abraham-Selig u. Frau Lin« geb. Frank. Harkheim (Baden). In allen Ehren die notwendige Jifchuwhaarez-Arbeit der Orthodoxien aller Länder. Aber Eigenes müssen wir auch leisten. Mag mit der Zeit auch Erez Jisrael bewohnbar für Jereim werden; auch wir müssen nach Gottes Rechtsgrundsätzen im Stammlande der rabbinischen Ueberlieferung eine Siedlung stiften, die von Anfang an ohne fremde Hilfe und Einwirkung, besonders seitens abtrünniger Brüder, sich entfalten soll. Das ist keine Flucht, das ist ein stolzer aufrechter Schritt. Im Zweiströmelande war der Talmud verwirklicht: er kann auch heute dort gelebt werden. Bauen wir der „um unseretwillen nach Babel vertriebenen" Schechina im wirklichen Babel ein Domizil, so hab^n wir, wie es in Peßachim 87 b heißt, das Mutterhaus des Abrahamvolkes und eines der Thorasprache ähnlichen Idioms, vor allem der leichten und dem Geiste Muße lassenden Lebensweise aufgesucht und bestimmungsgemäß auf Galuth-Erde dem Thorastaate die Wege geebnet. So beten wir denn, wenn wir in unserem Zeitalter der Siedlungen an die Verwirklichung dieses Gedankens schreiten, mit Recht um Himmelssegen für alle Wett nach der Zeiteinteilung und für das Sechuß Babels, der Talmud-Heimat. Da vorläufig „Palästina" ein Städtestaät gleich den Kulturländern geworden, da dort wie überall Sonnen- und Stadtlärm den Klang des Lebens und Sterbens in Seele und Schöpfung überrauschen, bis der Mafchrach kommt, so mag doch immerhin eine kleine, seiner harrende Minderheit um ihre Mitberechtigung ringen und m. G. H. s i e g e n, in d e m Babel aber, das die Thora bauen und regieren soll, werden, die Himmel rühmen des Ewigen Ehre und die Atmosphäre seiner Hände Werk künden, ohne Rede und ohne. Worte, ohne daß ihre Stimme gehört wird." Äenn atmen wird das Land im Gesetze des Allgütigen; keine Abwehr, kein Programm, kein Mehrheitsbeschluß, — der Sonne Strahl selber, der Sterne Heer selber wird singen und sagen, daß vollkommen ist des Allgütigen Thora, treu feine Verkündung, rein sein Gebot. Auch dort wird mühsam die Sonne ihr Tagewerk vollenden: doch Gerechtigkeit wird ihr Name sein und Heilung ihr Flügel. Wille zur Heilung unserer sozialen Unebenheiten wird die Welt erfüllen und den Schritt des Tageslichtes beflügeln, daß es nicht mehr Ueberblendung, sondern Beleuchtung des Schicksals der Einzelnen und Erhellung des Lebens in Thora und Mizwoth bedeute. Dann istgeschwunden der heimkehrenden Seelen Schrei, wer denn ihre Kinder weiter im Gottesworte erziehen wolle. Doch im „Staate Palästina", dort zwischen Jerusalem und Jericho aber durchzittert eines Hohenpriesters Sündenbekenntnisschrei die Lüfte. Wird auch er ungehört verklingen?-oira lux — — Möge er gehört werden. SUSI Korrespondenzen Nachrichten Ein Konflikt in der Wiener Kultusgemeinde. Wien, 21. November. Durch Aeußerungen, die Kultusvorsteher Oberrat Stricker in verschiedenen Wahlversammlungen getan hat, fühlten sich die Wiener Rabbiner und Kantoren tief gekränkt. Die „Wiener Morgenzeitung", das Organ Strickers, sorgte dafür, daß diese mündlichen Beleidigungen schwarz auf weiß in die Welt hinausgingen. Gegen diese Verunglimpfung legten in längerem Schreiben an Stricker die Obmänner des „Rabbineroerbandes" «nd des „Kantorenvereins" entschiedenen »nd geharnischten Protest ein. "Besonders v«r»ahren sie sich dagegen, daß Vaurat Stricker, die den Rabbinern und Kantoren zustehenden Gebühren für bestimmte Handlungen als Trinkgelder bezeichnet und die religiösen Funkttonäre als „Schnorrer" dahinstellte. Die Angelegenheit wird noch die Kultusverwaltung befchäftigen. Pole« Eine Delegation Posener Inden? beim polnischen Premier. '**•] Warschau, 20. November. Dieser Tage erschien eine Delegation der Posener jüdischen Gemeinde und des Posener Kaufmännischen Vereins, geführt von den Herren Walkheim und Domb und in Begleitung des Senators Trusker und des Deputierten Wischlitzki, beim polnischen Ministerpräsidenten Grabski und überreichte ihm ein Memorandum, in welchem darauf hingewiesen wirddaß die unaufhörlichen Pogromtaten des berüchtigten Sekretarczyk, der mit seiner Bande Jagd auf alle von auswärts kommenden Juden macht, die Tatsache gezeitigt haben, daß keine auswärtigen Kaufleute mehr nach Posen zu kommen wagen. Dadurch wird der Handel in Posen in empfindlicher Weise getroffen. Die Abordnung stellte eine Reihe Forderungen auf, v. a die folgende: Die jüdischen Kinder sollen zum Besuch der Staatsschulen zugelassen werden; die jüdische Bevölkerung und die jüdischen Institutionen sollen vor den Anschlägen seitens der polnischen studierenden Jugend geschützt werden; die Requisition jüdischer Synagogen, das Schließen jüdischer Friedhöfe und die Auflösung jüdischer Gemeinden in der Posener Gegend unter der Vorgabe, daß die Juden alle weggezogen sind, mögen aufhören. Ministerpräsident Grabski erklärte: Das politische Komitee der Regierung werde sofort alle diese Fragen in Erwägung ziehen; die Regierung wird mit aller Energie die Sanierung der Verhältnisse in der Wojwodschaft Posen durchführen. Auf Grund des neuen Alkoholgesetzes in Polen wurden mehreren hundert Juden die Konzessionen für Wein- und Branntweinvertrieo entzogen, wodurch Tausende jüdische Arbeiter und Angestellte brotlos wurden. Nunmehr verlautet, daß die den Juden entzogenen Konzessionen polnischen Kriegsinvaliden erteilt werden sollen. > (3. T. A.) . ' - - *, iitfOMW. Das Soankagsruhegefeh. Kowno, 20. November. Das Sonntagsruhegesetz wurde in dritter Lesung angenommen, und mutz nunmehr an Sonntagen und christlichen Feiertagen, an denen der litauische Kultus ungeheuer reich ist, jede Art von Handel und Wandel ruhen. Ausnahmen sind nur für den Unterricht in den jüdischen Schulen vorgesehen. Es herrscht allgemeine Bestürzung, um so mehr als die Hoffnung auf eine bessere Einsicht der Volksvertreter noch bis zuletzt nicht völlig gewichen war. Dienstag, der 18. November war der schicksalsschwere Tag. Der vorhergehende Montag war ein strenger Fasttag für ganz Litauen. Sämtliche Geschäftslokale hatten bis zur Mittagsstunde geschlossen. Man hielt Büßpredigten in den Synagogen und ging wie am 9. Aw auf die Gräber. Die Polizei, die wohl Zusammenstöße befürchtet hatte, hielt sich in voller Bereitschaft, und, um nicht ganz untätig zu sein, suchten sie jüdische Kaufleute mit Gewalt zum Oessnen ihrer Geschäfte zu zwingen, was ihr aber nirgends gelang. Gegen einige Kaufleute, sowie die Redaktion der „Jüdischen Sttmme", die zur Protestkundgebung ausgerufen hat, wurde Untersuchung eingeleitet. lVochenkalender. LS. Rov. bis 6, Dez. 1824 I 2. bis 8. Kitzlew 8S88. Samstag Rov. . 29 ArrVin 2 ii>vs Sonntag 30 3 Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Dez. 1 2 3 4 4 5 6 1 Bo« Dou»erftazu ansm ol wp« tefrö Lretzrg ,r-, Samstags 5 6 J'X, .

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