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Der Israelit · 1924-11-27 · Heft 48 (27.11.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 48 (27.11.1924)
Date
1924-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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27 November 1924_ Lsehectzo-Stswakei. Die Folgen der Munkaczer Landespolitik. , Munkacs, IS. November. Die letzte Woche brachte wichtige Aenderüngen in das Gemeindeleben von Munkacs und die Streitfragen, die dort ohne jede zwingende Notwendigkeit feit Jahren jedes wirklich jüdische Wollen lahmlegen. Munkacs (Mukaceoo) ist bekanntlich die einzige Gemeinde in der tschecho-slowakifchen Republik, die früher (in Ungarn) zur Orthodoxie gehörte und nach der Gründung der tschecho-slowakifchen Republik es auf ^Anzettelung ihres Oberrabbiners abgelehnt hatte, sich der orthodoxen Landesorganisation anzuschließen. Der bekannte Hader mit den Anhängern« des Beizer Rabbi hat daraufhin eine Spaltung der Gemeinde in zwei Lager hervorgerufen, die 'eine Fehde zur Folge hatte, wie sie an Häßlichkeit im Judentum noch nicht vorgekommen ist. Dem Einfluß der orthodoxen Organisation vollständig entrückt, war es den Führern des slowakischen Judentums nicht möglich, dort Ruhe und Ordnung zu schaffen. Die Gemeinde Munkacs ist organisatorisch gleich den Statusquo-Gemeinden direkt (ohne Vermittlung der orthodoxen Landeskanzlei) den Regierungsbehörden unterstellt. Ueberdies haben die Zionisten, als Parteigänger des Rabbiners im Kampfe gegen die orthodoxen Autoritäten, während der letzten Jahre dort großen Anhang gewonnen und viel dazu beigetragen, die Grundlagen des religiösen Judentums und seines organisatorischen Baues zu unterwühlen. Inmitten solcher verworrenen Zustände entschloß sich nun die Regierung zu einem außerordentlichen Schritt, der in der Geschichte der jüdischen Gemeinden ein Novum bedeutet. Nachdem die Regierung den streitenden Parteien einen Termin gesetzt hatte, bis zu welchem unter allen Umständen entweder vermittels eines religiösen Schiedsgerichtes (wie es die Statuten für die orthodoxen Gemeinden vorschreiben) oder auf einem anderen friedlichen Wege ein Ausgleich zustande kommen sollte und der Termin ohne Resultat verstrichen war, suspendierte die Regierung die Autonomie der Gemeinde und ernannte in der Person des Bankdirektors Desider Reumann einen bevollmächtigten Regierungskommissär, dem nunmehr die Leitung der Gemeinde obliegt. Regierungskommissär Neumann war bereits früher zwei Jahre lang Präss der Gemeinde. Er hat an die jüdische Bevölkerung eine Proklamation erlassen, worin er seinen festen Entschluß bekanngibt, der Gemeinde den Frieden wieder zu verschaffen. Er fordert die Parteien aus, ihn in seinem Vorhaben zu unterstützen. Die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes verfolgt die weiteren Scyritte des Regierungskommiffärs mit gespanntem Interesse. Amerika. Jüdische Kongreßmitglieder in den Vereinigten Staaten. Newyork, 19. November. In den Kongreß der Vereinigten Staaten wurden die folgenden Juden gewählt: die Republikaner Nathan D. Perlmann, Julius Kahn und Jfaac Bachrach, sowie die Demokraten Adolph I. Sabäth, Emanuel Celler. Saul Vlum, Meyer Jacobstein und Samuel Dickstein. In den Newyorker Staatssenat wurden die folgenden Juden gewählt: P. M. Kleinfeld, Nathan Strauß jun., S). N. Shackner, Benjamin Enttn und L. R. Lipowitch. Die folgenden Juden sind in die Newyorker Staats- Verwaltung gewählt worden: Julius S. Berg, H. A. Sandburg, Joseph Reich, Irving Steingut, S. Mandeldaum, M. Weinfeld, 5). A. Cohan, S. I. Rosemann, A. A. Raphal, Morris Block und Meyer Alermann (alle Demokraten): A. I. Bastenburg, A. B. Borkowsky, Julius E. Frieberg, Simon M. Adler und Ä. Greenhall («Le Republikaner). (I. T.A.) Aus aller Welt. Deutschland. Die Plenarversammlung der Großloge Bnei Brith in Deutschland wählte anstelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Gebeimrat Timenoorser den Rabbiner der Berliner jüdischen Gemeinde und Vorsitzenden des deutschen Rabbinerverbandes Dr. Leo B a e ck einstimmig zum Präsidenten der Großloge Bnei Brith. — Antisemitische Iugendbündler haben das berühmte Denkmal der französischen Schauspielerin Rachel, das neben dem Schlößchen auf der Pfaueninfel bei Potsdam stand, demoliert. Die Statue wurde vom Sockel entfernt und verstümmelt in den Keller des Schlößchens gebracht. f Der Israelit Oesterreich. Oberrabbiner Dr. C h a j e s hat am 19. November Wien verlassen, um sich über Cherbourg nach Amerika zu begeben. Dr. Chajes folgte einer Einladung des Rabbiners Stephan S. Wise in Newyork, an dem von Wise begründeten Amerikanischen Jüdischen Institut Vorträge über jüdische Wissenschaft zu halten. Polen. Eine Anzahl Mitglieder des polnischen Sejms und Senats, Juden und Nichtjuden, wird im kommenden Frühjahr eine Reise nach Palästina unternehmen, um dort die Entwicklung der jüdischen Kolonisation zu studieren und die Möglichkeiten einer Einwanderung aus Polen nach Palästina zu prüfen. Holland. Die holländische Regierung ernannte Herrn Dr. David. Cohen zum außerordentlichen Professor der klassischen Geschichte, insbesondere der hellenistischen Periode, an.der Reichsuniversität zu Leyden. Prof. Dr. D. Cohen war bisher Konrektor des Niederländischen Lyzeums im Haag. — In einem der Säle der Diamantenbörse in Amsterdam wurde eine P a l ä st i n a - ausstellung eröffnet. Sie bildet einen Teil der Ausstellung in Gent. — Die Regierung ernannte Herrn Samuel da Silva zum Bürgermeister der Gemeinde Z w a r t e Waal. Samuel da. Silva ist der dritte jüdische Bürgermeister in Holland. Personalien. Bremen. 17. Nov. Zu einem erhebenden Gemeindefeste gestaltete sich die Goldene Hochzeit des Ehrenmitgliedes der Israelitischen Gemeinde Bremen, Herrn Moses Schrägenheim und feiner Gattin Therese, geb. Spanier. In den 50 Jahren seiner Ehe hat der Jubilar neben seiner ausgedehnten Geschäftstätigkeit eine reiche Wirksamkeit im Dienste des Judentums und dep Nächstenliebe entfaltet, so daß er schon bei früherer Gelegenheit zum Ehrenmitglieds der Israelitischen Gemeinde und zum Ehrenvorsitzenden des von ihm 25 Jahre geleiteten Kranken-Wohltätigkeits-Vereins ernannt worden war. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit, das beide Eheleute in geistiger Frische begehen konnten, wurde zum Anlaß einer Fülle von Ehrungen, die dem Jubelpaar seitens der dankbaren Gemeinde dargebracht wurden. — Den Auftakt der Feier bildete die eindrucksvolle Predigt, die Rabbiner Dr. Aber am Sabbat Noach in der Synagoge hielt, wo er die reichen Verdienste gebührend würdigte. Die eigentliche Feier fand am Dienstag, 4. November, im festlich geschmückten Heime des Jubelpaares statt, in dem sich mittags Verwandte, Freunde und eine unübersehbare Zahl Gemeindemitglieder versammelt hatten. Nach einem stimmungsvollen Gesangsvortrag des Oberkantor M e h r g u t brachte zunächst der Gemeinderabbiner die Wünsche der Gemeinde dar. Ihm folgte als Vertreter der Gemeindeverwaltung, Herr Rechtsanwalt Dr. Abraham, der in großen Zügen den Lebensgang, des verdienstvollen Mannes schilderte, der unlösbar mit dem Werdegang der Gemeinde verknüpft sei. Darauf wies Herr Jakob Meyer als Vorsitzender der Chewra tadischa zahlenmäßig nach, wie der Kranken-Wohltätigkeits-Verein durch die tatkräftige Mitarbeit und Führung des Jubilars einen ungeahnten Aufschwung genommen habe. — Für den Israelitischen Frauenverein überbrachte Frau Dora Körbchen Glückwünsche. Namens der Kaiser Friedrich-Loge Uobb, derenExpräsident der Jubilar ist, entbot der Präsident, Apotheker T i ch a u e r, die Grüße des Bruderbundes, während Frau Auguste Michel für den Schwesternbund der K. F.-Loge herzliche Glückwünsche aussprach und für die Unterstützung dankte, die der Jubilar und seine Gatttn allen Wohlfahrtsbestrebungen jederzeit entgegengebracht haben. — Auf jede dieser Ansprachen dankte der Jubilar einzeln in bereredten Worten. Die imposante Feier wurde durch weihevollen Gesang des Herrn Kantor Seif und künstlerischen Liedervortrag von Fräulein Else Cohen- Correll verschönt. Gerolshofen. 24. Nov. Am vergangenen "n -s nn* niv feierte Herr Kalmann Selig mit seiner Ehefrau Mathilde, geb. Freimann, in körperlicher und geistiger Frische das Fest der Goldenen Hochzeit. Beim Morgengottesdienste verlieh Herr Lehrer Reiter den Gefühlen, die ein solches Eeignis auslöse, beredten Ausdruck und zollte den Iubilaren, die auch fönst vielfach geehrt wurden, Worte des Lobes und der Anerkennung. Sprechsaal. Zu de« Wahlen der Reichstages vom 7. Dez. 1924. Kurz vor den Wahlen im Mai ds. Js. zum deutschen Reichstag erschien im „Israelit" ein Artikel, in welchem erwogen wurde, zu welcher Parier des neuen Reichstages die auf dem orthodoren Standpunkt stehenden Juden volles Vertrauen haben können. Es war in diesem Artikel entwickelt, daß man zu keiner irgendwelchen aufgestellten Parier so Vertrauen haben könne, wie zum Zentrum, welches infolge seines religiösen Standpunktes viel Verständnis für die Erhaltung der jüdischen Volksschulen habe. Die Folgerung, die aus diesem Artikel gezogen wurde, ging dahin, daß den orthodoren Kreisen empfohlen wurde, Zentrum zu wählen. Dieser Artikel hat in weiten Kreisen des orthodoren Judentums Kopfschütteln hervorgerufen, soweit diese Kreise sich auch nur einigermaßen mit der Politik der einzelnen Parteien in den letzten 20 Jahren beschäftigt haben. Der Rat, Zentrum zu wählen, hat eine derartige Verwirrung in den Köpfen hervorgerufen, daß mir Nr. 48 Seite 8 am Tage der Wahl die eigentümlichsten Fragen bezüglich der zu wählenden Partei vorgelegt worden sind. Es ist richtig, daß das Zentrum infolge seines religiösen Standpunktes sicher sehr viel Verständnis religiösen Fragen entgegenbringen kann, wenn das Zentrum wirklich eine deraä klare Politik treiben würde, die auf lange Sicht hinaus dieses Verständnis für religiöse Fragen auch bezüglich der jüdischen Volksschulen sichern würde. Daß dem nicht so ist, hat die Stellung des Zentrums vor dem Kriege und während des Krieges gezeigt, in welcher Zeit das Zentrum Arm in Arm mit den reaktionären rechtsstehenden Parteien gegangen ist, und all die Parteien, die sich mit der reaktionären Politik nicht einverstanden erklären konnten, bekämpfte. Nichtig ist ferner, daß das Zentrum in der Nachkriegszeit eine durchaus einwandfreie demokratische Politik getrieben hat, daber auch nicht außer Acht gelassen hat, die religiösen Interessen namentlich der katholischen Religion zu wahren. Aber gerade die letzten Monate haben gezeigt, welchen Verlaß in dieser* Beziehung auf das Zentrum ist. Hat nicht gerade das Zentrum in der letzten Zeit gezeigt, daß es bereit ist, sich zu verbrüdern mit den heute reaktionär rechtsstehenden radikalen Parteien, die in ihren Aufrufen ganz klare scharfe Stellung gegen das Judentum und die Judenheit nehmen? Hat nicht gerade das Zentrum sich bereitwilligst 'der Bürgerblockpolitik zur Verfügung gestellt, und damit sich offen zu den Parteien bekannt, die den Antisemitismus predigen? Es dürfte angebracht sein, die Leser dieses Blattes auf diesen Umstand aufmerksam zu machen, um ihnen zu zeigen, welchen Parteien die Stimme zugewendet wer- Pden mutz, um ein Erstarken der Parteien zu verhindern, die offene Feindschaft dem Judentum entgegenbringen. Man möge sich nicht darüber täuschen, daß, wenn auch das Zentrum selbstverständlich keine rechtsstehende Parter im Bezüge auf die Stellung zur Judenheit genannt werden kann, dasselbe jedoch wenn es eine Verbindung mit den reaktionär-antisemitischen Parteien eingeht, in dieser Koalition eine Minorität darstellt und bei Abstimmung in religiösen Fragen jeweils unterliegen wird. Ob dann noch das Zentrum als die Parier anerkannt werden kann» die einen Schutz für die jüdische« Volksschulen auf lange Sicht bieten kann, ist sehr fraglich und wird dann sicherlich kn derartigen Fragen auch gerne Kompromisse schließen. Es ist deshalb wohl die Frage erwägenswert, ob es richtig ist. unter diesen Voraussetzungen die Stimme» des orthodoren Judentums dem Zentrum zuzuführeu. I. A—n. * * * Nachbemerkung der Redaktion: Wir können dem Herrn Einsender in keiner Welle beipflichten. Die Tatsache, daß das Zentrum bereu war, zwer oder drer deutschnationale Vertreter ins Ministerium aufzunehmen, kann man gerechterweise durchaus nicht als „offenes Bekenntnis zu den Parteien, die den Antisemitismus predigen" bezeichnen. Man wollte — wie der Verlauf der Ereignisse ja gezeigt hat — der durch die irregegangenen Dolksmassen in die Höhe getragenen stärksten Partei ein Keines, begrenztes Matz von Einfluß einräumen und lehnte dann entschlossen ab, als die Begehrlichkeit der Deutschnationalen mit dieser bescheidenen Rolle sich nicht zufrieden zeigte. Im übrigen haben wir wiederholt betont, -aß für uns neben der Frage des Antisemitismus und seiner entschlossenen Bekämpfung die religiöse« Probleme des politischen Lebens die entscheidende Bedeutung besitzen. Hier aber ist das Zentrum diejenige Parier, die aus Tradition und ureigenstem Interesse jederzeit für das orthodoxe Judentum eintrete« und ihm treue Hilfe leisten wird in dem schwere« Kampfe, den wir als Träger der Gotteswahrheit gegen den auflösenden Radikalismus in allen seinen Formen zu führen haben. Wie man also auch grundsätzlich zu den Parteien der Linken stehen mag — es liegt uns ferne, gegen sie Stimmung zu machen — Pflicht und kdealer Interesse fordern diesmal von jedem bewußten gesehestreuen Juden in Deutschland klares, unzweideutiges Eintreten für die Zentrumspartet Red. d. „Israelit". ♦ * * Zur Feststellung. Der Verein „Achduth" (Ortsgruppe Berlin) hat Kngst einen Aufruf erlassen, der, wie ich höre, auch nach auswärts versandt worden ist. Ber den Unterschriften der Mitglieder des Rabbinischen Ausschusses ist auch mein Name genannt. Ich bemerke hierzu, daß ich weder Mitglied des Vereins noch seines Rabbinische« Ausschusses bin und mein Name ohne mein Wisse« unter den Aufruf gesetzt worden ist. Rabbiner Dr. M. Silberberg-Berlin. Berichtigung. Bei der Besprechung der Breuerschen „Elijahu" in der letzten Nummer des „Israelit" hat der Autor der Besprechung vergessen, den Verlag anzugebe«. Das Buch ist erschienen bei I. Kausfmann» Frankfurt a. M. Familiennawrichten. Barmizwo: Isak, Sohn des Herrn Moses König und Frau Esther in Hamburg, xs'n D p*v.

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